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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-08-12 · Heft 32 (12.8.1898) · p. Seite 378

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 32 (12.8.1898)
Date
1898-08-12
Page
Seite 378 (sequence 6)
Language
German
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378 Gin Gartenbaukursus. Bon S. Rosenbaum, Lehrer in Rybnik. J§ ist jetzt schon eine Reihe von Jahren her, daß — durch die antisemitischen Angriffe hervorgerufen — in die die Judenheit bewegenden Fragen die Forderung: „Hebung des Ackerbaues und des Handwerks" hineingeworfen wurde. Seitdem ist schon viel über diesen wichtigen Gegenstand geschrieben, sind schon viele Beschlüffe in Vereinen und speziellen Versammlungen gefaßt worden. Doch zu Thaten ist es bis jetzt nicht gekommen. Auch die am 24. Oktober vorigen Jahres in Berlin stattgefundene, von der freien israelitischen Vereinigung einberufene „Konferenz betreffend innere Kolonisation" ist über Beschlüffe hinaus nicht gelangt. Um so erfreulicher sind die Ergebniffe einer Konferenz des Vereins jüdischer Lehrer und Rabbiner Oberschlesiens, die im Dezember in Beuthen abgehalten wurde. Hier hielt der für diese Bestrebungen sich warm interessirende Waisenhausdirigent Katz aus Rybnik einen Vortrag, der einen solchen Enthusiasmus unter den Konferenzmitgliedern hervorrief, daß sich in auflodernder Begeisterung sogleich sechs Lehrer bereit erklärten, an einem an dem Waisenhause in Rybnik abzuhaltenden Acker- und Gartenbau- und Handfertigkeitskursus theilzunehmen. Sogleich ging der genannte Anstaltsdirigent energisch ans Werk, und es gelang ihm trotz mannigfachen Widerstandes, der ihm leider auch von Lehrern geleistet wurde, den genannten Kursus ins Leben zu rufen. Am 25. Juli begann der Kursus für jüdische Lehrer, der erste in seiner Art. Den Unterricht im Gartenbau, zu welchem Zweck ein Gartenstück des Waisenhauses in einen Schulgarten umgewandelt wird, ertheilt der über die Grenzen Schlesiens hinaus rühmlichst bekannte Kreisobergärtner Kynast aus Peiskretscham. Den Handfertigkeitsunterricht leitet der Anstaltsdirigent. Die Kosten des gesammten Kursus, Reisen, Beköstigung, Unterrichtsgebühren, werden von den Gemeinden und Vereinen Oberschlesiens bestritten. Welch außerordentliche Bedeutung dieser Kursus für die ganze neue Bewegung haben wird, läßt sich heute noch nicht übersehen. Zunächst steht zu erwarten, daß andere Lehrervereine dem gegebenen Beispiele folgen und derartige Kurse abhalten werden, um die Lehrer zu befähigen, ihren Schülern für den Ackerbau und das Handwerk Lust und Liebe beizubringen. Ferner dürften auch die jüdischen Seminarien, angespornt durch die Erfolge der Lehrer, diese Disziplinen in ihren Stundenplan aufnehmen. Und endlich würde sich der Wunsch obengenannter Konferenz erfüllen, wonach Schulgärten bei allen israelitischen Schulen und Waisenhäusern eingerichtet werden sollen. Der Kursus — der 10 Tage dauern soll — wurde durch einen Akt im Festsaale der Anstalt eingeleitet. Zu diesem Zwecke hatten sich außer den den Kursus absolvirenden Lehrern die Leiter desselben sowie der Vorstand und die Repräsentanten der hiesigen Gemeinde eingefunden. Zunächst verstattete der Anstaltsdirigent dem Vorstandsvorsitzenden, Herrn Rathsherr Prager, das Wort. In einer begeisterten Ansprache begrüßte Letzterer die Kursustheilnehmer und wünschte dem Kursus und den Bestrebungen guten Erfolg. Alsdann richtete Herr Katz an die Versammelten eine wärme Begrüßungsrede, dankte dem Vorstand für sein Erscheinen und schilderte den Gang der Bestrebungen, deren Erfolg unser Kursus ist. Zum Schluß ergriff Herr Semmel das Wort, der Namens der KursuStheilnehmer für die warmen Begrüßungsworte dankte. Dann ging eS sogleich an die Arbeit. Der Kursus soll durch eine Prüfung geschloffen werden. Zu dieser werden die sich für denselben interessirenden Gemeinden Einladungen erhalten. Die Theilnehmer werden Diplome über ihre Leistungen erhalten. Ueber den Verlauf des Kursus und die Prüfung werde ich nächstens berichten. Are jüdische Bevölkerung in den Urreinigten Staaten Nord-Amerikas. Bon Dr. M. Kayserling. ie Augen der ganzen Welt sind gegenwärtig auf Amerika gerichtet. Die vor und seit Jahrhunderten von Spanien begangenen Sünden werden jetzt von Amerika geahndet. In dem tief gedehmüthigten Spanien, das die Juden verbannt und das Verbannungsdekret vom 31. März 1492 noch immer nicht aufgehoben hat, wohnen heute kaum einige Hundert Juden, welche stillschweigend geduldet werden; wie viel Bekenner des Judenthums wohnen als freie Bürger in den durch Handel und Industrie mächtigen Vereinigten Staaten Nord-Amerikas? Die Vereinigten Staaten, die Glaubens- und Gewiffensfreiheit zum Grundprinzip ihrer Verfaffung erklärt haben, kümmern sich nicht um das religiöse Bekenntniß ihrer Bürger; es fällt daher schwer, die Zahl der Juden, welche in diesen freien Staaten wohnen, genau anzugeben. Nach den Mittheilungen, welche Gerson Mendes Seixas, der nahezu ein halbes Jahrhundert Rabbiner in New-Iork war, der Schriftstellerin Hanna Adams, von der eine auch ins Deutsche übersetzte „Geschichte der Juden" erschien, im Jahre 1812 machte, lebten in New-Iork fünfzig Familien und mit Denjenigen, welche der jüdischen Gemeinde als Mitglieder nicht angehörten, im Ganzen ca. 400, in Pennsylvanien 80 bis 100, in Süd-Carolina ungefähr 1000 Juden. Mordechai M. Noah schätzte die Zahl der jüdischen Bevölkerung in den Vereinigten Staaten im Jahre 1818 auf 3000, und der Amerikaner S. Gilman im Jahre 1826 auf höchstens 6000. Schon im Jahre 1846 wohnten nach der Angabe des Rabbiners Isaak Leeser in New-York 10000, in Philadelphia 1800, in Baltimore 1500 und in Virginia 600 Juden. M. A. Berck giebt in seiner 1848 erschienenen „Geschichte der Juden dis auf die Gegenwart" die Zahl der Juden in den Vereinigten Staaten „nach bester Information" auf 50 000 an, und zwar 12—13 000 in New- Iork, 4000 in Philadelphia und 1000 in Baltimore. Nach Rabbiner I. I. Lyons und Professor Abraham de Sola, welche 1854 einen Kalender Herausgaben, -gab es in dem genannten Jahre in den Vereinigten Staaten, Kanada und West-Indien 97 jüdische Gemeinden, deren Zahl bis 1880 auf 270 gewachsen war. Die Union der amerikanisch-jüdischen Gemeinden, welche 1880 eine Statistik der Juden in den Vereinigten Staaten veröffentlichte, weist eine Zahl von 230257 Juden aus, davon entfielen auf New- Aork Stadt und Staat 80 565, Kalifornien 18 580, Illinois 12 625, Philadelphia 12 000. Baltimore 10000. Bis zum Jahr 1888 war die Zahl der Gesammtdevölkerung nach Isaak Markens in seiner Schrift „Die Juden in Amerika" auf 4M 000 gewachsen, wovon 125 M0 allein in New-Iork wohnten. Von 1881 bis 1886 waren 114 0M Juden aus Polen, Rußland, Deutschland und Rumänien

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