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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-08-05 · Heft 31 (5.8.1898) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 31 (5.8.1898)
Date
1898-08-05
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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von Karlsruhe sowie die Gemeindevorsteher Herr Julius Mayer und Herr Rothschild. Nachdem die in Baden-Baden wohnenden Israeliten die Rechte einer Gemeinde erhalten batten, ging man, dank der Thatkraft des Herrn Vorstehers Julius Mayer, an die Verwirklichung der längst gehegten Idee. Herr Professor Levy dahier, der bekannte Erbauer der Synagogen zu Kaiserslautern, Pforzheim, Barmen und Straßburg, wurde mit der Anfertigung des Synagogenbauplanes beauftragt. Am 20. d. Mts. fand nun unter der Theilnahme der Gemeindemitglieder, vieler Kurgäste und von auswärts erschienener Ehrengäste die feierliche Grundsteinlegung in einer herzerhebenden Weise statt. Unter den anwesenden Ehrengästen bemerkten wir Herrn Regierungsrath Dr. Mayer von hier als Vertreter des großherzoglichen Oberraths sowie die Rabbiner Dr. Fürst von Mannheim, Dr. Appel von hier, Dr. Rawicz von Offenburg und den als Kurgast in Baden weilenden Herrn Dr. Stößer von Stuttgart. Herr Rabbiner Dr. Mayer von Bühl, zu dessen Bezirk die Stadt Baden gehört, hielt die feierliche Ansprache, und Herr Vorsteher Julius Mayer verlas die von ihm verfaßte Urkunde, die eine Geschichte der israelitischen Gemeinde Baden und des Synagogenbaues enthält. Bei Vollziehung der üblichen drei Hammerschläge, sprachen Herr Regierungsrath Dr. Mayer, sämmtliche anwesende Rabbiner Herr Professor Levy und einzelne Ehrengäste (darunter auch Christen) erhebende Worte. Am Abend fand für die Festtheilnehmer ein von der Gemeinde Baden gegebenes Festmahl statt, das durch zahlreiche, geistvolle Reden seine Würze empfing. Die israelitische Gemeinde Baden darf auf das wohlgelungene, von ihr veranstaltete Fest mit Befriedigung blicken, sie hat bewiesen, daß, wenn sie auch die jüngste, doch nicht die geringste unter den Gemeinden Badens ist. Möge die opferfähige, kräftig emporstrebende Gemeinde, die sich die Sympathien weiter Kreise erworben hat, überall wirksame Unterstützung finden, daß sie das begonnene Werk würdig zu vollenden vermag. Schweiz. Zürich, 31. Juli. Der Verein jüdischer Studirender „Hessiana" in Zürich sendet uns folgende Mittheilungen: Wie Sie unserem Aufrufe entnehmen können, findet ein Studententag unmittelbar nach dem Zionistenkongreß in Basel daselbst statt, und zerfällt dieser in einen allgemeinen Studententag und einen Delegirtentag. Während der letztere die oberste Behörde des künftigen Verbandes der zionistischen akademischen Vereine ist und infolgedessen nur innere Angelegenheiten desselben behandelt, hat der allgemeine jüdische Studententag eine ganz andere, viel weitergehende Bedeutung. Derselbe soll die Gelegenheit bieten, den Zionisten wie Nicht-Zionisten (unter den jüdischen Akademikern) sich über den Zionismus und sein Verhältniß zu den anderen Strömungen der jüdischen Gegenwart auszusprechen, ihre pro und contra darzulegen und so den Zionismus, der; doch schließlich auch seine Gegner als eine wichtige Bewegung innerhalb des Judenthums anerkennen, nach allen möglichen Richtungen hin aufzuklären und zu beleuchten. Wir laden daher ein diejenigen Gegner des Zionismus unter der jüdischen akademischen Jugend, die es ehrlich mit der Sache des jüdischen Volkes meinen, diese Gelegenheit zu ergreifen und durch „die Macht der Argumente und der Logik Kettenschlüsse" ihre Gegnerschaft zu begründen und ihre Vorschläge und Ansichten darüber, wie dem jüdischen Volke zu helfen wäre, vorzubringen. Wir hoffen, daß die jüdische akademische Jugend aller Richtungen diesem Rufe nach Basel folgen wird, und betonen, daß, obwohl von Zionisten ins Leben gebracht, der allgemeine Studententag, seinem Namen entsprechend, ein wahrer jüdischer Studententag sein und Allen im gleichen Maße die Möglichkeit geben wird, ihre Ansichten zum Ausdruck zu bringen. Bis jetzt sind folgende drei Referate mit Diskussion in Aussicht genommen: „Zionismus und Assimilation", „Zionismus und Sozialismus", Zionismus nnd Volksaufklärung". Die Herren Studenten jüdischer Nationalität, die am Studententage theilnehmen wollen, werden ersucht, sich bei der Kommission des Vereins „Hessiana" anzumelden, die ihnen dann Eintrittskarten zusenden wird. Als Gäste haben zum allgemeinen Studententag alle Herren Zutritt, die entweder Delegirte am Zionistenkvngreß sind oder Eintrittskarten zu demselben haben. Jede Auskunft ertheilt die Kommission des Vereins „Hessiana" per Adresse E. Weintraub, Zürich, Eidgenössisches Chemiegebäude. Oesterreich - Ungarn. □ Wien, 1. August. Leider ist in Galizien noch nicht überall die Ruhe eingetreten, die unseren armen gequälten Glaubensbrüdern so Noth thäte nach all den Stürmen, die sie in der jüngsten Zeit zu erdulden hatten. So meldet man: „Trotz des Standrechts wurde in der Nacht vom 24. auf den 25. Juli der jüdische Schänker David Grünberg in Przydonice (Bezirk Neu-Sandec) von einer Bauernbande überfallen und zum ersten Male ausgeplündert. Und dennoch werden fortwährend Plünderer von den Gerichten zu längeren Freiheitsstrafen verurtheilt, wie in Krakau, Rzeszow u. a. O. — Auch in Jaslo wurden vom Kreisgericht wegen der antisemitischen Exzesse in den Bezirken Krosno, Strzyzow und Gorlice des Verbrechens der öffentlichen Gewaltthätigkeit schuldig befunden und verurtheilt, ein Angeklagter zu viermonatlichem, mit Fasten verschärftem schweren Kerker, zwei Angeklagte zu vierwöchentlichem und einer zu zweiwöchentlichem Kerker. Dies sollte doch die Bauern von weiteren Plünderungen abhalten, allein ein galizisches Bauernhirn ist eben anders beschaffen; oder aber ist die Belohnung, die ihnen in Aussicht gestellt wurde, wenn sie die Juden vernichten, eine solch ausgiebige, daß sie sich im Hinblick darauf auch einsperren lassen. — Dort wäre möglicherweise sogar Herrn Alexander Purscht Gelegenheit gegeben, zu brilliren und die Welt durch seine strengen Rechtsgefühle in Bewunderung zu versetzen, was ihm hier nun durchaus nicht gelingen will: denn obgleich als Geschworener ausgeloost, wird er doch regelmäßig bei jeder Gerichtsverhandlung, zu der er sich mit größter Pünktlichkeit einstellt, stets von der Verteidigung, auch aus antisemitischen Kreisen, in den letzten Tagen sogar vom Staatsanwalt selbst, abgelehnt; dies sollte der ehemalige Freund Dr. Luegers sich doch endlich merken und jener Stätte fern bleiben/ wo das Recht und die Sitte herrscht. — In Neulengbach wurde der Katechet Pater Franz Klingenbauer aus Hutten wegen Verletzung des Schulknaben Hermann Schlesinger, den er an den Ohren in die Höhe gehoben, mit der Faust auf die Nase und den Mund geschlagen, so daß der arme Junge nach 30tägiger Krankheit eine Verletzung des Trommelfelles davontrug, zu einer Geldstrafe sowie zum Ersatz der Heilkosten verurtheilt. — Wie die „Wr. Ztg." verlautbart, hat der Kaiser dem Direktor der österreichischen Bodenkreditanstalt Julius Herz das Komthurkreuz des Franz Josef-Ordens verliehen und den ordentlichen Professor der semitischen Sprachen an der Wiener Universität Dr. David Heinrich Müller zum wirklichen Mitglied der Akademie der Wissenschaften bestätigt. — Der in Meran vor Kurzem verstorbene ehemalige Präsident des Egerer k. k. Kreisgerichts, Rudolf Englisch, hinterließ letztwillig der dortigen Kultusgemeinde ein Legat von 100 Gulden, als Beitrag zur Anschaffung einer neuen Ampel für das ewige Licht in der Synagoge. L. Budapest, 13. Juli. Die traurigen Ereignisse in Westgalizien haben auch in Ungarn, namentlich in den an der Grenze gelegenen Komitaten, große Beunruhigung hervorgerufen. Zahlreiche Rädelsführer der Plünderer und Mordbrenner haben sich nämlich infolge der Proklamirung des Belagerungszustandes über die Grenze geflüchtet, und die Bevölkerung befürchtet, daß sie auch hier ihre eifrige Thätigkeit fortsetzen werden. Die Behörden haben sofort Verfügungen zur Hintanhaltung etwaiger Unruhen getroffen. Eine stark vermehrte Grenzwache hält die Unruhestifter auf, und die Lokalbehörden verfolgen mit großer Aufmerksamkeit die Bewegung unter der Bevölkerung. Pater Stojalowsky, der in Csücza seine Hetzblättchen drucken ließ, wurde ausgewiesen, und seinen Gesinnungsgenossen aus Galizien, die sich zur Zeit in Ungarn aufhalten, steht dasselbe Schicksal bevor. Die jüdischen Flüchtlinge, die während der traurigen Tage in Ungarn Schutz gesucht und gefunden haben, kehren nunmehr in ihre Heimath zurück. —Der Landesverein der jüdischen Lehrer hielt vergangene Woche seine Hauptversammlung ab, die sich für die Errichtung und Erhaltung jüdischer Volksschulen in allen Kultusgemeinden aussprach und die Errichtung einer jüdischen Lehrerpräparandie für dringend nothwendig erklärte. Nach Erledigung der laufenden Angelegenheiten wurden Ministerialrath Dr. Ludwig Axamethy, Leo Veigelsberg, Ludwig Bischitz, Alexander Lederer u. A. m. zu Ehrenmitgliedern gewählt. — In Tab wurde der Bau einer Synagoge in Angriff genommen, ohne daß man für die Deckung der Baukosten gesorgt hätte. Der Bau wurde natürlich unterbrochen. Gewissenlose

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