Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 31 (5.8.1898)
- Date
- 1898-08-05
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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2 zu Essen a. Rh.) statt. Der rege Besuch seitens der Kollegen bekundete von Neuem, mit welchem Eifer die Lehrer Hand an den Ausbau der jüdischen Schule, besonders des Religionsunterrichts, legen. In das auf der Tagesordnung stehende Thema: „Der Bibelunterricht in der jüdischen Schule" theilten sich die Herren Seminardirektor Dr. Gutmann-Münster und Baum-Nheine. Ersterer referirte resp. kritisirte „Standes Präparationen zu den biblischen Geschichten des Alten Testaments" in gediegener, formvollendeter Weise. Baum besprach in längeren Ausführungen die Arbeit: „Einheitliche Präparationen für den gesammten Religionsunterricht in 7 Theilen von Gebr. Falke" (Hermann Schroedel-Halle). Genanntes Werk, besonders seine beiden ersten Theile, die für einfache Schulverhältnisse ausreichen, kann jedem Lehrer' als ein guter Rathgeber auf diesem Gebiete wärmstens empfohlen werden. Eine lebhafte Diskussion, an der sich Alle beiheiligten, knüpfte sich an die beiden Referate. In den sich anschließenden freien Besprechungen wurde noch manches gute Wort gesprochen; mit dankbarem Herzen wurde ganz besonders der jüngst von hoher Stelle aus gethanen Aeußerung, die Umwandlung der jüdischen Privatschulen in solche öffentlichen Charakters betr., gedacht. Mit dem Wunsche auf ein fröhliches Wiedersehen im Dezember schloß Herr Dr. Gutmann die Konferenz, aus der jeder Theilnehmer manch neuen und guten Gedanken zum Besten der jüdischen Schule mit sich nach Hause trug. 8t. Rheda (Westfalen), im Juli. Der Verein israelitischer Lehrer Westfalens und Rheinlands (Sitz Essen), welcher seit vielen Jahren durch seine Unterstützungskasse die Roth dienstunfähiger Lehrer, deren Wittwen und Waisen mildert, hat auch das Verdienst, durch alljährlich stattfindende Konferenzen viel zur Pflege der Kollegialität, zur Förderung des Schulwesens wie zur Hebung des Gottesdienstes beigetragen zu haben. In den letzteren Jahren waren es insbesondere die Lehrpläne für den Religionsunterricht an höheren und an Elementarschulen, welche Gegenstand der Berathung und der eingehendsten Besprechung abgaben. Die segensreiche Wirksamkeit der Konferenzen wurde auch in allen Gemeinden, in deren Mitte sie abgehalten, durch rege Theilnahme anerkannt. Daß die Lehrer auch die Unsicherheit ihrer Stellung, ihre geringe Besoldung besprachen und Mittel und Wege suchten, diese zu verbessern, wer wollte es ihnen verargen? Geht doch das Streben aller Menschen dahin, ihre materielle Lage zu verbessern. Leider ist nach dieser Richtung hin wenig erreicht worden. Die große Mehrzahl der jüdischen Gemeinden haben noch immer Privatschulen, an denen die Lehrer auf Kontrakt ohne Pensionsberechtigung angestellt sind, und die Gemeinden haben sich trotz aller Anregung und trotz der materiellen Vortheile, die ihnen eine öffentliche Schule bietet, aus allerhand kleinlichen Bedenken nicht entschließen können, bei der höheren Behörde die Oeffentlichkeitserklärung ihrer Schule zu beantragen. Der oben erwähnte Lehrerverein thut nach jeder Richtung seine Schuldigkeit und wird darin von den von Zeit zu Zeit stattfindenden Spezialkonferenzen kleinerer Bezirke unterstützt. Eine solche Bezirkskonferenz fand am 20. Juli in Hamm statt. Aus Einladung des Bezirksvorstehers, Herrn Lehrers Kaufmann-Ahlen, halten sich 10 benachbarte Kollegen eingefunden, um über die Frage zu berathen: „Welche Schritte müssen geschehen, um die Gemeinden zu veranlassen, die Oeffentlichkeitserklärung ihrer Schulen zu beantragen. Auch der Vorsitzende des Hauptvereins, Hauptlehrer Graf Essen, war der Einladung gefolgt, um den Verhandlungen beizuwohnen. Nachdem Herr Kaufmann die Erschienenen begrüßt und nochmals alle die kleinlichen, Allen bekannten Bedenken vorgeführt, welche die Gemeinden bisher abhielten, ihre Schulen zu öffentlichen zu machen, und nachdem Herr Mündheim-Hamm mitgetheilt, daß ein Antrag seiner Gemeinde an dem Widerstande der städtischen Behörde gescheitert sei, wie dies ja auch in einigen anderen Gemeinden der Fall gewesen sei, und nachdem endlich der Schriftführer darauf aufmerksam gemacht, daß es insbesondere darauf ankomme, die so schwer belasteten kleineren und mittleren Gemeinden zu überzeugen, daß sie bei einer öffentlichen Schule durch den Staatszuschuß entlastet werden, und daß diesen Gemeinden über den einzuschlagenden und mit Energie zu verfolgenden Weg, der zur Erreichung des Zieles führe, Belehrung werden müsse, wurde einstimmig beschlossen, den Herrn Rektor Dr. Adler-Berlin zu ersuchen, den Gemeinden die Vortheile einer öffentlichen Schule klar zu machen und ihnen die geeigneten Schritte, die zur Erreichung der Oeffentlichkeitserklärung führen, anzugeben. Herr Dr. Adler, der Mann mit dem warmen Lehrerherzen, der stets die Interessen des Lehrerstandes vertritt, so wurde betont, wird gewiß gern bereit sein, dem Wunsch der Konferenz nachzukommen. Die Lehrer selbst können in den kleineren und mittleren Gemeinden, wo das rechte Verständniß und oft auch der gute Wille fehlt, nichts thun als die von anderer Seite gegebene Anregung durch Belehrung zu ergänzen und zu unterstützen. Herr Kaufmann wurde damit betraut, den Beschluß der Konferenz dem Herrn Dr. Adler möglichst bald zu unterbreiten. In gemüthlicher kollegialischer Unterhaltung wurden sodann Erfahrungen aus dem Schul- und Gemeindeleben ausgetauscht. Zum Schluß erstattet Herr Graf auf Wunsch Bericht über den Stand unserer Unterstützungskasse. Es ging daraus hervor, mit welch großem Eifer und gutem Erfolge er die Kasse zu fördern bestrebt ist. Hoffentlich ist sein warmer Appell, namentlich an die jüngeren Kollegen, sich um Beiträge für die Kasse zu bemühen, an die immer größere Ansprüche gestellt werden, nicht ohne Erfolg. Köln, 2. August. Der Bericht des „Israelitischen Asyls für Kranke und Altersschwache" für das Jahr 1897 giebt Aufschluß über seine Wirksamkeit im verflossenen Jahr. Es wurden 37 Altersschwache und 416 Kranke in zusammen 21360 Verpflegungstagen verpflegt. Davon entfallen 9276 Tage auf Kranke, 12 084 Tage auf Altersschwache. Die Summe der Pfleglinge sowohl als der Verpflegungstage übersteigt nur um ein Geringes die des Jahres 1896, ein Umstand, der, wie schon in den früheren Berichten hervorgehoben worden ist, den beschränkten Raumverhältnissen entspringt, welche trotz der vermehrten Aufnahmegesuche, besonders seitens Altersschwacher, einer weiteren Ausdehnung unserer Thätigkeit ein Ziel setzen. Ganz besonders wird Mangel genügender Zimmer für Pensionäre der höher zahlenden Klassen empfunden. Zwar sind bereits im Kuratorium vielfache Erwägungen betreffs Vergrößerung des Hauses angestellt worden, allein nur durch einen völligen Neubau an anderem Platze kann eine gründliche Abhilfe für absehbare Zeit gewährleistet werden. Aber an ein solches Unternehmen ist bei den vorhandenen Mitteln, deren Zinsen für die Unterhaltung der Anstalt dringend erforderlich sind, nicht zu denken. Es ist also ein Neubaufonds zu schaffen. Hier finden hochgesinnte, mit Glücksgütern gesegnete Menschen eine gute Veranlassung, sich oder ihren verstorbenen Lieben ein dauerndes Denkmal in den Herzen der Armen und Beladenen zu setzen, welche sich nach einem sorglosen Lebensabend in hohem Alter oder nach Trost und Hilfe in schwerer Krankheit sehnen. Mit dem 31. Dezember 1895 schied Dr. Alfred Oppenheim nach siebenjähriger Thätigkeit als Hilfsarzt aus. Dagegen trat als Assistenzarzt Dr. med. Fritz Frank ein, der im Hause selbst wohnt. Dem Leiter der chirurgischen Abtheilung, Dr. med. Fritz Cahen, schuldet die Anstalt für seine ausgedehnte, opferwillige Thätigkeit wärmsten Dank. Dieser gebührt auch den Herren Dr. Wallerstein, Dr. Albersheim, Dr. Moses und Dr. Jsaac für seine uneigennützige Thätigkeit an der Poliklinik. Die gesammte Krankenpflege konnte von jüdischen Krankenschwestern geleistet werden, nachdem außer den dem „Verein für jüdische Krankenpflegerinnen" in Frankfurt a. M. angehörenden Schwestern auch noch andere hinzugezogen wurden. Zwei Kandidatinnen sind von München behufs Ausbildung in der Krankenpflege überwiesen worden. Alle Schwestern, vor allem aber die Schwester-Oberin Frieda Brüll, können mit innerster Befriedigung auf ihr hilfreiches Wirken zurückblicken, das ihnen den wärmsten Dank der Kranken und der Verwaltung sichert. Des Kuratorium besteht zur Zeit aus folgenden Herren: Karl Elhbacher, Vorsitzender, Jac. de Jonge, stellvertretender Vorsitzender, Louis Rothschild, Abraham Callmann, Rabbiner Dr. Frank, Heinrich Frank, Philipp Neckarsnlmer, Dr. Fritz Eltzbacher und Dr. B. Auerbach, dirigirender Arzt der Anstalt. A. Karlsruhe, 22. Juli. Der 20. d. Mts. war ein Ehrentag für die junge israelitische Gemeinde in Baden-Baden. Denn an diesem Tage fand die feierliche Grundsteinlegung ihres Synagogenbaues statt. Schon seit vielen Jahren empfand man das Ungenügende des räumlich beschränkten Detsaals, und man trug sich daher mit dem Gedanken, ein der herrlichen Bäderstadt würdiges Gotteshaus zu errichten. Da die Zahl der in Aaden-Baden ansässigen Israeliten eine geringe war, so mußte man/an die Mithilfe wohlthätiger, daselbst weilender Kurgäste appelliren. ' Um die Beschaffung eines Synagogenbaufonds machte sich besonders verdient der verstorbene Herr Oberrath Millstätter