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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-08-05 · Heft 31 (5.8.1898) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 31 (5.8.1898)
Date
1898-08-05
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 Hetzer verbreiteten unter der Bevölkerung, daß der Bau aus dem Grunde nicht fertiggestellt werden könne, weil das zur Einweihung nothwendige Christenblut noch nicht im Besitz der Gemeinde sei. Es kam zu Ausschreitungen, die aber bald unterdrückt wurden. — Dr. H. Alapy, Primararzt des Adele Brody-Kinderhofpitals, habilitirte sich an der hiesigen Universität zum Privatdozenten. Frankreich. Paris, 26. Juli. Heute jährt sich zum 92. Mal der Tag, an welchem das Pariser Synhedrion, bekanntlich eine Schöpfung Napoleons, seine erste Sitzung hielt. Es ist ein merkwürdiges Zusammentreffen, daß dieser Tag in dieselbe Woche fällt, in welcher um den Fall Jerusalems getrauert und geklagt wird. Die französischen Juden sind leider heute in der traurigen Lage, auch über den Zusammenbruch jener Hoffnungen zu klagen, die das Synhedrion von 1606 an die Erklärung ^der Menschenrechte knüpfte. Griechenland. s. Athen, im Juli. Wenn die Juden bei dem Polizeimeister von Larissa sich beklagen, daß die thessalische Bevölkerung gegen sie exzedire, so antwortet derselbe: genau dasselbe kommt in Paris vor, und oft genug werden die Klagesteller noch auf einige Stunden oder Tage eingesperrt. Besser geht es den Juden in Volo, wo die Ortsbehörden sich energisch und gerecht erwiesen. Kürzlich empfing der Minister des Innern, der jetzt Thessalien bereist, eine Deputation der Juden von Volo, die ihm das Schicksal ihrer Glaubensgenossen in Larissa ans Herz legte. In der That versprach der Minister auch mit allen Kräften zu Gunsten der verfolgten Juden zu interveniren. In Larissa hat sich dagegen ein ganzes Komitee von angesehenen Christen, unter denen sich auch der Bürgermeister und andere Gemeindeorgane befinden, gebildet, um die Verfolgung der Juden in aller Form zu betreiben. Der Oberst Bassos, der vom besten Willen den Juden gegenüber beseelt ist, kann bei der allgemeinen Mißstimmung auch nichts thun, denn selbst seine Soldaten verweigern ihm den Dienst, wenn es gilt, für die Juden einzuschreiten. Amerika. B. Philadelphia, im Juli. In der Kolonie Woodbeyne gehen die Dinge auch nicht, wie sie eigentlich sein sollten. Kürzlich war die Verwaltung genöthigt, mit Hilfe der Polizei zwölf Familien aus dem Dorfe zu verweisen, weil dieselben nach Verlauf von sechs Jahren noch immer das ihnen zugewiesene Terrain entweder gar nicht oder nur ungenügend tultivirt hatten. Bei der seinerzeitigen Eintheilung erhielt jede der 64 Familien, welche die ersten Ansiedler bildeten, 15 Acker Landes. Davon sollte ein Acker mit Weintrauben, 2-/2 Acker mit Beerenobst, ein Acker mit Obstbäumen bestanden sein, während der Rest des Landes nach Belieben bepflanzt werden sollte. Die zwölf ausgewiesenen Familien haben nun zum Theil ihr Land überhaupt nicht bearbeitet, und man kann daher der Verwaltung nicht übelnehmen, daß fie sich genöthigt sah, mit diesen Elementen einmal aufzuräumen. Ebenso wenig wird man aber überrascht sein dürfen, daß in den jüdischen Zeitungen, oder wenigstens in einem Theile derselben, chie heftigsten Angriffe gegen die Verwaltung publizirt werden, denn es) ist eine üble Gewohnheit, besonders unserer russischen Glaubensgenossen, chie Verwaltung der Kolonien für alle Fehler verantwortlich zu machen, welche sie selber begehen. Don Nah und Fern. — Der Berliner Turner Alfred Flatow hat den 1. Preis im Einzeln-Wettturnen zu Hamburg errungen. — Sanitütsrath Dr. Joseph Sam ter in Charlottenburg hat dem Magistrat von Königs bet g eine Spende von 3000 Mark überwiesen, deren Zinsen am Sterbetage des Sohnes des Spenders einem bedürftigen Angehörigen des Aerztestandes ohne Unterschied der Religion zufallen sollen. — Dr.med. E. Apolant in Belgard wurde zum Oberarzt der Reserve befördert. — In Friedberg (Hessen) feiert der Israelitische Krankenverein am 7. August d. I. das Fest seines 100 jährigen Bestehens. — Ter Großherzog von Hessen hat dem Badearzt Dr. Schott in Mannheim, der die Kaiserin von Oesterreich behandelt, den Profeffortitel verliehen. — In vergangener Woche starb in Hofgeismar, 5t Jahre alt, der Lehrer Levi, der in langjähriger gesegneter Thätigkeit allgemeines Ansehen gewonnen. — Eine vertrauliche Konferenz chasstdisch gesinnter Rabbiner hat vergangene Woche in S.-A. Ujhely in Ungarn ftattgefunden. Die Resultate der Verhandlungen werden streng geheim gehalten. — In Krakau hat die Gerichtsverhandlung gegen neun Bauern, lauter junge Burschen, stattgefunden, welche in Rozdziel zwei Wirthshäuser von Juden plünderten und das geraubte Gut auf bereitstehenden' Wagen fortführten. Die Angeklagten waren geständig. Die Rädelsführer erhielten vier Monate Kerker, vier Andere zwei und drei Angeklagte je einen Monat Kerker. — In Bukarest ist kürzlich durch ein jüdisches Komitee eine Handels- und Gewerbeschule eröffnet worden, welche eine große Lücke auszufüllen bestimmt ist. Die kleine Zahl von rumänischen Handels- und Gewerbeschulen nimmt jüdische Schüler fast gar nicht auf. In die neue Schule, die von der Jewish Colonisation Association 42 000 Francs Subvention erhielt, sollen 50 Schüler ausgenommen werden. — In Villefranche ist Frau Amelie Pollonaisgestorben, eine Frau, die ihr ganzes Leben der Erziehung und der Wöhlthätigkeit gewidmet hatte. — Eugene Simon in Paris, der Vizepräsident des Generalsyndikats für Handel und Industrie, ist zum Ritter der Ehrenlegion ernannt worden. — In Versailles ist am 23. v. M. der bekannte Schriftsteller Hippolyte Rodrigues im 65. Lebensjahr gestorben. Er war früher Kaufmann. — Nathan Levy vom Pariser Rabbinerseminar ist zunächst zum Großrabbiner von Korfu gewählt worden. — Car. Aristo Mortara ist zum Vizepräsidenten des Gerichtshofes in Bologna ernannt worden. — An Stelle des eingegangenen Rabbinerseminars in Rom soll nun ein solches iu Florenz, wo bekanntlich Rabbiner Dr. Margulies so segensreich wirkt, be gründet werden. — Die jüdische Gemeinde zu Odessa hat Herrn Rabbiner Ma se in Moskau zu ihrem Stadtrabbiner wählen wollen. Dieser hat jedoch die ehrenvolle Wahl abgelehnt. — Aus Baku wird gemeldet, daß dort grobe Ausschreitungen gegen die jüdischen Bewohner stattgefunden haben. Der Pöbel drang in jüdische Häuser und Kaufläden ein, plünderte und verwüstete alles und mißhandelte die Juden. Ein jüdischer Knabe verlor dabei sein Leben. Die Polizei schritt endlich ein und verhaftete mehrere Exzedenten. Der materielle Schaden, den die Mißhandelten erlitten haben, ist enorm. — In Tabasthust (Finnland) wurde infolge einer Preßagitation die Schechitah verboten. Den Bemühungen des Herrn Rosenthal in Helstngfors gelang es, die Aufhebung des Verbotes durch Vorlegung von Gutachten zu bewirken. — Infolge der Meinung, daß die Juden in Palästina einen unabhängigen Staat gründen wollen, was natürlich der hohen Pforte nicht recht wäre, da sie ohnehin Schwierigkeiten genug hat, erhielt der Pascha von Jerusalem Befehl, die Einwanderung von Juden streng zu überwachen. Er konstituirte deshalb einen besonderen Ueberwachungsrath. Jeder jüdische Einwanderer muß 1000 Francs Kaution stellen, daß er in 30 Tagen das Land wieder verläßt. Wer diese Summe nicht zahlt, darf nicht landen. Vorerst gilt die Verordnung für Israeliten aus Rußland, Oesterreich-Ungarn und Rumänien. Eine Bestätigung dieser Nachricht bleibt abzuwarten. — In Johannesburg endete der Prozeß gegen den der Ermordung des Bankiers Wolfs Joöl angeklagten Veltheim mit der Freisprechung des Angeklagten. Der Spruch der Geschworenen wurde mit lautem Beifall ausgenommen. Veltheim wurde indessen gleich nach der Verkündigung des Urtheils wegen versuchter Gewaltthätigkeit und Erpressung wieder verhaftet. Als Zeugen wurden der Bruder des Ermordeten Sally und ein Detektiv aufgerufen. — Auch in der kleinen Gemeinde zu Hongkong hat die Pest schwere Opfer gefordert. Kürzlich starb an dieser Seuche der Sohn des Vorstehers E. R. Belilios, ein hoffnungsvoller Jüngling. — In San Paolo starb am21.v. M. in hohem Alter Donna Grazia Amzalek welche aus der Familie Moyses Levi in Triest stammte. — In der Stadt Christchurch (Neuseeland) ist ein Jude, Mr. Louisson, der 1865 hier eingewandert ist, zum dritten Mal zum Bürgermeister gewählt worden, ein schönes Zeichen der Achtung, die er sich bei seinen Mitbürgern zu erwerben verstanden hat. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin. MsMM

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