Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 31 (5.8.1898)
- Date
- 1898-08-05
- Page
- Seite 370 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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mm 370 lfcVpS nsntT1)- Halten Sie das Erhalten für eine andere Arbeit? Glauben Sie da einen Mann, der an der Spitze steht, entbehrlich? Sie können also Herrn Joel Meyer in Beantwortung seines an Sie gerichteten Schreibens geradezu erklären, daß ich bis Ende dieses Jahres keinesfalls in Berlin sein kann. Ich danke ungemein für das mir gewordene Vertrauen und fühle mich durch den Antrag sehr geehrt, kann ihm aber für jetzt durchaus nicht entsprechen." EUILLETON Nie Rose von Saron. Eine Erzählung. VI. ie traten durch eine niedrige Thür ein, welche ein Diener £ öffnete, indem er sich ehrfurchtsvoll vor dem Propheten verbeugte. Nachdem sie eine gewölbte Thorhalle durchschritten, standen sie in dem Hofe des Hauses. Nach der Sitte der Morgenländer war der Hof viereckig, um ihn herum reihten sich die Gemächer des niedrigen Hauses an einander. Inmitten des Hofes waren Gartenanlagen zu sehen und zwischen den Rosengebiischen ein glänzender Springquell. Sanfte, schauernde Kühle ging von diesem Mittelpunkte des Hofes aus. lieber dem Raume prangte der tiefblaue, glänzende Himmel mit seinen Lichtern. Die Fensteröffnungen der Gemächer, die ringsum auf diesen Hof stießen, waren nicht erleuchtet, als seien sie gar nicht bewohnt. Die westliche Seite des Gebäudes aber war offen, das heißt von Säulen gestützt, die den Ueberblick in den weiten Raum einer Halle gestatteten. Im Hintergründe dieser Halle brannte eine helle, von Olivenöl genährte Lampe und strahlte bis in den Hof heraus. Zwischen den Säulen ragten zierliche, hohe Eisengitter. Zwei oder drei Eingänge aber waren frei. An einen, dieser Gitter lehnte ein Mann, welcher über den Hofraum blickte. Der Strahl der Lampe fiel in ganzer Fülle auf diese hohe Gestalt. Der Prophet und der Edomiter eilten der Halle zu, worauf an deren Eingang der erwähnte Mann trat, ohne jedoch den Ankömmlingen einen Grus; zuzurufen. „Sei gegrüßt, mein Sohn!" sagte der Prophet, und seine Stimme verricth eine gewisse tiefere Empfindung. Reson legte die Hand auf die Stirn und neigte sodann das Haupt. Der Mann in der Halle blickte den Edomiter mit Ueberraschung und zufriedenem Lächeln an. Dann sagte er mit freundlicher Geberde: „Tretet herein, meine Freunde!" „Im Namen des Herrn!" fügte der Prophet hinzu, und sie gingen hinein. Der Fremde wies auf breite Matten von Bast hin, die, mit gestickten Flaumcnkisscn belegt, hart an den Wänden und rings um den Saal zu sehen waren. Der Fremde, eine hohe, kriegerische Gestalt, trug den kurzen Unterrock der Hebräer, welcher über den Hüften durch einen breiten, hohlen Gürtel festgehalten war. Dieser Gürtel war von feinem, festgewebtem Zeuge und von zahlreichen Silberfäden durchzogen, i) Deshalb heißt es (1. Buch Moses 2, 1): Gott habe die Schöpfung am 7. Tage vollendet (was doch eigentlich schon am 6 Schöpfungstage geschah), weil Gott am Ruhetage das ewige Fortbestehen der Schöpfung beschloß. demnach ein Beweis von Rang und Reichthum, denn nur die niedrigste Klaffe der Hebräer trug lederne Gürtel. Ebenfalls mit Silber gestickte Schnüre hielten den Säbel des Fremden um die Hüften fest. Der Säbel war eine prächtige Waffe, lang und krummgeschweift, mit funkelndem Griff, denn Edelsteine und Gold waren verschwenderisch daran zu schauen. Das Gesicht des Fremden war jugendlich, besaß aber scharfe Züge, um die dunkeln Augen wie die gerunzelte Stirn sprühten Trotz und Leidenschaftlichkeit. Sein Kinn war dicht umwuchert von glänzendschwarzem Bart, das lange Haupthaar von gleicher Farbe wallte frei nieder auf die mächtig entwickelten Schultern. Mit einem Worte — es war Jerobeam, der Flüchtling ans Palästina. „Mein Sohn," begann der Prophet, welcher gleich Reson den Sitz verschmäht hatte und von der Lampe bleich beleuchtet vor Jerobeam stand, „mein Sohn, da ist Reson, der Führer tapferer Männer zu Damaskus und der Kämpfer Edoms. Sein Wunsch aber ist, seine Streitkräfte mit den unserigen zu vereinen, daß Davids Haus in Edom und Israel falle." „Du sagst recht, Mann Gottes," versetzte der kühne Hebräer mit tönender Stimme. „Das ist Reson, der Führer tapferer Männer und selbst der tapferste. Seine Thaten sind bekannt." Der Edomiter sagte ruhig: „Ich und meine Männer achten Deine Thaten, kühner Jerobeam. Und dies ist die Absicht meines Kommens: Du mögest Deine ruhmvollen Waffen mit denen der Unterdrückten Edoms Vereinen. Wir aber sind nicht ohne mächtige Bundesgenossen, denn der herumirrenden Erbin Edoms sagte der Pharao Sisak seinen Schutz zu." — „Wie?" fuhr der Prophet von Silo auf. „Der Pharao?" „Wie ich sagte," fuhr Reson gelaffen fort, während Ahija und Jerobeam einen sonderbaren, von dem Edomiter nicht bemerkten Blick tauschten. „Wie ich sagte," wiederholte der Edoniiter. „Und das ist unseres Planes ganzer Inhalt. Wir haben die Männer zu Damaskus und Pharaos Hilfe. Seid Ihr gesonnen, auf diese Kunde unsere Verbündete zu werden?" „Bei dem Ruhme des heiligen Zion!" rief Jerobeam rasch. „Ich bin nicht der Mann, so tapfere Arme von der Hilfe an unserer Sache abzuweisen!" Der Hebräer trat näher und wollte Reson die Hand reichen. „Zögert!" rief der Prophet und trat zwischen die Beiden. „Eh' Ihr Euere Kämpfer vereinigt, rechnet die Antheile her, die Jeder zu gewinnen denkt. Denn der Kampf soll kein Schade werden an der Macht Israels." „Bei der großen Isis!" rief der Edomiter spöttisch. „Die Kinder Israel mögen gebieten von Dan bis Bersaba, wie früher. Edom wird nichts dawider haben. Aber das Erbe Hadad-Esers, des letzten Königs in Edom, soll ganz herausgegeben werden der Erbiil des alte» Thrones!" Jerobeam runzelte die Stirn mit wildem Ausdruck. „Wir wollen Eure Stämme freigeben, Edomiter!" sagte der gereizte Hebräer, und Nasmi mag herrschen in den Thälern Serr und von dannen abwärts den arabischen Wüsten zu. Aber die Länder Moab und Aamalek, die Hadad-Eser unterivorfen, und die Küstenstädte hier, wo die Schiffe Israels ankern, sollen nicht abgerissen werden vom Reiche Israel." „Verschlinge mich Isis, eh' ich das zugebe!" rief der Edomiter stürmisch. „Moab und Amalek und die Küstenstädte — das ist alles Edoms Eigenthum und Herrschaft. Ihr aber habt Euch