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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-08-05 · Heft 31 (5.8.1898) · p. Seite 369

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 31 (5.8.1898)
Date
1898-08-05
Page
Seite 369 (sequence 9)
Language
German
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369 wich vielleicht schmerzen, wenn ein Anderer, vielleicht ein minder Verdienter, den Ruf erhält?" Glauben Sie mir, mein ehrwürdiger Freund, gewiß nie; denn ich handle doch, wie ich handeln muß, und ich glaube kaum, daß wir, nach der Ueberzeugung unseres Gewissens handelnd, je Reue empfinden können. Ueberhaupt weiß ich, daß es noch genug verdiente Männer giebt, und Berlin wird keine Noth leiden. Eines thut mir vorzüglich weh: es ist Ihr Ausdruck, ich würde durch diesen Schritt zur Beglückung Ihres Alters beitragen. Ach, wie gern wollte ich dieses, wie gern mit Ihnen leben. 133# [bei meinem Leben.) Dieses ist fast der mächtigste Reiz, warum ich nach Berlin ginge, mit Ihnen zu leben nsn nD*lfc 'IMK *0 /"pö3 DnMK DPI; [unb mit anderen ausgezeichneten Männern, die Ihnen gleichen); doch es bleibt nur stets ein eitler Wunsch. Ich fühle, daß dieses mich beglücken würde, besonders bei der Leere, die sich hier kund thut, aber meine Pflicht, meine heilige Pflicht geht mir über alles. Wohl kann vielleicht eine Zukunft von zwei oder wenn auch nur anderthalb Jahren manches ändern; bis dahin, hoffe ich, wird hier die Synagoge erbaut und vieles eingerichtet sein. Aber wie wollen wir nmfcM WD [Sterbliche) von so einer langen Zeit sprechen? Für jetzt also ist meine Antwort negativ, und ich will Ihnen sowie Ihren geehrten Freunden danken für das Vertrauen, das Sie mir schenkten, dem ich aber leider nicht entsprechen kann. Einen schönen Zug muß ich Ihnen von dem Kultusministerium erwähnen. Man hat daselbst erfahren, daß ich nach Berlin einen Ruf erhalten habe, und man gab mir sogleich zu verstehen, daß ich aus der Staatskasse eine Gehaltszulage erhalten kann und nur nicht fortgehen soll. Ich schlug natürlich das freundliche und herablassende Anerbieten aus; denn ich ginge nicht wegen Geld und bleibe auch deshalb nicht. Ich habe einen höheren Richter denn Geld und Geldeswerth. Wenige Tage darauf starb die Gattin Muhrs, was dieser tief betrübt dem Freunde in Dresden mittheilte, gleichzeitig nochmals in ihn dringend, dem Rufe nach Berlin Folge gu geben. Am 27. April 1838 drückte Frankel in einem Schreiben an Joseph Muhr in gemüthvollen Worten seinen aufrichtigen Schmerz über diesen Todesfall aus. lieber die schwebende Rabbinatsangelegenheit schrieb er: „Ich komme nun zur Beantwortung des anderen Theils Ihres Briefes, und da kann ich wirklich sagen iHDH HUK [Sie haben mich betrübt, Freund!) Wohl war es nur eine bittere Aufwallung, daß Sie wähnten, ich sei begierig, mir beim vollendeten Werke die Lobrede zu halten. Denn ist wie weit noch alles hier von der Vollendung entfernt — cs ist kaum begonnen —; und lasse ich das Werk im Stiche, dann wird alles im Keime unterdrückt, und besser ist dann ich wäre nie hierher gekommen, denn jetzt würde der Muth so sinken, daß man nie würde mehr beginnen wollen. Glauben Sie mir, PIKT) mW HD XpK 1NDD aanb DJ pK rauch ein so kluger Mann wie Sie muß erst sehen und dann urtheilen); Sie können in der Ferne, wo stch Ihnen nur ein Bild aber keineswegs die Gegenwart repräsentirt, nicht darüber urtheilcn, wie wenn Sie, wenn auch nur einige Zeit, hier anwesend wären. Sie würden sich dann überzeugen, daß ich mein jetziges Fortgehen schwerlich vor meinem Gewissen verantworten könnte. JHPIK NM m- Bedenken Sie, welche Mühseligkeiten in Teplitz ich erfahren habe, auch hier war gerade noch kein sanftes Ausruhen. Nun würde in Berlin auch keine kleine Arbeit auf mich warten; denn im Falle auch die angesehenen Mitglieder der Gemeinde mir beiständen, und die Regierung sich endlich entschlösse, einzuwirken und thätig an dem Religionsstande der Juden theilzunehmen (und wie sehr ist zu zweifeln, daß sie solches auf eine Weise thun wird, daß der Rabbiner in ihr eine zuverlässige Stütze finden und nicht auf die Reaktion von anderwärts, wie vor nicht langer Zeit, hören wird): so wird es doch immer dort eine Opposition geben und ttP&O1) eben weil Berlin eine große Gemeinde ist, wird diese Opposition mächtiger sein. Und bedenken Sie nun npyi V)IU «Pi TllSü KP WH AM 2)- Glauben Sie mir, auch ich sehne mich nach Ruhe und Je größer, desto kräftiger. (Vergl. Buch der Richter 8,21.) 2) Ich habe mich noch nicht von den ersten Mühen erholt, und nun kommen neue Sorgen. (Vgl. Jjob 3,26.) bedarf wirklich der Erholung auf einige Zeit. Für jetzt ist mein Muth nicht so ungebrochen, daß ich mich in einen neuen Kampf der Parteien wagen wollte. Wie es in der Zukunft fein wird? Sie sagen. Sie hoffen, es ist von Gott bestimmt, daß ich nach Berlin gehe; wohlan, -QM KID 'Hö DK f° wird er mich stärken und meinen Muth ganz wiederbeleben, und ich werde wissen, es ist Zeit, dem Rufe zu folgen. So hören Sie denn, theurer Freund. Sie sagen, Berlin wird noch ein halbes oder ein ganzes Jahr warten. Ich wiederhole es: HdS.HJK MN D2V2 japn ’sbx «brr? ’mx töm1? idPd -2 .Px-i^'D xan SKItSD1) Doch sollte es einmal so sein, so werde ich dem Rufe folgen, so ich in mir fühle: '3JX 2/pmx D'VpDDN Dmi PX "}P 'Px PDK Sh IVltWPS ro ‘"pfHTK 2) und ich muß auch bei mir wissen, daß ich mein Weggehen von hier vor Gott verantworten kann, demnach kann ich jetzt nichts sagen." Wenige Wochen darauf, Ende Mai 1838, schrieb Frankel wiederum: „Geehrter Herr und Freund! Zu meinen glücklichsten Stunden rechne ich jene, in denen ich an Sie schreibe und mich im Geiste ganz zu Ihnen versetze. Und doch wird heute auch dieses Gefühl etwas getrübt: durch den Gedanken nämlich. Ihnen Kummer machen zu müssen, indem ich Ihnen offen sage, daß ich Ihren Wunsch durchaus nicht erfüllen kann. 1H3K DTIK L?MK, darum rede ich mit Ihnen, und ich hoffe, dieses Schreiben wird — wenn Sie auch den Inhalt mittheilen — doch Ihnen nur verbleiben, ganz offen und aufrichtig. Ich gehe, so lange nicht in Dresden alles gehörig geordnet ist, nicht nach Berlin, und ist hier alles geordnet, dann würde ich nur DttfS [um der guten Sache willens dem Rufe nach Berlin Gehör geben, aber nicht HDdSi H*DDS H*OK iTD [für meine Ehre oder für die meines Hauses). In der That kann ich wiederholen, was ich Ihnen am ersten Tage und in meinem ersten Briefe sagte: plfcJiD TlDÖlPl WC *6 DK 1D8 ''bv'1 * *) und der p-QD ist doch oft nur ein ND1PDN “TOD (scheinbar). Wohl ist es ein großes Wort,. Berliner Rabbiner genannt zu werden; allein theils hat Wortklang für mich keinen Reiz mehr, theils bin ich noch nicht mit mir darüber einig, ob ich auf solchen Namen mit Recht Anspruch machen kann. Hier fühle ich mich ganz am rechten Orte MK1 NDMN -HK-*) Wenn ich, für einen kleinen Kreis bestimmt, in diesem kleinen Kreise gehörig walte, so habe ich meine Lebensaufgabe erfüllt. Auch pekuniärer Vortheil zieht mich nicht an, dafür bin ich von Ihnen gekannt; also mich kann im Grunde gar nichts bewegen, von Dresden wegzugehen, wo mich die Gemeinde braucht und ich mich ziemlich wohl befinde. Ob aber meine Pflicht gegen die Gesammtheit Israels so weit geht, daß ich meine Ruhe opfern soll, um einen Theil zu retten (sei er auch ein großer), während ein anderer Theil zu Grunde gehe, daran zweifle ich. Mein Gewissen will es überhaupt nicht verantworten, Dresden zu Grunde gehen zu lassen, und verzeihen Sie, wenn ich es Ihnen aufrichtig gestehe, daß ich hierin nach keinem Anderen mich richten kann. Was ich bei mir einmal als Gewissenssache so oder so erkannt habe, davon kann ich nicht abgehen. Denn es ist nicht HDKD [ein strittiger Punkt in ritueller Angelegenheit!, wo es sich um die Entscheidung durch Stimmenmehrheit handelt; der innere Richter beugt stch nicht, und da heißt es mit Recht: kS dp Pr6)- Wundern muß es mich, wenn Sie, mein geehrter erfahrener Freund, hier auf die Theorie blos eingehen und den Dresdenern zurufen: D]-)K D'SHD [ihr seid allzu lässig). Sie sollen schnell einrichten, und dann kann ich fortgehen. Als wenn jede Masse nur ein Ganzes mit Wegwerfung jeder Spezialität wäre; als wenn es von den Guten einer Gemeinde stets abhinge, die Menge nach sich zu richten. Und sollte es Ihrem Scharfblicke entgangen sein, daß DDD SlH MK2 p bv 1) Bin ich der Einzige, vor dem Israel Heil erwarten darf? Ich bin einer der jüngsten in meinem Stamme. 2) Daß es Gottes Wille ist, dem an mich ergangenen Rufe Folge zu leisten. 3) Psalm 131,2. 4) Ob ich viel oder wenig leiste. 5) Ein unübersetzbares talmudisches Wortspiel mit 2H, das 2. Buch Moses, 23,2 Defekt lM) geschrieben und

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