Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 31 (5.8.1898)
- Date
- 1898-08-05
- Page
- Seite 364 (sequence 4)
- Language
- German
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364 der großen Fackelzüge am Abend zu mehreren blutigen Schlägereien. Wohl hatten die Judenfeinde in einer Nachmittagsversammlung diese Exzesse angekündigt, und die Behörden hätten leicht interveniren können, aber Herr Berseville, der den abwesenden Generalgouverneur vertritt, hütete sich wohl, etwas gegen die derzeitigen Herren von Algier zu unternehmen. Inzwischen haben die Antisemiten allerdings eine große Enttäuschung erlebt. Nicht der Senator Pauliet, sondern der Vizepräsident des Staatsraths, Lafferriere, ist zum Generalgouverneur von Algier ernannt worden. Aus der Berliner Gemeinde. Berlin, 1. August. ie Unzufriedenheit mit dem Parnassim oder, modern ausgedrückt: mit den Gemeindebehörden ist ein altes Erbübel. Untersucht man aber die Gründe dieser Unzufriedenheit eingehender, so erweisen sie sich gar oft als hinfällig. Seit Jahren wird die Agitation gegen den Berliner Gemeindevorstand hauptsächlich mit der Forderung nach neuen Synagogen betrieben, die ein dringendes Bedürfniß seien. Mit Recht hat ein Witzbold bemerkt, daß eine solche Forderung nur von Denen erhoben werden könne, die selbst nie in die Synagoge gehen. Nun hat der Vorstand auf Veranlassung der Repräsentantenversammlung vor einiger Zeit eine Enquete über den Synagogenbesuch in Berlin veranstaltet, deren Ergebnisse sicher auch für weitere Kreise von Interesse find. Die Zahl der im Bezirk I (Alte Synagoge) wohnhaften Censiten beträgt 1783. Synagogenplätze sind 1065 vorhanden, welche Anzahl flch für die Tage der Seelenfeier durch die Wiederholung des Gottesdienstes verdoppelt. Im Bezirk II (Neue Synagoge) wohnen 3434 Censtten. Synagogenplätze sind 2700 (für die Seelenseier 5400) vorhanden. Hierzu kommen die Plätze in den Synagogen der vier subventionirten Gemeinden Ahawas Scholaum, Adas Jeschurun, Oranienburger Vorstadt (Ohel Jizchak) und Reformgemeinde, an Zahl 2890, ferner an den hohen Festtagen die Säle des Hotels Imperial und des Berliner Handwerker-Vereins mit 1850 Plätzen. Hiernach find vorhanden im Bezirk II: a) für den sabbathlichen Gottesdienst . . . 5590 Plätze b) „ die Tage der Seelenseier .... 8290 „ e) „ die hohen Festtage. 7390 „ Im Bezirk III (Synagoge Kaiserstraße) wohnen 3163 Censtten. Die Zahl der Synagogenplätze beträgt 1463 (nach dem Umbau 1343), welche Anzahl für die Tage der Seelenfeier doppelt zu rechnen ist. Es treten hinzu die subventionirten Synagogen Lipmann Tauß und B'ne b'rith mit 842, ferner für die hohen Festtage der Konzertsaal Friedrichshain mit 1900 Plätzen, so daß vorhanden sind: a) für den sabbathlichen Gottesdienst . . . 2185 Plätze b) „ die Tage der Seelenfeier .... 3528 „ e) „ die hohen Festtage. 4085 „ Im Bezirk IV (Synagoge Lindenstraße) wohnen 4449 Censiten. Synagogenplätze sind 1800 (für die Seelenfeier 3600) vorhanden, zu denen an den hohen Festtagen noch der Saal des Deutschen Hofes mit 1000 Plätzen hinzutritt. Es sind noch vorhanden:. a) für den sabbathlichen Gottesdienst . . . 1800 Plätze b) „ die Tage der Seelenfeier .... 3600 „ c) „ die hohen Festtage. 2800 „ Im Bezirk V (Synagoge Lützowstraße) wohnen 3314 Censtten. Die im Bau begriffene Synagoge wird 1600 Plätze enthalten, welche Zahl sich für die Tage der Seelenfeier verdoppelt. Es treten hinzu die Plätze in der subventionirten Synagoge des Religionsvereins „Westen", an Zahl 663, sowie die Säle der Philharmonie und der Gesellschaft der Freunde an den hohen Festtagen mit 2460, endlich an den letzteren Tagen auch der von der Reformgemeinde veranstaltete Nebengottesdienst im Bechstein'schen Saale mit 470 Plätzen. Hiernach werden bei Eröffnung der Synagoge in der Lützowstraße für den Bezirk V vorhanden sein: a) für den sabbathlichen Gottesdienst . . . .2263 Plätze b) „ die Tage der Seelenfeier. 3863 „ . c) „ die hohen Festtage ....... 5193 „ In den zu keinem der vorgenannten Bezirke gehörigen Stadttheilen stellt sich das Berhältniß folgendermaßen: a) Luisenstadt jenseits des Kanals. Die Zahl der daselbst wohnhaften Censiten beträgt 501, Synagogenplätze in dem Gotteshaus der subventionirten Gemeinde Ahabat Reim 238, außerdem an den hohen Festtagen 1700 in Kellers Festsälen. b) Rosenthaler Vorstadt. Die Zahl der Censiten beträgt 998, diejenigen der Synagogenplätze in der subventionirten Gemeinde Beth Zion 228, wozu noch einige nicht subventionirte Privatsynagogen mit etwa 400 Plätzen treten. c) Thiergarten- und Hansa-Viertel. Die Zahl der Censiten beträgt 556, diejenigen der Plätze des subventionirten Synagogenvereins „Moabit" (Lesstngstraße) 108. d) Moabit. Die Zahl der Censiten beträgt 624; Plätze an den hohen Festtagen in den Hohenzollernsälen 1150. (Thiergarten-Hansa- Viertel und Moabit zusammen also: 1180 Censiten, Synagogenplätze 108, an den hohen Festtagen 1258.) e) Wedding und Gesundbrunnen: 115 Censiten. Ueber die Frequenz der Gemeindesynagogen sind am 8. Tage des Pessachfestes, ferner am 8. Mai 1897 Erhebungen angestellt worden, deren Resultat folgendes war: Es blieben Plätze leer: a) am achten Tage des Pessachfestes beim I. Gottesdienst: Alte Synagoge 249, Neue Synagoge 1629, Synagoge Kaiserstraße 198 (nur Männerplätze), Synagoge Lindenstraße 655; b) an demselben Tage beim II. Gottesdienst: Alte Synagoge 209, Neue Synagoge 1037, Synagoge Kaiserstraße 102 (nur Männerplätze), Synagoge Lindenstraße 127 (nur Männerplätze); c) am 8. Mai: Alte Synagoge 524, Neue Synagoge 2070 (Predigt), Synagoge Kaiserstraße 268 (Predigt), Synagoge Lindenstraße 1433. Bedenkt man, daß gerade die Festzeit aus naheliegenden Gründen für eine solche Enquete ganz besonders geeignet war, so ergiebt sich aus den aufgestellten Erhebungen von selbst die Grundlosigkeit jener Forderungen, die zur Zeit der Wahlagitation mit besonderer Leidenschaftlichkeit erhoben wurden. Es bleibt nur zu wünschen, daß jene Herren von den nach der statistischen Enquete leerbleibenden Plätzen in den Gemeindesynagogen recht ausgiebigen Gebrauch machen möchten. Eine venezianische Depesche über Sabbathai Zebi." Von David Kaufmann. Jit§ dem von R. Jakob Emden heransgegebenen ersten hebräischen Bericht über Sabbathai Zebi war die Angabe bekannt, daß der Bailo von Venedig oder, wie der Titel hier erklärt wird, der Ambassadeur resident der Republik in Konstantinopel über seine persönliche Begegnung mit dem falschen Messias und über dessen Wunder im Kerker einen Bericht in die Heimath geschickt habe?). Dank der ') Den Text der Depesche siehe Revue des etudes suives 34, 307 f. 2) mx:p>n min ed. Lemberg p. i3: bimn ntrn tnp3 smm Dni2n» t2x*i xr»jx»t2ip2i2 [= Bados 2712 X'2'2'11 IH p’^lSin ^2122 a:2m'2-> “)X“IX0X2»X -1122m “1222.-12 inirr nxn 112X p"i2 r6imi2 yin omirrtb nms srrrnnV rww am a^am aSirn bsio b 71122:12 mx» '2 01? amir ornSir n»2 mnx nbts> -jban nramna btpjb bv ibsn b nrrntmi 1212 i'^x 0x1221 /Vm-6 amav xini2 'x-1121 in» »20212 761m n-nn »71^2 nbaiir ,712-ix HJH2 X21'2 0'2“! O'O» 71122 '2 .»'UTl'^ IT 12»- Dieser erste Bericht Emdens stammt nach Graetz, Geschichte der Juden X, XXVIII, zum großen Theil aus Coenen.