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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-07-29 · Heft 30 (29.7.1898) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 30 (29.7.1898)
Date
1898-07-29
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 ab und huldigte seinem Ehrenmitglied in Anerkennung seiner ersprießlichen Thätigkeit für den Verein. Möge es diesem so hochgeachteten, verdienstvollen Mann vergönnt sein, noch recht lange in ungetrübter Kraft und Rüstigkeit die Früchte seiner unermüdlichen Thätigkeit zu genießen. N.Hamburg,24. Juli. Der Jsraelitifch-HumanitäreFrauen- Berein, der seine Entstehung der unermüdlichen Thätigkeit des Präses der hiesigen Henry Jones-Loge verdankt, erstattet soeben seinen Jahresbericht für 1897. Demselben ist Folgendes zu entnehmen: Unterm 16. Februar 1897 wandte sich der Verein an den Vorstand der Deutsch- Israelitischen Gemeinde, indem er anheimstellte, die Mitarbeit von Frauen in der Armenpflege herbeiführen zu wollen. Der Verein stellte seine Organisation für diesen Zweck zur Verfügung und hob hervor, daß in zahlreichen Fällen, wo es die moralische Aufrichtung der Familie gelte, die Thätigkeit hilfsbereiter Frauen vorzüglich wirken könne. Ja, das Fehlen solcher Mithilfe müsse als ein sittlicher Mangel empfunden werden. Der Vorstand nahm auch Bezug auf die überall jetzt sich erhebende Einsicht betreffs der Hinzuziehung der Frauen zu Wohlfahrtseinrichtungen und auf die von hamburgisch-staatlicher Seite in dieser Hinsicht getroffenen Maßnahmen. Noch ist indeß eine Antwort dem Vorstand des Vereins nicht zu Theil geworden. Aus den Berichten der einzelnen Abtheilungen ist zu ersehen, daß an den einzelnen Unterrichskursen sich eine große Anzahl jnnger Mädchen betheiligen; sämmtliche Unterrichtskräfte haben sich ohne Anspruch auf Entgelt dem Verein zur Verfügung gestellt. Betreffs der Fürsorge für junge Mädchen durch Ausbildung zur Hauswirthschaft war der Verein sich darin einig, daß dieses Ziel nur durch Gründung einer Haushaltungsschule zu erstreben sei. Durch zugewandte Geldmittel war es möglich, diese Schule im Mai dieses Jahres zu eröffnen. Der Abtheilung, welche die Krankenpflege umfaßt, bot sich ein weites Feld der Thätigkeit; indetz gestatteten die vorhandenen geringen Mittel nur, einen kleinen Theil der Hilfesuchenden zu unterstützen. Es wurden verschiedene Familien mit Geld, Naturalien und Kleidung unterstützt. Soll diese segensreich wirkende Abtheilung des Vereins eine ersprießliche Thätigkeit entfalten, so bedarf sie bedeutend größerer Geldmittel. An Beiträgen, Geschenken und sonstigen Zuwendungen nahm der Verein im verflossenen Jahre 1600 Mark ein. Die Ausgaben betrugen für Stipendien 270 Mark, Handfertigkeitsunterricht (außer dem Beitrag der Henry Jones-Loge) 30 Mark, Unterstützungen 624 Mark, Krankenpflege 105 Mark, für arme Durchreisende 115 Mark, Beitrag für Ferienkolonien 75 Mark u. s. w. Der Verein, dessen Bestreben darauf gerichtet ist, seine Thätigkeit immer mehr auszubreiten, hat im Verhältniß zu seinen Leistungen und Zielen nicht genügend Mitglieder. Der Vorstand der einzelnen Abtheilungen, an dessen Spitze Frau Gustav Tuch, ist unausgesetzt bemüht, den Verein auf seine geplante Höhe zu bringen. r. Wandsbek (Holstein), im Juli. Am Sabbath Nachmu feiert ein achtbares Mitglied unserer Gemeinde, Herr M. Hirsch, jetzt wohnhaft vor Wandsbek auf hamburgischem Gebiet, in seltener Frische des Geistes und Körpers seinen achtzigsten Geburtstag. Das wäre, wenn auch bemerkenswert, doch nicht so wichtig, um in diesem Blatte erwähnt zu werden. Was jedoch ganz besonders von dem Jubilar hier erwähnt und zwar rühmlich erwähnt zu werden verdient, ist der Umstand, daß derselbe wohl der treueste und anhänglichste Leser der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" unter den Jetztlebenden ist; er ist nämlich seit dem Erscheinen dieses Blattes ununterbrochen Leser desselben gewesen — entweder als Abonnent oder Mitleser — und ist es heute noch; ja, ich will noch mehr verrathen: für ihn ist die Sabbathweihe nur halb, wenn die fällige Nummer nicht am Freitag eingetroffen. Möge es dem verehrten Manne vergönnt sein, noch viele Jahre in derselben geistigen Frische die Zeitung lesen zu können. X Großherzogthum Hessen, im Juli. Am 3. d. Mts. fand in Frankfurt die Generalversammlung des israelitischen Lehrervereins im Großherzogthum Hessen statt. Es waren Herr Dr. Plotke als Delegirter des Gemeindebundes, Herr Dr. Plaut und 32 Mitglieder anwesend. Nachdem der Vorsitzende die Versammlung begrüßt und eines verstorbenen Mitgliedes in üblicher Weise gedacht hatte, ertheilte er Herrn Dr. Plotke das Wort. Derselbe begrüßte die Versammlung, hob mit großer Genugthuung hervor, daß der Verein dem Ruf nach Sammlung Folge geleistet, und wünschte dem Verein Blühen und Gedeihen, der Versammlung segensreiche Berathungen. Aus der Berichterstattung des Vorsitzenden ist zu entnehmen, daß der Verein 58 Mitglieder zählt. Die israelitischen Lehrer unseres Landes dürften vielleicht mit mehr Hoffnung der Zukunft entgegensetzen; denn die Regierung habe sich neuerdings durch verschiedene Anfragen zu informiren gesucht, was doch auf guten Willen schließen lasse. In der Diskussion wurde es nicht gebilligt, wenn ein Punkt aus den Forderungen der Lehrerschaft, die ja alle im bekannten Organisationsentwürf erfüllt sind, herausgegriffen und in vielleicht unbefriedigender und dilatorischer Weise erledigt würde. Man möchte nicht gern vom Regen in die Traufe kommen. Das Resultat der Berathungen war der Beschluß, sobald das neue Ministerium sich eingelebt habe, durch eine Deputation nochmals persönlich vorstellig zu werden, um eine gründliche Regelung derBerhältnisse in Fluß zu bringen. — Aus der Rechnungsablage berichten wir, daß der Verein einen Baarbestand von 10,53 Mark und 600 Mark Vermögen in Werthpapieren hat. — Herr Marx-Alsheim erstattete ein Referat über: „Der jüdische Kantor". Er bespricht die Berechtigung, über ein solches Thema in einer Lehrerversammlung zu referiren; ist doch in allen kleinen und mittleren Gemeinden der Lehrer gleichzeitig Kantor; von diesen Lehrer-Kantoren will er sprechen, und zwar behandelt er 1. den Beruf des Kantors, 2. seine Vorbereitung, 3. seine Stellung und Dienstverrichtung. Das greifbare Ergebniß der gediegenen Ausführungen des erfahrenen und erprobten Praktikers und der langen anregenden Diskussion war die einstimmige Annahme der Resolution: „Es ist wünschenswerth, daß in allen Religionsschulen der liturgische (einstimmige) Gesangsunterricht eingeführt werde, damit sich daraus ein Gemeindegesang beim Gottesdienst entwickle." — Dann wurden noch Verbandsangelegenheiten erledigt, die Delegirten für den Verbandstag gewählt und das rückständige Referat: „Die systematische Religionslehre" auf die Tagesordnung der nächsten Generalversammlung gesetzt. o. Gießen, 15. Juli. Am 7. d. Mts. wurde die sterbliche Hülle des Stadtverordneten Meier Homberger vom Trauerhause, Marburgerstraße, zur ewigen Ruhe geleitet. Ein stattliches Gefolge erwies dem Verewigten die letzte Ehre; kostbare Blumenspenden wurden im Zuge mitgeführt. Zwei kunstvolle Blumengewinde wurden durch die beiden Rathsdiener Moll und Ochs vor dem Trauerwagen einher getragen. Auf dem Friedhof hielt der Provinzial-Rabbiner Dr. Sander die Grabrede. Der erste Vorsitzende der israelitischen Gemeinde, Kommerzienrath Heichelheim, rief am offenen Grabe dem dahingegangenen Meier Homberger den Dank nach für das, was er als sein Vorgänger für die Gemeinde gethan, sein Verdienst sei es, derselben eine geordnete, festgefügte Verwaltung gegeben zu haben, womit er sich ein bleibendes Denkmal geschaffen. Hierauf nahm Herr Oberbürgermeister Gnauth Namens der städtischen Verwaltung das Wort: Als die Stadtverordnetenversammlung vor sechs Wochen das 25jährige Amtsjubiläum ihres Seniors beging, da dachte wohl Niemand daran, daß dieser nur noch einmal an den Berathungen derselben theilnehmen würde, daß man sobald an seinem Grabe stehen würde. Was der nun Entschlafene für das Gemeinwohl gewirkt, es sei bei jenem Anlaß öffentlich zum Ausdruck gekommen, die städtische Verwaltung und die Kollegen würden über das Grab hinaus ihm ein treues Gedächtniß bewahren. Als letztes äußeres Zeichen der Anerkennung wolle er noch am Grabe die Kranzspenden der Stadtverordnetenversammlung und der städtischen Verwaltung niederlegen. o. München, 25. Juli. Vor der Strafkammer stand am Montag, wegen Körperverletzung angeklagt, der Studirende der königlichen Akademie der Künste, der Bildhauer Eduard Beyerer. Er saß am Abend des 15. Januar im Cafe Heck an einem Stammtisch, der schon seit Jahren von den gleichen Herren besucht wird. Der Studirende der königlichen Akademie Königsberger kam an dem Abend, wie schon einige Male vorher, an diesen Tisch, an dem auch einige seiner Studiengenossen saßen. Beyerer fing sofort wieder, wie schon vorher, an, den Königsberger von dem Tische wegzuärgern, nur wurde er an dem Abend etwas gröber als sonst, besonders aber wurde der Jude mit in die Schimpfereien hineingezogen. Als Königsberger aber auch auf die gröblichsten Beschimpfungen nicht reagirte, forderte Beyerer die Anwesenden auf, sofern sie auch Antisemiten seien wie er, von dem Tische wegzugehen, an dem Königsberger sitze. Königsberger konnte nun nicht mehr gut anders, als den Beyerer zur Rede zu stellen und ihn aufzufordern, sein Benehmen zu erklären. Beyerer sagte, daß die Erklärung, daß er Anti-

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