Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-07-29 · Heft 30 (29.7.1898) · p. Seite 360

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 30 (29.7.1898)
Date
1898-07-29
Page
Seite 360 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3228257-3228288--54778-3290945
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

SSO „Wohlan, Edomitrr," sagte er mit veränderter Stimme, „unser Kampf weist keine tapferen Männer Deiner Art zurück. — Siehe, die Sonne finkt rasch, und schon dämmert es über den Straßen der Stadt. Folge mir. Mich erwartet ein tapferer Mann, der in der Sache dieses Aufstandes ein wichtiges Urtheil zu sprechen vermag." „Jerobeam — er verweilt hier!" fiel Reson ein. Ahija, der bereits einige Schritte gethan hatte, wandte sich erstaunt um. „Führe mich vor den Feldherrn!" sagte der Edomiter, indem er rasch dem Propheten folgte. „Er wird meinen Arm und meinen Kampf würdigen." Sie schritten nun von dem Gestade weg dem Innern der Stadt zu. Der Weg führte sie zwischen den zerstreuten Gartenanlagen hindurch, auf welche die Dämmerung rasch niedersank, wie es in jener warmen Zone zu geschehen pflegt. „Ehe Du mich aber", begann der Edomiter, „vor den Feldherrn führst, dessen Geist und Ansehen bei dem Volke Israel fast so viel gilt als Salomos Weisheit, erzähle mir von dem letzten Aufstande dessen verwirrte Kunde ich auf meinem Pfad durch die Länder Moabs vernahm. Jerobeam hob das Schwert des Aufruhrs, wie mich dünkt,! ehe die rechte Zeit gekommen." „Dies ist die genaue und sichere Kunde jener Begebenheiten," versetzte der Prophet, ohne indeß seinen Schritt aufzuhalten. „Jerobeam, obwohl von zweifelhafter Abkunft und unbekannten Eltern, war von Salomo erhöht worden, weil er tapfer war und rüstig. Als aber der Herr die Greuel Salomos sah, der vor den Götzen Babels anbetete, sprach er zu einem frommen Mann zu Silo: Ich will den Samen Davids trocknen um der Sünden! Salomons willen, aber nicht auf immerdar. Gehe hin, und sage es Demjenigen an, den Dir der Geist bezeichnet. Da ging ich aus von Silo, und siehe, es begegnete mir Jerobeam. von Jerusalem; ausziehend. Da kam der Geist über mich, und ich zerriß meinen i Mantel in zwölf Stücke. Zehn aber gab ich Jerobeam hin und | sprach zu ihm: „Nimm zehn Stücke zu Dir! Denn also spricht |i der Herr, der Gott Israels: Siehe, ich will das Königreich von der Hand Salomos reißen und Dir zehn Stämme geben. — Und so | wird es geschehen!" K Reson ging eine Zeit lang schweigend neben dem Propheten her. I Dann sprach er lebhaft: „Und wann war es, daß Dir Jehovah das Wort sagte?" § „Seitdem", versetzte der Mann von Silo, „wechselte der Mond I wohl zwölfmal am Himmel. Damals war ich eben zurückgekehrt A von langer, gefahrvoller Pilgerschaft in den Ländern der Götzen- | diener." I „Wozu der lange, irre Lauf?" („Irre?" rief der Prophet, dessen Züge von finsterer Aufregung belebt wurden. „Ahija mied das Haus des Herrn und die Gefilde | seines Volkes, weil er eine frevelnde That seiner Jugend büßen jj mußte. Und dennoch ist der Herr nicht versöhnt — dennoch hat > Ahija nicht hingeopfert, die ihn zum Frevel verleiteten. Aber es i soll geschehen — zu Jehovahs Preis, dem die Götzendiener ein Greuel!" „Was sinnst Du für Entsetzliches?" Der Prophet athmete tief, wie erschöpft. „Noch zürnt Jehova," murmelte er mit bebender Stimme, „noch drückt Verdammniß mein Haupt, weil ich einer Tochter Baals - - anhing. — Ich fühle Deinen Fluch, Herr, und ich will dies schwache z Herz mit Haß erfüllen — Deine Gebote sollen geschehen! — Meine | Seele bebt; Blut, ja Blut soll Dir fließen, donnernder Gott!" Der Prophet war stehen geblieben. Er stützte sich zitternd auf seinen Pilgerstab. Ueber seine hohe Stirn flössen schwere Schweißtropfen. — Reson blieb ebenfalls stehen und betrachtete erstaunt und schweigend den erschütterten Pilger. Unterdessen war der Abend bereits herbeigekommen. Nach einer Pause sagte der Edomiter tieftönig zu dem regungslosen Propheten: „Der Feldherr wartet, mein Vater, und die Nacht wird immer dunkler." Der Prophet fuhr empor, blickte scheu um sich, faßte dann seinen Stab fester und schritt eilig vorwärts. Bald standen sie vor einem einsamen, von weitläufigen Gärten umgebenen Hause. (Forts, folgt.) Qg? Sprechsaal. Sehr geehrter Herr Redakteur! (s^Mit Bezug auf die Bemerkung zu Sudermanns „Johannes" in Nr. 20 und Nr. 24 dieser Zeitung hinsichtlich des Wortes „Homer" statt „Omer" erinnere ich an Leviticus 27, 16, wo es heißt jhj D'HPtP- Offenbar ist bei und nur eine Verwechselung der Gutturale. — Auffallend aber ist mir, daß Sudermann statt des geläufigen „Omer" das minder bekannte „Homer" schreibt. Vor einiger Zeit fragte mich ein christlicher Kollege nach der Bedeutung des Wortes „Chabr" im „Johannes". Mir war beim Lesen dieses Stückes ausgefallen, daß Sudermann genanntes Wort ohne „e" schreibt und ohne Erklärung desselben das Verständniß bei allen christlichen Lesern vielleicht voraussetzt. Hochachtungsvoll Nienburg a. d. W., im Juli. Lehrer I. Eckmann. * Sehr geehrte Redaktion! f ezüglich des Artikels in Ihrer Nummer 27 über die hiesige Kunstausstellung gestatte ich mir. Ihnen mitzutheilen, daß Hugo Struck Christ ist; auch vergaß der Verfasser die Ihre Leser doch sicher interessirende Thatsache anzugeben, daß unser Glaubensgenosse Max Liebermann dieses Jahr in die Jury der Ausstellung gewählt worden ist. Berlin, 4. Juli. Mit vorzüglicher Hochachtung L. S. * Geehrter Herr Redakteur! n Nr. 26 Ihres Blattes befindet sich ein Artikel von Dr. Leopold Auerbach, „Der Zionismus und die Juden in den Kulturstaaten Europas". Herr Dr. Auerbach geht von der Idee aus, die jüdischen religiösen Gebräuche (Speisegesetze re. rc.) und „der Ausschluß der religiösen Eheschließung zwischen Juden und Nichtjuden" verschulde den Antisemitismus! Also gegen die Juden, die allen Formalismus abgestreift haben, richtet der Antisemitismus sich (?) nicht? Und nun das Allheilmittel: „die Gesammtvertretung der jüdischen Religionsgemeinschaft im Staate", sie wird „bestimmend" einwirken und schafft den Juden den Himmel auf Erden. Wie viel Prozente aller deutschen Juden werden denn den Anordnungen der „Gesammtvertretung" Folge leisten? Und was eigentlich soll und kann denn damit erreicht werden? Ferner soll der Uebertritt zum Judenthum erleichtert werden. Auch das trägt bei zur Verringerung des Antisemitismus. In heutiger Zeit Proselyten machen für das Judenthum! Unerhört! Als ob fich in Deutschland die Andersgläubigen danach drängen und von uns abgewiesen werden! Und nun gar der Ukas: die von Staatsanstellungen ausgeschlossenen Juden sollen „keine bloßen Titel und Orden annehmen!" Wer lacht da? Hochachtungsvollst Königsberg, Pr., 12. Juli. A. Druck und Verlag von Rudolf M o s s e in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauch Witz in Berlin.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.