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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-07-23 · Heft 29 (23.7.1898) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 29 (23.7.1898)
Date
1898-07-23
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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- 2 - Vor Kurzem sind Diebe Nachts von einem Garten aus in die Synagoge zu Schöneck eingebrochen und haben zwei Opferkästen erbrochen, aus denen sie den einige Mark betragenden Inhalt entwendeten. Bis jetzt gelang es noch nicht, die Diebe zu ermitteln. -- Bei der jüngst stattgehabten Wahl von Repräsentanten der Synagogengemeinde in Neustadt i. W. sind die Herren A. Bernstein, D. Riese, I. Borchheim, Chrzanowski und Pulvermann und zu Vorstehern die Kaufleute Rosenthal, Gottliebsohn und L. Löwenstein gewählt worden. — Der Rentier L. Jacoby aus Neuenburg feierte kürzlich mit seiner Ehefrau das Fest der goldenen Hochzeit, aus welchem Anlasse demselben die Ehejubiläumsmedaille verliehen wurde. — Um die in Ostrowo erledigte erste Kantorstelle haben sich im Ganzen zehn Bewerber gemeldet. Bon diesen sind drei Herren, nämlich Cohn-Chemnitz, Radilewski-Prenzlau und Falkenstein-Namslau zu Probevorträgen berufen worden. p. Pleschen, 14. Juli. Am 29. v. M. fand die feierliche Einführung des von Pasewalk hierher berufenen Rabbiners Dr. Königsberger in sein Amt statt. Zum Empfange des Herrn Dr. Königsberger und seiner Gemahlin hatten sich der Vorstand und die Repräsentanten- Versammlung in corpore sowie die Vorstandsdamen des hiesigen israelitischen Frauen-Vereins nach dem 4 Kilometer von hier entfernten Bahnhof Pleschen begeben. In der Stadt angekommen, fuhr die stattliche Reihe von Equipagen zur Synagoge, welche ein festliches Gewand angelegt hatte und im Lichterglanz strahlte. Eine vielhundertköpfige Versammlung, in der wir auch viele Nichtjuden bemerkten, hatte den Tempel in allen seinen Theilen gefüllt. Nach einleitendem Gesänge begrüßte der Korporationsvorsteher Stadtrath Joachim den neuen Seelsorger im Namen des Vorstandes und der Gemeinde und führte ihn in sein Amt ein. Hierauf bestieg Herr Dr. Königsberger die Kanzel, sprach in beredten Worten seinen Dank für den so überaus herzlichen Empfang aus und entwickelte alsdann an der Hand eines Verses aus dem letzten Wochenabschnitt das Programm, nach welchem er die ihm als Rabbiner hier obliegenden Pflichten erfüllen wolle. Mit Gesang schloß die sehr würdige Feier. Am darauffolgenden Sabbath hielt Herr Dr. Königsberger seine eigentliche Antrittsrede, die, mustergiltig in Inhalt, Form und Vortrag, der Gemeinde die Befriedigung gewährte, in Herrn Dr. Königsberger eine glückliche Acquisttion gemacht zu haben. Ch. Koschmin, 17. Juli. Am 10. d. Mts. beging der verdienstvolle Vorsteher unserer jüdischen Gemeinde, Herr RathsherrHorwitz, in körperlicher und geistiger Frische im Kreise seiner Familie sowie Verwandten und Bekannten seinen siebzigsten Geburtstag, aus welchem Anlaß ihm zahlreiche Ehrungen zu Theil wurden. Magistrat und Stadtverordnete ernannten ihn zum Stadtältesten, die Gemeinde, deren Vorsteher er seit 11 Jahren ist, überreichte eine Adresse, und der Krankenpflege- und Bestattungsverein, an dessen Spitze Herr Horwitz seit 17 Jahren steht, ernannte ihn in Anbetracht seines verdienstvollen Wirkens unter Ueberreichung eines künstlerisch ausgeführten Diploms zum Ehrenmitglieds. Auch der Armenverein hatte zur Beglückwünschung seinen Vorstand deputirt, und als Sprecher desselben sowie des Krankenvereins und der Gemeindevertretung fungirte Herr Rabbiner Dr. Heppner, der in eindrucksvoller Ansprache die vielen Verdienste des Jubilars betonte. Auch die jüdische Religionsschule und die höhere Töchterschule, deren Kurator Herr Horwitz seit Begründung beider ist, hatten Schüler und Schülerinnen zur Beglückwünschung entsandt und durch Blumenspenden ihre Dankbarkeit zum Ausdruck gebracht. Bis zum späten Abend kamen und gingen Gratulanten ohne Unterschied der Konfession, und von Nah und Fern liefen telegraphische und briefliche Glückwünsche in Menge ein. Unter diesen verdient ganz besonders das herzlich gehaltene Schreiben des christlichen Jungfrauenvereins hervorgehoben zu werden. Möge es dem hochverdienten Manne noch recht lange vergönnt sein, in unserer Mitte zu weilen, zum Besten der Stadt und zum Wohle der jüdischen Gemeinde. a. Schlochau, 14. Juli. Am Sonntag beging Herr Kantor Rosenthal sein 50jähriges Dienstjubiläum. Früh Morgens wurde dem Jubilar von unserer Stadtkapelle ein Ständchen gebracht, welchem sich in den Vormittagsstunden die persönlichen Gratulationen der jüdischen Gemeindemitglieder anschlossen. Hierbei widmete der Kranken- und Sterbekassen-Verein dem Jubilar einen sehr schönen Ruhesessel; die hiesige Gemeindevertretung überreichte ein Sparkassenbuch über 500 Mark, und die in Berlin ansässigen Schlochauer Israeliten hatten gleichfalls ein Geschenk gesandt, das dem Jubilar übergeben wurde. Nachmittags 2 Uhr fand im Tempel die Festfeier statt. Der nur kleine Tempelraum war fast unzureichend für die Menge der Theilnehmer, die von weit und breit herbeigeströmt waren, um an diesem seltenen Jubelfest theilzunehmen. Eingeleitet wurde die Feier durch einen Choral, gesungen von einer Anzahl jüdischer Jungfrauen, diesem folgte Gebet und eine erhebende Festrede des Rabbiners Herrn Dr. Grabowski aus Könitz, der zum Schluß den Jubilar segnete. Nachmittags 4 Uhr fand darauf im Zänkischen Saale ein Festdiner statt, an welchem sich über 100 Personen betheiligt hatten, und diesen schlossen sich Abends Theateraufführungen und Tanz an. Möge es dem Jubilar beschieden sein, noch recht lange ungetrübt die Ruhetage, die ihm seine Pensionirung gewährt, zu genießen. n. Kolberg, 13. Juli. Der bekannte Berliner Philanthrop Herr James Simon hat dem dortigen „Verein für häusliche Gesundheitspflege" durch die Gründung des „Kaiser und Kaiserin Friedrich Berliner Sommerheim" hier vor einigen Jahren ein sehr bedeutendes Geschenk überwiesen. Sicherem Vernehmen nach hat Herr James Simon ein daran angrenzendes Haus von der hiesigen Stadtgemeinde gekauft, um durch den Bau eines zweiten Flügels das Sommerheim, das jetzt schon ungefähr vierhundert schwachen, erholungsbedürftigen Kindern Aufnahme gewährt, zu erweitern. Mit freudiger Genugthuung darf man es daher begrüßen, daß die hiesigen Stadtverordneten auf Antrag des Magistrats letzthin in geheimer Sitzung mit überwiegender Majorität beschlossen haben, den edlen Wohlthäter dadurch zu ehren, daß eine an das Sommerheim grenzende Straße fortan den Namen „Simon-Straße" führen solle. Hoffentlich findet das Beispiel dieses Mannes auch Nachahmung. — Das Dach des neuen jüdischen Kurhospitals, das eine Zierde Kolbergs zu werden verspricht, wird in diesen Tagen im engsten Kreise des Vorstandes gerichtet werden. Der Grundstein des Baues ist nebst wichtigen Urkunden und Dokumenten über die Vorgeschichte des Baues an der Stelle der heiligen Lade der Haussynagoge versenkt worden. Der glückliche Verlauf der Sammlungen sichert die Vollendung des Baues, doch fehlen zur inneren Einrichtung noch etwa 40 000 bis 50 000 Mark. Es braucht wohl nicht erst betont zu werden, wie wichtig dieser Bau ist, und der Appell an edle Glaubensgenossen, die noch kehlenden Beträge durch freiwillige Spenden zu sammeln, wird sicher auch diesmal kein vergeblicher sein. II. Aus Westpreußen, im Juli. An Stelle des nach Schlochau berufenen Herrn Rawitscher ist der Kantor und Lehrer Weißrock aus Lötzen in Ostpreußen von der Gemeinde Marienburg berufen worden, und hat derselbe am 1. d. Mts. sein neues Amt angetreten. Daselbst wird die neu erbaute prachtvolle Synagoge Mitte nächsten Monats eingeweiht. — Herr Apotheker Lothar Cohn in Dirschau, ein treuer Glaubensgenosse und wohlthätiger Mann, spendete eine namhafte Summe für das dortige St. Vinzenz-Krankenhaus, welches Kranke ohne Unterschied der Konfession aufnimmt. Dortselbst beabsichtigt die Synagogengemeinde eine größere Leichenhalle zu bauen. — Auf der Heimreise von Karlsbad im Eisenbahnkupee verstorben ist am Dienstag v. W. der Spediteur Prinz aus Pr. Stargard. Bon einem schweren Leiden in dem weltberühmten Kurort vergebens Heilung suchend, schickten ihn die Aerzte, das Schlimmste befürchtend, nach Hause; bereits auf der nächsten Station ereilte ihn ein plötzlicher Tod. Auf erfolgte telegraphische Nachricht wurde die Leiche von Angehörigen nach Stargard geholt. — Ebendort wurde am Freitag den 8. Juli ein ehrenwerther, allgemein geachteter Mann, nämlich der 78 jährige, von wahrer Frömmigkeit durchdrungen gewesene Rentier Leiser Lewinski, zu Grabe getragen. Das Leichenbegängniß und zahlreiche Gefolge sowie Worte des Predigers legten deutliches Zeugniß ab von der Achtung, welche der Verstorbene bei Allen genoß. L. Nienburg a. Weser, 13. Juli. Am 2. d. Mts. waren 25 Jahre verflossen, seitdem unser geschätzter Lehrer, Herr Eckmann, segensreich in der hiesigen Synagogengemeinde amtirt. Vorstand und Gemeinde haben diesen Tag daher in würdigster Weise zu einem festlichen gestaltet. Auch Herr Landrabbiner Dr. Gronemann war auf Einladung des Vorstandes hier erschienen. Vor Beginn des Sabbaths erschienen zunächst Vorstand und Vertretung der Gemeinde, und Herr Vorsteher I. Marcus überreichte dem Jubilar nach passender Ansprache das Ehrengeschenk. Alsdann gratulirten eine Deputation der ehemaligen

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