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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-07-23 · Heft 29 (23.7.1898) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 29 (23.7.1898)
Date
1898-07-23
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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62. Jahrgang. Nr. 29. Weikcrge Dkk kltOlk. Eerün, 22. IM 1898. zur „Allgemeinen Zeitung öes Iuöenthums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. ££g Berlin, 15. Juli. Je mehr sich erfreulicherweise die Einrichtung jüdischen Religionsunterrichtes an den städtischen und königlichen höheren Schulen Preußens ausdehnt, desto stärker macht sich das Bedürfniß nach solchen jüdischen Religionslehrern geltend, die eine akademische Bildung empfangen haben und damit sowohl den Anforderungen der Schüler als dem Bildungsstande der andersgläubigen Lehrer an jenen Anstalten entsprechen. Auf Veranlassung und mit Unterstützung des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes haben deshalb die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums, Lindenstr. 48/50, sowie das Rabbiner-Seminar, Gipsstr. 12 a, in Berlin unentgeltliche Vorlesungen für akademisch gebildete zukünftige Lehrer der jüdischen Religion eingerichtet, die mit dem Anfänge des nächsten Wintersemesters, also am 25. Oktober, beginnen sollen. An der Lehranstalt werden lesen: 1. Herr Dr. Baneth: Pentateuch und hebräische Grammatik (2 Stunden wöchentlich). 2. Herr Dr. Maybaum: Bibelkunde (2 Stunden wöchentlich). 3. Herr Dr. Schreiner: Geschichte der Juden (2 Stunden wöchentlich). Persönliche Meldungen bei Herrn Rabbiner Dr. Maybaum, W., Hinter der katholischen Kirche 1 (Sprechstunde von 11—12 Uhr). Vorlesungen am Rabbiner-Seminar: 1. Dr. Wohlgemuth : Lektüre leichter historischer Stücke aus der Bibel, verbunden mit grammatikalischen Uebungen nach T. L.-Methode. (3 Stunden wöchentlich.) 2. Prof. Dr. Barth (für Vorgeschrittenere): Wissenschaftliche Grammatik, verbunden mit der Lektüre von Stücken aus den Propheten- und Hagiographenbüchern. (3 Stunden wöchentlich.) 3. Dr. Wohlgemuth: Uebersichtliche Darstellung aller noch heute geltenden Gesetze und Zurückführung derselben auf ihre Quellen. (1 Stunde wöchentlich.) 4. Dr. Hoffmann: Geschichte des Zeitraums von den Makkabäern bis zum Abschluß des Talmuds, verbunden mit Lektüre von Proben aus Mischna und Talmud. (2 Stunden wöchentlich.) Persönliche Anmeldungen bei dem derzeitigen Sekretär des Seminars, Herrn Dr. I. Wohlgemuth, C., Rosenthalerstr. 40, III. F. Berlin, 14. Juli. Aus der Therese Wolff'schen Stiftung sind an zwei in Berlin ortsangehörige unbescholtene Mädchen (eine Christin und eine Jüdin) je 600 Mark als Aussteuer zu ihrer Verheirathung zu vergeben. Verwandte der Stifterin haben, auch wenn sie nicht ortsangehörig sind, den Vorzug. Bewerbungen sind bis zum 30. September d. I. bei der städtischen Stiftungsdeputation, Zimmer 48, Poststraße 16, einzureichen und denselben folgende Schriftstücke beizufügen: Geburtsschein, polizeiliches Führungsattest des Bräutigams und der Braut, ein Attest des Bezirksvorstehers über die Erwerbs- und Vermögensverhältnisse der Bewerberin und ihrer Eltern (bezw. des Bräutigams und dessen Eltern). Die Aussteuer wird an die Benefizianten nach erfolgter Eheschließung gezahlt. 22 Berlin, 18. Juli. Der Vorstand der Synagoge Ahavas Scholaum wählte in seiner letzten Sitzung Herrn Siegfried Neustadt zum Kantor. Herr Neustadt studirte längere Zeit im Stern'schen Konservatorium Gesang und Mustk und vervollkommnet sich noch jetzt im Gesang beim königlichen Kammersänger Herrn Feßler. Die kantorale Ausbildung erhielt Herr Neustadt in der Kantorenschule des hiesigen Kantor Friedmann, wo er einige Jahre fleißigen Studien oblag. Herr Neustadt, der von Geburt Deutscher ist, hat schon durch sein öfteres Vorbcten in Nürnberg wie in hiesigen Privatsynagogen den Beweis geliefert, daß er mit den synagogalen Weisen gut vertraut ist und zu großen Hoffnungen auf dem kantoralen Gebiete berechtigt. Mögen diese Zeilen denjenigen deutschen jungen Leuten zur Aufmunterung dienen, welche sich dem Kantorfache widmen wollen. L2 Berlin, 15. Juli. Die Auspizien der für den diesjährigen Herbst geplanten jüdischen Gesellschaftsreise nach dem heiligen Lande sind sehr günstige. Obwohl als Meldetermin der 15. August festgesetzt wurde, find die Meldungen doch schon jetzt so zahlreich ergangen, daß die Theilnehmerliste schon sehr bald geschlossen werden dürfte. Augenblicklich finden Verhandlungen mit einem gesetzestreuen deutschen Rabbiner statt, der die Oberaufsicht über die rituelle Küche, den Sabbath re. übernehmen wird. Es wurde ferner vorgesehen, daß die Reisegesellschaft dem Empfange des deutschen Kaisers in Palästina beiwohnen wird. Man weiß, daß es jüdischen Reisenden aus Rußland verboten ist, in Jaffa zu landen, wenn nicht ein in Jaffa ansässiger türkischer Bürger eine Kaution von 300 Frs. pro Kopf der Reisenden hinterlegt. Nun hat auf besondere Verwendung des russischen Generalkonsulats S. H. der regierende Pascha von Jerusalem die Behörden in Jaffa angewiesen, die an Dr. Heinrich Loewes Gesellschaftsreisen theilnehmenden russischen und sonstigen Juden ohne jedwedes Hinderniß durchaus frei passiren zu lassen. Wer die Usancen an der Jaffaer Rhede kennt, weiß, welche Bedeutung diese Konzession hat. Von besonderem Interesse dürfte es sein, daß der größte Theil des Personals, so die Dollmetscher und bewaffneten Begleiter (Chajjüls), einheimische Juden des heiligen Landes sind. Wegen weiterer Auskünfte und ausführlicher Reiseprogramms wende man sich an Herrn Dr. Heinrich Loewe, Berlin W. 66, Werderscher Markt 9, der eventl. Reflektanten jederzeit gern zu Diensten steht. N. Breslau, 18. Juli. Am 15. d. M. verschied hier im 78. Lebensjahr Herr Dr. Bendix Samuelsohn, der verdienstvolle Leiter der Religionsunterrichtsanstalt I der hiesigen Synagogengemeinde. Seit dem 1. April 1652 im Dienste der hiesigen Gemeinde thätig, hat sich der Verstorbene durch den rastlosen Eifer, mit dem er sich der hohen Aufgabe der religiösen Erziehung der Jugend widmete, durch seine hervorragenden Charaktereigenschaften und durch sein bescheidenes, freundliches Wesen die wärmsten Sympathien in den weitesten Kreisen unserer Gemeindemitglieder dauernd gesichert. Seine großen Fähigkeiten und seine reiche Erfahrung stellte er in den Dienst zahlreicher Korporationen. Die Kommission der alten Synagoge beklagt das Hinscheiden eines treubewährten Mitarbeiters, der Verein israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen verliert in. ihm seinen Ehrenvorsitzenden, der den Verein mit segensreicher Pflichttreue geleitet und gefördert und sich besonders seiner Unterstützungskasse mit voller Hingebung gewidmet hat. Unlösbar wird aber das Andenken des Verstorbenen mir der Geschichte der von ihm geleiteten Religionsunterrichtsanstalt verbunden sein, und der Dank seiner Schüler bleibt ihm über das Grab hinaus gesichert. Die allgemeine Anerkennung und Hochachtung, deren sich der Entschlafene erfreute, kam bei dem Leichenbegängniß am 17. d. Mts. zum vollsten Ausdruck. In der dichtgefüllten Leichenhalle des jüdischen Friedhofes pries Herr Rabbiner Dr. Pinkus in beredten Worten die Bedeutung des Verstorbenen als Lehrer und Mensch, wies auf das innige Familienleben des Verklärten hin und rief ihm den Dank des Vorstandes für die aufopfernde Hingebung, mit der er stets seines Amtes gewaltet, nach. Herr Dr. Doctor, der provisorische Dirigent der von dem Verstorbenen geleiteten Religionsschule, widmete im Namen des Lehrerkollegiums derselben dem Heimgegangenen warme Abschiedsworte und gedachte seiner als eines milden Vorgesetzten und stets hilfsbereiten Berathers. Das Andenken des verdienstvollen Mannes, der fast ein halbes Jahrhundert seine Kraft in den Dienst unserer Gemeinde gestellt hat, wird in derselben stets in Ehren gehalten werden. Lp. Aus der Provinz Posen, im Juli. Nachdem Herr Lehrer Lewin von Kolmar als Lehrer an die israelitische Volksschule zu Schneidemühl versetzt worden war, hatten die Gemeindemitglieder der israelitischen Schule in Kolmar bei dem Kultusminister in Anbetracht der geringen Schülerzahl die Umwandlung der zweiklasstgen Schule in eine einklasstge nachgesucht. Der Petition ist nunmehr stattgegeben worden, und der zuletzt daselbst angektellte zweite Lehrer Salomon wird vou der Negierung zu Bromberg anderweitig beschäftigt werden. —

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