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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-07-23 · Heft 29 (23.7.1898) · p. Seite 346

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 29 (23.7.1898)
Date
1898-07-23
Page
Seite 346 (sequence 10)
Language
German
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«^rnrn» 5w-™*yr irvrzyn&mqjp. Ich werde hoffentlich, mein würdiger Freund, so die hohe Regierung mir einige Ferienzeit erlaubt, Sie im Mai in Berlin besuchen. Wie freue ich mich schon, mit Ihnen über vieles und von vielem zu sprechen. Da soll ein freundlicher Gedankenaustausch mir reichlichen Ersatz für die Zeit, die ich Ihren erhebenden Umgang vermisse, gewähren. Bis dahin mögen Sie eines frohen und heiteren Lebens, so, wie es dem Weisen zutheil wird, sich erfreuen und sich oft erinnern Teplitz, 15. Januar 1835. Ihres Sie unendlich schätzenden Dr. Z. Frankel K. K. Leitmeritzer Kreisrabbiner in Teplitz. (Forts, folgt.) EUILLETON ••••. Nie Rose von Karon. Line Erzählung. IV. ch warte Deiner schon so lange," fuhr sie mit melodischer Stimme fort. „Ich wußte, daß Du zu Ezjon-Geber weilst, aber Du hast die Sonne zweimal aufgehen lassen, ohne meinen Garten zu betreten. Und die Sonne flammt, und die Blumen blühen, und die Tauben lieben — und Iva war allein!" Der junge Mann erwiederte nichts, er hielt die Augen fortwährend niedergeschlagen. Mit einer Geberde voll Zärtlichkeit ergriff sie seinen Arm und blickte ihm fragend in die ernsten Züge. Sie lächelte — weil sie ihre Angst nicht zeigen wollte; ihr Auge leuchtete, aber auf ihrer Stirn lag eine Wolke. „Setze Dich zu mir," flüsterte sie liebkosend und wollte ihn niederziehen. Aber er blieb stehen und heftete einen düsteren Blick auf die Erstaunte. „Bist Du nicht mehr Reson?" rief sie. „Bin ich nicht mehr Iva?" „Du bist es," sagte der Edomiter, „aber ich bin nicht mehr jener Reson, den Du meinst." Die junge Frau schlug die Hände zusammen und blickte den Sprecher erschrocken an. Er mied ihren Blick wieder. Es folgte eine Pause, während welcher Iva den Edomiter mit steigendeni Erstaunen betrachtete. Dieser begann endlich mit düsteren Zügen: „Seit ich Deine königlichen Zelte zu Saba verlassen, sind traurige, seltsame Begebenheiten im Lande meiner Väter und von dannen aufwärts geschehen. Wundere Dich nicht, daß nicht mehr jener leichtsinnige Krieger vor Dir steht, der, verbannt aus seiner Heimath, der Liebe allein huldigte. Siehe, die Klage meiner Brüder über Edoms Fall ist in mein Herz gedrungen; — siehe, es schweift in der Wüste ein unglückliches Wesen, das auf einem Thron geboren wurde; — siehe, es ist keine Kraft in Edom, so lange nicht wackere Männer das Schwert gegen Israel erheben. Reson ist ein Anderer geworden, Fürstin der Sabäer, und die Gefahr hat er für das Kosen der Liebe eingetauscht!" „Unglücklicher!" rief die Fürstin, die mehr traurig als zornig war. „Verfolgt und des Lebens nicht sicher, schweifst Du in Edom umher! — Hast Du vergeffen, daß der König der Hebräer ausrufen ließ, es solle Reson, der Sohn Edoms, verbannt sein aus Israel und Edom, und es solle Jedermann frei stehen, ihn zu tödten?" Der Edomiter verschränkte die Arme, und über seine Züge flog der Ausdruck wilder Leidenschaft. „Ich weiß, daß es also geschehen ist," versetzte er. „Seit dem Tage, wo Edoms Thron durch die Feldherren Salomos fiel, und die Männer ausgerottet wurden mit der Schärfe des Schwertes, schweife ich in Syrien und Arabien heimathlos und vogelfrei umher. Aber kläglicher ist das Geschick eines zarten Wesens, das durch zwölf Jahre eine Waise und heimathlos ist. Seine Schritte wandte es zu den Hütten Edoms und verließ den Hof des mächtigen Pharao, denn sein Anblick soll die entschlafene Kraft Edoms wecken und dem Löwen der Wüste gleich machen. Aber seine Schritte waren die eines Flüchtigen, und der Stern von Edom schimmert verborgen am fremden Gestade. Also ward das Herz der Männer Edoms von dem Sprossen des alten Königshauses gewandt." Die Fürstin der Sabäer blickte den Sprecher aufmerksam und lange an. „O, gieb die Hoffnung auf!" sagte sie. „Nie wirst Du Edom gegen Israel bewaffnen. Nie wird Edom den unglücklichen Kampf wagen. Decken nicht Salomos Schiffe die Meere? Besetzen seine gewaffneten Streiter nicht Edoms beste Städte? Achten nicht ferne Völker und Fürsten die Weisheit des Königs von Zion? Schloß nicht der König von Tyrus Bündnisse mit dem Mächtigen? Beugen sich nicht vor ihm die Philister, und die Kinder Amaleks und Moabs? O, gieb die Hoffnung auf. in so ungleichem Kampf zu siegen! Siehe, auch ich bin durch die Wüste heraufgezogen nach dem mächtigen Zion, und auch ich will die Weisheit des Königs wahrnehmen. Ich staune ob seiner Macht, die von Zion bis an die Küste dieses Meeres reicht. Sein Name aber tönt bis zu den Felsenpforten der Sabäer. Der Edomiter hörte diesen Worten mit düsterer Stirn zu. „Du sagst recht," versetzte er, „aber diese Macht Israels ist nicht geliebt, und die unterworfenen Völker harren sehnsüchtig auf den Retter, daß er das Joch zerbreche. Ich habe Arabien verlassen und die glücklichen Zelte der Sabäer. Ich bin aus Deinen Armen entwichen, schöne, mächtige Iva! Ich verließ die Palmen Deiner Gärten, die Zeugen unserer Liebe. Ein Jahr ist seitdem vergangen. Ich habe Deinem Gebote gehorcht und Dich zu Ezjon-Geber aufgesucht. Du bist schön, Du bist mächtig, wie unter den Zelten Deines Volkes, aber die Liebe des Jünglings mußte ich unter den geplünderten Hütten meiner Brüder lassen, und ein tiefer Schmerz um Edoms Fall ist in diese Seele eingezogen. Und dieses, schöne, edle Iva, sage ich Dir in der Stunde des Scheidens." Die Königin senkte ihre strahlenden Auge» — ein Zug der Wehmuth spielte um die vollen Lippen, und aus diesen dunklen Augen sank still eine Thräne auf die blühende Wange. „Unglücklicher!" sagte sie voll Wehmuth, „Du verlässest die stillen Zelte von Saba und willst für ein unterjochtes Volk kämpfen! Warum willst Du kämpfen? Dein Geschlecht ist nicht königlich, Dein Kampf erwirbt Dir keinen Thron, Edom wird kein Diadem um die Stirtt seines Retters winden! Die Wangen Resons erglühten, und eine tiefe, verschwiegene Empfindung hob seine Brust. „Kein Diadem?" murmelte er. „Die Entscheidung dessen ist noch nicht gekommen — meine Zunge ist stumm für die verwegenen Wünsche der Seele. Aber dies ist der Sinn und die Ursache meines Kampfes: Nicht länger soll jenes zarte Wesen in der Irre schweifen, dessen Väter den Thron von Edom besaßen." Die Königin der Wüste blickte den Sprecher wiederholt aufmerksam an. „Du liebst sie?" sagte sie mit großartiger Naivetät, denn ihr Herz, von der Fülle einer ernsten und glücklichen Liebe ganz erfüllt, wußte das Aeußere der Leidenschaft nicht zu beurtheilen, und der Sitte des Morgenlandes gemäß hatte sie keine Eifersucht für eine Nebenbuhlerin.

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