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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-02-20 · Heft 22 (20.2.1838) · p. Seite 86

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 22 (20.2.1838)
Date
1838-02-20
Page
Seite 86 (sequence 2)
Language
German
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86 mekndeglieder, die — zum Verstehen der Gebete nöthigeKcnntniß des Hebräischen besitze; noch durfte auch — bei den täglich steigenden Forderungen der wissenschaftlichen Bildung — Aussicht dazu sein/ daß unsere Nachkommenschaft es m dem Studium der heiligen Sprache weiter bringen werde, als ihre Vorfahren. Andererseits jedoch achten wir das alte Synagogenherkommen zu sehr, um hier auch nur den Wunsch einer Aenderung auszusprechen. In. diesem Streite zweier entgegengesetzter, gleich wichtigen Ansprüche — des Bedürfnisses der Gemeinde die Gebete zu verstehen und der Achtung vor einem uralten Gebrauche —- bleibt nur Ein Weg der Vermittlung übrig: wir ersuchen nemlich den verehrllchen Vorstand: 4) für Anschaffung von Gebetbüchern zu sorgen, welche dem hebräischen Texte gegenüber eine treue und vollständige Uebersetzung mit deutschen Lettern enthalten, und möglichst viele Gemeindeglieder — die Armen unentgeldlich, die Vermögenden für einen billigen Preis — in den Besitz dieser Bücher zu setzen. — Die gewiß nur unbedeutenden Kosten für Ankauf der Uebersetzungen, so wie für Anstellung des früher erwähnten Mannerchors, dürften leicht durch einen wohllöbl. Verwaltungsausschuß zu ermitteln sein. — Nicht Anregung des Gefühls allein, auch Belehrung des Verstandes haben mv oben als Grund des öffentlichen Eultus angegeben; sott dabei das Herz der Versammelten erwärmt, aber zugleich der nach Erkenntniß strebende Geist durch das Licht des ächten Judenthums erhalten werden, so ist endlich noch: 5) ein deutscher, der Intelligenz der Zuhörer angemessener Religionsvortrag als wichtigster Bestandtheil des öffentlichen Gottesdienstes anzuordnen. Ein vorehelicher Vorstand wird der Erfüllung dieses Wunsches sich um so weniger entziehen mögen, da derselbe von der bei weitem größten Zahl der Gemeindeglieder, wie von jedem Israeliten, dem das! Wohl seiner Glaubensbrüder am Herzen liegt, getheilt! wird. — Solche in der Synagoge zu haltende Vor-! trage waren dem Vorstande im Eoncepte einzureichen, um durch geprüfte Sachkundige untersuchen zu lassen, ob in denselben nichts gegen die Satzungen des Judenthums enthalten sei. — Alle diese von der Zeit und dem Bedürfnisse der Gemeinde gleich dringend geforderten Einrichtungen, — der fruchtbare Keim einer bessern Zukunft, wie wir hoffen, — entsprechen nicht nur vollkommen dem ächt humanen Geiste unserer Religion, sondern sind auch bereits unter Autorität der sachkundig sten und fromm st en Ra bbinen in vielen Gemeinden des deutschen Vaterlandes in Ausführung gebracht. Möge es daher auch bei uns endlich gelingen, den Ansprüchen der Vernunft und des Herzens Geltung zu schaffen, damit das Judenthum, das zur allgemeinen Weltreligion sich zu entwickeln bestimmt ist, nicht länger eines — der Bildung seiner Bekenner würdigen Gottesdienstes entbehre, der israelitische Tempel vielmehr in der — seinem Eigenthümer gebührenden Erhabenheit wieder hergestcllt werde. Möge uns durch Verwirklichung dieser Wünsche vcrslattet sein, auch für unser Theil jene Zeit vorzubereiten, von welcher der Prophet verkündet: Einst erkennen und verehren die. Völker alle Einen Gott!- Königsberg, den 21. Jan. 1838. Dr. med. L. Jacobson. Dr. med. I. Jacoby. H. Friedländcr. Dr. med. Kosch. Frankfurt a. M., 1. Febr. Nach unserm Slacttskalender für 1838 zählen wir hier 94 Advokaten, worunter 10 israelitische; 68 Aerzte, worunter 6 israelitische. Krakau, 29. Jan. Im Jahre 1837 zahlte man in unserer Stadt 25,574 Christen und 11,453 Juden, — so daß das Verhaltniß in der Sradt wie 1 zu 2/ und auf dem Lande wie 1 zu 31/ ist. Unter den Wohlthangkeirs- Anstalten zeichnet sich das israelitische Hospital in Kazimicrz aus. Schwerin, 2. Febr. Nach dem diesjährigen Staatskalender betaust sich die Volksmenge in Mecklenburg-Schwerin auf 476,499 Seelen, worunter 3434 Juden. Geboren wurden im vorigen Kirchenjahre 16,797 Kinder, worunter sich 58 jüdische befanden; es starben 11,875 Personen, worunter 40 Juden. — Nach diesen Angaben stellt sich ein sehr sonderbares Verhaltniß heraus, nemlich das Verh. der Juden zu ihren christlichen Brüdern wie 1 zu 137, hingegen der jüdischen Geburten zu den christlichen wie 1 zu 288, und der jüdischen Todten zu den christlichen wie 1 zu 296. Ebenso, «ährend das Verhaltniß der christl. Geburten zu der christl. Seelenzahl wie l^zu 28, ist das der jüdischen Geburten zu der jüdischen seelenzahl wie 1 zu 59, und während' das Verhältniß der christl. Todten zu der Seelenzahl wie 1 zu 40, ist das der jüd. Todten'zu der jüdischen Seelenzahl wie 1 zu 86. Eöslin, 3. Febr. (Privatmitth.). Diese Woche lasen wir folgende Verordnung von der hohen königl. Negierung zu Eöslin vom 24. Jan. in dem Amts-Blatt No. 5. vom 31. Jam: „Des Königs Majestät haben bereits früher anbefohlcn, daß den Juden nicht gestattet sein solle, christliche Taufnamen als Vornamen zu führen. Diese allerhöchste Bestimmung, von welcher die Synagogen und Eultus-Beamten der Juden schon im Jahre 1836. in Kenntm'ß gesetzt sind, wird hierdurch mi( der Maßgabe bekannt gemacht, daß Uebertretungengegen diese Vorschrift in Zukunft, abgesehen davon, daß die beigelegten Namen ihre Giltigkeit verlieren, mit Zwei bis Fünf Tälern Geldstrafe polizeilich geahndet werden sollen. Die Polizeibehörden haben hiernach in künftig vorkommenden Fällen der bezeichnten Art das polizeiliche Verfahren einzuleiten, und die Strafe mit Vorbehalt des Recurses an die Unterzeichnete königl. Regierung festzusetzen und einzuziehen. Eöslin den 24 Jan. 1838. Königl. Regierung." —. Die Red. dieser Zeit, kann den dortigen Freunden, die ihr dieses zugesaudt, nur rachen, entweder dem hohen

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