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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-07-15 · Heft 28 (15.7.1898) · p. Seite 334

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 28 (15.7.1898)
Date
1898-07-15
Page
Seite 334 (sequence 10)
Language
German
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-- 334 -- 1. Der Name 'OTia hat nichts zu thun mit einem arabischen und altpersischen mardach, „kleines drolliges Männchen", sondern stammt von Marduk, dem Namen eines babylonischen Gottes, hebraisirt Merodach; vergleiche den babylonischen Personennamen Mardukda. Babylonisch-Heidnischen Ursprungs ist ja auch der aus dem Exil mitgebrachte (vgl. jerus. Rosch Haschana I, Bereschith rabba 48) Monatsname 7ian, denn der von Ezechiel VIII, 14 erwähnte Gott nan, babylonisch Düzu für Dumüzu, entspricht dem griechischen Adonis d. i. fNtt, deffen vorzeitiger Tod im Hochsommer von den Frauen laut beklagt wurde. Heidnisch und darum unjüdisch ist Feibusch, wenn ---- Phoebus (Apollo), nicht minder heidnisch und unjüdisch ist Isidor, das ist der von der ägyptischen Göttin Isis Geschenkte. 2. Das deutsche mutterseelenallein ist nicht aus französischem moi tout 8sut entstanden. Schon das Mittelhochdeutsche hat: muoter eine, d. i. von der Mutter entfernt, allein. Neuhochdeutsch mutterselig allein (schlesisch muttersilge alleene) bedeutet: ganz allein und verlassen, selbst von der verstorbenen Mutter. Unser mutterseelenallein ist wohl erst hieraus entstanden, oder es enthält das Hauptwort Mutterseele, d. i. eine von einer Mutter geborene Seele, irgend ein Mensch.») 3. napezen, „schlummern", kommt nicht von dem böhmischen na pece, „auf dem Ofen", sondern ist gut germanisch: schwäbisch nafzen, „leise schlafen", bairisch naffezen, österreichisch napfitzen, mittelhochdeutsch nafzen, englisch nap. 4. Berches ist nach der einleuchtenden Erklärung von M. Grünbaum (Zeitschr. d. deutsch, morgen!. Ges. XXXI, 348) abgekürzt aus Berchesbrod oder Perchisbrod und enthält den Namen der alt- ' germanischen Göttin Perchta oder Bertha, der auch sonst in einzelnen Gegenden in Verbindung mit gewissen Speisen vorkommt. Mit dem Berchesbrod hat der Berches Aehnlichkeit in Bezug auf die eigenthümliche Gestalt?) Und nun zu unseren jüdischen Namen! Bereits Zunz, Namen der Juden (Ges. Schr. III), S. 17, weist darauf hin, daß schon früh, selbst in Palästina, hervorragende Männer ausländische Namen' ohne hebräisches oder aramäisches Geleit geführt haben. Wenn es heute als erforderlich gilt, neben dem bürgerlichen Rufnamen, falls derselbe nicht biblisch ist, für den rituellen Gebrauch noch einen anderen Nanien zu führen, so muß dieser sogenannte jüdische Name unbedingt hebräisch oder allenfalls aramäisch sein. Und andererseits: wenn es als erlaubt gilt, einen nicht hebräischen und nicht aramäischen Namen für den rituellen Gebrauch neben dem bürgerlichen zu führen, so muß es auch als zulässig anerkannt werden, von der Beilegung eines besonderen „jüdischen" Namens überhaupt abzusehen. Ein Drittes giebt es nicht. Dem Unwesen auf dem Gebiete der jüdischen Namengebung muß endlich einmal der Garaus gemacht werden, und diesen Kampf können und sollen die Konservativen ebenso aufnehmen wie die Liberalen. Denn es ist schlechterdings sinnlos, daß z. B. der deutsche Name Karl im Tempel nicht genannt werden darf, wohl aber dafür der griechische Kalonymosp, daß Güte! (aus mittelhochdeutschem Guta) mehr Recht haben soll als Gertruds. Und nun erst die kauderwälschen Namen wie Scheinle i) Vgl. die erst nach Einsendung dieses Aufsatzes erschienene Bemerkung von Dr. Blumenthal (Jahrg. 1897 S. 298). Bgl. die Bemerkungen über das ebenfalls ursprünglich deutsche Wort Tatscher (Jahrg. 1897 S. 288 und 312). 3) Warum eigentlich Dia^lSp — KalonymoS, das nur einmal bei Prokop vorkommt, und nicht --- Kleonymos, wie so viele Griechen hießen? *) führt Zunz S. 48 aus dem Mittelalter an. (aus Schönlein, Schöne), Veigele (aus Vöglein), Beile (aus Bella), Sprinze (aus italienischem Lpsranrä, trotz Zunz S. 51), Pessel (aus englischem Letü für Elisabeth)! Auch die Pietät kann nicht verpflichten, solche Ueberbleibsel des Mittelalters, solche „verrosteten Erbstücke aus vielen Jahrhunderten" weiter mitzuschleppen. Wir tragen ja auch nicht mehr die Tracht unserer Altvorderen. Seien wir lieber in anderer Weise pietätvoll, indem wir unsere Kinder in der echten Herzensfrömmigkeit jener früheren Geschlechter erziehen, in ihrer Anspruchslosigkeit und Entsagungsfähigkeit! Wem darf man ferner Verständniß zutrauen für eine Logik, nach welcher Heinrich und Hermann auf Hebräisch 'an heißt, weil dieses Wort „Hirsch" bedeutet, und Hirsch mit Heinrich und Hermann den Anfangsbuchstaben gemein hat? Bürgerlicher und ritueller Name müssen in vernünftiger Beziehung zu einander stehen. Nicht wenige Namen sind aus dem Hebräischen und Aramäischen ins Deutsche übergegangen, bei denen dann selbstverständlich der bürgerliche und der rituelle Name identisch sein müssen. So die Männernamen: Bartholomäus ,'al?JT"73I Emanuel (Immanuel, Manuel) ^Kttap, Joachim D1p,)n\ Johann (Hans) pm\ Mathias liTJinö, Michael ^2'a. Ebenso die Frauennamen: Anna pttn. Elisabeth (Elise, Else, Elli, Liesbeth, Betty) Hulda mSn (doch auch deutsch die Holde), Jsabella Maria nna, Martha «ma. Susann» njüW, Therese nsnn. Andere deutsche Namen entsprechen der Bedeutung nach mehr oder weniger genau hebräischen Namen oder als Namen verwendbaren (vergl. Zunz S. 20) Wörtern. So die Männernamen: Adalbert. Albrecht, Albert, Alfons (d. i. an Geschlecht glänzend), August (d. i. Erhabener), Dietrich (d. i. Volksfürst), Eugen (d. i. Edler), Heinrich (d. i. der Fürst des Hauses), Max (zu lateinisch magnus, groß), Richard (d. i. Herrschgewaltiger), Sebastian (d. i. Ehrwürdiger), Ulrich (d. i. Fürst von Erbgut): p^a'2X.oder a*7J oder a'tt’ai? oder ‘TJJ- — Alexander (d. i. Tapferer), Anselm (d. i. Gottesstreiter), Bernhard (d. i. mannfest), Eberhard (d. i. stark wie ein Eber), Edgar, Edmund, Eduard (d. i. Schützer von Hab und Gut), Ernst (d. i. Kämpfer, Willensfester), Erwin (d. i. Heerfreund) Ferdinand (d. i. Heerkühn), Gerhard (d. i. Speerstark), Günther (d. i. tüchtiger Krieger), Hellmuth, Hermann (d. i. Kriegsmann), Leopold, Theobald (d. i. tapfer für das Volk), Ludwig (d. i. ruhmvoller Kämpfer), Nikolaus, Klaus (d. i. Sieger über das Volk), Walther (d. i. Heergewaltiger), Werner (d. i. Schutzheld), Wilhelm (d. i. nach dem Helm verlangend): ^TT-p oder bxnaj oder oder ^njM oder -naj oder nanba-ü’K oder ^iraa oder rppn oder b^pTir oder oder ,TU7 oder paK oder .T2K5K- — Alfred (d. i. gut und freundlich an Rath), Clemens (d. i. mild): pn oder oder!TJ3n oder oder Sxan“!1. — Arnold (d. i. Adlerwalt): -lEa. — Balduin (d. i. als vergnügt Geliebter): nnaD- — Berthold (d. i. der glänzend waltet), Robert, Ruprecht (d. i. glänzend an Ruhm): -»arr oder N33 oder TK1 oder ->'tra oder oder mix oder mi oder nVTU — Benedikt: pna. — Bruno (d. i. Brauner): '3iaNX- — Friedrich, Kasimir (d. i. Friedengeber): nnbw- — Felix (d. i. Glücklicher): “HPK oder pa'3a oder N3 oder oder rrbxa oder “p-Q oder N'aaa. — Georg (d. i. Ackersmann): "DK- — Gottfried, Gotthard, Gottlieb, Theophil: iTTT oder mru oder bxTtn oder D*Wa. — Gotthilf: PV1N' oder oder “lUrSx oder mH) oder oder oder iN'aav oder NNL oder .Tfc^S oder bx'tsbs oder — Gottschalk (d. i. Knecht Gottes): rr'iap oder ^«'lav- — Gregor (d. i. Wachsamer): “iaiP oder naiP oder KTP. — Hubert, Hugo (d. i. durch Denken glänzend): '3!aan oder pa'. — Justus (d. i.

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