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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-07-08 · Heft 27 (8.7.1898) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 27 (8.7.1898)
Date
1898-07-08
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 der die bedeutendsten Vertreter dieses Faches, wie Robert Koch, Weigert u. A., zu seinen Schülern rechnen durfte. Ferdinand Cohn beherrschte auch ganz wunderbar, in Wort und Schrift, die deutsche Sprache; es war geradezu ein Genuß, seinen geistvollen und gedankenreichen Vorträgen zu lauschen. Wie meisterhaft er aber die Feder beherrschte, davon zeugt sein weit über die Grenzen Deutschlands bekanntes Buch „Die Pflanze", durch das er sich ein Denkmal für alle Zeiten gesetzt hat, und das bereits ein Gemeingut der gesummten gebildeten Welt geworden ist. Ferdinand Cohn besaß aber nicht nur seltene Geistesgaben, er war auch ein Mann, den die höchsten menschlichen Tugenden schmückten, seine Selbstlosigkeit, seine Liebenswürdigkeit und Herzensgüte sicherten ihm die Liebe und Verehrung Aller, die das Glück hatten, ihm näher zu treten. Rühmenswerth ist auch Ferdinand Cohns treues Festhalten am Glauben seiner Väter gewesen. Er war einer der Ersten, der der „Gesellschaft zur Erhaltung der Denkmäler jüdischer Kunst und Wissenschaft" beitrat. Sein Hauptverdienst um das Judenthum besieht aber in jener wissenschaftlichen Vernichtung des Aberglaubens von der Hostienschändung, die seiner Schrift „Naturwissenschaft und Aberglaube" zu danken ist; er entdeckte den rothen Spaltpilz auf den Oblaten in feuchten Kirchenräumen und wies dadurch nach, daß auch der Vorwurf der Hostienschändung, ^den man uns Juden gemacht, und der so viel Blut gekostet hatte, leer und nichtig sei. So hat sich Ferdinand Cohn in jeder Weise die größten Verdienste erworben und sich für alle Zeiten in den weitesten Kreisen ein treues Gedenken gesichert. Die Bestattung des gefeierten Gelehrten gestaltete sich, wie vorauszusehen, zu einer imposanten Trauerkundgebung für den allverehrten Lehrer und Forscher. Um 11 Uhr versammelte sich in der Behausung ein beschränkter Kreis von Trauergästen, neben der Familie des Verstorbenen die Vertreter von Behörden, Korporationen u. A. Wir bemerkten den gesummten Lehrkörper der Universität mit dem Rektor Magnificus an der Spitze, eine Reihe auswärtiger Professoren, den Oberbürgermeister Bender an der Spitze des gesammten Magistrats, zahlreiche Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung, ferner Deputationen des Vorstandes der jüdischen Gemeinde, der Militärärzte des 6. Armeekorps und vieler anderer Körperschaften. Zunächst trat Rabbiner Dr. Guttmann vor den einfachen Sarg, der unter der Fülle der kostbaren Blumenspenden fast verschwand, und gab in formvollendeter und gedankenreicher Rede der allgemeinen Trauer um diesen großen Mann Ausdruck. Sodann ergriff der Direktor des hiesigen botanischen Gartens, der Spezialkollege des Verstorbenen, Prof. Pax, das Wort, um in tiefbewegten Worten die Bedeutung Ferdinand Cohns als Mann der 'Wissenschaft zu preisen. Felix Dahn recitirte darauf den von ihm verfaßten poetischen Nachruf für den verstorbenen Freund und Kollegen, und nach ihm sprach noch Geheimrath Ladenburg, ein intimer Freund des Cohn'schen Hauses, im Namen der Familie. Chorgesang eröffnete und beschloß die erhebende Feier. Inzwischen hatte sich auf der Straße ein ungemein zahlreiches Trauergefolge versammelt, das sich nunmehr, als die Trauerfeier in der Behausung beendet war, zum Zuge ordnete. An der Spitze gingen die Chargirten sämmtlicher hiesigen Studentenverbindungen, die theilweise in corpore dem Heimgegangenen Lehrer die letzte Ehre erwiesen, und ihnen schlossen sich zahlreiche nichtinkorporirte Studenten an; dann folgten mehrere Träger mit Kränzen, unter denen der der Stadt Breslau mit der Inschrift: „Ihrem großen Sohne und Ehrenbürger die dankbare Stadt Breslau" besondere Bewunderung erregte. Unmittelbar vor dem Leichenwagen schritten die städtischen Ausreuter in ihrer spanischen Tracht und mit wallendem Federbarett. Dem Leichenwagen folgte eine überaus große Menge Leidtragender und etwa 50 Equipagen. Auf allen Straßen, die der imposante Zug passtrte, bildete eine dichtgedrängte Menschenmenge Spalier. Auf dem Friedhofe, wo der Zug um 12% Uhr anlangte, rief Rabbiner Dr. Rosenthal in der überfüllten Leichenhalle, die die große Zahl der Leidtragenden nicht im Entferntesten zu fassen vermochte, dem Verewigten nochmals Worte treuen Gedenkens nach, hob seine Glaubenstreue hervor und wies in erhebenden Worten auf das Familienglück des Entschlafenen hin; dann wurde Ferdinand Cohn neben einem anderen großen Todten, dem unvergeßlichen Rabb. Dr. Joel, zur letzten Ruhe bestattet. Mag das stolze Bewußtsein, daß er unser war, uns alle und besonders die Angehörigen des Verblichenen trösten! Sein Andenken wird nie erlöschen! o. Breslau, 4. Juli. Der Vorstand des liberalen Vereins der Synagogengemeinde entwickelt eine rührige Thätigkeit in seiner gegenwärtigen Zusammensetzung. Derselbe besteht aus den Herren: Dr. Reich, z. Z. Vorsitzender, Dr. Moses, z. Z. Schriftführer, Hugo Jacobsohn, Dr. Jungmann. Dr. E. Samuelsohn, Julius Jarecki, Emil Freund, H. Neustadt, Emanuel Breslauer, Georg Sachs, Eugen Schiff, N. Pasch, Georg Wohlauer, Rechtsanwalt Carl Joel. Soeben hat der Vorstand dieses Vereins der hiesigen Synagogengemeinde folgende Petition unterbreitet: Der Vorstand wolle darauf bedacht sein: I. „neue feste, durch angemessene Honorirung die Existenz auch einer Familie verbürgende Religionslehrerstellen an den Gemeinde-Religionsschulen zu schaffen". II. Der Vorstand wolle beschließen: nach Einvernehmen mit dem Kuratorium der Fränkel'schen Stiftungen und dem Lehrkörper des hiesigen jüdisch-theologischen Seminars dahin zu wirken: 1. daß an dem jüdisch-theologischen Seminar Hierselbst Unterrichtskurse für solche Studirende, welche sich dem Lehrfach widmen, beziehungsweise für akademisch gebildete Lehrer eingerichtet werden, und zwar zu dem Zweck, um diesen Akademikern die Möglichkeit zu geben, sich für die Ertheilung des jüdischen Religionsunterrichts an höheren und mittleren Schulen auszubilden, 2. daß an dem genannten Seminar eine Lehrerabtheilung für solche Hörer des Seminars und der Universität, welche sich ausschließlich der Ertheilung des Religionsunterrichts an höheren und mittleren Schulen widmen wollen, geschaffen werde, 3. daß im Anschluß an das genannte Seminar für solche Damen, welche Lehrerinnenseminare besuchen, Unterrichtskurse eingerichtet werden, durche welche ihnen Gelegenheit geboten wird, sich als Religionslehrerinnen für höhere und mittlere Mädchenschulen auszubilden. Man darf darauf gespannt sein, wie sich die Gemeindebehörden zu diesen berechtigten Forderungen stellen werden. d. Görlitz, 1. Juli. Der Verbandstag der schlesischen Thierschutzvereine, der am 25. v. M. hier abgehalten wurde, hatte auf seiner Tagesordnung „die Schächtfrage". Der Vertreter des Vereins Strehlen nahm hierzu in längerer Rede das Wort, führte all die alten, unzählige Male schon widerlegten Sätze, die gegen das Schächten sprechen, wieder vor und stellte im Namen seines Vereins den Antrag: „Der Verband der schlesischen Thierschutzvereine möge an zuständiger Stelle ein gesetzliches Verbot des Schächtens erwirken". Mit vieler Energie sprach dagegen Herr Roßarzt Huch-Breslau, indem er aus seiner praktischen Erfahrung darlegte, daß das Schächten durchaus keine Thierquälerei sei, im Gegentheil manche Vorzüge habe, so daß die Schächtmethode eher von den Thierschutzvereinen zu empfehlen wäre; nur möge man darauf sehen, daß durch geeignete Schächtplätze und Instrumente die Vorbereitungen zum Schächten im Sinne des Thierschutzes geregelt würden. Nachdem auch noch Rabbiner Dr. Cohn, der Vertreter für Kattowitz, in eingehender Rede für das Schächten eingetreten, wurde der Antrag Strehlen mit überwiegender Majorität abgelehnt und die jetzt von dem Delegirten desselben Vereins vorgeschlagene Resolution: „Es möchte den einzelnen Thierschutzvereinen empfohlen werden, die Schächtfrage im Auge zu behalten und darauf zu achten, daß bei den Vorbereitungen zum Schächten keine Thierquälereien Vorkommen" mit allen gegen zwei Stimmen angenommen. Wir können mit diesem Resultat umsomehr zufrieden sein, als jede Thierquälerei vor dem Schächten schon immer auf das Sorgfältigste vermieden wird, auch schon von Seiten der Regierung Verordnungen dafür erlassen worden sind, auf deren Einhaltung streng geachtet wird. X Hannover, 30. Juni. Am 7. und 6. November d. I. feiert das hiesige j üd i sche Seminar sein 50jähriges Bestehen. Im Jahre 1848 von dem verstorbenen Landrabbiner Dr. Meyer gegründet, wirkten als Direktoren der verstorbene Professor Dr. Freusdorff, Dr. Prager, jetzt Landrabbiner in Kassel, und Dr. Kroner, jetzt Kircheurath in Württemberg. Zur Zeit steht die Anstalt unter Leitung des Herrn Direktor Dr. Knoller. Aus dem Seminar gingen in den 50 Jahren ungefähr 400 Schüler hervor, die als Lehrer in allen Theilen Deutschlands wirken. Die Anstalt erfreute sich stets, und dies ist noch heute der Fall, eines ausgezeichneten Rufes. Die Verwaltung hat die Absicht, die Feier in größerem Maßstabe zu begehen. Es wäre zu wünschen, daß, so weit es angängig ist, die früheren Schüler die Gelegenheit nicht vorübergehen ließen, wieder einmal den Ort und die Anstalt aufzusuchen, dem resp. der sie ihre Ausbildung verdanken. — Im Juni feierte die hiesige M.M. David'sche Stiftungsschule, die vor kurzer Zeit durch das plötzliche Hinscheiden des Herrn Dr. Kayserling einen so schweren

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