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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-07-08 · Heft 27 (8.7.1898) · p. Seite 323

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 27 (8.7.1898)
Date
1898-07-08
Page
Seite 323 (sequence 11)
Language
German
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323 Weisheit des Königs der Hebräer war erschollen nach allen Gegenden, und die Fürsten der entferntesten Länder kamen gen Zion, den weisen König zu besuchen. Da nun die Königin von Saba zu Ezjon-Geber verweilte, begaben sich die folgenden Geschichten in der Küstenstadt. (Forts, folgt.) Ver Salon 1898. Bon M. Friedeberg. II. ie Abtheilung Baukunst ladet uns dieses Mal zu längerem Verweilen ein, da sie eine Reihe von Entwürfen für Sy nagogenbauten enthält. Wenn man bedenkt, daß noch vor einem halben Jahrhundert in Oesterreich, Preußen (in manchen östlichen Ländern ist es wohl auch noch heute so) Synagogen nur in einer Form gebaut werden durften, daß sie mit anderen Gotteshäusern an Schmuck und äußerer Würde gar nicht konkurriren konnten — freie Plätze, die für die architektonische Entwickelung so wichtig sind, waren z. B. nicht gestattet — so kann man über die hier ausgestellten Entwürfe zum Wettbewerb für die Erbauung einer neuen Synagoge in Dortmund nur hohe Befriedigung empfinden. An dem Wettbewerb haben sich die Architekten I. Kröger (Wilmersdorf bei Berlin), Hoeniger & Sedelmeier (Berlin) und E. Fürstenau (Charlottenburg) betheiligt. Der letztere, mit dem ersten Preise ausgezeichnete Entwurf gelangt zur Ausfiihrung. Es steht hierzu eine Bausumme von 350000 M. zur Verfügung, gewiß eine respektable Leistung seitens der westfälischen Mittelgemeinde, die allerdings zu den ältesten Kehillas in Deutschland zählt. Von dieser Summe kommen auf den Bau 250000 M., auf die innere Ausstattung 47 000 M., auf Heizung 15 000 M., auf Beleuchtung 10 000 M., für Regulirung und Entwässerung werden 16000 M. und für die Orgel 12 000 M. verwandt. Das Erdgeschoß enthält 750 Plätze, die Empore 450 Plätze. Der Entwurf bietet etwas ganz Eigenartiges, frei Aufstrebendes. Das mächtige Portal mit den zwei Thürmen und die maurisch stilisirte Hauptkuppcl, über der sich noch eine Ballustrade erhebt, die wiederum in einem mit dem Davidsstern gekrönten Thurm nebst Kuppel gipfelt, verstärken den imposanten Eindruck des doch ganz den Charakter unserer Synagogenbauten tragenden Bauwerks. Der maurische Kuppelstil ist ja bei der Mehrzahl der deutschen und österreichischen Synagogen zur Anwendung gekommen, den rein gothischen Stil repräsentirt unseres Wissens nur die von Baurath Oppler, einem Glaubensgenossen, in Hannover erbaute Synagoge. Die Architekten Hoeninger & Sedelmeier haben auch ihren Entwurf für den Neubau des jüdischen Kurhospitals in Kolberg ausgestellt, das mit seinem hübschen Portal, Balkon in stattlicher Ausführung einen angenehmen Eindruck hinterläßt. Alfred Breslauer stellte seine Zeichnungen für das Wohngebäude in Berlin, Dorotheenstraße 6, aus, R. Wolffe nstein (Berlin) ist mit architektonischen Reiseskizzen aus Italien und Spanien vertreten. — Kehren wir von der Abtheilung Baukunst, die auch sonst manches Interessante enthält, wieder zur Gemäldegalerie in den mit auserlesenen Kunstwerken geschmückten ehemaligen „Ehrensaal" zurück, so können wir an dem „Elias" (Nr. 300) von Eduard von Gebhardt (Düsseldorf) nicht vorübergehen. Gebhardt, einer der hervorragendsten Maler der Gegenwart, vertritt die Anschauung, daß uns die Gestalten der Bibel im Kostüm unserer Zeit eindrucksvoller näher treten, als wenn sie in orientalischer Tracht und Umgebung dargestellt werden. Sein „Elias" liegt als rothbärtiger. schlecht bekleideter Wanderer mit Stab am Rande eines Busches — soeben schwebt der Engel mit dem Wasserkrug und dem Brode zu dem Erschöpften heran, der bittend die linke Hand emporhebt. Zur Rechten hockt ein Rabe. Der Engel scheint den Propheten, dessen Gesichtszüge die Begeisterung nach Vollführung seiner weltgeschichtlichen Mission, der Tödtung der Baalspriester, ausdrücken, ängstlich zu fragen: „Du hungerst?" Das Gemälde soll unzweifelhaft jene Bibelstelle verkörpern, in der es heißt: „Elias legte sich unter einen Ginsterstrauch, da berührte ihn ein Engel und sprach zu ihm : „Steh' auf und iß." An einer früheren Stelle spricht Gott zu dem mehr als einmal flüchtigen und verbannten Propheten: „Verbirg dich am Bache Kerith, aus dem Bache kannst du trinken, und den Raben habe ich geboten, Dich daselbst mit Speise zu versorgen." Danach erst schritt Elias mit dem an sein Volk gerichteten Mahnruf: „Wie lange hinkt ihr nach beiden Seiten hin?" zur Tödtung der Baalspriester. Es ist Gebhardt nicht gelungen, uns unseren Elijarhu hanowi darzustellen, allein sein Werk verdient die höchste Achtung. — Mit Genreszenen aus dem ländlichen Leben der Bretagne und Hollands erfreuen uns dieses Mal Max Kahn (Paris) und Max Liebermann (Berlin), der seit der letzten Berliner Ausstellung den Professortitel erhalten hat. Der Ausstellungs-Kommission gehört, und zwar als vom Verein Berliner Künstler gewähltes Mitglied, unser Glaubensgenosse Hugo Struck an, der mit einer Original- Radirung, einem sehr naturalistischen weiblichen Akt, im diesjährigen Salon vertreten ist. Lazar Rosenberg, der einen interessanten Studienkopf (Nr. 838) ausgestellt hat, ist ein Kind der Kownoer Judengasse. Ein Mäcen, der um die Linderung des Elends der litthauischen Juden hochverdiente Großkaufmann F., ließ dem talentirten armen Knaben in Königsberg Zeichenunterricht geben und schickte ihn dann auf die Akademien von Berlin, Caffel, Paris. Heute ist Rosenberg ein sehr geschätzter Porträtmaler; als Protege des früheren russischen Gesandten in Berlin, des Grafen Schuwalow, hat er seinen Weg in die Gesellschaft gefunden. Am zahlreichsten sind unsere Glaubensgenossen und Genossinnen, soweit sie sich der Malerei befleißige», auch in dieser Ausstellung mit Porträts vertreten. Wir nennen A.Löwenstein (Berlin), „Bildniß einer alten Dame" (Nr. 643); Henriette Mendelssohn (Berlin), Pastellbildniß; Betty Wolfs. Hervorragende Erwähnung verdienen Ernst Nelson (Berlin), der uns das durchgeistigte Antlitz des Herrn Professors I., und die rasch zur Anerkennung gelangte Julie Wolf- Thorn (Berlin), die in schlichter Auffassung den Bildhauer G. Wolf in Arbeitstracht vorführt. — Für eine Nachlese behalten wir uns noch einige Gemälde aus dem besonderen Stoffgebiet des Judenthums vor. Der Katalog zählt 1720 Nummern; es ist nicht möglich, allen auf einmal gerecht zu werden. Litterarrsche Mittheilnngen. ---- Urtext und Übersetzungen der Bibel in übersichtlicher Darstellung. (Leipzig 1897, I. C. Hinrichs.) Diese Schrift ist ein Sonderabdruck der Artikel „Bibeltext" und „Bibelübersetzungen" aus der eben erscheinenden dritten Auflage der „Realencyklopädie für protestantische Theologie und Kirche". Sie ist bestimmt, eine fühlbare Lücke in unserer Litteratur auszufüllen, da es bisher an einem Werke, das die gesicherten Ergebnisse der neuen Untersuchungen über die Ueberlieferung und Gestaltung des Textes der heiligen Schrift sowie über die Entstehung und den Werth der alten Bibelübersetzungen zusammenfassend darstellte, gefehlt hat. Die Arbeit, an der vorzügliche Kräfte mitgewirkt, ist eine treffliche und kann selbst den höchsten Anforderungen der Wissenschaft genügen. Nach einer genauen Unter-

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