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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-07-08 · Heft 27 (8.7.1898) · p. Seite 322

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 27 (8.7.1898)
Date
1898-07-08
Page
Seite 322 (sequence 10)
Language
German
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322 EUILLETON Me Rose von Saron. Line Erzählung. II. wischen Aegypten und denijenigen Arabien, welches man das wüste nennt, ragt eine ungeheure Halbinsel in das rothe Meer hinein, genannt das peträische oder steinige Arabien. Diese Halbinsel ist östlich und westlich durch zwei tief ins Land reichende Meerbusen bon Arabien und Aegypten geschieden. Südwärts weichen die Ufer beider Länder zurück, so daß ein mächtiges Meer zwischen den Gestaden hinwogt und durch die Felsenpforte der Sabäer, Bab-el- Mandeb, in den unermeßlichen Schooß des Südozeans rauscht. Im Süden des steinigen Arabiens sind jene heiligen alten Berge zu sehen, der Horeb und Sinai, an denen die Kinder Israels vorüberzogen, dem verheißenen Lande zu. Am Horeb und Sinai streichen die Ränbervölker der Wüste, aber nordwärts gegen Palästina und Syrien erheben sich feste Städte, und tapfere Böller haben Staaten gegründet. Droben, nahe den Gestaden des Miltelmeeres, und zwischen Palästina und Aegypten hausen die Kinder Amaleks; neben ihnen, bis hinauf an die östlichen Ufer des tobten Meeres, wohnen die Moabiter. Südwärts von den Kindern Moabs, die Berge Seir entlang bis an den östlichen Busen des rothen Meeres, gebietet Cdom, dessen Städte an den Abhängen und längs der Küsten ragen. Nordwärts von diesen Völkern, bis gegen Damaskus und die Städte der Phönizier hinauf, wohnen die Hebräer. Zur Zeit der Begebenheiten, die hier erzählt werden sollen, gebot Salomo der Weise von Dan bis Bersaba über alle Stämme Israels. Das Reich Israel war aber unter den beiden Königen David und Salomo mächtig geworden, und es waren die Völker Amalek, Moab und Edom den Hebräern unterworfen, ja Salomos Gebote reichten bis Damaskus und zu den Thälern des hohlen Syrien. Darum lagen Besatzungen der Hebräer in allen Hauptstädten Edoms, und besonders waren es die handeltreibenden Küstenstädte, wo Israel mit Macht gebot und unzählige Schiffe von den Sidoniern sich bauen ließ. Aus den Hafen dieser Städte liefen die Schiffe der Hebräer sodann kühn aus nach den Ländern der Aegypter und Sabäer und nach dem fernen köstlichen Lande Ophir und brachten Gold und Silber heim und weißes, glänzendes Elfenbein. Die Kinder Edoms aber trugen unwillig die Herrschaft Israels und wehrten sich häufig gegen die Befehle des Königs von Jerusalem. Wie gesagt, das rothe Meer schließt das steinige Arabien durch zwei breite Busen ein. An dem westlichen Busen waren die Küstenstädte Elath und Ezjon-Geber, welche den größten und wichtigsten Handel mit den fernen Ländern trieben. Hart am Gestade, wo die Berge Serr sich zum felsigen Hochgebirge absenken, erhebt sich Ezjon-Geber, beschützt durch eine Citadelle, die den Kämm des Vorgebirges bedeckt. In dieser Citadelle lag imnierwährend hebräische Besatzling, die Stadt selbst aber, die am niedrigen Gestade ausgebreitet war, wurde von den Kaufleuten Edonis bewohnt. Ezjon-Geber war die schönste der Städte Edoms. Die Paläste der Kaufleute lagen wie ebenso viele ländliche Gartenhäuser in dem flachen Gestade und waren durch große, prangende, duftende Gärten von einander geschieden. Bis hart an die Mauern dieser Gärten rauschten die Wellen des Hafens, .wo die kunstreichen Schiffe der Phönizier ihre Cedernmasten gegen die Palmen der Gärten neigten. Hier stockte das Leben nie. Tag und Nacht schnitten Kähne die rauschende Fluth, und Schiffe hoben die Anker, und andere Schiffe rollten herein, und in den lauen Nächten tönte Musik aus den kühlen Gärten am Gestade. Auf den Schiffen wie in den Straßen erschollen die Sprachen aller Völkerstämme von den Inseln der Griechen im Norden an dis zu dem Lande Ophir, wo die Sonne Erde und Pflanzen verbrennt. Am zahlreichsten waren die Phönizier versammelt aus den Städten Tyrus, Sidon, Sarepta und anderen. Auch sah man da die schlauen Griechen, die sich des Handels wegen in die Länder der Aegypter eingeschlichen. Da schritten auch Syrer von Damaskus und die düsteren Aegypter von Mero« und Thebais und die gelenkigen, rauhen, lüsternen Sabäer aus dem südlichen Arabien. Da erblickte man die Kinder Moabs, die auf den Bergen Seic jagen, und die Söhne Amaleks, die neben den Philistern wohnen. Da staunten die Kinder der Wüste, die im innersten Arabien ihre Heerden treiben, da lehnten die Perser und Meder, damals dem mächtigen Babel unterworfen, da wimmelten die Kinder Edoms, Laste» tragend und Kähne steuernd und allezeit dienstfertig den fremden reichen Kaufleuten. Am meisten aber willfahrten sie den Kindern Israels, die von den Ufern des Jordans herabgekommen waren und großen Handel trieben zu Schiffe und auf dem Rücken der Kanieele nach dem reichen Arabien. Ostwärts von der Stadt erhob sich das erwähnte Vorgebirge und die mächtig emporgebaute Citadelle. Aber nach Norden und Süden breiteten sich grüne, liebliche Gefilde aus, und an den Gestaden des Meeres ragten Palinen und die prachtvollen, duftreichen Blumen und Kräuter der warmen Zone. Hier prangte eine üppige Vegetation zu allen Jahreszeiten, unermeßliches Weizenland, reich bcwäfferte Reisfelder und an den Abhängen jene baumhohen Weinstöcke. deren Reben gleich Zweigen sich emporranken und keines stützenden Stabes bedürfe». Dieses üppige Gefilde ist im Norden durch die Berge begrenzt, die das Land Amalek von Edom scheiden. Südwärts ragen jene verbrannten Kalksteingebirge, aus deren wüster Umgebung der Sinai sein donnerndes Haupt emporstreckt. Längs dieser öden Küste rauscht die Meerfluth abwärts den Gestaden Aegyptens zu. Es war also im neuiiiniddreißigsten Jahre der Regierung Salomos, als sich zu Ezjon-Geber das Gerücht eines großen Aufruhrs verbreitete, der im Lande Israel gegen Salomo entbrannt, aber zugleich blutig vereitelt worden sei. Das Gerücht deffelben verbreitete sich um so lebhafter, da Edom durch Auflehnung Israels gegen Salomo die verlorene Unabhängigkeit selbst zu erwerben hoffte. Als Urheber des Aufstandes wurde ein tapferer Mann genannt, der ehedem unter Salomo gegen Israels Feinde mit Ruhm gefachten, Jerobeam, Oberster über de» Stamm Ephraim. Dem hatte ein Mann Gottes die Herrschaft über Israel prophezeit, aber es war der Aufstand an Salomos festem Throne zerschellt. Diese Geschichten hatten sich in Israel begeben zu Anfang des Jahres, während des Monats Nisan, aber der Ausstand war gebändigt worden, ehe das Passahlamm gegeffen und die heiligen Tage des Befreiungsfestes gefeiert worden. Der Monat Nisan, wo die Aehren sprossen und der Frühling mit ganzer Macht erwacht ist, entspricht aber, der Zeit nach, dem April der Abendländer. Zur nämlichen Zeit, da das Gerücht jener Begebenheiten in Ezjon-Geber erschollen, war aus der Wüste heraufgezogen die Königin von Saba mit fünfhundert Kameelen, die das Gefolge der Fürstin mit prächtigen Geschenken für den König Salomo trugen. Denn die

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