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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-07-08 · Heft 27 (8.7.1898) · p. Seite 316

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 27 (8.7.1898)
Date
1898-07-08
Page
Seite 316 (sequence 4)
Language
German
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t- 316 paganda, welche in Aussicht nimmt, Palästina zu besetzen oder zu kaufen, und über welche die „Freunde Zions" verhandelten. Die Veranlassung zu diesen Ausführungen war, daß sich in der letzten Woche eirka 5000 Juden zu einem Massen-Meeting in der VII. Weststraße von New-Uork versammelt haben, um diese und verwandte Angelegenheiten zu diskutiren. Der türkische Gesandte sagte: „Mit Rücksicht auf die Agitation, die jetzt in vielen jüdischen Kreisen betrieben wird, muß ich erklären, daß ich jetzt und schon früher allerlei unsichere Gerüchte über eine solche Bewegung gehört, aber — wie ich offen sagen muß — bisher den wahren Grund dieser Bemühungen noch nicht verstanden habe. Man hat mir gesagt, mag es nun wahr sein oder nicht, daß das Ziel dieser Bestrebungen ist, die Juden in Palästina zu sammeln, um für dieselben eine freie Heimstätte zu schaffen. Was die Ausführbarkeit dieser Ideen anbetrifft, so möchte ich, ohne in die Details einzugehen, sagen: Die Juden wissen selbst, wie groß und wie hochherzig der Schutz ist, den ihnen Seine Majestät der Sultan im ganzen türkischen Reiche bewilligt hat. Die Juden beklagen sich selbst, daß sie in fast allen Theilen Europas mehr oder weniger bedrückt würden. Ich kann nicht entscheiden, ob dies wahr oder falsch ist, aber das weiß ich, daß sie in der Türkei immer gewesen und heute noch sind frei, glücklich und in gedeihlichen Verhältnissen. Viele von ihnen haben hohe Stellungen in der Beamtenschaft; in ihren privaten und persönlichen Unternehmungen sind sie ungestört. Es scheint mir nicht weise, daß sie durch diese Art von Agitation Anlaß geben, Schwierigkeiten zwischen sich und der türkischen Regierung zu schaffen, indem sie eine chimärische Idee in die Wirklichkeit umzusetzen versuchen. Es thut mir leid, es aussprechen zu müssen, aber die einzigen Resultate, die derartige Versuche haben könnten, würden sein, daß Ihren glücklichen, friedfertigen Glaubensgenossen in der Türkei Schaden zugefügt würde. In diesem Zusammenhänge möchte ich an ein Borkommnitz der neuesten Geschichte erinnern. Eine Gemeinschaft, die in Frieden, Harmonie und Zufriedenheit seit Jahrhunderten unter der türkischen Regierung lebte, beging die Dummheit, den maechiavellistischen Einflüsterungen Fremder zu folgen, und hat nun ihre Handlungsweise zu bedauern, ohne irgend einen Erfolg erzielt zu haben. (Gemeint sind augenscheinlich die Armenier.) Ich hoffe, daß dies für alle Freunde „Zions" eine große und philosophische Lehre sein wird. Ich trage kein Bedenken, so indiskret zu sein und zu verrathen, daß ich meine Regierung bereits von dieser Bewegung benachrichtigt habe. Ich lebte Jahre lang mit meinem Vater in Jerusalem, als er daselbst türkischer Gouverneur war, und ich weiß, daß die Juden dort glücklich und mit ihrem Loose zufrieden waren. Es wäre nicht klug, diese Leute in falschen Hoffnungen zu bestärken, die sie in unfreundliche Beziehungen zu einer Regierung brächten, die nur bemüht ist, ihnen zu helfen." Wir sind neugierig, was unsere Zionisten zu diesen Erklärungen von gewiß maßgebender Seite sagen werden. Verein jüdischer Lehrer «nd KuUusbeamten in Südwestdeutschland. f ie diesjährige (XVII.) Generalversammlung des „Vereins jüdischer Lehrer und Kultusbeamten in Südwestdeutschland" tagte am 29. und 30. Mai in Kreuznach im Hotel Levlj. Hier eröffnete der Vorsitzende, Kollege Eppstein-Hoppstädten, Nachmittags 2 Uhr die Versammlung durch Begrüßung der zahlreich Erschienenen, unter welchen die Herren Rabbiner Dr. Tawrogi-Kreuznach und Landrabbiner Dr. Loewy-Birkenfeld anwesend waren. Dr. Tawrogi bewillkommnete die Versammlung herzlich auch im Namen der Kreuznacher Synagogen-Gemeinde. Der Vorsitzende machte im Aufträge des deutschen Lehrerbundes vertrauliche Mittheilungen, die mit Befriedigung ausgenommen wurden. Die durch den Unterzeichneten Kaffenführer erfolgte Rechnungslage ergab einen Kassenbestand von 60,54 Mk. Der Rendant wurde entlastet. In der Vorstandswahl wurde Kollege Eppstein-Hoppstädten und Ransenberg-Neuwied wieder- und Kollege Nußbaum-Trier neugewählt. u Delegirten für den deutschen Lehrerbund wurden Kollege Eppstein- Hoppstädten und Nußbaum Trier erkoren. Auf die Anfrage des Vorsitzenden erklärten sich viele Mitglieder bereit, den D.-J. G.-B. bei der Aufstellung des statistischen Jahrbuches zu unterstützen, beauftragten aber den Vorsitzenden, den D.-J. G.-B. zu bitten, als Entgelt für die Mühewaltung den betr. Lehrern gleich den Bundesgemeinden ein Exemplar dieses Jahrbuchs kostenlos zugehen zu lassen. Nach Besprechung der Frage der Vereinigung mit anderen in Rheinland und Westfalen bestehenden Lehrervereinen, namentlich mit „Essens wurde beschlossen, diese Frage als offene zu betrachten, und die Reso lution gefaßt: „Der Vorstand wird ermächtigt, den Ort der nächstjährigen Tagung zu verlegen, um ein gemeinschaftliches Tagen mit dem Essener Verein zu ermöglichen. Kollege Lißner-St. Johann referirte über das Thema: „Thätig keit und Ausbildung desKantors." Nach lebhafter Debatte wurde eine dreiköpfige Kommission gewählt, die für den zweiten Sitzungstag die Ergebnisse des Vortrages und der Debatte in Leitsätzen aufstellen sollte. Nach dem gemeinsamen Abendessen saßen die Theilnehmer noch bis in späte Abendstunde in fröhlichster Stimmung beim Weine, den die Synagogen-Gemeinde Kreuznach gespendet. Hell klangen die Becher, und munter floß die Rede. Manches ernste und heitere Wort wurde ge sprochen. Kollege Lißner-St. Johann und Frau und sangeskundige Kollegen ernteten reichen Beifall für ihre Gesangsspenden. Zweiter Tag: Um 8 Uhr Vormittags hielt Kollege Heß-Saar wellingen in einem Schulsaale der katholischen Schule eine Lehrprobe, in welcher er den Mittelsatz der Freitag-Abend-Schemane-Esreh mit Kindern der Kreuznacher Religionsschule übersetzte. Daran schloß sich im Versammlungslokale eine rege Besprechung, die durch eine Kritik des Kollegen Kann-Wittlich eröffnet wurde. Nachher gelangten im An schluß an den gestern gehörten Bortrag „Thätigkeit und Ausbildung desKantors" die von der betr. Kommission vorgeschlagenen Leitsätze zur Annahme: 1. Die Thätigkeit als Kantor erfordert eine ausreichende Kenntniß der liturgischen Gesänge und des Ritus. 2. Wenn die Ausbildung zum Kantor an den Lehrerseminarien geschieht, dann erfordert dieser Unterricht mehr als heute Berücksichtigung. 3. Die Trennung der Schechitah vom Kantorat und die feste Anstellung des Kantors ist anzustreben. Weil unser Verein aus seiner Kasse und den Zuwendungen des Lehrerbundes den Konferenzbesuchern die vollen Fahrkosten vergütet, wurde für den Neueintritt beschlossen: „Mitglied des Vereins wird jeder Kollege auf seinen Wunsch sofort, aber Anspruch auf die Fahrkostenvergütung hat er im ersten Jahre seiner Mitgliedschaft nur nach dem Verhältniß seiner Reisekosten zu dem Zuschüsse des Lehrerbundes." Zugleich wurde mit Bezug auf säumige Mitglieder der Beschluß gefaßt: „Der Jahresbeitrag ist alljährlich spätestens bis zum 1. April zu entrichten. Wer bis zu diesem Zeitpunkt nach erfolgter Mahnung des Kassirers nicht bezahlt hat, verliert bei dem Besuche der Jahreskonfercnz sein Anrecht auf Erstattung der Reisekosten." Die nächstjährige General-Versammlung findet in St. Johann nach der vorläufig gesetzten Tagesordnung statt: 1. Vorbildung der Schuljugend zur Theilnahme am öffentlichen Gottesdienst. (Selig-St. Ingbert.) 2. Die Lesebuchfrage im Anschluß an das vom westfälischen Eemeindebund angekündigte neue Lesebuch. (Schoemann-Eschweiler.) 3. Lehrprobe. (Heinemann-Neunkirchen.) Nach innigem Scheidegruß schloß der Vorsitzende die Versammlung Der Gemeinde Kreuznach wurde der gebührende Dank ausgesprochen Kollege Nußbaum-Trier feierte unter dem Beifall aller Mitglieder den bewährten und geschätzten Vorsitzenden. Geplante Ausflüge in die reizende Umgegend Kreuznachs mußten des schlechten Wetters halber unterbleiben. Jul. Ransenberg-Neuwied

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