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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-07-01 · Heft 26 (1.7.1898) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 26 (1.7.1898)
Date
1898-07-01
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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vorerst in der Hauptsache auf die regelmäßigen Mitgliedsbeiträge — das sichere Einkommen — angewiesen! Möge deshalb das schöne Unternehmen reichliche Unterstützung finden! 0. Hof (Bayern), 26. Juni. In unserer Stadt hatte die Städtische Behörde die Verfügung getroffen, daß alles auf dem Schlachthof geschlachtete Vieh vorher betäubt werden müsse. Da außerhalb des Schlachthofes nicht geschlachtet werden darf, so wäre uns bei Aufrechterhaltung dieser Verfügung, die wir auch für den Fleischbedarf der in den angrenzenden Gemeinden Sachsens wohnenden Juden sorgen, die Möglichkeit, rituell zu leben, genommen worden. Dank der Bemühung des Rabbiners Dr. Werner und des Vorstehers der Münchener Gemeinde, Rechtsanwalts Ofner, ist gestern vom Ministerium die Entscheidung eingetroffen, daß nach gesetzlicher Bestimmung in Bayern den Juden das Schächten nicht verboten werden darf! Oesterreich - Ungarn. B. Budapest, 22. Juni. Die Israelitische ungarische litterarische Gesellschaft hielt eine außerordentliche Generalversammlung, der die modifizirten Statuten vorgelegt wurden. Nach Annahme derselben hielt Professor Dr. Wilhelm Bacher einen Vortrag „Ueber drei Bibelübersetzungen", Nachher erstattete Dr. Josef BLnöczi den Bericht über das Resultat der Preisausschreibung für eine Geschichte der auf dem Gebiete von Budapest bestehenden jüdischen Gemeinden. Der Preis beträgt 2000 Kronen, die Paul Tenzer für diesen Zweck sammelte. Es war nur eine Arbeit eingelaufen, welche den Preis auch erhielt. Der Verfasser der Preisarbeit ist Dr. Alexander Büchler, Rabbiner in Keßthely. — Dem Jahresberichte des Ungarischen israelitischen Handwerks- und Ackerbauvereins entnehmen wir, daß im abgelaufenen Jahre 431 Handwerkszöglinge, 18 Gewerbeschüler und drei Ackerbauzöglinge der Wohlthaten des Vereins theilhaftig wurden; im Lehrlingsheim waren 28 interne Zöglinge untergebracht; 66 Zöglinge wurden freigesprochen, und 10 angehende Meister erhielten Unterstützungen. Die erste inländische Ledergalanteriewaarenfabrik wurde durch einen Bereinszögling eröffnet. — Der Generaldirektor Wilhelm Sarbo wurde in den ungarischen Adelsstand erhoben. Es wurde ihm gleichzeitig das Prädikat „Szepesväralja" verliehen. — Der Sektionsrath Ludwig Ballai wurde durch Verleihung des Eisernen Kronenordens III. Klasse ausgezeichnet. — Das stille Heim des Professors Dr. Wilhelm Bacher war der Schauplatz einer erhebenden Feier. Die Edition einer ungarischen Uebersetzung der Bibel veranlaßte einige Bibelfreunde, ihm Dank und Anerkennung auszusprechen und ihm als Souvenir eine mit biblischen Szenen geschmückte Platte zu überreichen. — Panslaven, Christlich-Soziale, Antisemiten vereinigten sich, um aus einem Raub¬ oder Lustmord einen „Ritualmord" zu machen. In der Umgebung der Stadt Trecsen wurde nämlich die Leiche eines Mädchens aufgefunden. Die Behörde konstatirte, daß das Mädchen mittelst eines Bajonnets umgebracht wurde. Der Umstand, daß der Mörder nicht eruirt wurde, veranlaßte den Panslaven Porubszky, den Wiener Abgeordneten Schneider und noch einige Gesinnungsgenossen, an dem Thatorte zu erscheinen und „Erhebungen" zu pflegen. Kaum nahmen diese ihren Anfang, so meldeten sich beim Untersuchungsrichter „Zeugen", die Vorgaben, gesehen zu haben, daß das Mädchen vom Rabbiner und dem Tempeldiener ermordet wurde!! — Dem soeben erschienenen Berichte des hiesigen jüdischen Spitals entnehmen wir, daß daselbst 1530 bettlägerige (davon 15 Prozent Nichtjuden) und 15 040 ambulante Kranke (davon 57 Prozent Nichtjuden) behandelt wurden. Die Armenärzte behandelten 5854 Kranke. Die Kosten des Spitals beliefen sich auf 140 000 Kronen. E. B. Budapest, 26. Juni. Ein pensionirter römisch-katholischer Priester, der bereits wegen eines antisemitischen Hetzartikels vor Gericht gestanden und ein freisprechendes Urtheil nur der milden Gesinnung der Geschworenen zu verdanken hatte, veröffentlichte vor einigen Monaten in der vom berüchtigten Pater Lepftnyi herausgegebenen Zeitschrift „Krestan" einen Artikel unter dem Titel „Ueber Judenthum und Freimaurerthum". Die königliche Oberstaatsanwaltschast fand aber in diesem Artikel den Thatbestand der Aufreizung gegen die jüdische Konfession und strengte deshalb gegen den Verfasser einen. Preßprozeß an. Bei der jüngst stattgehabten Verhandlung hielt der öffentliche An¬ M 3 - klüger eine Rede, in der er den Antisemitismus treffend brandmarkte: „.mit roher Faust," so sagte er unter Anderem, „in die Saiten des Volksgemüths greifen, das ist ein Appell an die Faust, die kein Argument mehr ist. Das ist nichts Anderes als Aufwiegelung, nichts Anderes als der mit dem religiösen Gefühle, mit dem heiligen Kreuz getriebene Schwindel. Ein hartes Wort, meine Herren, aber es ist reiflich erwogen, denn nach meiner Ansicht verbirgt sich da außer der maßlosen Aufreizung zum konfessionellen Haß noch ein anderes Ziel. In der Kulturarbeit im Interesse dieses tausendjährigen Staates steht in erster Reihe: Die Entwickelung des Ungarthums. Und in diesem Streben — sagen wir es nur offen heraus — sehen wir unter den ansehnlichen Faktoren die ungarische Judenschaft. ... Zu dem Gebäude unseres nationalen Staates hat die ungarische Judenschaft nicht nur ein Ziegelstück getragen. Wollen Sie in den Gegenden der Nationalitäten Umschau halten — überall bildet die Judenschaft mit ihren ungarischen Schulen je eine Insel unter den Rumänen, Serben, Slovaken, Sachsen, die ihre eigenen Schulen halten. Ist da der ungarische Jude den Schreibern und den Lesern des slovakischen „Krestan" nicht ein Dorn im Auge? Gehen die Angriffe schließlich nicht auch darauf hinaus, daß der Jude mit Leib und Seele bemüht ist, sich zu magyarisiren? Ich führe nichts weiter im Interesse der angegriffenen Judenschaft an. . Nach dieser wirkungsvollen Rede konstatirten die Geschworenen den Thatbestand der Aufreizung, sprachen aber den Angeklagten mit Rücksicht auf sein Alter frei. — Die traurigen Lebens¬ und Erwerbsverhältnisse der im nordöstlichen Theil des Landes wohnenden Juden werden nun endlich in weiteren Kreisen beachtet und gewürdigt. Man geht zwar noch nicht daran, durchgreifend und ausreichend zu helfen, doch wird vorläufig durch Errichtung von Schulen dem im Argen liegenden Schulwesen dieser Gegend aufgeholfen. In der jüngsten Sitzung der Verwaltung des israelitischen Landesfonds wurde ein Antrag unterbreitet, in den Komitaten Bereg Maramaros und Ung je eine Mutterschule zu errichten, die mit je einem unter der Aufsicht des Lokalrabbiners stehenden Beth-Hamidrasch für den Religionsunterricht verbunden sein soll. Der Antrag wurde angenommen und der Beamtenkörper mit der Ausführung betraut. Die erste Schule wird im Karücsonyfalva im Maramaroser Komitat errichtet. Den eifrigen Bemühungen des Sekretärs Dr. Franz Mezeys wird es auch hoffentlich gelingen, zur Besserung und Hebung der allgemeinen Erwerbsverhältnisse neue Erwerbsquellen zu finden, welche sich an die bestehenden Beschäftigungen der Juden und die damit erlangten Fähigkeiten anschließen. Großbritannien. F. London, 27. Juni. Herr Rabbiner David Kohn-Zedek, welcher, wie sein berühmter Vater, seit Jahren hier als Prediger und Bolkslehrer segensreich wirkt, läßt selten eine Gelegenheit vorübergehen, ohne die Verdienste und edlen Thaten großer Männer auf der Kanzel in Erwähnung zu bringen. Bei Lebzeiten des Barons Moriz von Hirsch hat der Bezeichnte oft dessen Wohlthätigkeitssinn vorzüglich von der Kanzel geschildert und gesegnet. Und als der Baron zum Bedauern aller Welt früh ins bessere Jenseits ging, hielt der gelehrte Prediger in einer der hiesigen Synagogen eine längere zündende Trauerrede, welche auf die zahlreich versammelten Zuhörer, die immer von den weitesten Kreisen der hiesigen Metropole strömen, um den wackeren Redner zu hören, großen Eindruck machte. Am Schlüße des Nekrologes verlas der Redner, welcher auch als vorzüglicher Dichter bekannt ist, ein von ihm über den großen Hingeschiedenen verfaßtes treffliches Gedicht. Seit jener Zeit findet Rabbi David Kohn-Zedek oft Gelegenheit, von der Kanzel die edlen Thaten der Baronin Claravon Hirsch in lebhaften Farben zu schildern. Bor einigen Tagen hat der Redner öffentlich hervorgehoben, was die edle Baronin auch für die hiesige „Board ok Guardians" wirkte, und schloß mit einem andächtigen Gebet fürs lange Leben der Baronin. QD Bradford, 24. Juni. Herr Jakob Moser, der durch seine bisherige Wohlthätigkeit bekannte Vorsteher der hiesigen israelitischen Gemeinde, hat dieser Tage einen weiteren großartigen Akt seines edlen Herzens folgen lassen, indem er ein Kapital von zweimalhunderttausend Mark zur Unterstützung von alten würdigen Leuten, die zur Arbeiterklasse gehören, zur Verfügung stellte. Herr Moser wurde vor einigen Jahren zum Friedensrichter ernannt, einem Amt, das ihm besonders

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