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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-07-01 · Heft 26 (1.7.1898) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 26 (1.7.1898)
Date
1898-07-01
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 ansteht, da er durch seinen rechtlichen und gerechten Sinn sich auszeichnet. Außerdem wurde er vor Kurzem durch seine Mitbürger zum Stadtratherwählt. Zu seinem ferneren und wahrlich nicht geringeren Ruhme gereicht es, daß er sein Judenthum dabei nicht vergißt. Bei der Verwaltung der Gemeindeangelegenheiten, wo er den Vorfitz führt, zeigt er sich stets als ein für das Gemeindewohl strebender Israelit. Auch seine Tasche ist stets offen, wenn es gilt, Gemerndeinstitutionen zu erhaltest- Diese haben oft mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, da hier zu Lande religiöse Gemeinschaften nur durch freiwillige Gaben aufrecht erhalten werden können. Mancher Israelit kommt in diesen Beziehungen seinem Pflichten nicht nach, und ist es solchen Männern wie Herrn Jakob Moser zu größerem Verdienste anzurechnen, daß fie auch ihrer Religion und dem Andenken ihrer Väter Rechnung tragen. — Die hiesigs israelitische Gemeinde besteht nun 25 Jahre. Während dieser Zeit hat die geistlichen Angelegenheiten derselben Herr Rabbiner Dr. Strauß verwaltet. Mit rabbinischem und profanem Wissen ausgestaltet und von fortschrittlichen Ideen erfüllt, werden es Ende nächsten Oktobers fünfundzwanzig Jahre, daß er dieses sein Amt hier antrat. Obwohl er mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, da die Mitglieder der hiesigen jüdischen Gemeinschaft aus so verschiedenen Theilen der Welt sich rekrutiren, so ist es ihm doch gelungen, unter dem Beistände Gottes und der Mithilfe solcher edlen Männer wie des seligen ersten Vorstandes Karl Calmann, des von hier nach London verzogenen Herrn Emil Bielefeld sowie des Herrn Jakob Moser und des Ehrensekretärs der Gemeinde Herrn Moritz Fürstenheim und anderer charaktervoller-Israeliten regelmäßigen Gottesdienst an Sabbath- und Festtagen einzuführen, am Sonntag Religionsunterricht abzuhalten, einen Zweig der Alliance Israelite Universelle und jüngst einen Verein für Geschichte und Litteratur des Judenthums zu begründen, die von recht gutem Erfolge begleitet sind. Möge Gott ferner dem Jubilar ermöglichen, daß er nach den Worten des Pfalmisten wirken könne für die Sache der Wahrheit! Rußland. W. Petersburg, 20. Juni. Einen erfreulichen Gegensatz zur letzten Verfügung des neuen russischen Unterrichtsministers und bisherigen Professors an der Universität Moskau Bogeljepow, durch welche er die Rechte der jüdischen Lehrer äußerst beschränkte, und über welche an dieser Stelle (Nr. 23 d. Bl.) berichtet wurde, bildet ein soeben von ihm an die Kuratoren der Lehrbezirke ergangenes Cirkular. Hiernach sind-die jüdischen Schüler der Gymnasien und sonstiger dem Unterrichtsministerium unterstellten Schulen von der Zahlung befreit, falls ihre Väter dem jüdischen Lehrerslande angehören. Ueberhaupt ist man nach der bisherigen, wenn auch kurzen Amtsthätigkeit des neuen Unterrichtsministers zu der Annahme berechtigt, daß er sich den Juden gegenüber humaner verhalten werde wie sein Vorgänger, der verstorbene Graf Deljanow. Türkei. Jaffa, 24. Juni. Hier wird demnächst ein eigenes Gebäude für eine Kinderschule erbaut, die auf dem von dem Großhändler W. Wyssotzky in Moskau und Herrn G. Weinstein gespendeten Grundstück aufgesührt werden soll. Die Schule wird von dem Odesfaer Komitee subventionirt. Die andere Schule, die rühmlichst bekannte landwirthschaftliche Schule „Mikwe Israel" bei Jaffa, mit ihrer Musterfarm hat einen glänzenden Jahresabschluß mit cirka 20 000 Francs Reingewinn zu verzeichnen. Die Pflanzungen werden in ganz besonderer Weise von den Kolonisten in Anspruch genommen und bewähren fich aufs Glänzendste. Amerika. C. H. Netv-Aork, Mitte Juni. Am 9. d. M. ist hier eine Konferenz orthodoxer Gemeinden zufammengetreten, welche eine Jewish Congregational Union ins Leben rief. Die Orthodoxie in ddr Führung mancher dort vertretener Gemeinden kann wohl dadurch gemessen werden, daß bei einem Versuche, die grundlegenden Prinzipien der Gemeindeführung im orthodoxen Sinne festzustellen, konstatirt wurde, daß einzelne Gemeinden des Verbandes Orgel, weiblichen auch von rnchtjüdischen Sängern gebildeten Chor und gemeinsame Sitze für Männer und Frauen besäßen, auch ihren Mitgliedern die Entblößung des Hauptes beim Gottesdienste gestatteten. — Am 30. Mai, dem amerikanischen Nationalfeiertage der Gräberschmückung, wurde zu Bedford Station das neugegründete Hospiz für chronische Kranke, „Coimtry- Sanitarium of the Montefiore Home for Chronic Invalids", eröffnet. Dasselbe ist eine Zweiganstalt des New-Dorker Siechenhaüses Montefiore Home und verdankt seine Entstehung der munifizenten Gabe des New- Dorker Kaufmanns Lyman G. Bloomingdale, welchem sich der für alles Edle begeisterte Jacob H. Schiff mit dem gleichen Betrage (25 000 Dollars) anschloß. Der Letztere widmete am Eröffnungstage die Summe von 4500 Dollars, um die auf der Anstalt haftende Hypothek zu tilgen. — In Phoenix, einer Stadt des nordwestlichen Territoriums Arizona, starb kürzlich Michael Wormser mit Hinterlassung eines Vermögens von 400 000 Dollars, das er durch Kultivirung wüsten Landes mit Hilfe künstlicher Bewässerung erworben hatte. Wormser war einer der bedeutendsten Weizenbauer des Landes. — Am 26. v. M. starb in Detroit Samuel Goldwater, der, 1850 in Polen geboren, als Kind mit feinen Eltern einwanderte. Trotz sehr geringer Schulbildung gelang es ihm, sich zu einer Autorität in Fragen der Arbeiter- Organisationen aufzuschwingen. Er wurde 1894 Alderman (Stadtrath) in Detroit und wurde 1896 von der demokratischen Partei als Kandidat für das Bürgermeisteramt aufgestellt und vereinigte eine sehr beträchtliche Minorität von Stimmen auf sich. — Die Har-Sinai-Gemeinde in Baltimore, eine der vornehmsten Reformgemeinden des Landes, welche einst David Einhorn auf ihre Kanzel berief, erwählte Herrn Charles Rubenstein zu ihrem Prediger. Von Nah und Fern. Frau Franziska Ginsberg hat anläßlich des Ablebens ihres Gemahls dem jüdischen Krankenhaus 10 000 Mark zur Begründung einer Adolf Ginsberg-Bettstiftung, dem Verein für jüdische Krankenpflegerinnen 5000 Mark zur Begründung einer Adolf-Ginsbergstiftung, der Gesellschaft Haspakath Ebjonim 1000 Mark gespendet. — Dr. Heinrich Brody, Hörer des Rabbiner-Seminars zu Berlin, ist als Rabbiner nach Nachod berufen worden. — In Breslau sind im Jahre 1897 acht Uebertritte von der evangelischen Kirche zum Zudenthum und 36 Uebertritte von diesem zur evangelischen Kirche erfolgt. — Am 25. d. M. verschied in Breslau der Geheime Regierungsrath Professor Dr. Ferdinand Cohn. — In Gr. -G log au ist Frau Eva Burg he im, Schwester des früheren bekannten Eisenbahndirektors Joseph Lehmann, im Alter von 95 Jahren gestorben. — Die Strafkammer in Lissa hat den Dienstjungen He nt sch el aus Schlichtingsheim, der in die dortige Synagoge eingebrochen war, dieselbe verunreinigt und mehrere Gegenstände daraus gestohlen hatte, zu 3 Monaten Gefängniß verurtheilt. — Der Rechtsanwalt Justizrath Dr. jur. Fuld zu Frankfurt a. M. hat den Rothen Adlerorden dritter Klasse mit der Schleife, der Rechtsanwalt Dr. Ludwig Oppenheim zu Mainz den Rothen Adlerorden vierter Klasse erhalten. — Die jüdische Gemeinde zu Cassel läßt für diejenigen Gemeindemitglieder, welche an dem Orgelgottesdienst aus religiösen Bedenken nicht theilnehmen, ein größeres Gotteshaus bauen, das unter Verwaltung der Gemeinde stehen wird. — Herr Bankdirektor Moriz Lazarus in Lemberg hat der dortigen jüdischen Gemeinde den Betrag von 150 000 Gulden zum Bau eines Krankenhauses gespendet. — Joseph Reinach, der auch Kapitän der Territorialarmee ist, wurde vor das Disziplinargericht gestellt wegen eines im „Siecle" veröffentlichten Artikels über die Dreyfus - Angelegenheit, dessen Inhalt als Verleumdung des Generalstabs angesehen wurde. — Die Nachricht, daß Professor Hartwig Derenbourg in Paris zum Mitglieds der Academie des inscriptions et helles lettres gewählt worden sei, beruht aus einem Jrrthum. — Im englischen Oberhause fand die zweite Lesung der Fremdenbill statt, und wurde dieselbe auch diesmal mit 79 gegen 32 Stimmen angenommen. — Am 19. d. Mts. verschied in London Mr. Lewis Emanuel, der in der dortigen Gesellschaft wie in den jüdischen Vereinen eine bedeutende Rolle spielte. Er war auch Vorstandsmitglied der Anglo Jewish Association und der Makkabaeans sowie vieler anderer Vereine und ein angesehener Rechtsanwalt. — Der Gouverneur von Odessa, Schuwaloff, hat angeordnet, daß in Odessa christliche Arbeiter am Sonntag, die jüdischen am Sonnabend nicht beschäftigt werden dürfen. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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