Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 26 (1.7.1898)
- Date
- 1898-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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müj^f'^i,- J um i^ihijji u& 62. Jahrgang. Nr. 26. Werkage Der Gemeindebole. >»1898 zur „Allgemeinen Zeitung öes IuöenLHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 26. Juni. Die heutige Repräsentanten-Versammlung mit ihrer nur fünf Punkte umfassenden Tagesordnung fand eine recht schnelle Erledigung, da säst alle Vorlagen eine debattelose Zustimmung erhielten. Zum geschäftlichen Theil berichtete der Vorsitzende, Herr Landsberger, daß ein Schreiben vom Rabbiner Herrn Dr. Maybaum eingegangen sei, worin er die von Herrn Prof. Lewin aus der fehlenden Unterschrift des Herrn Dr. Weisse unter dem Rabbinatsgutachten — es handelte sich um die Gebetordnung für die Synagoge Lützowstraße — gezogene Folgerung, daß im Rabbinate hierüber prinzipielle Meinungsverschiedenheiten herrschen, als eine irrige bezeichnet. Herr Dr. Weisse sei wohl bei der Berathung, welche den einstimmigen Beschluß ergeben hatte, zugegen gewesen, habe aber bei der Ausfertigung des Gutachtens gefehlt, weil er infolge des Ablebens seines Vaters habe verreisen müssen. Herr Landsberger fügte hinzu, daß dieser Punkt nicht in die Debatte gezogen worden wäre, wenn ein diesbezüglicher Vermerk dem Gutachten beigegeben worden wäre. Ein zweites Schreiben vom Vorstand des jüdischen Krankenhauses an den Gemeindevorstand theilt mit, daß vom 24. Juli bis 30. August an Stelle des dann abwesenden Herrn Wittkowski HerrM. Metzenberg zum Rendanten des Krankenhauses bestimmt worden sei. Der Vorsitzende macht ferner Mittheilung von den Beschlüssen der Kommission, welche gelegentlich der Etatsberathung zur Rev ision der Agende für den Jugendgottesdienst eingesetzt worden sei. Es sei bestimmt worden 1. ein Sabbath-Nachmittagsgottesdienst nach neuerem Ritus, 2. ein Sabbath-Nachmittagsgottesdienst nach altem Ritus. Die Aenderung der Liturgie wurde mit 3 gegen 1 Stimme beschlossen, Herr Rabbiner Dr. Stier enthielt sich der Abstimmung. Statt der Agende soll der Sächsische Siddur einzeführt werden und das Königsgebet in der Sächsischen Fassung gesprochen werden, 3. ein Festgottesdienst nach neuem Ritus, das Revifionsbedürfniß wurde anerkannt, 4. ein Festgottesdienst nach altem Ritus, die Herstellung einer besonderen Agende wird bestimmt, welche der Gemeindevorstand unter Hinzuziehung von Pädagogen verfassen soll. Diesen Beschlüssen habe der Gemeindevorstand zugestimmt und ein diesbezügliches Schreiben an das Rabbinat gerichtet. .Letzteres habe erwiedert, daß es außer Stande sei, so kurz vor den Ferien einer so weittragenden Aufgabe, welche der gründlichsten Berathung bedürfe, entsprechen zu können. Nach den hohen Feiertagen wolle es dem eventuellen Anträge näher treten. — Zu Punkt 2 — Abordnung von Mitgliedern der Versammlung in die gemischte Kommission zur Revision des Gebetbuches für die neue Synagoge — sind vom Ausschuß die Herren Geheimrath Blumenthal und Senator, Prof. Lewin und Justizrath Apolant; zur Prüfung der Erledigung der Anträge auf Ueberlassung von Plätzen für die Synagoge Lützowstraße die Herren Geheimrath Blumenthal und Bodenstein vorgeschlagen worden. Die Wahl dieser Herren wird von der Versammlung bestätigt. — Bon Frau Franziska Ginsberg, geb. Sachs, sind zwei Stiftungen eingegangen, und zwar im Betrage von 10000 M. an das Krankenhaus der jüdischen Gemeinde zur Begründung einer Adolf Ginsberg- Stistung und im Betrage von 5000 M. an die Alterversorgungsanstalt. Bon der ersten Stiftung hat die Versammlung nur Kenntniß zu nehmen, die Annahme der zweiten wurde einstimmig beschlossen. — Ueber die Vorlage betreffend den Tarif für die Plätze in der Synagoge Lützowstraße referirt Herr Leonhard Sachs. Die Kommission habe sich dahin verständigt, ungefähr den Tarif der Lindenstraße zu Grunde zu legen und folgende Eintheilung vorzuschlagen: Männerplätze Zahl 828, davon 90 Plätze a 60 Mark, 44 ä 50, 107 ä 40, 72 ä 36, 28 ä 35, 109 ä 30, 162 ä 25, 106 ä 20, 54 ä 15, 56 ä 10; Frauenplätze (I. Empore 948 an Zahl): 90 ä 60 Mark, 85 ä 60, 47 ä 45, 136 ä 40, 52 a 36, 164 ä 30, 228 a 25, 72 a 20, 48 ä 18, 26 a 15; Frauenplätze (II. Empore, 82 an Zahl): 20 a 10 Mk., 20 a 9, 20 a 6 und 22 a 5 Mk. Die gesammte Zusammenstellung ergebe für 1866 Plätze die Summe von 59263 M. DieKommission habe Werth darauf gelegt, möglichst auch denjenigen Mitgliedern Plätze in reichlicher Zahl zu geben, welche nicht in der Lage seien, die großen Preise zu zahlen. Es sei auch Vorsorge getroffen. Unbemittelten den Zutritt zu ermöglichen. Ausgeschlossen sei natürlich nicht eine Aenderung der vorgeschlagenen Preise. Herr Maurermeister Fränkel rügt die Differenz von 5 Mark bei den Männerplätzen. Einzelne Plätze, z. B. diejenigen, vor denen eine Säule stehe, werden wahrscheinlich noch sehr reduzirt werden müssen. Hierauf wurde der Tarif seitens der Versammlung prinzipiell genehmigt. — Es folgen nunmehr verschiedene Rechnungsabschlüsse von Spezialverwaltungen. Die Synagoge Lindenstraße schließt ab mit einem Minderverbrauch von 1886,08 Mark, Neue Synagoge mit einem Minderverbrauch von 1385,36 Mark, das Quellb ad mit einem Minderverbrauch von 32,31 Mark. Für die Alte Synagoge ist die Nachbewilligung von 200,15 Mark, für die Sy n a g o ge K a i ser str aß e die Nachbewilligung von 1243,69 Mark erforderlich. Der Mehrverbrauch ist hauptsächlich durch die Einrichtung der elektrischen Beleuchtung hervorgerufen. Das Reichenheim'sche Waisenhaus schließt mit einem Minderverbrauch von 8849,47 Mark und das zweite Waisenhaus in Pankow mit einem Minderverbrauch von 26,23 Mark für das Etatsjahr 1897/98 ab. Für sämmtliche genannten Posten wurde seitens der Versammlung Decharge ertheilt. — Die Vorlage betreffend die Subvention von 1000 Mark für den „Verein für Arbeitsnachweis" ist von der geheimen Sitzung in die öffentliche zurückverlegt worden. Wieder Referent, Herr Isidor Sachs, ausführt, wirkt der Verein sehr segensreich. Es seien vom 1. bis 24. Juli 103 Personen, vornehmlich in dauernden Stellungen, placirt worden. Der Verein habe feine Thätigkeit durch Einrichtung eines Damenkomitees erweitert, und in sehr vielen Fällen haben schon eheverlassene Frauen und Wittwen eine lohnende Beschäftigung erhalten. Der Verein sei auch um Ueberlassung von Räumen für seine Thätigkeit beim Gemeindevorstand eingekommen. Letzterer habe die Bewilligung noch nicht für opportun gehalten, Poch werde hoffentlich das Interesse für den Verein beim Vorstand und bei den Repräsentanten rege bleiben. Hiernach wurde die Position bewilligt. — Debattelos wurden ferner 700 Mark bewilligt zur Anbringung dreier neuer Federn für den Eingang zur Synagoge Kaiserstraße und Anfertigung einer Thür zur Trennung der Herren- und Damengarderobe. — Die bereits in der vorigen Sitzung für den öffentlichen Theil wegen einiger Monita abgewiesene Vorlage der Subvention von 1000 Mark an Adaß Jeschurim wurde abermals auf Antrag des Herrn Isidor Sachs in die geheime Sitzung verlegt. — Hiermit schloß die letzte Sitzung vor den Ferien. Lp. Aus der Provinz Posen, im Juni. Der kürzlich verstorbene Rentier Meyerhardt aus Krojanke hat der Synagogengemeinde daselbst 3000 M. mit der Bestimmung vermacht, daß von den Zinsen arme schulpflichtige Kinder bekleidet werden sollen. — Der 141 Mitglieder zählende Verein der Jugendfreunde in Kattowitz hielt jüngst seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Der Kassenbestand des Vereins beläuft sich auf ca. 4000 M. Der bisherige Vorstand wurde wiedergewählt. Es wurde beschlossen, an würdige und bedürftige Handwerkslehrlinge, welche nach Beendigung der Lehrzeit eine Fachschule besuchen wollen, Unterstützungen zu gewähren. — Die mehrere hundert Jahre alte Schützengilde in Gnesen, mit meist polnischen Mitgliedern, beschloß auf Grund eines Gesuches eines jüdischen Mitbürgers um Aufnahme, keine Juden als Mitglieder aufzunehmen. — In Rogasen starb neulich der israelitische Kantor S. Cohn im Alter von 67 Jahren. Er amtirte in R. 16 Jahre. — Die Synagoge in Jan owitz soll demnächst einer eingehenden Renovation unterzogen werden. Zu einem neuen Kronleuchter hat Kaufmann Rudolf Spitzer aus Bromberg 150 Mark gespendet. — Der Vorstand der Synagogengemeinde in Wreschen hat zur Gründung einer Bibliothek