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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-06-24 · Heft 25 (24.6.1898) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 25 (24.6.1898)
Date
1898-06-24
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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wieder gewählt. Die Einnahmen des Jahres 1897 betrugen 11437,29 Mark, die Ausgaben 10 892,32 Mark. Der Verein hat 729 Mitglieder mit Beiträgen von 5161 Mark und ein Baarvermögen von 26 000 Mark. Die Verwaltung des Vereins besteht aus den Herren: Aron Meyer, Vorsitzender; Professor Dr. A. Sulzbach, stellvertretender Vorsitzender; Rechtsanwalt Adolf Fuld, Schriftführer; Jacob E. Schwarzschild, Gegenschreiber; Sally Löwenick, Oekonom; Leo Holzmann, Kassirer; Eduard Cohen, Beisitzer; Dr. med. Gustav Levi, Dr. med. Heinr. Mayer, Dr. med. Lud. Mehler, ärztliche Mitglieder der Verwaltung. — Auch die israelitische Waisenanstalt hat ihren Bericht veröffentlicht. Im Jahre 1897 hat diese Anstalt 33 Knaben und 21 Mädchen erzogen. Die Knabenabtheilung erhielt an Geschenken 10 454 Mark. Die Jahresbeiträge beliefen sich auf 5565 Mark, die Beiträge für bestimmte Zöglinge auf 2858 Mark. Einschließlich der Zinsen aus Stiftungen betrugen die Gesammteinnahmen 26 200 Mark, die Ausgaben 29 043 Mark. Das Vermögen hat einen Bestand von 90 000 Mark. Die Schiff'sche Stiftung vereinnahmte 3755 Mark, darunter 1055 Mark Geschenke, und verausgabte 5163 Mark; ihr Vermögen besteht aus 50 000 Mark. Die Spanier'sche Stiftung hat r6 000 Mark, die Goldschmidt'sche Stiftung für Knaben 5! 00 Mark, die Oppenheimer-Prins'sche Stiftung 7100 Mark, die Neubau-Kasse 5375 Mark im Vermögen. Die Mädchenabtheilung erhielt 4626 Mark Geschenke und 2602 Mark Jahresbeiträge, ferner 2495 Mark für bestimmte Zöglinge. Die Einnahmen betrugen im Ganzen 13 348 Mark, die Ausgaben 13 294 Mark. Die Dreyfus- Stiftung hat einen Bestand von 36 400 Mark, die Goldschmidt'sche Stiftung für Mädchen von 15100 Mark, die Sonderkasse für Unterstützung von zur Aufnahme ungeeigneten Waisenmädchen von 6326 Mark. ** Soden n. T., 17. Juni. Die Verwaltung der hiesigen Kuranstalt für arme Israeliten versendet ihren Jahresbericht pro 1897 und konstatirt darin mit großer Genugthuung die außerordentlichen Erfolge im vergangenen Jahre. Trotzdem die Beiträge und Geschenke den Anforderungen, die an die Anstalt gestellt werden, durchaus nicht entsprechen, hat die Verwaltung die Menge der Verpflegten gegen das Vorjahr nicht vermindert und der stattlichen Zahl von 227 Patienten Aufnahme in diese der wahren Menschenliebe gewidmete Anstalt ermöglicht. Ein Verein, dessen Vorhandensein in unserer Zeit ganz besonders nothwendig erscheint, da viele Spitäler mit der Aufnahme der bedauernswerthen Lungenkranken sehr zurückhaltend sind; ein Verein der andererseits kein genügendes Grundkapital besitzt, und dem kein sicheren Erwerbsquellen zur Verfügung stehen, ein solcher Verein hat sicherlich ein ganz besonderes Anrecht auf die Gunst und Anerkennung all unserer Glaubensgenossen. Hoffentlich wird ihm auch diese Unterstützung in reichem Maße zutheil werden. Die beiden Ehrendamen Frau Bertha Baruch und Frau Rosa Bonn sowie die Aerzte Dr. med. Reimann und Dr. Wolff in Berlin verdienen für ihre der Anstalt in selbstloser Weise gewidmete Thätigkeit wärmsten Dank, desgleichen die beiden Anstaltsärzte Dr. Hughes und Dr. Stiebet, die mit Liebe und Hingebung ihres Amtes gewaltet. Die Verwaltung der Kuranstalt besteht aus den Herren: Dr. med. Rosenbaum, Vorsitzender, Mich. Mos. Mainz, stellvertretender Vorsitzender, Lismann Fürth, Kassirer, Daniel Aug. Worms, Oekonom, Bernhard Frenkel, Manfred S. Goldschmidt, Heinrich Wisloch in Frankfurt a. M. und Herrn Eugen Rosenstiel, Berlin. Gaben und Beiträge sind an den Kassirer Herrn Lismann Fürth, Seilerstraße 39, zu richten, jedoch sind sämmtliche Mitglieder der Verwaltung zur Empfangnahme bereit. Karlsruhe, 16. Juni. Nachdem die israelitische Landessynode erstmals im März 1895 getagt hat, ist dieselbe im laufenden Jahre zur zweiten ordentlichen Tagung einzuberufen. Die Einberufung ist für die dritte Oktoberwoche (nach den Herbstfeiertagen) in Aussicht genommen. Die Wahlen haben dagegen schon Mitte Juni stattgefunden, damit die Abgeordneten alsdann noch genügend Zeit haben, die für^ie Synode bestimmten Vorlagen des Oberraths. zu prüfen und auch von sich aus Anträge einzubringen. Außer dem Voranschlag der Einnahmen und Ausgaben für die allgemeinen Bedürfnisse der israelitischen Religionsgemeinschaft des Großherzogthums in den Jahren 1899, 1900 und 1901, welcher die Voranschläge der Centralkasse, der Oberrathskasse, des Landesstifts sowie des Religionsschul- und Pensionsfonds in sich begreift, werden der Synode voraussichtlich auch zwei wichtige Berordnungsentwürfe zugehen. Der eine derselben betrifft die Zusammensetzung des Oberraths, welche in Abänderung der Verordnung vom 5. März 1827 (Reg.-Bl. Nr. VIII) dahin näher bestimmt werden soll, daß sowohl die Oberräthe als die Konferenzrabbiner nicht mehr auf Lebens- oder auf unbestimmte Zeit, sondern auf eine bestimmte Anzahl von Jahren ernannt werden, und daß alle zwei Jahre eine Theilerneuerung der Behörde stattfindet. Der zweite Entwurf betrifft die Gewährung von Ruhegehalt an Rabbiner und Religionsschullehrer und die Fürsorge für deren Hinterbliebene. Durch denselben soll die bisherige thalsächliche Gewährung von Ruhe- und Versorgungsgehältern erweitert und auf eine rechtliche Grundlage gestellt werden. — Bei der am 10. d. Mts. vollzogenen Wahl der weltlichen Abgeordneten zur israelitischen Landessynode sind, nach vorläufiger Ermittelung, für die einzelnen Wahlbezirke die nachbenannten Personen gewählt worden: 1. Vorsteher und Bezirksältester E. Rothschild in Konstanz; 2. Wilhelm Moos in Gailingen; 3. M. Mayer-Sommer in Müllheim; 4. Vorsteher und Bezirksältester B. Dukas in Freiburg; 5. Vorsteher und Bezirksältester H. Epstein in Eichstetten; 6. Vorsteher und Bezirks ältester D. Dreyfuß in Offenburg; 7. Vorsteher und Bezirksältester Leo Wertheimer jn Bühl; 8. Stadtrath Fritz Homburger und Rechtsanwalt Dr. R. Bielefeld in Karlsruhe; 9. Vorsteher Louis Marx in Bruchsal; 10. Rechtsanwalt Dr. Friedberg in Karlsruhe; 11. Vorsteher und Bezirksältester S. Netter in Heidelberg; 12. Vorsteher H. Halle in Hockenheim; 13. Julius Ettlinger, Rechtsanwalt, Dr. Hachenburg, Dr. Kahn, Stadtverordnetenvorsteher M. Stockheim, sämmtlich in Mannheim; 14. Vorsteher B. Herzberger in Bretten; 15. Vorsteher N. Rothschild in Mosbach wahrscheinlich; 16. Rechtsanwalt E. Spiegel in Tauberbischofsheim. Oesterreich - Ungarn. □ Wien, 21. Juni. Nie war es deutlicher, was uns Oesterreichern der Kaiser ist. Hinweg von dem Parlament, das mit unermüdlichem Starrsinn gegen die wichtigsten Lebensinteressen der Monarchie ankämpft, um die Einsprachigkeit für Leitomifchl zu erlangen, hinweg von den Ministern, die nicht einmal mehr die Kunst des „Fortfrettens" auszuüben verstehen, wendet sich das Auge des Oesterreichers mit Bewunderung und Liebe zu seinem Fürsten empor, der jetzt schon 60 Jahre lang in rastloser Pflichterfüllung die Geschicke seines Staates lenkt, immer selbstlos, immer mild und gütig, immer mit weisem Takte auch nur den Anschein meidend, als ob ihm eines seiner Völker näher stände, als das andere. Auch uns Juden gegenüber hat der Sproß des frömmsten Herrscherhauses immer die wohlwollendste Gesinnung gezeigt, und wahrlich, an ihm liegt es nicht, daß das Volk in Oesterreich zum Theil noch immer tief im Antisemitismus steckt. Der Verehrung für den Kaiser haben denn auch unsere Glaubensgenossen durch zahlreiche gemeinnützige Stiftungen Ausdruck gegeben; an der Jubiläumsausstellung im Prater haben sich die österreichischen Juden in oft geradezu glänzender Weise betheiligt. Kaiser Franz Josef hat daher auch bei seinen Rundgängen durch die Ausstellung zahlreichen Ausstellern unserer Konfession gegenüber seiner Befriedigung über das Geleistete Ausdruck gegeben. So wurden die Herren Handelskammerrath Pollack, A. Jritzer, Alois Löwy, Abeles, Porger (Brünn), Egon Popper (Brünn), C. Epstein (Prag), B. Samek (Prerau), I. Rothberger, A. Ehrenfest und viele Andere vom Kaiser durch Worte der Anerkennung ausgezeichnet. Das Jubiläumsjahr bringt uns übrigens auch einen neuen Tempel (in der Brigittenau). — Jn Prag hatten unsere Glaubensgenossen in der letzten Woche wegen der Palacky-Feier nicht geringe Angst. Eine Note der dortigen Polizeidirektion besagte, in der letzten Zeit häuften sich die Anzeigen, daß an den Thüren deutscher und jüdischer Miethsparteien Zeichen angebracht worden seien, woraus man auf eine Proskribirung der Deutschen Prags habe schließen können. Umfassende Nachforschungen hätten ergeben, daß die Zeichen auch an den Thüren von „Tschechen und Christen" angebracht worden seien, so daß es sich nur darum handeln dürfte, die Deutschen zu beunruhigen oder auch Propaganda für Unruhen zu machen, um dadurch vielleicht die Nationalfestlichkeiten der nächsten Tage zu stören. Glücklicherweise wurde die Ruhe doch nicht gestört. — Oberrabbiner D. S imonsen in Kopenhagen arbeitet, wie wir erfahren, an einer ausführlichen Biographie des unvergeßlichen I. N. Mannheimer. Eine Enkelin Mannheimers wird das Werk ins Deutsche übertragen-

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