Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 25 (24.6.1898)
- Date
- 1898-06-24
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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K2. Jahrgang. Nr. 25' ffierlin, 24. Luni 1898. vertage zur „Mtgemeinen Zeitung öes IuöenLHums". Korrespondenten und Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 19. Juni. Die heutige Repräsentanten-Bersammlung hatte die Freude, ihre aus sechs Punkten bestehende Tagesordnung in meist ruhiger Diskussion fast vollständig erledigen zu können. Debattelos wurden gemäß dem Referat des Herrn Löwenberg folgende Bewilligungen für die laufende Etatsperiode ausgesprochen: 200 Mark für die Kuranstalt in Franzensbad, 150 Mark für das Kurhospital in Warmbrunn, 160 Mark für den Verein „Heilquelle" in Ems, 60 Mark für die jüdische Kinderheilstätte in Königsdorf (Schlesien), 100 Mark für die Kuranstalt in Soden, 300 Mark für das Kurhospital in Teplitz, 300 Mark für das Kurhospital in Kolberg, 100 Mark für das Kurhospital in Marienbad, 160 Mark für das Kurhofpital in Karlsbad, 100 Mark für die israelitische Badearmenkasse in Kissingen. Auch die Subvention an den „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" in Höhe von 500 Mark für das Etatsjahr 1898/99 erhielt die debattelose Zustimmung per majora. Ohne Debatte wurden ferner bewilligt für 1898/99 500 Mark dem Religionsverein Aha was Tauw, die Erhöhung von 600 auf 800 Mark dem Religionsverein in Steglitz und für die Etatsperiode 2000 Mark und als einmaliger Zuschuß 500 Mark an den Religionsverein in Moabit. Die Vorlage der Subvention von 1000 Mark an Adaß Jeschurim wurde auf Antrag des Referenten Leonhard Sachs in die geheime Sitzung verlegt. Die Forderung von 8000 Mark für die Religionsgemeinde in Charlottenburg, wo die Einrichtung eines zweiten Gottesdienstes erfolgt ist, und diejenige eines dritten wahrscheinlich noch nothwendig werden wird, benutzte der Referent, Herr Isidor Sachs, als willkommenen Anlaß, um die im Unterrichtswesen bestehenden Mißstände hervorzuheben und die dringende Pflicht der Gemeinde zu betonen, diese Mißstände zu beseitigen. Es müssen Lehrkräfte beschafft werden, die nach innen Ersprießliches leisten und nach außen den Lehrerstand würdig repräsentiren, für ordenttiche Schulräume müsse Sorge getragen werden, der Unterricht müsse ein einheitlicher sein, die Altersstufen unter den Schülern berücksichtigt, die Schulen seitens der Gemeinden inspizirt werden. Energische Männer sollten ins Ministerium gesandt werden, damit die Gemeinde Forderungen stelle und nicht das Ministerium über den Kopf der Gemeindeverwaltung hinweg Anordnungen treffe. Hiernach wurde die Position bewilligt. Für den Religionsverein Nweh Scholaum werden 600 Mark pro 1698/99 gefordert. Durch den Protest des Herrn Löwenberg gegen die Bewilligung der verlangten Summe für dieses private Unternehmen wurde eine recht lange Debatte gezeitigt. Bon Herrn Rechtsanwalt Lilienthal wird dieses Bedenken zurückgewiesen, weil sämmtliche Religionsvereine aus privater Initiative hervorgegangen seien. Auch Herr Leonhard Sachs glaubt damit zufrieden sein zu müssen, so lange die Gemeinde nicht in der Lage sei. Religionsschulen in genügender Zahl einzurichten, da es billiger zu stehen komme als ein großer Apparat. Die Herren Manheimer, Justizrath Apolant und Sanitätsrath Jastrowitz fordern auch hier wieder ein energisches und schleuniges Vorgehen der Gemeindeverwaltung, welche ja zur Berathung dieser Frage eine gemischte Kommission eingesetzt habe. Die Religionsvereine seien e'm äußerst dürftiger Nothbehelf, die Subventionen für diese müßten eingeschränkt und nicht, wie es geschehe, von Jahr zu Jahr gesteigert werden. Herr Professor Lew in bezweifelt die Möglichkeit eines Erfolges, falls die Gemeinde autoritativ beim Ministerium vorgehen wollte. Die Schulen müßten alle unter ständiger Kontrole der Rabbiner und der an der Gemeinde angestellten Lehrer, welche sich dieses Amt zur Ehre anrechnen werden, stehen; jedes Vierteljahr müßte hierüber ein eingehender Bericht erstattet werden. So wenig er sonst den Vorstand zu exkulpiren geneigt sei, so habe derselbe stets in den Kommisfionssitzungen eine eifrige Thätigkeit an den Tag gelegt. Vom Vorstandstische führt zunächst Herr Jaeoby aus, daß alle von den Repräsentanten gegebenen Anregungen vom Vorstand bereits seit Jahr und Tag erwogen werden, nur habe sich noch keine Möglichkeit gezeigt, die Resultate der Berathungen in die Wirklichkeit zu übersetzen. Vor allem fehle es an kundigen Lehrern. Herr Dr. Lachmann theilt mit, daß die gemischte Kommission unter Hinzuziehung eines Sachverständigen einen Arbeitsplan aufgestellt habe. Es sei zunächst beschlossen, einen Unterrichtsplan für die Volksschulen herzustellen. Der Sache könne nicht vorgegriffen werden, bevor bestimmte Prinzipien getroffen seien. Wenn langsam gearbeitet werde, so liege es nicht am Vorstand, sondern an den allgemeinen Berliner Verhältnissen, welche es den Mitgliedern der Kommission nicht gestatten, den Sitzungen stets beiwohnen zu können. Herr Louis Sachs bedauert die Anschneidung der ganzen Frage während der Zeit, wo die ad hoc eingesetzte Kommission tage. Er rügt hierbei, daß viel zu wenig Werth von den Repräsentanten den Kommissionssitzungen, in welchen der Schwerpunkt liege, beigemessen werde. Darum die vielen unnöthigen Debatten im Plenum. Im Interesse der Sache selbst solle die Diskussion abgebrochen und der Bericht der gemischten Kommission abgewartet werden. Nachdem nunmehr Herr Löwenberg seinen Antrag zurückgezogen, wird die Position bewilligt. Die Vorlage für den Religionsverein Westen, welche in der vorigen Sitzung wegen Beschlußunfähigkeit der Versammlung nicht erledigt werden konnte, wird nunmehr besprochen und eine Resolution beschlossen, eine nochmalige eingehende Prüfung der Finanzverhältniffe des Vereins vorzunehmen. In schneller Aufeinanderfolge wird dann die Bewilligung der nachstehenden Vorlagen, welche zum Theil gar nicht auf der Tagesordnung stehen, für die aber die Dringlichkeit ausgesprochen wird, genehmigt: 600 Mark für die Räume des Jugendgottesdienstes in der Beuthstraße, 3500 Mark für bauliche Veränderungen in der zweiten Religionsschule, 10 000 Mark als Beitrag zu den Kosten der Pflasterungsarbeiten in der Lothringerstraße zu Weißensee, eine Summe bis zur Höhe von 10 000 Mark zur Anschaffung der Silbergeräthe, Teppiche, Läufer re. und als Nachbewilligung 4600 Mark für die Glühlichtlampen in der Synagoge Lützowstraße. Die Berathung einer Subvention in Höhe von 1000 Mark an den „Verein für Arbeitsnachweis" wird in die geheime Sitzung verlegt. Alsdann wird die in der letzten Sitzung unterbrochene Berathung der Satzungen der Armenkommission fortgesetzt. Es gaben nur noch drei Punkte Veranlassung zur Diskussion. Bezüglich des Fonds für verschämte Arme legt der Gemeindevorftand aus Berwaltungsrückstchten großen Werth darauf, daß, selbst wenn es nur von einem Theil des Ausschusses beschlossen wird, der Centralstelle Mittheilung über den Petenten gemacht werden müsse. Sämmtliche Redner in der Diskussion, mit Ausnahme des Herrn Maurermeisters Fränkel, treten für die Geheimhaltung ein, da im anderen Falle der Fonds aufhöre, ein Fonds für verschämte Arme zu sein. Lägen Bedenken gegen einen Petenten vor, so könnten sich die Mitglieder des Fonds ja vorher durch die Listen der Armenkommission überzeugen. Herr Louis Sachs hält es nicht für richtig, daß die Mitglieder des Fonds aus den Mitgliedern der Armenkommission gewählt werden, da Letztere, die so häufig betrogen werden, ein Borurtheil gegen die verschämte Armuth haben könnten. Nach langer Debatte und heftigster Gegenwehr seitens des Vorstandes wird der Ausschußantrag mit sieben gegen fünf Stimmen angenommen, nach dem eine Mittheilung an die Centralstelle nur erfolgen darf, wenn sämmtliche Mitglieder des Fondsausschusses dafür eintreten. Der Antrag des Vorstandes, den Fonds für Durchreisende von der Armenkommission abzutrennen, wird von der Versammlung genehmigt. Ein fernerer Antrag Louis Sachs, in Artikel 6 die Worte zu streichen: „Der Vorsitzende des Plenums hat das Recht, in jeder Ausschußsttzung den Vorsitz zu führen", wird ebenfalls angenommen. Da zu den folgenden Artikeln keine Aenderungen mehr vorgeschlagen find, so wird die en dloe-Annahme derselben befürwortet und beschlossen. Eine zweite