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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-06-24 · Heft 25 (24.6.1898) · p. Seite 298

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 25 (24.6.1898)
Date
1898-06-24
Page
Seite 298 (sequence 10)
Language
German
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298 \ Baumeister, Alchymist und Kenner der jüdischen Litteratur wie in einem Bilde zeigt und zahlreiche andere berühmte Namen der Judenheit Italiens die Verschwisterung von Kultur und Religion verkörpert haben, so ist Leone de Sommi Portaleone, der Thoraschreiber und Theaterdirektor, der italienische Dramatiker, Aesthetikex und Synagogenerbauer, ein Vertreter jener denkwürdigen Epoche, die, lim mit den Alten zu sprechen, die Schönheit Jefets in die Zelte Sems. d. h. den Humanismus Italiens in die Lehre Zions eingeführt haC). feUlLLETON^I Aas Grab eines Propheten in Offenbach. Von Dr. Arnold Hirsch. II. abbatai Zewi war der Gründer der nach ihm genannten Sekte der Sabbatianer. Sein Anhang erklärte nach seinem Tode, er sei nicht gestorben, sondern wie Enoch und Elias lebendig in den Himmel gefahren, um bis zur wirklichen Erlösungszeit daselbst zu verbleiben, da die damalige Generation zur Verwirklichung seiner Sendung noch zu sündhaft gewesen wäre. Doch übernahm nach Sabbatais Tode dessen Schwager, Jakob Philosophus, der sich Jakob Zewi nannte, seine Mission, bereiste als Lehrer derselben Grundsätze den Orient, fand auch wirklich daselbst einen bedeutenden Anhang, wurde jedoch auf seiner Rückreise von Mekka zu Alexandrien vom Tode ereilt. Seine Stelle nahm nun desien Sohn Berachjah ein, der in Salonichi wohnte und von seinem Anhang gleichfalls als Prophet verehrt wurde; doch konnte dieser weder sich noch seine Sekte zu jenem Ansehen erheben, in welchem Sabbatai einst strahlte. Die Sekte bestand im Stillen fort, und obgleich die Rabbinen in Jerusalem, Konstantinopel, Italien und Polen dieselbe mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln verfolgten und selbst Bannbriefe gegen sie schleuderten, vermehrte sich dennoch ihr Anhang, namentlich in Polen, von wo aus Emissäre zur Verbreitung derselben in alle Länder geschickt wurden. Im Jahre 1700 bereisten zu diesem Zwecke 31 jüdische Familien, die beiläufig aus 120 Personen bestanden, unter Anführung eines gewissen Rabbi Jehuda Hachasid, Böhmen, Mähren, Deutschland und Holland, um sich schließlich nach Palästina zu begeben. Ihr Hauptsammelplatz war in Nikolsburg, von wo aus sie nach Wien und auf der Donau weiter reisten. Es brachen aber auf dem Schiffe ansteckende Krankheiten unter ihnen aus, so daß sie fast sämmtlich zu Grunde gingen. Unter den Emiffären zeichnete sich später ein gewisser Löw aus Proßnitz ans, der mit seinem Gehilfen, Rabbi Moses Mayer aus Zolkiew in Polen, ganz Deutschland bereiste und namentlich unter den Rabbinen viele Proselyten warb. Berühmte Lehrer dieser Sekte waren ums Jahr 1730 Jekuthiel, Arzt in Wilna, sowie auch der gelehrte Moses Chajim Luzzato in Padua, der einen zweiten „Sohar" schrieb und auch durch die Verfassung von 150 Psalmen sich einen großen Ruf erwarb. ' Ungefähr um das Jahr 1750 trat ein gewisser Jakob Frank auf seiner Rückreise aus der Krim, wo er sich längere Zeit aufhielt, in Giurgewo neuerdings als Prophet der Sabbatianer auf und sammelte gleich Anfangs in den Donaufürstenthümern einen mächtigen Anhang um sich. Jakob Frank (er erhielt diesen Beinamen in der Türkei, wo alle Europäer Franken heißen,) war in Polen im Jahre 0 G. Jars, Abramo Colorni (Ferrara 1891). 1712 geboren, beschäftigte sich in seiner Jugend mit der Branntweinbrennerei und unternahm in-seinen Geschäften häufige Reisen nach der Moldau, Walachei und der Krim. Dort mochte er zu der Ueberzeugung gekommen sein, daß der Glaube an die Lehre Sabbatais noch mächtig im Volke wurzele; er verlegte sich daher mit Eifer aus die Kabbala, namentlich auf das Studium des Sohars, verschaffte sich auch bald den Ruf eines ausgezeichneten Kabbalisten und trat endlich, wie gesagt, selbst in der Rolle eines Propheten auf den Schauplatz. Wir sagten schon, daß die Kabbala sich wesentlich mit Berechnungen über die Zeit der Ankunft des Messias befasse, namentlich ist es das oben erwähnte Werk, der „Sohar" (die Leuchte), welches mit mystischen Andeutungen über diesen Gegenstand erfüllt ist und daher bei den Anhängern dieser Sekte in so großem Ansehen stand, daß sie die Heiligkeit dieses Buches und die Untrüglichkeit seiner Grundsätze nicht blos neben, sondern sogar über den Talmud stellten, was die Veranlassung war, daß diese Sekte nebst dem Namen der Sabbatianer auch jenen der „Sohariten" oder „Kontra-Talmudisten" erhielt. Jakob Frank sammelte schnell einen großen Anhang um sich,szumal als er sich keiner Betrügereien und Gaukelspiele bediente, wie das bei seinem gleichzeitigen Rivalen Bescht, dem Haupte der Chassidäer, der Fall war, sondern blos durch seine kabbalistische Gelehrsamkeit, seine Suada und seine imponirende Erscheinung wirkte. Die Sektirer fanden in dem damaligen Bischöfe von Podolien einen mächtigen Beschützer; es wurden in den Kirchen von Kamieniez- Podolsky und Lemberg in Gegenwart mehrerer Bischöfe und Kronbeamten zwischen den Rabbinen und den Korphäen jener Sekte öffentliche Disputationen gehalten, infolge deren den Sabbatianern ein königlicher Schutzbrief das Recht verlieh, zu den Grundsätzen dieser Sekte sich öffentlich zu bekennen und dieselben im Königreiche Polen frei zu üben. Bei Gelegenheit jener öffentlichen Disputationen legte die Sekte auch ihr Glaubensbekenntniß ab, aus welchem weitläufigen Aktenstücke wir hier blos die leitenden Grundsätze hervorheben wolle». „Glaube an einen einzigen Gott, der jedoch aus drei „Parzufim" (Gestaltungen) besteht, die ohne Spaltung und Theilung einander gleich und daher Eins sind." Der Beweis dafür wird aus der Bibel geführt, wo Gott niemals Ich, sondern immer „Wir" oder „Uns" sagt; ferner aus der Anrede Abrahams an die drei Engel, die er mit den Worten „Mein Herr!" ansprach, weil drei Eines bilden; ferner aus der Besprengung mit dem Passahblut an drei Thürpfosten und mehreren anderen dergleichen Deduktionen. „Glaube, daß Moses und die Propheten sich in ihren Schriften nur bildlich ausdrückten und auf einen geheimen Sinn hinwiesen, den sie unter ihren Worten verbargen; daher die Verpflichtung, nicht blos nach dem Gesetze zu leben, sondern auch durch eifriges Studium diese Geheimhaltung zu erforschen. Glaube, daß von allen Erklärungen der Thora jene, die der Sohar giebt, die vorzüglichste und einzig wahre sei, der Talmud hingegen falsche Erklärungen enthalte. Glaube an einen Messias, der jedoch kein Mensch, sondern eine Verkörperung Gottes sein werde, um alle Menschen zu entsündigen." Da diese Grundsätze mit jenen des Christenthums viele Aehnlichkeit hatten, erfreuten sich die Sohariten eines um so größeren Schutzes, und der Bischof von Podolien verordnete sogar zu ihren Gunsten, daß alle talmudischen Schriften öffentlich verbrannt werden sollten. Die Rabbinen hingegen wandten sich um Schutz an den damaligen Minister am polnischen Hofe, den Grafen Brühl, wiesen nach, daß die Sabbatianer nicht etwa Jesus Christus, sondern Sabbatai Zelvi unter ihrem Messias verstanden, und da -bald darauf jener mächtige- Beschützer der Sekte, der Bischof von Podolien starb, wurde dieselbe neuerdings unterdrückt und verfolgt. Ein

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