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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-06-24 · Heft 25 (24.6.1898) · p. Seite 297

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 25 (24.6.1898)
Date
1898-06-24
Page
Seite 297 (sequence 9)
Language
German
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- 297 - bewegung über den Urheber heraufbeschworen* * * 4). Da war rS Leone de Sommi, der dem gekränkten Freunde Muth und Geduld zusprach. So tief hatte sich Asarja die süße Rede des Freundes eingeprägt, daß er das Bild, das Leone in seinem Zuspruche gebrauchte, der Verewigung in.seinem Buche für Werth erachtete. Die Verzögerung, batte Leone zu ihm gesagt, solle ihn nicht bedrücken, es sei seinem Werke beschieden, noch weiter im Geiste seines Urhebers auszureifen und an Vollendung zu gewinnen, wie von der Frucht des Ethrog die Alten rühmen3 6), daß sie an Süße und Köstlichkeit so unvergleichlich hoch über allen übrigen stehe, weil sie länger am Stamm verbleibe, der sie hervorbringt. Ein Mißverständniß von Asarjas Worten3), der von der Komposition dieser köstlichen Rede spricht, hat ein Buch Leones Namens Jmre Noam daraus gemacht, das nie und nimmer existirt hat"'). Aber durch die Hinwegräumung dieses Jrrthums wird nur die jüdische Bibliographie, nicht der Nachruhm Leone de Sommis ärmer, den die Liebe Asarja dei Rossts hinübergenommen hat in die eigene Unsterblichkeit. Ein urkundlicher Beweis dafür, daß Leone seine Bitte um die Besitzfähigkeit von Grundstücken gewährt wurde, ist zwar nicht vorhanden, allein es wird gestattet sein, es anzunehmen, da wir davon hören, daß er eine Synagoge in Mantua errichtet hat, die er sicherlich nur in einem dauernden Eigenthum unterzubringen sich entschlossen haben dürfte. Dieser werthvolle Zug, den wir seinem wiederentdeckten Epitaphe verdanken, schließt das Bild seiner merkwürdigen Persönlichkeit in einer für die jüdische Kulturgeschichte besonders aufschlußreichen Weise ab. Wir wissen es aus quellenmäßigen Berichten, daß die Schauspieler in Mantua den religiösen Vorschriften getreu nachlebten und sich niemals dazu verstehen wollten, ihre Vorstellungen in den Sabbath hinein auszudehnen3). Aber der Theaterdirektor und Bühnentheoretiker, der Sekretär der Leoademia dei lnvaghiti als Synagogengründer ist ein neuer Eckstein zum Bau der an merkwürdigen Einzelheiten so überreichen Kulturgeschichte der Juden in Italien. In Mantua ist die Kunde von dem Gotteshause, das ein Portaleone gegründet hat, vergessen. Denn die Synagoge Porto, die dort bestanden hat, ist nicht mit der von Leone gegründeten zu verwechseln; Porto bedeutet vielmehr, daß sie von Jsak Cohen Porto, der 1554 zum Rabbiner von Mantua gewählt wurde, herrühre°). Es ist dieselbe Synagoge, die in der Nacht auf Sonnabend den 28. Sivan des Jahres 4370, das ist den 27. Juni 1610, mit ihren 17 Thorarollen und heiligen Geräthen bis auf den Grund verbrannte, wie eine Notiz in cod. Paris 3817) und das Klagelied berichten, das zum Andenken an das traurige Ereigniß auf einem fliegenden ') Kaufmann, REJ. XXXIII, 77ff. 2) Succa, f. 35a. Bergl. Kohut, Aruch III, 188f. B) 2'3'!> “11X52- Cap. 18 Ende: v',7727 |2 7NX NI 7312X21 77V' '72112 737 71X27 '“07 12 '72217V N52 *^32 7VX “112512 sl'23 ^21 227.77172 '717 '22 2V 7VX ''212 22121V2NN *?77V2 ,“015222 7V2 'Dl',“12 '2 '21*22 NUN' 2212 '72X - - '3*?XV'1 '122 *7222,“7 'NX XN'1 '*1122 2'27,7*? 4) Den Verlust dieses Buches beklagen Zunz, N2N 222 V, 155, D. Cassel, Q'2'U 21X2 Seite 152, M. Mortara, Mose V, 151 und Benjacob. E'^22,1 -ijpiX Seite 43, Nr. 820. 5) REJ. XXIII, 77 f. 6) Ich verdanke diese Mittheilung meinem Freunde Rabb. Professor Giuseppe Jars in Ferrara. ') Bergl. Steinschneider, Kat. Hamburg, Seite 173 n. 1. Die Abschrift aus cod. Paris 881 in Anhang VI verdanke ich Herrn Morse Schwab. Blatte in Mantua gedruckt wurde4). 35 Jahre hat es gedauert, bis sie am 6. Elul 1645 wieder eröffnet wurde. Aber an der Thatsache, daß an Leone de Sommi Portaleone in Mantua ein Gotteshaus erinnerte, ist nicht zu zweifeln. Als er 1592 in Mantua zu Grabe kam, rühmte man es dem ausgezeichneten Schriftsteller auf seinem Leichensteine nach, daß er vor seinem Tode noch ein Gotteshaus errichtet hat, das allen Bedingungen, die an ein solches zu stellen sind, in vollendeter Weise entsprochen hat. Der Leichenstein ist verschwunden, der Grabhügel zerstäubt, der über Leone de Sommi sich wölbte, aber sein Freund Daniel Fano, dessen Poesien und Briefe in einem dünnen, durch Pergamentdecken geschützten Quartbändchen meine Sammlung bewahrt, hat uns die Grabschrift erhalten, die ein Ungenannter in Mantua und er selber für den Denkstein des vor der Zeit dahingegangenen Freundes gedichtet Habens. Durch die wiederholten und sich gegenseitig sichernden Chronostiche, in denen 1592 als das Todesjahr de Sommis bezeichnet wirb3), ist jetzt auch die Angabe widerlegt, die Bertolotti in dem Mantuanischen Necrologium gefunden hat, daß Leone de Sommi am 19. Mai 1590 in Mantua in der Gegend del Cammello am Fieber verstorben sei4). Wenn das Tagesdatum auch richtig sein mag, das Jahr ist es sicherlich nicht, da 1592 durch die untrüglichen Angaben der beiden Inschriften feststeht. Wenn ich die Bezeichnung Leones auf den Epitaphien richtig deute, so ist darin sein Beruf als Schreiber deutlich angegeben3). Wir brauchen dann nicht länger zu zweifeln, daß der von Abraham Portaleone, dem Verfaffer des archäologischen Werkes Schilte Gibborim, genannte Jehuda de Sommi, der Schreiber, mit unserem Dichter, Bühnenschriftsteller und Synagogengründer identisch ist3). In seinem Nachlaß hat Emanuel Pontremoli, wie Abraham Portaleone annimmt, das Tintenrezept gefunden, welches er zur Herstellung des für Gesetzesrollen geeigneten Schreibstoffes für so empfehlenswerth hielt, daß er es seinem Werke einverleibte7). Wie Abraham Portaleone selber, der ausgezeichnete Arzt, Naturforscher und Beherrscher der lateinischen, griechischen und italienischen Sprache, in seiner Person die Vereinigung gelehrter, profaner Bildung und rabbinischen Wiffens darstellt3), wie Abraham Colorni, sein Zeitgenoffe, vollends die Vielseitigkeit der italienischen Renaiffance als 4) Siehe Anhang V, wo ich aus meiner Sammlung italienischer Einblattdrucke diese Elegie zum Abdruck gebracht habe. Bergl. Zunz, Litteraturgeschichte, Seite 424. 2) Anhang IV. 3) 2*252? 1"2V1 ]*27p 352 1592. In dem Register des heiligen Vereins von Mantua in meinem Besitze fol. 38 b findet sich die Eintragung: 72122 732*7X N21'2 “02 "2 1"X2 N2 22V Das könnte die Wittwe Juda de Sommes sein, die nach den 2 die hier verzeichnet sind. 2 Kinder hinterlassen haben muß. 4) S. Birnbaum a.a.O. 236 n. 33. Bergl. Rieger, Geschichte der Juden in Rom, Seite 103 n. 2. 5) ppinö!"! enthält eben die Anspielung auf den Schreiber wie auf den Schriftsteller. Bergl. Zunz, Gesammelte Schriften III, 58. 3) 2'71237 '2^V 1.1816:-,212172 '7*?2pV 7171'77 7V1277 '7' 7VV2 rrn '*?1X2V Tr '*?12'723122 *?X1322 '7 7*7122,7 7332 '232X17 7VX2 X37 IX *?*? ,7217X02 7'X2 '27 7212.7 bu1!7'7X 717512 '212 '71.7' 7",722 p.7212.7 72127; über Men aus Padua, den Schreiber und Buchdrucker, vergl. Zunz, Zur Geschichte, Seite 252 f., 257 und Kaufmann in REJ. XXXII, 130 n. 5. 7) Mortaras Behauptung, der Schreiber Jehuda de Sommi sei ein Anderer, und zwar der Sohn Abraham Portaleones, gewesen (Mose VIII, 151), ist durch nichts bewiesen. Zunz 0^)3 V, 154, identifizirt ihn daher mit Recht mit dem unserigen. 8) Bergl. über Abraham Portaleones Testament Kaufmann in Jewish Quarterly Review IV, 333—41.

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