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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-06-17 · Heft 24 (17.6.1898) · p. Seite 288

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 24 (17.6.1898)
Date
1898-06-17
Page
Seite 288 (sequence 12)
Language
German
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288 . W^or mehr als dreimal tausend Jahren Zog einst ein Häuflein Volkes aus: Sie alle, die seines Stammes waren, Verließen mit Jakob ihr Heimathhaus. Und zogen hin nach fernen Landen, Und reicher Segen ward ihnen bescheert, Daß sie als mächtiges Volk erstanden, Vor allen Völkern hochgeehrt. Es wandelte auf der Tugend Bahnen Das Volk des Herrn gar fromm einher; Hochhaltend seines Gesetzes Fahnen, llnd seine Größe wuchs mehr und mehr. Doch als sie die Wege des Ew'gen verließen, Hintaumelten auf der Laster Pfad, Da mußten die Kinder Juda es büßen, Daß sie nicht gehört ihrer Weisen Rath. Zur KuOuri;ruah. von Henriette Hirschberg. > Vertrieben in ferne, fremde Lande, j Gehöhnt und verspottet, gehaßt und verkannt, Entbehrend der süßen Heimath Bande, Bald hier verjagt, bald dort verbannt. So haben das Schwerste sie erlitten. Erleiden, erdulden es noch heut', Wo, fremd in fremder Völker Mitten, Sie heimathlos, schutzlos leben zerstreut. Eins nur eint die getrennten Glieder, Eins, das sie fest zusammen hält; Ein Band verbindet die Glaubensbrüder Vom Orinoco bis zum Belt: Das ist die göttlich erhab'ne Lehre, Der Väter Sprache und Religion.! Dies eint uns über Länder und Meere Zum Gottesvolk, zur Glaubensnation! Und wer entstammet diesem Volke, Muß treu zu ihm steh'n allezeit. Auch du! Denn zu der Brüder Pflichten Wirst feierlich du heut' geweiht. Ein echter Sohn sei deines Stammes: In Kampf und Streit, in Roth und Tod Zu schützen deiner Brüder Rechte, Sei heil'ge Pflicht dir und Gebot! Denn trüb ist unsre Zeit geworden, Und dunkle Schatten wirft das Licht. Die Völkerfreiheit will uns morden Ein feiges, tückisches Gezücht. Da gilt es, fest auf Posten stehen; Im Sturm heißt's: Alle Mann an Bord! O, mögen dich wir einstmals sehen Als der Bedrängten muth'ger. Hort. Daß zu den besten deines Stammes Man möge einstmals zählen dich! Daß Ehr' und Ruhm, daß Geistesadel Als schönster Schmuck einst ziere dich! Ein junges Bäumchen, schlank und biegsam, So stehest du vor uns wohl heut'; Wachs' und gedeih', daß einst dein Schatten Ein fern Geschlecht noch hoch erfreut! Sprechsaal. Sehr geehrter Herr Redakteur! ie diesmalige Nummer der Zeitung des Judenthums berichtet unter der Korrespondenz Berlin, daß ich im Verein mit einem anderen Kollegen die Absicht habe, einen Centrumsverband innerhalb des Rabbinerverbandes zu begründen. Mir ist hiervon nichts bekannt, und ich habe auch gar nicht die Absicht, eine solche Gründung ins Leben zu rufen. Um Jrrthümern vorzubeugen, bitte ich Sie, diese Berichtigung aufzunehmen. Mit herzlichem Gruße München, 10. Juni. Ihr Dr. Werner. Sehr.geehrter Herr Redakteur! n seinen „Bemerkungen zu Sudermanns Johannes" (Nr. 20 der „Allg. Ztg. des Judenthums") beanstandet Herr Dr. Friedmann in Lublinitz die Schreibung „Homer" in der neunten Szene des zweiten Akts. Nach seiner Meinung sollte es richtiger „Omer" heißen. Ich gestatte mir, den Herrn Rezensenten darauf aufmerksam zu machen, daß die höhnenden Worte des Johannes, die er der Herodias ins Gesicht schleudert: „Erkaufen willst du mich dir? Kennst du auch wohl deinen Preis? Mit anderthalb Homer Gerste bist du mir fast zu theuer bezahlt . . . denn Buhlerin ist dein Name und Ehebrecherin steht auf deiner Stirn geschrieben" ganz offenbar sich anlehnen an Hosea III, 1, 2: Und der Herr sprach zu mir: Geh' hin und liebe ein buhlerisches und ehebrecherisches Weib . . . Und ich warb mir eins um 15 Silberlinge und anderthalb Homer Gerste 'Ifoft)- Nürnberg, 5. Juni. Dr. K. Wertheim. Sehr geehrter Herr Redakteur! us dem „Sprechsaal" der vorletzten Nummer ersehe ich zu meiner großen Freude, daß Herr Dr. Leimdörfer sich nicht mehr „in Gegensatz" zu mir befindet, sondern in seinen Leitsätzen „eine genauere Präzision des zu Erstrebenden" hat geben wollen. Das wirb dem Zwecke, den ich im Auge habe, nur dienlich sein können. Richtig stellen muß ich noch, daß meine Leitsätze sich auf Religionsschulen überhaupt nicht beziehen, sondern ausschließlich für den jüdischen Religions-Unterricht an höheren Schulen — der, wo er eingeführt ist, in 2 Stunden wöchentlich ertheilt wird — gelten. In ihm kann das Gebetbuch nach Lage der Dinge keine bedeutende Verwendung finden, so wünschenswerth dies auch wäre. Wolfenbüttel, 3. Juni. Hochachtungsvoll Tachau. £ Geehrter Herr Redakteur! ls angeblicher Kantor E. Cohn aus Elsaß, welcher sehr warme Empfehlungen von Rabbinern und Lehrern, aber keine Zeugnisse bei sich führt, reist ein „Schnorrer" (anständig gekleidet, blond, von sicherem,' gewandtem Auftreten) umher, welcher auch hier Unterstützung verlangte. Abgesehen von haarsträubenden Dingen über seine Familienverhältnisse, stellte er sich als Opfer des Schächtverbotes in der Schweiz, woselbst er viele Jahre im Amte gewesen sei, hin, doch habe er am 1. Juni eine Stelle in der Provinz Posen (Exin) anzutreten. Außerdem sei er ein Neffe des Herrn Rabbiners Dr. Cohn-Jchenhausen. Da die Angaben des Mannes verdächtig erschienen, richteten wir an Herrn Dr. Cohn folgende telegraphische Anfrage: „Neffe Kantor Cohn erbittet Unterstützung; Drahtbescheid, ob solche angebracht." Darauf die Antwort: „Schwindel, habe keinen unterstützungsbedürftigen Neffen. Rabb. Cohn." Inzwischen ist noch^ festgestellt, daß der angebliche Cohn auch die Empfehlungen nur unter erlogenen Angaben erlangt hat. Der Mann dürfte das gleiche oder ein ähnliches Manöver auch anderwärts versuchen, es sei daher eindringlich vor demselben gewarnt, auch wird ersucht, demselben die Empfehlungen abzunehmen. Er scheint es auch besonders auf Beamte abgesehen zu haben, die das Schächtamt versehen. Chemnitz, 23. Mai. S. Sommerfeld, Lehrer. * Geehrter Herr! ie sprechen in Ihrer letzten Nummer von einem Aufruf des Herrn Zadoc Kahn, Oberrabbiner von Frankreich, zu Gunsten der hungernden Juden. Möchten Sie aber nicht Ihren Lesern sagen, daß es hier heißen soll: zu Gunsten der Juden Algeriens! Dort herrscht bittere Noth und ungeheures Elend, nicht aber, wie man glauben könnte, unter den Juden Frankreichs. Hochachtungsvollst Schirrhofen, 6. Juni. Simon Levy, Rabbiner. * Sehr geehrter Herr Redakteur! Mn meinem Aufsatz über „die Memoiren einer Hamburger Jüdin" <33 bitte ich Sie, eine falsch gedruckte Jahreszahl gütigst zu berichtigen. Seite 272, Spalte 2, Zeile 4 von unten muß es heißen: „es war um 1690, als sie diese Worte schrieb" (statt 1620). Hamburg, 13. Juni. Hochachtungsvoy Dr. A. Feilchenfeld. Druck und Verlag von Rudolf Mosfe in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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