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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-06-17 · Heft 24 (17.6.1898) · p. Seite 285

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 24 (17.6.1898)
Date
1898-06-17
Page
Seite 285 (sequence 9)
Language
German
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—— 286 Bologna») verherrlicht habe. Aber diesmal sollte Meister Frauenlob den Sieg davontragen. Ein Dichter, der beide Dichtungen gegen einander abgewogen hat, läßt den Streit Beider durch eine Frau Debora, vielleicht Namens Tamari^), zu Ungunsten Jakobs schlichten. In poetischer Wechselrede tauschen Debora und Jakob Anklage und Entschuldigung aus, bis Jakob, von einer Fluth von Anschuldigungen überschwemmt, sich zurückzieht. Er hatte Schlimmeres, meint die Dichterin, als das begangen, was er Leone de Sommi zur Last legte. Seine Verse waren durch aramäische Brocken und talmudische Phrasen entstellt und bis zur Unverständlichkeit überladen. Leon de Sommi hatte aber nur dasselbe gethan, was einst Radina und R. Aschi unternahmen, die allgemein verständliche Landessprache herauzuziehen und in den Dienst des heiligen Gedankens zu stellen»). So sind, wie zum Schlüsse Barak den Abinoam, Deboras Mitstreiter, der ungenannte Dichter selber entscheidet, die sechzig „Schilde der Helden" zurückgeschlagen und der „Frauenschutz" Leone de Somniis als Sieger im Streit erklärt). Jakob Fanos Gedicht hätte aber bald noch eine andere Niederlage als diese akademische erlebt. Es war 1556 mit seiner Elegie auf die 24 Märtyrer von Ancona bei Abraham Jbn Usque im Druck erschienen und hatte die Aufmerksamkeit des Kardinals Michele Ghislieri, des nachmaligen Papstes Paul V., und seinen Zorn erregt. In einem Briefe vom 4. Februar 1559 fordert er vom Herzog von Ferrara die Bestrafung des Autors, in jedem Falle aber die des Buchdruckers und die Verbrennung aller Exemplare des Gedichtes durch den erzbischöflichen Vikar von Ferraras. Wohl ist das Schriftchen so selten geworden»), als wenn es grundsätzlich vernichtet worden wäre. Gleichwohl aber wird man die Seltenheit desselben, die auch durch seine Kleinheit verursacht worden sein kann allein nicht als Beweis dafür ansehen dürfen, daß dem Verlangen des Kardinals Folge gegeben wurde. Leon de Sommi verließ aber das Gebiet der hebräischen Poesie, das er mit wenig Dank betreten hatte, um sich ganz dem italienischen Theater zuzuwenden. Die Schauspielkunst war unter den Juden Italiens nicht neu. Besonders war es der Hof von Mantua, an dem jüdische Mimen und Musiker viel begünstigt wurden^). Seit -) Ib. 128: 31E ^2V1 «3'7I fp2 nrwTti '2'T3 or •aisn pa rrrraarr Pta Bon der ungenannten Bologneserin rühmt de Sommi Seite 121: iTIpO rOtf’T’ «TI ,T I1? 7! 21 K«i'l^l2 «TI rbin bv niiia« •r^snn manibi 3) ib. i22: 7n"im Yian nnn atsrm '71-IV7I 2i-!2!2 rrn '!« 27 <Jud. 4, 5). ib. i23: ri« onn D’baa pirba warn «itti I« d«i -ii'p irb «iTt '2 nur i1*?« -mabm 4) ib. 124. b) Kaufmann in REJ. XI, 150. Das ib. 153 abgedruckte Gedicht hat nicht, wie Graetz, VIII«, 337 n. 1 annimmt, Jakob di Fano, sondern, wie ich REJ. XI, 318 bemerkt habe, Salomo Chasan aus Ancona zum Verfasser. Dagegen existirt ein Gedicht Jakob di Fanos auf die Verbrennung des Talmuds wirklich in cod. Gunzbourg in St. Petersburg 688". 0) Ich bringe in Anhang III aus dem Exemplar der Gemeinde-, bibliothek von Ferrara die von Neubauer Letterbode X, 124 übergangene Widmung Fanos an Abraham b. Jsak Fano zum Abdruck. 7) S. Dejob's Auszug aus d'Anconas Buch Origini del teairo italiano (Turin 1891, I—II) REJ. XXIII, 75—84. Vergl. Ed. Birnbaum über jüdische Musiker am Hofe von Mantua von 1542—1620 im Kalender der österreichisch-israelitischen Union in Wien 1893, Seite 213—48. dem Jahre 1521 gab es sogar eine ganze jüdische Schauspielgesellschaft in Mantua. Aber ein festes und ständiges Theater gab es noch nicht. Das wollte Leone de Sommi errichten, der an Francesco Gonzaga, dem Grafen von Novellara, einen Gönner erworben hatte. Im Jahre 1567, am 17. April, empfahl Francesco dem Herzog Guglielmo ein Gesuch Leons, der um die Erlaubniß bat, eine Bühne errichten zu dürfen, die in bequemer und anständiger Weise Männern und Frauen den Genuß der Aufführung von Schauspielen vermitteln würde.' (Schluß folgt.) UILLETOli Aas Grab eines Propheten in Offenbach. Von Dr. Arnold Hirsch.*) Lpine Stunde von Frankfurt a. M. entfernt liegt Offenbach, wohin man mittelst Eisenbahn in weniger als einer halben Stunde gelangt. Die Stadt führt den prunkenden Namen einer „großherzoglich heffen-darmstädtischen Landesgerichtsstadt", ist aber nicht mehr und nicht weniger als ein regelmäßig gebautes, sehr nett und rein gehaltenes Städtchen von einladend freundlichem Aussehen, das in der Industrie, und namentlich in Verfertigung von eleganter Futteral- und Brieftaschenarbeit, sich einen Namen von gutem Klange erworben hat. Doch nicht von den Lebenden will ich reden, mich führt mein Thema zu den Todten, und so will ich Euch sogleich zum sogenannten „alten Friedhofe" am südlichen Ende der Stadt geleiten, und getrost können mir auch Jene dahin folgen, die sonst keinen absonderlichen Geschmack an Promenaden im klösterlichen Geschmack des memento mori finden, denn der Friedhof von ehemals gleicht heute einer englischen Gartenanlage mit sandbestreuteii, vielfach verschlungenen Wegen, mit Banmgruppen und Blumenpartien, und nur einzelne da und dort an der Umgrenzungsmauer befestigte, moosige Grabsteine und Pyramiden aus grauem und rothem Marmor, die aus dem Birkengebüsch hervorragen, erinnern, daß der Boden, auf dem wir wandeln, kein profaner sei. — Von Seite der Straße bilden blos eiserne Stacketen die Einfriedigung, und hier befindet sich auch das Eingangsthor, das stets verschloffen und dessen Schlüffel sich in Verwahrung eines Offenbacher Bürgers befindet, welcher dem Kirchhofe gerade gegenüber sein bescheidenes Häuschen sich erbaute. Gern öffnet der freundliche Mann Euch das Kirchhofsthor und wird Euch erzählen, daß seit 24 Jahren Niemand mehr hier begraben wurde, daß bei der Umgestaltung dieses Platzes in einen Garten nur jene Monumente erhalten wurden, welche auf ausdrückliche Verwendung der betreffenden Familien dem allgemeinen Loose entgingen, und daß, wie dies auch auf dem neuen Friedhofe üblich, Protestanten und Katholiken hier ihre gemeinschaftliche Ruhestätte fanden. Fragt Ihr, ob es nicht irgend bel) Dieser höchst interessante Aufsatz ist in den fünfziger Jahren im Familienbuch des Oesterr. Loyd, VII. Band, unter dem Pseudonym Eginhard Quelle erschienen. Der Autor war der vor zwei Jahren in Wien verstorbene Dr. Arnold Hirsch, ein als Schriftsteller wie als Mensch ausgezeichneter Glaubensgenosse, den die Besten unter den Lebenden mit Stolz ihren Freund nannten. Wir reproduziren den Aufsatz mit Erlaubniß der verehrten Wittwe dieses Mannes, durch gütige Vermittelung des Herrn Professor Dr. Kaufmann, und zur Erinnerung an sein Leben und Schaffen. Die Red.

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