Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 24 (17.6.1898)
- Date
- 1898-06-17
- Page
- Seite 284 (sequence 8)
- Language
- German
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- WWMWMWWWW 281 durch eines ihrer Mitglieder auch der Geschichte der italienisches Litteratur, ganz besonders aber der Geschichte der Schauspielkunst an." Denn es ist kaum zweifelhaft, daß der szenenkundige, als einer der größten Bühnentechniker seiner Zeit verehrte Leone b. Jsak de Sommi der großen Familie der Portaleone zuzurechnen sei. Sein und seines Vaters Name, von dem gleichen Familiennamen ganz abgesehen, weisen ihn in dieses Geschlecht. So hieß der vierte Sohn Salomo ben Abraham II. Portaleone's, der am 5. Dezember 1549 geboren wurde, Jsak'), Salomos Vetter. David I. Portaleone's Sohn, einer der größten italienischen Chirurgen des 16. Jahrhunderts, trug den Namen Leo, d. i. Jehuda3). Juda b. Jsak de Sommi, im Jahre 1527 zu Mantua geboren, muß sehr früh seine litterarifchen Neigungen an den Tag gelegt haben. Mit vollen Zügen aus dem reichströmenden Borne der' italienischen Poesie schlürfend, fühlte er bald, damals noch eine merkwürdige Erscheinung im Ghetto, zur Bethätigung auf dem Gebiete der Dichtung sich berufen, derer sein Leben zu widmen entschlossen war. Um aber auch einen Erwerb sich zu sichern, da durch Verse kein Brod zu gewinnen war, scheint er das unter den Juden Italiens durch ebenso gesuchte als angesehene Meister vertretene gelehrte Handwerk eines Thoraschreibers erlernt zu haben, das, zwischen Gelehrsamkeit und Kunst die Mitte haltend, damals noch seinen Mann zu nähren und zu befriedigen wohl geeignet war. Kaum zwanzigjährig, scheint er zum ersten Male seinen Namen durch ein Gedicht bekannt gemacht zu haben, das seine Fertigkeit im hebräischen wie im italienischen Vers gleich sehr bekundete. Es war ein viel bearbeiteter Stoff, an dem er sich versuchte, die Vertheidigung der Frauen. Wie am Beginn des 13. Jahrhunderts Jehuda ben Sabbathai Ha-Lewi aus Barcelona seinen „Weiberfeind" erscheinen ließ, dem ein anderer Dichter, Jsak, seine „Rettung der Frauen" entgegenstellte, und Jedaja Penini ein Jahrhundert später seinen „Frauenschutz" folgen liefe8), so hatten um die Wende des 16. Jahrhunderts drei italienische Dichter denselben Gegenstand ausgenommen, indem Abraham aus Sarteano die Anklage, Abigdor aus Fano die Vertheidigung und Elija aus Genezano die Entscheidung übernahm4). Kaum ein halbes Jahrhundert später sehen wir denselben Stoff von Neuem die jüdischen Dichter Italiens beschäftigen. Ein Ungenannter3 *) hatte in einem „Wort zur Zeit" die Frau wieder einmal zum Gegenstände seiner dichterischen Angriffe erwählt, die Leone de Sommi in einer Gegenschrift abzuwehren gedachte. In fünfzig hebräischen Vierzeilern, die von ebenso viel italienischen gleichsam umrahmt und durchwirkt und von einem schwungvollen, aus neun Strophen und einem Sechszeiler von je acht Vokalen bestehenden Gedichte eingeleitet werden, unternimmt der „Frauenschutz"e) die Vertheidigung und Verherrlichung des weiblichen 9 Siehe Schiller-Szinessy, the first book of the Psalms . . . with the langer commentary of R. David Qimchi S. XIV—XVI und das Stemma in Anhang I. s) Siehe Revue des 6tudes juives XII, 115. lieber den Namen Jehuda in der Familie Portaleone stehe Anhang II. 3) Bergl. Kaufmann in Göttingische Gelehrte Anzeigen 1685, Nr. 11, Seite 440—446. 4) Siehe die von A. Neubauer veröffentlichten Gedichte in Roests Israelit. Letterbode X, 97—105 und über deren Zeit meine Bemerkung REJ. XXXIV, 309 ff. 3) Bergl. A. Neubauer a. a. O. 114. 3) M. Mortara Mose VIII, 151 hält das Gedicht für verloren. Damals hatte es aber bereits A. Neubauer a. a. O. 116—121 aus cod. Oxford 2251* 2 veröffentlicht. Die italienischen Verse hat Neubauer in den Rendiconti della R. Academia dei Lincei vol. VII, 2° Sem., fase. 10, Sette 347—49 zum Abdruck gebracht. Geschlechtes, das in erlauchten Beispielen aus der biblischen, der klassischen und der neueren italienischen Geschichte gleichsam seine eigenen Sachwalter beisteüt. Es bedarf aber, wie der Dichter sich besinnt, gar nicht des Schweifens in die Ferne, um Frauen aufzuweisen, die jeden Vorwurf gegen ihr Geschlecht allein schon niederzuschlagen vermögen. Im nahen Ferrara lebt eine Frau, weit über die Marken Italiens hinaus berühmt und gefeiert, kürzlich erst aus Neapel mit den Vertriebenen von 1540 nach Norditalien eingewandert, Benvenida, die Gattin Samuel Abravanels, die Gespielin von Königstöchtern, eine Leuchte ihrer Zeit7). Leon de Sommi hatte das Gedicht, nur dem Drange seines Herzens folgend, für sich selbst, nicht für die Oeffentlichkeit geschrieben, als Hanna de Rieti, der Sproffe einer der angesehensten jüdischen Familien Italiens, vielleicht die Namensträgerin der Tochter Jechiels von Pisa3), die Gattin des dem Hause der Portaleone befreundeten Rüben Sullam'), davon erfuhr und zur Herausgabe der Dichtung drängte. Unter der Aegide dieses gefeierten Namens entschloß sich denn auch der junge Dichter, sein Gedicht verbreiten^zu laffen. Da erstand ihm in einem Manne ein Gegner, der auf einem anderen Gebiete bereits Lorbeern geerntet hatte und infolge seiner rabbinischen Gelehrsamkeit mit dem Ehrennamen Gaon geschmückt wurde, in Jakob b. Joab Elia di Fano4). Den fünfzig Strophen des Frauenlobes sollten sechzig Stachelterzinen") der) Herabsetzung sich entgegenstellen, das Spiel also von vornherein nach dem Gesetz der Majorität verloren sein3). Leone de Sommi war aber kein Name mehr, den man einfach verhöhnen konnte. Darum bezeugt ihm Jakob Fano wiederholt seine persönliche Hochschätzung') und erklärt, nur zum Schutze der Wahrheit und der heiligen Sprache gegen ihn aufzutreten. Leon hatte nämlich, gleich seinem Vorgänger, dem Urheber des „Worts zur Zeit", seine hebräischen Verse mit italienischen durchflechten zu müffen gemeint. Das aber ist für Jakob di Fano eine unerlaubte Vermischung, eine Entweihung des Heiligen3). Wie Elia von Genezano einst Abigdor von Fano den-Vorwurf machte, daß er aus Liebedienerei, um die Gunst der Frauen zu erschleichen, Hanna von Volterra, Jechiel Pisas Tochter, verherrlicht habe3), so schleudert hier Jakob Fano seinem jungen Freunde Leon de Sommi die Anklage zu, daß er nur dem Beifall hoher Herren und. Damen zu Liebe Benvenida von Ferrara und die Krone der Frauen von 1) Bergl. Graetz, Geschichte der Juden IX 3, 40 ff., 231 f., 306: mtPI .-N'2'12'2 b’DDl NB'2 PlIXlS üb °?D2 “I'pp XJ XV •rmxtpi BIP rb 11PX 2) Kaufmann in REJ. XXVI, 90f. und XXXIV, 310. 3) Schiller-Szinessy a. a. O. XV: ^>'21P.1°? 1BN11 11121 1"1V' B*?B 2pP' 1X1SB1 1"1!222 1"5P plXl 1"1B2- Letterbode X, 116: -,81S!2.1 fltPX n"b](3)ö ’tD'X^Ö 131 1112 111221 •fr dSd pixi h)"nö3 4) Er führt stets, wie auf dem Druck seiner Q’IIBJI 'V*?lP den Namen px31- 3) Hebr. HlP^tP ’Ä nach Gen. 50, 23 genannt, so von Abigdor Fano Letterbode X, 101. 3) Dem B'tpS p)2 B1Pi21 “HP Leone di Sommis sollten die B'IPIP B'HaJI ’öblP (Cant. 3, 7 und 4, 4) gegenüber stehen. 7) Er nennt ihn ib. 124: -Ulv n“lTP '1 1(2131 oder Seite 126: •ixa. ix) iiawa hpx ibib rmrr nanx Seite 127 heißt er in der ersten der 60 Strophen: ’lirp B’tPBI 11PI2 VlPtttP blp 12 D’IPS pö ItPP 1PI-6 |123 13X21"t33» ->11121 und in der vorletzten Strophe: p£ “UPI L"'1PB1 “HP «2 ^113 bs JP1PJ pb .MP3 3) Seite 128: OP pl 21P IVTtP 1211 '1333 3P11 fllPl2 •iii'B öt bp B’iain amx ai» ipbi 12 ") Letterbode X, 104-105. iüsäüü