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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-06-17 · Heft 24 (17.6.1898) · p. Seite 280

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 24 (17.6.1898)
Date
1898-06-17
Page
Seite 280 (sequence 4)
Language
German
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280 Äntisemiten und Nationalisten protestiren lärmend.) Mit welchem Rechte macht der Antisemitismus bei den großen jüdischen Vermögen Halt? Warum beschränken die Antisemiten ihren Kampf auf die jüdischen Agioteure? (Beifall.) Die Antisemiten arbeiteten nur für den Sozialismus, zu dem viele Rekruten aus ihren Reihen kämen. Er wendet sich darauf gegen die klerikale Politik Mölmes, die die antisemitische Bewegung erzeugt habe. Ebenso scharf sprach Bourgeois: Mölme habe von der Beruhigung der Leidenschaften gesprochen. Nun, noch niemals seien die Leidenschaften so erregt gewesen wie jetzt. DaS- Wort „Mord" sei auf den Straßen ausgesprochen worden. Es sei geschehen, was seit einem Jahrhundert unmöglich schien, der Haß gegen eine Religion sei offen gepredigt worden. (Große Bewegung. Die Antisemiten rufen: Das ist die Schuld des Syndikats!) Die Regierung aber schwieg! * Die Jewish Publication Society in AmerikaHat jüngst unter lebhafter Theilnahme aller jüdischen Gemeinden das Jubiläum ihres zehnjährigen Bestandes gefeiert. Innerhalb dieser Zeit hat es die Gesellschaft von 600 auf 5000 Mitglieder gebracht, einen festen Fonds von 20 000 Dollars außer den Jahresbeiträgen der Mitglieder erreicht und 26 Bücher in 110 000 Bänden ausgegeben. Darunter die Geschichte der Juden von Grätz und zwei Bände literarhistorischer Essays von Karpeles, ferner verschiedene belehrende und interessante Schriften. Mit Recht ist anläßlich dieses Jubiläums die Bedeutung dieser Gesellschaft für die Weckung und Hebung des jüdischen Ge? fühls begeistert gefeiert worden. Mit Recht hat man dort'hervorgehoben, daß die von den europäischen Orthodoxen belächelten oder aufgegebenen amerikanischen Juden doch wohl gezeigt haben, daß sie den Geist und die Aufgabe des Judenthums in der Gegenwart bester erfaßt und redlich verbreitet haben. Die aufrichtige Theilnahme, mit der wir die geistige Entwickelung und Förderung verfolgen, die das amerikanische Judenthum durch die Jewish Publication Society erfährt, kann das lebhafte Bedauern darüber nur verstärken, daß wir in Deutschland eine ähnliche Institution gegenwärtig nicht besitzen, und daß alle Versuche, das alte verdienstvolle „Institut zur Förderung der israelitischen Litteratur" neuzubegründen, bis jetzt an der Theilnahmslosigkeit unserer Großen gescheitert sind. In Amerika sind es gerade die Großen und Angesehenen, die jene Gesellschaft ins Leben gerufen haben und erhalten. „Amerika, du hast es bester!" Protokoll der Versammlung der Freien Vereinignng jüdischer Frhrer Oberschlefiens.O fa der Vorsitzende des Vereins, Bernhardt -Tarnowitz, in diesem Jahre durch ein Familienfest in Anspruch genommen war, so waren die Vorbereitungen für die diesjährige Versammlung von dem stellvertretenden Vorsitzenden, Hauptlehrer Rosenbaum f, Beuthen O.-S., getroffen worden. Die Versammlung war sehr gut besucht, und die Präsenzliste wies folgende Mitglieder auf: Abraham - Königshütte, Abraham - Leobschütz, Bach - Myslowitz, Bernhard-Tarnowitz, Braun-Beuthen O.-S., Ehaim-Rosdzin, Cohn- Tarnowitz, Eifenberg - Beuthen O.-S., Friedmann- Kattowitz, Jakob- Loslau, Jcikobfohn-Gleiwitz, Katz-Rybnik, Lewin-Nikolay, Malachowsk^- s i) Der nachstehende Bericht über die letzte Versammlung der „Freien Bereinigung jüdischer Lehrer Oberschlestens" ist durch verschiedene Umstände, die außerhalb der Berechnung der Berichterstatter lagen, verspätet worden. Zabrze, Plaut-LaürahÄte, Plaut-Sohrau O.-S., M. Rojenbaum 1, Beuthen O.-S., S. Rosenbaum II, Beuthen O.-S,, Rosenblatt-Tarnowitz, Salomon-Gleiwitz, Schwarz- Beuthen O.-S., Semmel-Laurahütte, Steiner-Gr.-Strehlitz, Weißmann-Kattowitz, Weißmann-Antonienhütte, Willner-Kattowitz. Als Gäste waren bei der Eröffnung der Versammlung anwesend: die Herren Rabbiner Dr. KopfsteiwBeuthen, Dr.Löwenthal-Tarnowitz, Ober-Kantor De Beer-Beuthen. Um 11 Vs Uhr eröffnet« Herr Rosenbaum I die Sitzung, indem er die Mitglieder und Gäste herzlich willkommen hieß und seiner Freude über das so zahlreiche Erscheinen Ausdruck gab. Er gedachte sodann in warmen Worten des verstorbenen Vorstandsmitgliedes Böhm-Königs- Hütte, der als Mitbegründer und vieljähriges Vorstandsmitglied des Vereins demselben das wärmste Interesse entgegengebracht hatte. Die Versammlung ehrt das Andenken des Verstorbenen durch Erheben von den Sitzen. Auf Antrag des Herrn Dr. Kopfstein gelangte zunächst Punkt HI der Tagesordnung: „Freie Besprechung über die konfessionelle Schule" zur Verhandlung. Die Debatte dreht sich um die Frage: Ist die konfessionelle jüdische Schule zu erhalten? Herr Rabbiner Dr. Kopfstein tritt für Erhaltung derselben ein. Die Simultanschule führe keineswegs — wie die Erfahrung gelehrt habe — zum religiösen Frieden. Für die konfessionelle Schule aber spreche das religiöse Moment. Das jüdisch-religiöse Selbstbewußtsein werde gestärkt und die Jugend zu einer größeren Werthschätzung des Sabbath erzogen. Auch komme das praktische Moment in Betracht, daß an Simultanschulen jüdische Lehrkräfte nur mit penibler mathematischer Berechnung angestellt werden. Dieselbe Ansicht vertritt auch Dr. Löwenthat-Tarnowitz, der besonders betont, daß durch Einführung von Simultanfchulen eine Menge Existenzen verloren gehen würden. Kollege Abraham-Königshütte steht auf dem Boden der Simultanschule, als der Schule der Zukunft. Gegen die konfessionelle Schule spreche der ökonomische Grund, daß diese in den meisten Orten wegen der geringen Frequenz als einklasstge Schule ihr Dasein friste. Ihre Leistungen werden auf einem geringeren Niveau stehen als die in der vielklasstgen Simultanschule, welche mit den besten der modernen Pädagogik entsprechenden Lehrmitteln ausgestattet ist. Abraham-Leobschütz meint, daß der jüdische Lehrer im Kollegium der Simultanschule nicht die angemessene Stellung einnehme. Bach-Myslowitz tadelt namentlich, daß in den heutigen Simultanschulen auf die religiösen Gefühle der jüdischen Kinder nicht die gebührende Rücksicht genommen werde. So seien die Klassenzimmer größtentheils mit christlichen Emblemen ausgestattet. Für die konfessionelle Schule spreche der Umstand, daß auch profane Disziplinen in religiöser Beziehung zu verwerthen sein. Jakobsohn-Gleiwitz tritt entschieden für die Simultanschule ein. Er wünscht keine Verquickung der profanen Fächer mit dem Religionsunterrichte. Aufgabe der Gemeinde sei es nur, hebräische Unterrichtsanstalten, Religionsschulen zu gründen. Woher sich die Jugend den anderen Unterricht hole, entziehe sich ihrer Fürsorge. Auf die Heilighaltung des Sabbath könne die Schule nur in geringem Maße wirken, da der Einfluß des Hauses weit mächtiger sei. Willner - Kattowitz stimmt mit Jakobsohn überein. Das religiöse Moment brauche in der Simultanschule nicht zu leiden, da dieselbe Stundenzahl wie bei dem christlichen Religionsunterricht verwerthet wird. Der Auffassung Abrahams-Leobfchütz gegenüber sei zu erwiedern, daß die Stellung des jüdischen Lehrers im Kollegium von feiner Persönlichkeit abhänge. Amtsgerichtsrath Lewy-Beuthen, der inzwischen erschienen ist, dankt nachträglich im Namen des Synagogenvorstandes. Vom idealen Standpunkt tritt Redner für die Simultanschule ein. Da dies Ziel in der Gegenwart aber in unserem Sinne nicht zu erreichen ist, sei die konfessionelle Schule zu erhalten. Die Verwaltung derselben will Redner aber nicht in die Hände der Gemeinde, sondern in dieser Kommune — wie es in Beuthen der Fall ist — gelegt wissen. Auch Dr. Emmrich betrachtet die Simultanschule als ein Ideal, das in der jetzigen Zeit nicht zu verwirklichen sei. Im Wesentlichen schließt sich die Versammlung den Beschlüssen der Berliner Kollegen über diese Frage an, mit der durch die Debatte besonders hervorgetretenen Anschauung, daß das Judenthum für die Erhaltung und Förderung der konfessionellen jüdischen Schule warm einzutreten verpflichtet sei. Nach dem Verlesen eines Begrüßungstelegramms des Kollegen Silberberg-Ahlem wird der offizielle Theil der Versammlung durch

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