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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-06-10 · Heft 23 (10.6.1898) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 23 (10.6.1898)
Date
1898-06-10
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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und Kohn-Ansbach ein, während Kvttek und Bondi die Zeit noch nicht für gekommen erachten, da erst durch Spezial-Arbeiten Jrrthümer und Entstellungen berichtigt werden müßten. Es wird immerhin einstimmig beschlossen, Herrn Bezirksrabbiner Dr. Löwenstein-Mosbach zu ersuchen, die Vorbereitungen für ein derartiges Werk alsbald in Angriff zu nehmen. Zu diesem Zwecke wird derselbe in die Litteratur-Kommission kooptirt und außer ihm an Stelle eines ausgeschiedenen Mitgliedes Herr Stiftsrabbiner Dr. Unna-Mannheim gewählt. Hinsichtlich des Antrages Feilchenfeld einigt sich die Versammlung dahin, den Mitgliedern der Vereinigung zu empfehlen, wenn angängig, Baderestaurants, die in ihrem Bezirke sich befinden, zu beaufsichtigen. — Zu theilweise erregten Debatten führt die Berathung eines Antrages Petuchowski, schließlich ergab sich Uebereinstimmung in dem Sinne, daß eine allgemein giltige Formulirung hier durchaus unmöglich und unstatthaft sei, es vielmehr der genaueren Prüfung jedes Einzelfalles Vorbehalten bleiben müsse, zu entscheiden, ob überhaupt und wie eventuell der betreffende Vertrag zu schließen sei. Am 16. v. Mts. begannen die Berathungen um 9 Uhr Morgens mit der Verlesung des Protokolls der ersten Sitzung. Eine Anfrage des Herrn Rabbiners Dr. Goitein-Burgkundstadt giebt Gelegenheit zu der Feststellung, daß auch bei den sogenannten feinen Schokoladenmassen die Befürchtung, daß Fettzufätze erfolgen, nicht abzuweisen sei, wie überhaupt die fortschreitende Technik der Lebensmittel - Verfälschung allenthalben gesteigerte Vorsicht erfordere. Sodann begründete Herr Dr. Hirsch Hildesheimer-Berlin in eingehender Darlegung den von ihm gestellten Antrag unter Hinweis auf die Gefahren, welche die moderne Bibelkritik, zumal für die studirende Jugend, habe. Nachdem Herr Dr. D. Hoffmann über Art und Tendenz seines Kommentars Mittheilungen gemacht, wurde mit Stimmeneinhelligkeit eine Resolution angenommen, welche Herrn Dr. Hoffmann ersucht, die von ihm im Rabbiner - Seminar gehaltenen pentateuch-exegetischen Vorlesungen zu einem fortlaufenden Kommentar auszuarbeiten. Aus den weiteren Berathungen sei noch der Antrag Biberfeld hervorgehoben, welcher die Aufmerksamkeit der Vereinigung auf den infolge der Maßregeln der preußischen Regierung gegen die Anstellung ausländischer Kultusbeamten drohenden Mangel an Schächtern hinlenkt. Es wird beschlossen, die Leiter der Lehrerseminarien zu Würzburg und Köln zu ersuchen, der Ausbildung der Lehrer in der Schechita erhöhte Aufmerksamkeit zuzuwenden. Herr Dr. Hirsch Hildesheimer besprach die am Niederrhein zu Tage tretenden Beschränkungen der Schechita und empfahl, rechtzeitig der drohenden Gefahr zu begegnen. Der Vorsitzende bemerkt, daß die Schechita-Angelegenheit Sache des gesammten deutschen Rabbinerstandes sei, und daß zudem erst zuverlässigere Informationen an Ort und Stelle eingeholt werden müssen, bevor irgendwelche Schritte geschehen. Namens des „Vereins zur Versicherung gegen Stellenlosigkeit (Schomre Schabbos)" ergreift der als Gast anwesende Herr Oscar Lehmann-Mainz das Wort zu einem warmen Appell an die Herren Rabbiner, für die Interessen dieses Vereins einzutreten. Damit hatten die Verhandlungen ihr Ende erreicht. Die Feststellung von Zeit und Ort der nächsten Jahresversammlung wurde dem Vorstand überlassen. Oesterreich - Ungar«. □ Wien, 6. Juni. Der Verein zur Abwehr des Antisemitismus hielt am 31. Mai im Saale des Kaufmännischen Vereins seine achte Generalversammlung ab. Als Vorsitzender fungirte, da der Präsident Baron Suttner verhindert war, der Vizepräsident Dr. Seiller. Die Wahlen in die Vereinsleitung hatten folgendes Ergebniß: Präsident Baron Suttner, Vizepräsidenten Reichsritter v. Kißling und Dr. Freiherr v. Seiller, Kassirer August Beiling, Schriftführer Balduin Groller und Inspektor Engel, ferner als Vorstandsmitglieder Dr. Kronawetter, Superintendent Seberiny, Wrabeh, Frauenberger, Sallaba und Hetsey. Der bisherige Vizepräsident Professor Dr. Eduard Sueß wurde zum Ehrenmitglied des - Vereins ernannt. In der sehr lebhaft geführten Debatte über die Aufgaben des Vereins präzisirte Herr Balduin Groller die Stellung desselben dahin, daß der Verein ein Konzentrationspunkt sein müsse für Alle, die gegenüber der herrschenden geistigen Epidemie ihre Meinung frei bekennen. Abg. Wrabetz sagt, der Antisemitismus in Wien werde durch seine eigenen Anhänger zu Grunde gerichtet. Die Ueberzeugung, daß die Versprechungen der Führer lügenhafte Vorspiegelungen waren, wird ja in ganz ausgezeichneter Weife durch die Gemeindeverwaltung herbeigeführt. Abg. Dr. Kronawetter führt aus, daß nur eine rückständige Bevölkerung von der Reaktion Abhilfe gegen wirthschaftliche Uebel hoffen könne. Der kleine Geschäftsmann, der dieKerntruppe für den Antisemitismus liefert, wird zu dem Glauben verleitet, daß man über den modernen Fortschritt zur Tagesordnung übergehen kann. Der Haß richtet sich nicht blos gegen die Juden, sondern gegen die Maschine und gegen die Intelligenz. Die Bücherscheu des Herrn Bielohlawek ist charakteristisch für die ganze Partei, welche die Zeit der Pfaffen- und Adelsherrschast herbeiwünscht, unter welcher nur wenige Bürger lesen und schreiben konnten. Es ist nicht wahr, daß die alten Ritterburgen Ruinen sind; die Liechtenstein und Schwarzenberg sind mächtiger als je, und die Bourgeoisie, statt sich dem Adel und Klerus anzuschließen, muß ihre Wurzel im Volke suchen. Schließlich nahm das neugewählte Vorstandsmitglied, der evangelische Superintendent Seberiny das Wort zu einer Ansprache, die wegen ihrer besonderen Feierlichkeit und Innigkeit großen Eindruck machte. Es sei ihm ein Herzensbedürfniß, sich dem Verein anzuschließen, sagte er, denn er habe die jugendlichen Ideale der Freiheit und des Fortschrittes nie vergessen. Wenn ein italienischer Lyriker sagt, daß nichts Bestand im Leben habe als der Schmerz, so müsse er (Redner) nach seiner christlichen Weltanschauung sagen, daß nichts Bestand hat als die Liebe. Christus hat gesagt: Wer mich bekennt vor der Welt, den will ich bekennen vor meinem Vater. In dieser Zeit, wo sich so viele Geister zurückziehen von jedem Bekennen, sei ein solcher Verein eine schöne Institution; ihm wolle er sich anschließen als ein Kämpfer für die fortschrittliche Entwickelung. (Stürmischer, anhaltender Beifall.) — Nachträglich erfährt man auch den wahren Beweggrund, aus dem die Judenkrawalle in Kalwarya hervorgegangen sind. Unter der dortigen Bevölkerung wurde die Nachricht verbreitet, es sei dem Pater Stojalowski gelungen, in Wien für die galizischen Bauern die Erlaubniß zu erwirken, drei Tage hindurch mit den Juden machen zu können, was sie wollten. Diese Nachricht fand allgemeinen Glauben. Als nun in Kalwarya eine Mickiewicz-Feier stattfinden sollte, wurden Plakate angeschlagen, wonach alle Einwohner zur Jlluminirung aufgefordert wurden. Jemand verlas mit lauter Stimme ein solches Plakat. Das Wort „illuminaczi“ verstanden aber viele Bauern für „rebellaezi" und hielten nun den Zeitpunkt für gekommen, aus der von Pater Stojalowski in Wien erwirkten Erlaubniß praktische Konsequenzen zu ziehen. — Auch in Tluste haben Arbeiterunrühen und Judenkrawalle stattgefunden. 500 masurische Eisenbahnarbeiter, mit Stöcken und Knütteln bewaffnet, haben sich in der Nähe des Dorfes Rozonowka versammelt und die Absicht kundgegeben, die Stadt zu überfallen, sowie die Juden daselbst zu schlagen. Die Gendarmerie bemühte sich, den Einmarsch der Eisenbahnarbeiter in die Stadt zu verhindern; die wiederholte Aufforderung zum Auseinandergehen blieb aber wirkungslos. Die Menge stürzte sich unter Hurrahrufen mit Stöcken auf die Gendarmen, welche sich genöthigt sahen, von der Feuerwaffe Gebrauch zu machen. Drei Eisenbahnarbeiter wurden verwundet. Inzwischen traf Regierungskommissar Ritter von Przybyslawski mit einer Ulanen-Eseadron aus Zaleszczyki in Tluste ein. Es wurden nun umfassendste Schutzmaßregeln angeordnet und die Rädelsführer verhaftet, worauf die Ruhestörungen sich nicht mehr erneuerten. — Auch in der Gemeinde Radziszow haben am Sonnabend Abend antisemitische Demonstrationen stattgefunden. Die Bauern haben mehrere jüdische Häuser geplündert. Der von den Behörden den Schankwirthen gelieferte Schnaps wurde tHeils ausgetrunken, theils verschüttet. Das Haus eines jüdischen Fleischers ist gänzlich demolirt worden. Auf telegraphisches Ansuchen des Bezirkshauptmanns von Podgorze wurde Gendarmerie requirirt. — Die jüdischen Abgeordneten Galiziens beschlossen, von der Regierung entschiedene Schritte gegen die judenfeindlichen Ausschreitungen zu fordern. Es mußte schon sehr schlimm kommen, wenn diese Hausjuden des Polenklubs sich zu einer That aufrafften. Großbritannien. B. London, 31. Mai. Am 2. d. Mts. fand die Monatsversammlung der Anglo Jewish Association statt, in der wieder einmal die Noth der persischen Juden zur Sprache kam. Aus Jspahan sind flehende Briefe eingetroffen, in denen die dortigen armen Juden

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