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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-06-10 · Heft 23 (10.6.1898) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 23 (10.6.1898)
Date
1898-06-10
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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. u. Aus Westpreutzen, im Juni. Ueher den am 19. v. Mts. im Gewerbehause zuDanzig abgehalten enWestpreußischen Gemeindetag konnte ich nur soviel erfahren, daß derselbe gut beschickt war und außer den Berathungen und Beschlüssen, die Fürsorge für den Religionsunterricht betreffend, die der Westpreußische Gemeindeverband in dankenswerther Weise'als Devise auf feine Fahne geschrieben, und wobei er insbesondere finanziell schwache Gemeinden zu subventioniren gern bereit sein wird, die Errichtung eines Waisenhauses in Graudenz einen Hauptgegenstand der Berathungen bildete. Das sog. Lachmaneum dortselbst als Bermächtniß für diesen wohlthätigen Zweck ist dem Gemeindebund von den Lachmann'schen Erben bereits angekündigt worden. Die Beamten in demselben sollen penfionirt werden. Die Kosten des Umbaues und die Unterhaltungskosten sollen auf 170 000 Mark veranschlagt und von den Lachmann'schen Erben übernommen sein. Nach Erledigung einiger interner Angelegenheiten sowie Rechnungslegung und Dechargeertheilung schloß die Sitzung 2 Uhr Nachmittags. Nun folgten die Theilnehmer der Einladung der Danziger Gemeinde zn einem Diner, welches von hübschen Toasten und Reden gewürzt war. — Aus Anlaß seines 80. Geburtstages, welchen er in Wiesbaden feierte, überwies der frühere Bürger und Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Elbing, Herr Jacob Litten, jetzt in Berlin, der Synagogengemeinde Elbing 10 000 Mark und bestimmte, daß diese Stiftung den Namen „Elias Jacoby- und Litten-Stiftung führen soll. KgK Nakel, 4. Juni. Am 30. Mai begingen Rabbiner Dr. Perlitz und seine Gattin das Fest der Silberhochzeit. Der Jubilar, seit 17 Jahren Rabbiner der hiesigen jüdischen Gemeinde, hat sich im Verein mit seiner Gemahlin durch Pflichttreue und Freundlichkeit, durch Opferwilligkeit und hingebende Fürsorge für Arme und Kranke die Sympathien nicht nur seiner Gemeinde, sondern aller Kreise, mit denen er in Berührung kam, in hohem Grade zu erwerben gewußt. Darum benutzten nun die Gemeinde, deren verschiedene Wohlthätigkeitsvereine und die vielen Freunde dieses Familienfest, um ihren freundschaftlichen Gefühlen für das Jubelpaar geeigneten Ausdruck zu geben. Schon am frühen Morgen überraschte ein aus Schülern und Schülerinnen der jüdischen Volksschule, des Gymnasiums und der höheren Mädchenschule gebildeter Sängerchor unter Führung des Lehrers Peezkowski das Silberpaar durch den Vortrag einiger Lieder. Vormittags um 10^ Uhr begann die offizielle Beglückwünschung. Eine Deputation, zusammengesetzt aus Schülern und Schülerinnen der genannten Schulen, erschien zuerst; drei Mädchen trugen drei für diesen Tag verfaßte Gedichte vor, in welchen die 25 vergangenen Ehejahre des Silberpaares, die Freuden des gegenwärtigen Festes geschildert und den herzlichsten Wünschen für eine glückliche Zukunft des Jubelpaares Ausdruck gegeben wurde; alsdann überreichte der Primaner D. nach kurzer Ansprache zwei Kandelaber mit Säulen als Festesgabe der jüdischen Schüler der genannten Schulen. Kurz nach 11 Uhr erschienen der Vorstand und das Repräsentanten- Kollegium der Gemeinde in Gemeinschaft mit dem Vorstand des Armenunterstützungs- und des Frauen-Vereins, ferner der Vorstand des Vereins „Bne-Brith" und außerdem eine besondere Abordnung der Gemeinde und überreichten nach herzlichen Beglückwünschungen je eine Adresse nebst ansehnliche Festesgaben. Der Jubilar dankte tief bewegt der Gemeinde und den Vereinen. Außerdem hatten das Lehrer-Kollegium des Gymnasiums, an welchem der Jubilar den jüdischen Religionsunterricht ertheilt, und recht zahlreiche Freunde aus Nah und Fern Festesgaben und Glückwünsche gesandt. Wohl die ganze Gemeinde erschien im Laufe des Tages' zur persönlichen Gratulation. Eine festliche Tafel hielt die Gratulanten stundenlang in animirter Stimmung zusammen, und manch kräftiges, begeistertes Hoch erklang dem Wohle des Jubelpaares. E. Z. Posen, 3. Juni. Am 31. v. Mts. ist hier der Rabbinatskandidat Dr. phil. Ludw. Feilchenfeld, der Sohn unseres greisen Oberrabbiners, gestorben. Kaum 27 Jahre alt, wurde er uns nach nur achttägiger Krankheit durch den Tod entrissen. Seit dem vorigen Jahre hielt er sich, nachdem er das Berliner Rabbinerseminar verlassen hatte, zu seiner weiteren Ausbildung unter der Leitung seines Vaters und zur Unterstützung des schon hochbetagten Mannes hier auf. Sein frommer Sinn, sein schlichtes und liebenswürdiges Wesen erwarben, ihm die Herzen Aller, vor allem aber feiner Mitarbeiter an dem Werke der Jugenderziehung, der er hier sich vor allem widmete. Seiner Aufgabe, die Jugend in die Lehren und Pflichten der jüdischen Religion einzuführen, kam der Verblichene mit seinem reichen Wissen aufs Eifrigste, nach. Aus der ganzen Provinz, aus weitester Ferne waren seine Freunde herbeigeeilt, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Das Leichenbegängniß, das schon am Dienstag stättfand, gestaltete sich durch die Betheiligung der ganzen Gemeinde zu einer imposanten Kundgebung. Am Grabe sprachen Herr Dr. Jakobsohn-Gnesen und Herr Dr. Hildesheimer-Berlin, der Freund des Verstorbenen. Friede seinem Andenken! W. Hagen i. W., 5. Juni. Der schon lange gehegte menschenfreundliche Plan, ein Asyl für jüdische Kranke und Altersschwache Westfalens zu begründen, scheint wirklich bald verwirklichtzu werden. Auch unsere Gemeinde nimmt reges Interesse an dieser Gründung. Das Verdienst, dieses Interesse in unserer Gemeinde erregt zu haben, gebührt einzig und allein Herrn Ostwald, Witten. Sein wohldurchdachter Vortrag erörterte in klarer Weise die Nothwendigkeit der Begründung eines solchen Asyls. Die zahlreichen Besucher spendeten Herrn Ostwald reichen Beifall und beschlossen im Prinzip die Gründung. Für die erforderliche Bausumme ist bereits, wie in anderen Städten, eine große Summe von der hiesigen Gemeinde gezeichnet worden. Möge das Asyl bald ins Leben treten, zum Segen für uns und unsere kranken und alten Glaubensgenossen! — In derselben Versammlung wurde auch die Gründung eines Vereins für jüdische Litteratur angeregt. Auch diese Idee soll weiter verfolgt werden. ägg Mainz, 2. Juni. Am 16. und 17. v. Mts. fand hier die erste ordentliche Generalversammlung der „Bereinigung traditioneltgesetzestreuer Rabbiner Deutschlands statt, zu welcher zahlreiche Delegirte sich eingefunden hatten. Der Vorsitzende, Rabbiner Dr. Auerbach - Halberstadt, eröffnete die Versammlung, setzte kurz die Gründe aus einander, welche die Schaffung einer Vereinigung der gesetzestreuen Rabbiner als geboten hatten erscheinen lassen. Die Bereinigung zähle z. Z. ungefähr 60 Mitglieder und dürfe hoffen, wenn ihre Existenzberechtigung durch erfolgreiche Wirksamkeit erst recht erwiesen sein werde, einen weiteren Kreis von Gesinnungsgenossen, welche jetzt noch abwartend ihr gegenüberstehen, näher an sich heranzuziehen. Die Halacha - Kommission habe als erste ihre Thätigkeit eröffnet und auf Ansuchen eines Kollegen u. a. die Meinungsäußerung ihrer Mitglieder in einer wichtigen religionsgesetzlichen Frage eingeholt. Auch die Vermittelung der Aktions-Kommisston sei einmal angerufen worden, leider zu spät, um einen Erfolg zu erzielen. Am weitesten zurück sei die Litteratur-Kommifston, welche eben erst daran gehe, sich zu konstituiren. In der sich anschließenden Debatte wurde von den Herren Rabbinern Dr. Horovitz-Frankfurt a. M., Dr. Ehrentreu-München und Anderen der Wunsch ausgesprochen, daß gewisse Normen für umstrittene Ritualfragen des alltäglichen Lebens, z. B. der rituellen Maßeinheiten einiger religionsgesetzlich zweifelhafter Fisch- und Geflügelarten, aufgestellt werden, wogegen die Herren Rabbinats-Assessor Dr. Biberfeld, Rabbiner Dr. Schlesinger-Bingen u. A. aus sachlichen und praktischen Gründen hiervon abrathen. Schließlich wird die Berathung dieser und ähnlicher Fragen der Halacha-Kommisston überwiesen und derselben das Kooptationsrecht zugestanden. Hierauf berichtet Herr Rabbiner Dr. Löwenstein-Mosbach als Vorsitzender der Aktions-Kommission über die Bemühungen derselben für Errichtung einer zuverlässtgen Restauration in einem .vielbesuchten schlesischen Badeort, welche aber leider zunächst noch vergeblich waren. Es knüpft sich daran eine sehr interessante Diskussion über die Beaufsichtigung und Empfehlung der Restaurationen. Sodann tritt eine anderthalbstündige Mittagspause ein. Nach Wiederaufnahme der Verhandlungen entspann sich, von den Herren Rabbiner Dr. Bondi-Mainz und Kottek-Homburg v. d. H. angeregt, eine lebhafte Debatte, deren Mittelpunkt das neu erschienene Buch von I. Halewy vorotli Harischonim bildete. Beide Herren wünschen, daß die Vereinigung Mittel suche, um derartige Werke, welche der Geschichtstrübung entgegentreten, weiteren Kreisen zuzuführen und ihre Ergebnisse zu verwerthen. Nachdem diese Anregung auch von Herrn Dr. Horovitz- Frankfurt a. M. unterstützt worden, wandte sich schließlich die Debatte der Frage nach Beschaffung eines Lehrbuches für nachbiblische Geschichte zu, welches, in glaubenstreuem Sinne gehalten, auf ernsten Forschungen, wie die Halewys, sich aufbauen soll. Außer dem Vorsitzenden traten für den Vorschlag, ein solches Lehrbuch zu schaffen, namentlich Horovitz

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