Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 21 (27.5.1898)
- Date
- 1898-05-27
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Führung statt, und ein komfortables Zeltlager begleitet die Reisenden auf den Landtouren. Die gesummten Spesen einschließlich ritueller Beköstigung, Unterkunft in ersten Hotels, Führung u. s. w. betragen pro Person (für Herren und Damen gleich) von Genua bis Genua insgesammt in I. Klasse 1300 Mark, in II. Klasse 1060 Mark. Der Unterschied der ersten und zweiten Klasse bezieht sich nur darauf, daß die Plätze auf dem Schiffe und in der Eisenbahn in diesen beiden genannten Klassen bezüglich gegeben werden, während in der Verpflegung und bei der Unterkunft im Hotel und dergleichen kein Unterschied gemacht wird. Die Anmeldungen zu der Reise laufen schon jetzt recht zahlreich elri, und es melden sich Theilnehmer von diesseits und jenseits des Ozeans. Zur Sicherung eines Platzes ist ein Angeld von 260 Mark ----- 326 Francs bis spätestens 15. August zu entrichten, während der Restbetrag bis 31. August 1898 zu zahlen ist. Die Adresse der Gesellschaft ist.: Dr. Heinrich Loewe in Jmportgesellschaft Palästina, G. m. b. H., Berlin W. 56, Werderscher Markt 9. 1. Aus Westpreußen, 23. Mai. Mit Bezug auf die bereits gemeldete, in der Hauptstadt Westpreußens am 29. April abgehaltene konservative Wahlversammlung, in welcher ein Herr Verwaltungsgerichts- Direktor Blümke behauptet, daß „seines Wissens kein Jude in der großen Zeit 1870 in der deutschen Armee mitgekämpft" und die Juden stets feige gewesen seien, wird in einem Danziger Blatte, D. N. N., von einem Lauenburger alten jüdischen Soldaten jener aufgestellten Behauptung mit großer Entrüstung entgegengetreten. Der alte brave Krieger liefert einen kleinen Beitrag zur Steuer der Wahrheit in folgenden Angaben: Es haben theilgenommen an den Feldzügen: 1813. 125 jüdische Soldaten, davon wurden 20 zu Offizieren befördert, 16 mit dem Eisernen Kreuze dekorirt, 17 fielen oder wurden verwundet. 1861. 194 jüdische Soldaten, darunter3 Offiziere, 20 Unteroffiziere, 7 davon dekorirt (Militär- Ehrenzeichen l. und 2. Klasse,Rother Adlerorden mit Schwertern rc.). 1866. 1025 jüdische Soldaten, Offiziere und Unteroffiziere. 1870/71.5000 jüdische Soldaten, eine große Zahl Offiziere rc., 500 davon wurden verwundet oder getödtet, 373 mit dem Eisernen Kreuze dekorirt. Im Anschluß hieran wird noch mitgetheilr, daß aus der kleinen Gemeinde Lauenburg, welche 1870 etwa 80 jüdische Familien zählte, 25 Mann aktiv an den Kämpfen von 1866 und 1670 theilgenommen haben, darunter 1 Offizier und 4 Unteroffiziere, und 4 mit dem eisernen Kreuze dekorirt wurden. 0. Schwersenz, 22. Mai. Wie in vielen Städten unserer Provinz, so sind auch hier Vorstand und Repräsentanten der jüdischen Schule bet der Gehaltsregulirung ihrer Lehrer nach der neuen Besoldungsordnung über die von der königlichen Regiernng zu Posen vorgeschlagenen Gehaltssätze hinausgegangen. Es ist den Lehrern ein Grundgehalt von 1200 M., Alterszulagen in der Höhe von je 150 M. und endlich eine Wohnungsentschädigung von 300 M. bewilligt worden. Der zweite Lehrer hat eine der Wohnungsentschädigung entsprechende, geräumige Amtswohnung erhalten. Die Gehaltssätze haben bereits die Zustimmung der königlichen Regierung gefunden. (D Breslau, 20. Mai. Der Verein israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen hält seine zwanzigste ordentliche General- Versammlung am Montag den 30. Mai 1898, Vormittags 10 Uhr, hier im Hotel „Zum weißen Storch" (Wallstraße 13) ab. Die Tagesordnung lautet: 1. Berichterstattung des Vorstandes über das Vereinsjahr 1897/98 sowie über die Thätigkeit des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche. 2. Rechnungslegung der Kassenverwaltung. 3. Neuwahl des Vorstandes. 4. Die Gründung einer Unterstützungskasse durch den Verband der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche. 5. Wahl der Delegirten für den Verband der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche und Antrag, betreffend Reiseentschädigung derselben. 6. Wie ist die „Jüdische Schule" in Schlesien und Posen entstanden? Wie hat sie sich entwickelt? Was hat sie geleistet? (Berbandsthema) Referenten: Herbst-Lissa und Tintner - Bunzlau. 7. Probelektion. 8. Etwaige Anträge aus der Mitte der Versammlung. Der Verein ist als Sektion der deutschen Lehrerversammlung, die zu gleicher Zeit hier stattfindet, angemeldet. Auch ist der Vorstand mit den betreffenden Organen behufs Aufnahme dieser Versammlung in das allgemeine Programm in Unterhandlung getreten. n. Myslowitz, 22. Mai. Im ehrenvollen Alter von fast 81 Jahren verschied hier am 18. d. Mts. der Nestor der oberschlesischen Rabbiner, Herr Dr. Hirsch Jaffö, ein wegen der Lauterkeit seines Charakters, seiner aufrichtigen Gesinnung und Gelehrsamkeit weit über die Grenzen unseres Ortes geachteter Mann. Seit 1852 hat er hier eine segensreiche seelsorgerische Thätigkeit entfaltet, die religiöse Unterweisung der Jugend und der Gemeinde mit der ganzen Macht seiner edlen Persönlichkeit gefördert "und durch seine Toleranz gegen Andersdenkende sich die Sympathien in allen Kreisen der hiesigen Bürgerschaft erworben. Der Beliebtheit des Entschlafenen , entsprach das Leichenbegängniß, welches heute Vormittag stattgefunden. Herr Rabbiner Dr. Münz-Gleiwitz feierte im Trauerhause das Andenken des Heimgegangenen als Gatte und Vater, beim Trauerakt in der Synagoge Herr Rabbiner Dr. Kopfstein-Beuthen sein Wirken als Rabbiner, auf dem Friedhofe riefen die Herren piabbiner Dr. Cohn-Kattowitz und Dr. Goldschmidt- Königshütte ihrejn verstorbenen Amtsbruder tiefempfundene Abschiedsworte nach. Erst um 127a Uhr waren die Leichenfeierlichkeiten, an denen sich ein überaus großes Gefolge aus allen Konfessionen betheiligt hatte, beendigt. Möge dem Verstorbenen die Erde leicht sein! Z. Magdeburg, 15. Mai. Am 10. Mai feierte unser Oberkantor Salomon Winter mit seiner Gattin Deborah, geb. Abraham, das Fest der silbernen Hochzeit. Bereits am Sabbath vorher wurde das Jubelpaar an heiliger, geweihter Stätte, wo Winter seit ca. 20 Jahren als Vorbeter die Herzen seiner Zuhörer zur Andacht stimmt, durch unseren Rabbiner Dr. Rahmer in feierlicher Weise eingesegnet. Als sichtbare Zeichen der Anerkennung wurden dem Jubelpaare sehr zahlreiche und werthvolle Geschenke dargebracht. Im Namen des Synagogenvorstandes überreichte Dr. Spanier ein namhaftes Ehrengeschenk. Möge es dem Jubelpaare vergönnt sein, auch die goldene Hochzeit in Kraft und Zufriedenheit feiern zu können. Hannover, 20. Mai. Am 29. und 30. d. Mts. findet hier im Saale des Restaurateurs Falk die 31. Versammlung des Vereins jüdischer Lehrer in der Provinz Hannover statt. Die Tagesordnung lautet: 1. Berichterstattung. 2. Borstandswahl. 3. „Wie ist die jüdische Schule unserer Provinz entstanden, wie hat sie sich entwickelt, und was hat sie geleistet?" (Berbandsthema). Referent: Herr Lehrer Nagel-Diepholz. Korreferent: Herr Hauptlehrer Selig-Emden. 4. „Die Gewöhnung, ein Mittel der religiösen Erziehung." Referent: Herr Lehrer Scheuer-Lemförde. 5. Lehrprobe des Seminarlehrers Herrn Levy-Hannover: „Das Verbot des Betrugs". 6. Mittheilungen des Vorstandes des Verbandes, event. Beschlußfassung. 7. Freie Besprechungen. Im Anschlüsse an die Lehrerversammlung findet auch eine Generalversammlung der Unterstützungskasse am 30. d. Mts, Mittags 12 Uhr, statt. Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht. 2. Wahl eines Vorstandsmitgliedes an Stelle des verstorbenen Herrn Dr. Kayserling bis 1899 und eines Stellvertreters an Stelle des verstorbenen Herrn Sommer bis 1902. — Die Konferenz des Vereins israelitischer Lehrer Mitteldeutschlands findet am 29. und 30. d. Mts. in Eisenach im Gasthof zum „Mohren" statt. Die Tagesordnung ist folgende: 1. Geschäfts- und Kassenbericht. 2. Vorstandswahl. 3. Mendelssohn als Pädagog. (Referent Dr. Spanier-Magdeburg.) 4. Jakob der Gotteskämpfer. (Referent: Dr. Salzer-Lengsfeld.) 5. Anträge und Besprechungen. 6. Lehrprobe: Die Berufung Abrahams. (Emanuel- Themar.) 7. Methodik des biblischen Geschichtsunterrichts. (Referent: Mühlfelder-Hildburghausen.) 8. Mittheilungen. 2 Norden, 17. Mai. Am 15. d. Mts. konnte unser verehrter Herr Hauptlehrer Levy auf eine 25jährige Amtsthätigkeit zurückblicken. Sechzehn Jahre derselben entfallen auf seine Wirksamkeit in hiesiger Gemeinde. Ebenso sehr dem Jubilar als auch der Gemeinde war dieser Tag ein solcher der Freude. Eingeleitet wurde das Fest durch eine Schulfeier. Dieselbe war unter Mitwirkung sämmtlicher Schüler und Schülerinnen von unserem zweiten Lehrer und Kantor, Herrn Klein, in sinniger Weise arrangirt worden. Sodann erschien das Vorstands- und Ausschußkollegium der Gemeinde in der Wohnung des Jubilars, um denselben zu beglückwünschen; der Schulvorsteher Herr A. Koppel feierte die Verdienste des Herrn Levy in der Schule und überreichte im Namen der Gemeinde eine Ehrengabe. Auch Herr H. v. d. Wall, z. Z. Vorsitzender des Vorstandes, warf einen interessanten Rückblick auf das gesammte Wirken des Jubilars. Außer den zahlreichen Gratulanten von Nah und Fern sei hier nur noch der Deputation der Lehrerkonferenz Emden-Oldenburg Erwähnung gethan, die Nachmittags erschien, um Herrn Levy, der z. Z. Vorsitzender des genannten