Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-05-20 · Heft 20 (20.5.1898) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 20 (20.5.1898)
Date
1898-05-20
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3228257-3228278--54611-3290762
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

3 Achim. Der Vorsitzende, Kollege Spanier, begrüßt die erschienenen Mitglieder und wünscht der Versammlung guten Erfolg. Hierauf verliest der Vorsitzende das Erkenntniß des Oberverwaltungsgerichtes, betreffend die Befreiung der an öffentlichen Schulen angestellten jüdischen Lehrer von den Kommunalabgaben. Das in diesem Erkenntniß ausgesprochene Prinzip der Gleichstellung der jüdischen Lehrer mit den christlichen Kollgen gewährte Allen eine rechte Genugthuung. Dem Vorsitzenden, dem es mit Hilfe des Rechtsbeistandes des „Lehrerbundes" gelungen war, diese für die ganze jüdische Lehrerwelt erfreuliche Entscheidung zu erwirken, wurde der wärmste Dank zutheil. Alsdann hält Kollege Bachrach- Hameln in der Oberklaffe der Seminar-Uebungsschule eine Lehrprobe über das achte Gebot. An die Lehrprobe schließt sich eine längere und lebhafte Diskussion. Diese zeigt die Uebereinstimmung in der Ansicht, daß dem Anschauungsprinzip auch in dem systematischen Religionsunterricht durch Voranschicken einer die zu behandelnde „Lehre" enthaltenden biblischen Geschichte Rechnung getragen werden muß. Hierauf erhält Kollege Apt-Pattensen das Wort zu seinem Vorträge: Der Gesangsunterricht in der Volksschule. Die aufgestellten Thesen finden von keiner Seite Widerspruch. Der Vorsitzende spricht den Kollegen Bachrach-Hameln und Apt-Pattensen den Dank der Versammlung aus. Ein Vorschlag des Vorsitzenden, den Beitrag zu erniedrigen, wird angenommen. Unterzeichneter übernimmt für die nächste Versammlung einen Vortrag: „Ueber den Werth des systematischen Religionsunterrichts", und eine Lehrprobe. Der Versammlungsort für die nächste Konferenz soll den Mitgliedern schriftlich mitgetheilt werden. Der Schriftführer: Levisohn. X Hannover, 16. Mai. Bor Kurzem erschien der Jahresbericht der hiesigen Religionsschule. Nach diesem besuchten im Schuljahre 1897/98 192 Kinder die Schule. Dieselbe hat 5 Knaben- und 5 Mädchenklassen, außerdem eine Vorklasse und eine von dem jetzigen Oberlehrer der Schule, Herrn Seminardirektor Dr. Knoller, eingerichtete Selekta. Dem Bericht vorgedruckt ist eine kurze Abhandlung des Oberlehrers „Ueber Werth und Werthschätzung des Religionsunterrichts", die nicht nur für die Mitglieder unserer Gemeinde von Interesse ist, sondern auch Beachtung über unsere Stadtgrenze hinaus verdient. Die öffentliche Prüfung, die am 3. April stattfand, und die sich auf alle elementaren Religionsdisziplinen erstreckte, war keineswegs eine Schaustellung, sondern zeigte, daß die Schule einer zielbewußten Leitung untersteht, in der Anstalt straffe Disziplin herrscht, und daß die Kinder einen festen, sicheren Wissensschatz besitzen. Die Betheiligung der Gemeindemitglieder war eine rege. Nach der Prüfung sprach Herr Oberlehrer Dr. Knoller über die Schwierigkeiten, mit denen in unserer Zeit eine Religionsschule zu kämpfen hat. Herr Landrabbiner Dr. Gronemann konstatirte im Namen des Schulvorstandes den guten Stand der Schule und hob hervor, in welch umsichtiger Weise der Vorredner den von ihm erwähnten Schwierigkeiten zu begegnen weiß. ai. Dresden, 15. Mai. Der Verwaltungs - Bericht der jüdischen Gemeinde auf das Jahr 1897 giebt ein anschauliches Bild ihrer gedeihlichen Entwickelung. Die israelitische Religionsgemeinde Dresden hatte Ende 1897: 489 (480) stimmberechtigte Mitglieder. Ausgenommen wurden 1697: 30 (20) Mitglieder. Ausgeschieden sind l897: 2 t (40), davon 9 (11) infolge Ablebens, 11 (27) infolge Wegzugs, 1 (0) wegen Uebertritts zur christlichen Religion 0 (2) wegen Steuerrückstandes. Die eingeklammerten Ziffern sind die von 1896. Die Religionsschule (Johannesstraße 18) hat sechs Knaben- und sechs Mädchenklassen mit je zweijährigem Kurs für die unterste und die oberste Klasse. An ihr unterrichten Herr Rabbiner Dr. Winter als Direktor, die Herren Auerbach, Wolfsohn, Golde und Frau Wolfsohn. Nach den Ergebnissen der letzten Volkszählung vom 3. Dezember 1895 befanden sich von überhaupt 9902 Juden in Sachsen: 2547 in Dresden (4872 in Leipzig, 995 in Chemnitz, 147 in Zittau, 146 in Plauen, 90 in Annaberg). Der Gemeinderath bestand aus den Herren Vorstehern Emil Lehmann, Adolph Salzburg, Gustav Meyer und den Deputirten Max Arnhold, Dr. Felix Bondi, Max Elb, Julius Guttentag, Oscar Lesser, Edmund Salomon, Adolf Schleich, Albert Wolf, Moritz Zobel. Einen schweren Verlust hat die Gemeinde durch den am 11. Juli 1897 bezw. 25. Februar 1898 erfolgten Heimgang ihrer unvergeßlichen langjährigen Vorsteher, der Herren Kommerzienrath Joseph Bondi und R.-A. Emil Lehmann, erlitten. Die Besteuerungskommission hat für 1897 einen Bedarf von 29 822,50 Mark aufzubringen gesucht, während ihr nach dem Haushaltplan für 1898 die Beschaffung von 29 953 Mark aufgegeben ist. Auf Anfrage des Stadtraths erklärte der Gemeinderath mit Zustimmung des Herrn Rabbiners, daß der Vornahme von Sektionen auf dem Friedhofe keine rituellen Bedenken entgegenstehen und dieselben auf schriftliche Genehmigung des Bezirksarztes nach Anmeldung bei dem Vorsteher der Beerdigungsbrüderschaft daselbst vorgenommen werden können. Die Anregung des Oberraths zu Karlsruhe auf Herstellung eines den Zeiterfordernissen entsprechenden Gebetbuches hat der Gemeinderath im Einverständniß mit dem Herrn Rabbiner zu stimmend beantwortet. Auf Antrag des Herrn Rabbiner Dr. Winter ward ferner eine erneute, auf die inzwischen gesammelten Gutachten thierärztlicher Autoritäten gestützte Eingabe an das königliche Kultusministerium in der Schächtangelegenheit beschlossen und, von den Vorständen der israelitischen Religionsgemeinden zu Dresden, Leipzig und Chemnitz vollzogen, am 6. Dezember zum Abgang gebracht. Als neue Stiftung wuchs der Gemeinde zu die am 28. Oktober 1897 von Frau Cäcilie Mattersdorff mit 30 000 Mark dreiprozentiger sächsischer Rente, „im Sinne ihres Gatten, dessen Todestag am 8. November wiederkehrt, zum Andenken an dessen Mutter Friederike Mattersdorff, geb. Deutsch" errichtete Salomon Mattersdorff-Stiftung, die vom Vorstand zu verwalten und mündelmäßig anzulegen ist, und deren Zinsen nach Abzug der Verwaltungskosten Ende März und Ende September an fünf würdige alleinstehende Frauen oder Mädchen oder Frauen, deren Männer erwerbsunfähig oder nicht genügend erwerbsfähig sind, hauptsächlich zu Miethszins gezahlt werden sollen. Die Jahresrechnung weist auf an Einnahmen 53 705,61 Mark, an Ausgaben 49 708,43 Mark. Der Synagogen-Renovationsfonds hat einen Bestand am 31. Dezember 1897 von 568,90 Mark, der Lehrerpensionsfonds von 16 000 Mark dreiprozentiger sächsischer Rente und 600 Mark dreieinhalbprozentiger Landeskulturrentenbriefe. Oesterreich -Ungarn. LI Wien, 16. Mai. In feierlicher Weise fand am 10. d. Mts. Nachmittags die Schlußsteinlegung des zum Andenken an das Regierungsjubiläum des Kaisers erbauten Jubiläumstempels im 10. Bezirke, Ecke Keplergasse und Humboldtplatz, statt. Das im romanischen Stile erbaute Gotteshaus wird von einer mächtigen Kuppel gekrönt und gewährt durch seine stilvolle, vornehme Ausführung einen stattlichen Eindruck. Gemeinderath Stiaßny hielt an die Festversamrrlung in Vertretung des Bürgermeisters eine kurze Ansprache, in der er sie Namens der Reichshaupt- und Residenzstadt Wien begrüßte. Das Huldigungstelegramm, welches sodann an den Kaiser nach Budapest gesandt wurde, ward in der huldvollsten Weise beantwortet. — Die Vorträge, welche in dieser Saison von der „Gesellschaft für Sammlung und Konservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums" veranstaltet wurden, fanden ihren wirkungsvollen Abschluß mit dem Doppelvortrage, der am 3. d. Mts. im kleinen Musikvereinssaale vor einem distinguirten Publikum über das Thema „Die Lyrik eines modernen Hiob" stattfand. Der Schriftsteller Heinrich Glücksmann hat das Verdienst, dem früh verstorbenen Poeten S. A. Weiß, den er an diesem Abend in lichtvoller Weise charakterisirte, eine geistige Auferstehung bereitet zu haben. Meister Sonnenthal, der Vizepräsident der Gesellschaft, erweckte die laute Begeisterung der Hörer durch die nur ihm eigene herzinnige Art der Wiedergabe der besten Schöpfungen des Dichters, von welchen namentlich „Die wilde Rose", „Kaiser Karl V." und „An den Wässern Babels" stürmischen Beifall fanden. Die dankenswertheAufgabe, welche sich das Kuratorium der Gesellschaft gestellt hat, hervorragende jüdische Gelehrte und Künstler zu dresen Vorträgen heranzuziehen und deren Arbeiten in geistig anregender Weise weiteren Kreisen zugänglich zu machen, fand die beredteste Anerkennung dadurch, daß es gelungen ist, die lebhafte Theilnahme des Publikums für dieselbe wach zu rufen und das Interesse durch sämmtliche Vorträge zu erhalten, so daß wir der Hoffnung Raum geben, daß diese Vorträge in der nächsten Saison ihre Fortsetzung finden werden. — Anläßlich des Regierungsjubiläums des Kaisers haben die Barone Gustav und Alfred Springer für Zwecke des Max Freiherr von Springer'schen Waisenhauses eine Stiftung im Betrage von fünfzigtausend Gulden errichtet. — Unter zahlreicher Betheiligung fand auf dem israelitischen Friedhofe die Beerdigung des im 56. Lebensjahre

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.