Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 20 (20.5.1898)
- Date
- 1898-05-20
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 depution einzureichen. Man sieht, die Behörden gehen in dieser Angelegenheit konsequent vor, und es ist erfreulich, daß einmal Wandel geschaffen wird. §££ Berlin, 15. Mai. Soeben ist der 15. Jahrgang des Statistischen Jahrbuchs des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes von 1898 erschienen, ein willkommenes Hilfsmittel für alle Diejenigen, welche sich mit den Angelegenheiten der deutschen Judenheit' zu befassen haben. Der neue Band enthält auch wieder wesentliche Veränderungen, namentlich ist der statistische Theil ansehnlich bereichert. Die Ergebnisse der letzten Berufszählung sind in übersichtlichen Tabellen dargestellt, die Mittheilungen über das prozentuale Verhältniß zu jüdischer Kultus- und Staatssteuer in den einzelnen Gemeinden sind eine werthvolle Beigabe, ebenso die Zahlen der Gesammtbevölkerung jeder Provinz, Erziehungswesen jedes Religionsbezirks. Eine besondere Sorgfalt ist dem zweiten Theil des Buches, der die wichtigsten Institutionen und Vereine zusammenfaßt, gewidmet worden. Die Gemeindeverbände, die höheren Lehranstalten, an welchen Unterricht ertheilt wird, die Litteraturvereine, die Vereine für Volksbildung, Stipendien, Stiftungen und Bibliotheken, die höheren Schulen, Rabbiner- und Lehrerseminare, Rabbiner- und Lehreroereine, Stiftungen und Vereine zu Gunsten von Gemeindebeamten, zur Beförderung des Handwerks unter den Juden, für die berufliche Ausbildung und Förderung des weiblichen Geschlechts, die Waisen- und ErziehungsHäuser, Altersversorgungsanstalten und Asyle, Kranken- und Siechenhäuser, Vereine gegen Wander- und Hausbettelei, die Benai Brith-Logen, die Orgelsynagogen, die jüdischen Zeitungen und Pensionats sind zum Theil von Fachmännern aufgeführt. Besonders wichtig aber sind die behördlichen Anzeigen und Verordnungen der jüdischen Angelegenheiten, die im Anhang zusammengestellt sind. So wird das Jahrbuch des Gemeindebundes an seinem Theil sicher dazu beitragen, ein richtiges Bild von den Zuständen in den jüdischen Gemeinden Deutschlands zu schaffen. cai Berlin, 17. Mai. Ein erfreuliches Bild bot die diesjährige Generalversammlung des „Esra", Verein zur Unterstützung ackerbautreibender Juden in Palästina und Syrien. Außer den Mitgliedern des Centralkomitees waren mehr als 30 Delegirte der verschiedenen Zweigvereine erschienen. Der Vorsitzende, Herr Moritz Dorn, erstattete den Jahresbericht, der ein überaus erfreuliches Bild von den Fortschritten des Vereins bot. Die Einnahmen sind im Jahre 1897 bis auf 7660 Mark gestiegen und die Mitgliederzahl auf 2481, wozu im laufenden Jahre noch weitere 514 Mitglieder mit rund 2000 Mark Jahresbeiträgen hinzukommen. Damit hat der „Esra" eine Mitgliederziffer von 3000 erreicht und seine Einnahmen auf beinahe 10 000 Mark gesteigert. Seit der vorigen Generalversammlung im April 1897 sind 750 neue Mitglieder dem Verein beigetreten, ein glänzendes Resultat, umsomehr, wenn man in Betracht zieht, mit wie geringer Mühe und Kosten dieses Resultat erzielt wurde, das den sprechendsten Beweis dafür bietet, wie populär die Kolonisation Palästinas in allen Kreisen der deutschen Juden ist. Die Versammlung sprach dem Centralkomitee den Dank des Vereins für diese Leistungen aus, beschloß aber gleichzeitig, die Agitation in wesentlich verstärktem Maße fortzuführen. Der „Esra" hat cirka 13 000 Mark im Berichtsjahr verausgabt und von diesem Geld die Kolonien „Esra", „Mischmar-Hajarden", „Kastinieh" und „Mawna" unterstützt. Ter sehr lebhaften und angeregten Debatte entnehmen wir die formelle Erklärung des Vorsitzenden, daß der „Esra" weder ein zionistischer noch ein antizionistischer, sondern nur ein Wohlthätigkeitsverein ist, der die ackerbautreibenden Juden in Palästina und Syrien unterstützt. Ein Antrag der Herren Dr. Hildesheimer, Turoff und Bambus, der auch von vielen anderen Delegirten unterschrieben war, wurde einstimmig nach eingehender Begründung von Herrn Dr. Finkel angenommen. Derselbe empfiehlt dem Centralkomitee die Bewilligung von 1000 Mark für den Verein „Ahawaß Zion" in Tarnow als Beitrag zur Jnstallirung der galizischen Kolonie „Machanaim-Kabaa" bei Safed und wünscht, daß das Centralkomitee in Paris eine Subvention von 3000 Mark für denselben Zweck beantrage. Auch die Bewilligung einer Subvention für die Schule „Beth Sefer" in Jaffa wurde dem Centralkomitee anempfohlen. vs Berlin, 16. Mai. Seit einiger Zeit besteht hier eine Israelitische K och-und Haus hal tun gs sch ule, als Zweiganstalt des Israelitischen Heimathshauses in der Gormannstraße, Weinmeisterstraße la, die dem dringenden Vedürfniß, den Heranwachsenden Töchtern einen guten Haushaltungsunterricht zu geben, zu entsprechen sucht. Die Gründung einer jüdischen Haushaltungs- und Kochschule in Berlin ist wohl der erste Versuch, der auf diesem Gebiete gemacht worden ist. In einer solchen Anstalt sollen die Heranwachsenden Töchter kochen und einen Haushalt führen lernen. Das ist nothwendig bei der Eigenart der jüdischen Küche, die ja bekanntlich unter dem Einfluß religiöser Vorschriften steht. Und um den Heranwachsenden Töchtern Gelegenheit zu geben, gerade nach dieser Richtung hin sich zu vervollkommnen, ist die Israelitische Haushaltungs- und Kochschule als Zweiginstitut des Israelitischen Heimathshauses gegründet worden. In einem dreibeziehungsweise sechsmonatlichen Kursus, unter bewährter pädagogischer wie technischer Leitung, theoretisch und praktisch, sollen sowohl die edle Kochkunst wie alle sonstigen häuslichen Arbeiten, Waschen, Plätten, Ausbessern u. s. w., gründlich erlernt werden. Nicht einzig und allein um dienende Kräfte heranzubilden, ist jenes Institut ins Leben gerufen worden. In erster und vornehmster Reihe ist eine Ausbildung ins Auge gefaßt worden, die dem späteren eigenen Haushalt zu gute kommen soll. Demgemäß ist auch der Lehrplan eingerichtet worden. Die Leitung des Instituts ist Frau Paula Salinger, einer bewährten Kraft, anvertraut worden. Kp. Aus der Provinz Posen, im Mai. Die israelitische Gemeinde in Ko st sch in hat es nunmehr infolge einer bei Landsleuten veranstalteten Sammlung ermöglicht, einen eigenen Friedhof zu erwerben. Trotzdem kommt es wiederholt vor, daß Leichen auf dem Friedhof einer Nachbargemeinde bestattet werden, weil dieselben bestimmungsgemäß bei ihren vorher verstorbenen Angehörigen ruhen wollen. — Die Synagogengemeinde in Wreschen hat beschlossen, zur Deckung der synagogalen Bedürfnisse 90 Prozent, die Gemeindevertretung in Ostrowo 60 Prozent und die in Crone a. Br. 70 Prozent der Staatseinkommensteuer als Gemeindeabgabe zu erheben. — Der Etat der Synagogengemeinde in Gollantsch beträgt pro 1898/99 in Einnahme und Ausgabe etwa 1200 Mark. — Der Lehrer Hermann Becker in Wollstein feierte jüngst unter reger Betheiligung seiner Amtsbrüder, Gemeindemitglieder und Schüler sein 25 jähriges Amtsjubiläum. — Anfangs dieses Monats drangen Maurer während des Wochentags- Gottesdienstes in die Synagoge zu Witkowo und störten durch ihr Verhalten die Beter. Dieselben ergriffen allerdings dje Flucht, wurden aber erkannt und der Polizei zur Bestrafung angezeigt. — Am 7. d. M. begaben sich die Mitglieder des israelitischen Mildthätigkeitsvereins in Ostrowo in corpore zu ihrem bisherigen Vorsitzenden, Herrn Rentier Sina Holzmann, um ihm anläßlich feiner jüngsterfolgten Ernennung zum Ehrenmitglieds ein entsprechendes Diplom zu überreichen. E. Z. Posen, 16. Mai. Bei der Ende April d. I. in Posen stattgefundenen Prüfung für Mittelschullehrer haben auch die Herren Haupt lehrer Cohn-Rog äsen (in Englisch und Französisch) und Lehrer Falk - S chrimm (in Mathematik und Naturwissenschaft) diese Prüfung bestanden und demnach die Berechtigung erworben, an Mittel-, Bürger- und Töchterschulen Mittelschulstellen zu bekleiden. — Namhafte Spenden hat der vor 14 Tagen hier verstorbene Rentier Adolf Moral — wie bereits kurz gemeldet — seiner Vaterstadt wie der jüdischen Gemeinde hinterlassen. So bedachte er unter anderem das jüdische Krankenhaus mit 40 000 Mark, das israelitische Knaben- und Mädchen-Waisenhaus je mit 20 000 Mark. 15 000 Mark hinterließ er der Stadt Posen mit der Maßgabe, die Zinsen des Kapitals zum Ankauf von Brennmaterial zu verwenden und dieses an Arme ohne Unterschied des Glaubens und der Nationalität alljährlich zur Vertheilung zu bringen. 1000 Mark schenkte er dem Zoologischen Garten zur Vergrößerung seines Thierbestandes. Das Andenken dieses bescheidenen Mannes, der nichts sein wollte als der Freund und Berather seiner Mitmenschen, der jedes Ehrenamt, das man ihm antrug, ablehnte, trotzdem er, wie selten Einer, dazu befähigt war, werden wir stets in Ehren halten. Hannover, 1. Mai. Protokoll der vierten Versammlung der „Freien Vereinigung jüdischer Lehrer Hannover-Bremen". Anwesend sind die Kollegen Spanier, Stolzenau, Levy, Levisohn, Meyer, Kamm-Hannover; Bachrach-Hameln; Apt-Pattens en; Cohn-Barsinghausen; Löwenstein-Burgdorf; Capell-Wunstorf; Haas-Gleidingen; Ginsberg- Gehrden; Federlein-Neustadt a. R. Entschuldigt haben sich die Herren: Lomnitz-Eldagsen; Meyberg-Vegesack; Hofmann-Twistringen; Rothschild-