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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-05-13 · Heft 19 (13.5.1898) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 19 (13.5.1898)
Date
1898-05-13
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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** Gumbinnen, 8. Mai. Wie in Oberschlesten und Hannover, so hat auch hier der Regierungspräsident einen Nachweis über die in unserem Bezirk vorhandenen jüdischen Schulkinder eingefordert, und gemäß dieser Verfügung hat der Landrath von den Guts- und Gemeindevorständen die Beantwortung folgender Fragen verlangt: 1. Wie viel jüdische Kinder befinden sich an dem betreffenden Ort? 2 Wie groß ist die schulpflichtige jüdische Jugend? und 3. Wie viele jüdische Kinder besuchen christliche Schulen? Nun wäre es vor allem wünschenswerth, zu erfahren, ob eine gleiche oder ähnliche Verfügung auch von den übrigen Provinzialregierungen erlassen worden ist, da man dann hoffen könnte, daß es fich um eine Maßregel zur Einführung des obligatorischen jüdischen Religionsunterrichts handle. =*= Liffa i. P., 1. Mai. Gestern wurde hier das fünfundzwanzigjährige Jubiläum unseres Rabbiners Herrn Dr. Bäck als Ortsschulinspektor der hiesigen jüdischen Schule gefeiert. Der Schulvorstand sowie die Lehrer und Schüler der Anstalt ließen den Tag nicht vorübergehen, ohne dem verdienten Jubilar ihre Glückwünsche auszusprechen. Unter den zahlreichen Widmungen befand sich auch ein Silberkranz. Zu den Gratulanten gehörte auch der Kreisschulinspektor, Herr Superintendent Linke. Eine ähnliche Beglückwünschung fand in der Behausung des Herrn Hauptlehrers Herbst statt, welcher am gestrigen Tage 25 Jahre als Lehrer an der hiesigen israelitischen Schule gewirkt hat. Möge es beiden Herren vergönnt sein, noch recht lange in ihren Aemtern segensreich weiterwirken zu können. —Herr Rabbiner Dr. Jmanuel Deutsch, bisher in Sohrau (O.-Sch.), hat zu Anfang vorigen Monats sein Amt als Stiftsrabbiner der Sachs'schen Stiftung und Rabbinatsaflessor der hiesigen Gemeinde übernommen. Königsdorff-Jastrzemb, 6. Mai. Die in dem altbewährten Soolbade Königsdorff-Jastrzemb im Jahre 1890 gegründete Israelitische Kinderheilstätte soll nunmehr am 19. Mai d. I. zum neunten Male eröffnet werden. Diese Anstalt, die sich in weiten Kreisen des besten Rufes erfreut, zeichnet sich besonders durch ihre hervorragende Gemeinnützigkeit aus. Nicht armen Kindern allein läßt die Anstalt ihre Wohlthaten zutheil werden, indem sie dieselben ganz unentgeltlich aufnimmt: ihre Segnungen erstrecken fich auch auf mehr oder weniger bemittelte Kinder, die gegen einen je nach den Verhältnissen bemessenen Satz Aufnahme finden. Die segensreiche Wirksamkeit der Anstalt geht besonders aus folgender kurzer Zusammenstellung hervor. In der verflossenen Saison 1897 wurden 50 arme kranke Kinder ganz unentgeltlich ausgenommen, außerdem erhielten 15 Kinder halbe Freistellen und 22 zahlten einen Satz, der den Selbstkosten nahe kam. Das humane Werk wird durch milde Beiträge erhalten und ist der Förderung edler Menschenfreunde würdig. Nähere Auskunft ist der Vorsitzende der Anstalt, Herr Rabbiner Dr. Wilhelm Münz in Gleiwitz,zu ertheilen gern bereit. K Altena in Wests., 8. Mai. Ein hochherziges Geschenk ist der hiesigen israelitischen Gemeinde von Seiten des Geheimen Kommerzienraths Gustav Selve zutheil geworden. Derselbe hat zum Bau einer Synagoge 500 Mark beigesteüert. In einem Schreiben, mit dem er dieses Geschenk begleitete, giebt der Geschenkgeber seiner Anerkennung Ausdruck, daß auch die wohlhabenden Mitglieder der jüdischen Gemeinde Altenas bisher nicht auf den Unterschied der Konfession gesehen haben, wenn es galt, die Noth unter den Altenaer Mitbürgern zu lindern, und hofft, die Größe der ferner zu erwartenden Beiträge werde darart sein, daß ein Gotteshaus erbaut werden könnte, welches der Stadt Altena zur Zierde gereiche. QL Köln, 7. Mai. Hier starb plötzlich an einer Lungenentzündung der Professor der Mathematik an der Universität Heidelberg Dr. Hermann Schapiro. Derselbe war auch ein tüchtiger Hebraist und hat ein altes hebräisches Werk über Mathematik herausgegeben. Auf dem ersten Zionistenkongreß hat er sich als einer der eifrigsten Anhänger dieser Bewegung hervorgethan. 1840 zu Erswilken bei Tauroggen geboren, erhielt Schapiro zunächst umfassende rabbinische Bildung. Er brachte es als Kenner des rabbinischen Schriftthums in Lithauen zu Ansehen. Mit 28 Jahren wandte sich Schapiro nach Berlin und besuchte hier bis 1871 die Gewerbeakademie. Dann wurde er Kaufmann in Odessa. Erst 1876 nahm er das wissenschaftliche Studium wieder auf. Er beschäftigte sich hauptsächlich in Heidelberg bis 1882 mit mathematischen und physikalischen Studien. 1863 wurde Schapiro in die Heidelberger mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät als Privatdozent für Mathematik ausgenommen. 1887 erhielt er eine außerordentliche Professur. Die wissenschaftliche Arbeit Schapiros galt vornehmlich der Funktionstheorie, über die er sehr wichtige Schriften veröffentlichte. Seine Kenntniß der jüdischen Wissenschaft verwerthete Schapiro zur Herausgabe und Uebersetzung des Buches „Mischnath Hamidoth“, Lehre von den Maßen, nach der hebräischen Handschrif der Münchener Bibliothek. Ehre seinem Andenken! 22 Neuß, 5. Mai. Am 1. Mai feierte Lehrer Levy das 25jährige Jubiläum seines Wirkens als Lehrer und Prediger der hiesigen Gemeinde. An diesem Tage zeigte es sich, welche Liebe und Verehrung der Jubilar in feiner Gemeinde, in Kollegen- und Freundeskreisen genießt. Morgens 10 Uhr fand im Schullokal eine erhebende Schulfeier statt, die von einem christlichen Lehrer geleitet wurde, und an der auch viele Freunde und Bekannte theilnahmen. Im Laufe des Tages liefen zahlreiche Depeschen und Glückwunschschreiben ein, u. a. eine Depesche von dem Deutsch-Israelitischen Lehrerbund, dessen Vorstand Herr Levy angehört. Kreis-Schulinspektor Herr Dr. Finkenbrink richtete an den Jubilar ein herzliches Schreiben, worin er dessen große Verdienste um die Schule pries. Die Gemeinde sandte eine kostbare goldene Uhr mit Kette, während die ehemaligen Schüler eine kunstvoll gearbeitete Adresse sowie sechs schöne Rohrstühle überreichten. Andere Geschenke verehrten ihm theils seine Kollegen, theils Freunde und Bekannte. Aber auch die Neuster Lehrerschaft wollte sich nicht entgehen lassen, dem Jubilar ihre Achtung und Liebe zu bezeugen. Zu diesem Zweck veranstalteten sie am verflossenen Mittwoch Abend im „Rheinischen Hof" ein Festessen, zu dem fast sämmtliche christliche Lehrer und Lehrerinnen der Stadt Neuß sowie auch einzelne jüdische Lehrer der Umgegend erschienen waren. Herr Hauptlehrer Staender hielt eine herzliche Ansprache, in der er den Jubilar als treuen Kollegen schilderte, dem Alle von Herzen zugethan seien. Im Namen des Lehrer-Kollegiums überreichte er eine prachtvolle kupferne Hängelampe. Herr Levy stattete tiefbewegt seinen Dank ab und hob das herzliche Verhältniß hervor, das ihn während der Jahre seines Hierseins mit allen Kollegen und Kolleginnen verband, das auch niemals durch irgend einen Mißton getrübt worden sei; es gereiche ihm, dem jüdischen Lehrer, gerade zur besonderen Freude, daß alle Lehrer so herzlich an seinem Jubeltage theilnähmen. Auch Herr Lehrer a. D. Goldstein-Grevenbroich hob in seinem Toaste auf die Neuster Lehrer die Kollegialität derselben hervor, die nicht sagen: Du bist ein Jude, wir wollen Dich nicht! sondern: Du bist ein Lehrer wie wir. Du gehörst in unsere Mitte. Begeisterter Beifall erscholl, als der Redner zum Schluß das Psalmwort anführte: „Siehe, wie schön ist es, wenn Brüder einträchtig bei einander wohnen". Fürwahr, das ganze, so herrlich verlaufene Fest bewies, daß es noch unter den Lehrern Männer giebt, die von echter Toleranz erfüllt sind. Wir aber fügen den Wunsch hinzu, daß Gott dem verdienten Jubilar noch lange Jahre segensreichen Wirkens in Schule und Gemeinde schenken möge. Oesterreich - Ungarn. □ Wien, 9. Mai. Bei der letzten Beförderung zeigte es sich, daß abermals eine Reihe von Beamten, die der Kommune durch Jahrzehnte tadellos gedient, in unverdienter Weise zurückgesetzt und präterirt worden sind. Es befinden sich darunter vorzüglich qualifizirte Beamte mit zwanzig und fünfundzwanzig Dienstjahren, Beamte, die lediglich deshalb präterirt wurden, weil sie Juden sind oder waren, oder weil ihre Eltern Juden waren. Wie man erfährt, sind diese Präterirungen über Vorschlag des Magistrats verübt worden, mit dem es also so weit gekommen ist, daß er seine Vorschläge nach dem Geschmack der Machthaber im Stadtrathe einrichtet. — Nun haben auch die Wiener Lehrerinnen gegen die christlich-sozialen Machthaber im Rathhause Stellung genommen, weil diese bei den jüngsten Beförderungen so ungerecht vorgegangen sind. — Abermals hat der Stadtrath eine Subvention abgelehnt, die einem israelitischen Humanitäts-Institut der israelitischen Kinderbewahranstalt im II. Bezirke zu gute kommen sollte, trotzdem in diese Anstalt auch andersgläubige Kinder ausgenommen werden. — In der Alserstraße wurde eine turbulente antisemitische Frauenversammlung aufgelöst. — Frau Baronin Hirsch hat dem Kaiser Joseph-Jubiläums-Hospital in Franzensbad neuerdings eine Spende von 2000 Gulden zugewiesen. Ueber den Selbstmord des Bezirksvorstandes von S issek, Georg Badovinae, wird li $ jj : l

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