Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 19 (13.5.1898)
- Date
- 1898-05-13
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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62. Jahrgang. Ar. 19. Beilage DkV E-rlm. 13. Mai 1898. zur „Allgemeinen Heilung öes IuöenLhums". Korrespondenten und Nachrichten. Deutschland. §2 Berlin, 2. Mai. Soeben ist Nr. 5 der Mi tt Heilungen aus dem „Verband der Vereine für jüdische Geschichte und Litteratur in Deutschland" erschienen. Das Heft enthält diesmal nur den Bericht über den Verbandstag sowie die Begrüßungsreden der Herren Rechtsanwalt Dr. Fuchs, Rabbiner Dr. Maybaum, Syndikus Dr. Minden und die Festrede des Herrn Rabbiner Dr. Frank aus Köln. Wir brauchen wohl nicht erst hervorzuheben, daß die Lektüre dieser Reden eine sehr interessante ist. Der Verband zählt jetzt bereits 94 Vereine seit unseren letzten Mittheilungen. Die Vereine in Schweinfurt, Meckenheim bei Köln, Trier, Witkowo und Wesel sind neu begründet und der Verein Rogasen wieder ins Leben gerufen worden. Der Vorstand besteht aus den Herren Rabbiner Auerbach, I. Hammerschmidt, I. Ruschin, I. Sommersburg, Hauptlehrer Cohn. Den ersten Vortrag hielt Dr. Auerbach über „Die erste Berührung des Judenthums mit dem Hellenismus". In Kolmar i. P. wurden folgende Vorträge gehalten: Rabbiner Dr. Zol inski: „Das Judenthum und die Wissenschaft", Rabbiner Dr. Freund, Czarnikau, „Religionsgebräuche aus alter Zeit", LehrerLewin: „Das LebenJochananben Sakkais"; Lehrer Moses: „Das Leben Akkiba ben Josefs"; Rabbiner Dr. Zolinski: „Die Stellung Israels in der Welt des Orients"; Rabbiner Dr. Wreschner, Samter: „Das Drama bei den Juden"; Rabbinatsverweser Nischkowsky, Wongrowitz: „Religionsparteien zur Zeit des zweiten Tempels"; Dr. A. Mislowitzer, Schneidemühl: „Der Zionismus"; Rabbiner Dr. Zolinski: „Schulen und Lehrer im Lichte der Bibel und des Talmuds". Am 8. März feierte der Verein sein Purimfest unter allgemeiner Theilnahme. Jn Thorn sprach Herr Louis Kalischer über „Die geschichtlichen Aufgaben des Judenthums"; in Jnowrazlaw Kaufmann Goldberg über A. Cremieux, in Rawitsch Dr. Rosenthal-Breslau über das Buch Tobi, Dr. Cohn-Rawitsch über Jehuda Halevys Leben und Dichtungen, Dr. Bäck-Lissa über die ältesten Lehrmeister und Bildner der Menschheit und Dr. Bloch-Posen über „Akiba ben Joseph, oder der letzte Berzweiflungskampf Judäas", in Tilsit Rabbiner Dr. Ehrlich über „Die letzten fünfzig Jahre jüdischer Geschichte"; Kantor Rosenkranz über „Rabbi Akkiba Eger"; in Ratibor Lehrer A. Biberfeld über „Sabbatai Zewi"; in Magdeburg Oberstabsarzt Dr. Rofenthal über Toledo, das spanische Jerusalem; in Leipzig Professor Cornill über „Das Buch Hiob"; in Hamburg Prediger Dr. Leimdörffer über „Fahrende Schüler in der Geschichte Israels"; Dr. Adolf Kohut über „Alexander von Humboldt und das Judenthum"; in Hildesheim Herr A. Katz über „Lord Byrons hebräische Melodien"; in Essen Herr W. Bambus über „Seine Reise nach Palästina"; in Köln a. Rh. Dr. med. Wallerslein über „Gabriel Rießer"; Herr Moritz Levy junior über „Das Sektenwesen im Judenthum"; Herr Rechtsanwalt Dr. Bodenheimer über „Ein Hochverrathsprozeß im 18. Jahrhundert"; in Trier Lehrer Nußbaum über Dohm, Börne und Reißer, in Marburg Herr W. Bambus über „Juden als Bauern"; in Frankfurt a. M. Herr Kantor Klibansky über „Die Melodien der Juden"; in Darmsladt Rabbiner Dr. Löwenstein, Mosbach, über „Messianische Bewegungen im Judenthum"; Lehrer Krämer: Friedeberg, über „Die soziale Stellung der Frau bei den Juden"; Kirchenrath Dr. Kroner, Stuttgart, über „Jud Süß"; Instituts- Vorsteher Elias, Darmstadt, über „Abraham Geiger"; Bezirksrabbiner Dr. Silberstein, Wiesbaden, über „Die soziale Frage und die jüdische Gesetzgebung"; in Mainz Jnstitutsvorsteher Elias, Darmstadt, über „Goethes Beziehungen zum Judenthum"; in München Dr. Eugen Merzbacher über „Judenthum, Toleranz und Münzprägung"; in Schweinfurt Distriktsrabbiner Dr. Stein über „Die Juden in Schweinfurt im Mittelalter". Berlin, 9. Mai. Unter starker Betheiligung seitens der Mitglieder und vieler Gäste fand gestern in der Aula der jüdischen Gemeindeknabenschule die diesjährige ordentliche Generalversammlung der Gesellschaft zur Verbreitung der Handwerke und des Ackerbaues unter den Juden in Preußen statt. Der Vorsitzende, Herr Leopold Lesser, eröffnet die Sitzung und ertheilt Herrn Marcus Adler das Wort zu einer Ansprache an die Lehrlinge und ihre Angehörigen, die Redner ermahnt, die hier in Berlin sich bietende Gelegenheit zur Fortbildung auf wissenschaftlichem wie auf religiösem Gebiet fleißig zu benutzen und stets bestrebt zu sein, dem jüdischen Namen Ehre zu machen. Zugleich überreichte er dem Maschinenbauer Ludwig Baum als Anerkennung seines Fleißes und gesitteten Betragens ein Diplom der II. Fortbildungsschule und einen Geldbetrag von einem nicht genannt sein wollenden Wohlthäter. Die Zahl der von der Gesellschaft unterstützten Lehrlinge beträgt 76, die in den verschiedenen Gewerbsarten des Handwerks untergebracht sind. Sie werden sorgsam von vier Inspektoren und dem Vorsitzenden, der die seit dem Tode des Herrn Straßmann offen gebliebene Stelle eines Inspektors vorläufig mit übernommen hat, überwacht. In letzter Zeit hat die Gesellschaft die erfreuliche Wahrnehmung gemacht, daß sich eine größere Betheiligung für die Gärtnerei zeigt, und hat den in dieser Beziehung an sie herangetretenen Ersuchen bereitwillig entsprochen. Bei den hierauf folgenden Wahlen wurden der bisherige Vorstand und die Inspektoren wiedergewählt. Die Wirksamkeit der Gesellschaft, welche zu den ältesten Vereinen Berlins zählt — sie wurde 1813 gegründet — verdient die größte Anerkennung. Nun sind aber in den letzten Jahren neue Vereine entstanden, welche die Ziele, die diese Gesellschaft sich gesteckt, auf rationellerem Wege zu erreichen suchen. Wir meinen das Lehrlingsheim in Pankow und die Ackerbauschule in Ahlem, die beide auf Erfolge hinzuweisen haben, welche nicht rühmend genug hervorgehoben werden können. Auch ist eine Aufsicht, welche von besoldeten, eigens zu diesem Zwecke angestellten Beamten geübt wird, höher anzuschlagen als eine solche von Privatleuten, die ihr Amt als Inspektoren nur aus lesebem mizwoh ausführen. Wir zweifeln nicht an dem redlichen Willen der Inspektoren, doch können wir uns nicht zu dem Glauben bekennen, daß vier Inspektoren 76 Lehrlinge genügend beaufsichtigen können. Wir würden es daher für richtig halten, wenn die Gesellschaft zur Verbreitung der Handwerke und des Ackerbaues unter den Juden im preußischen Staate, die über ein Kapital von über 90000 Mark verfügt, für die Förderung des Ackerbaues aber bis jetzt wenig gethan hat, sich mit den beiden oben erwähnten Vereinen verschmelzen würde, um gemeinsam mit ihnen thatkräftig und rationell für die Verbreitung der Handwerke und des Ackerbaues zu wirken. S£2 Berlin, 10. Mai. Der „Verein jüdischer Lehrer der Provinz Brandenburg" hält seine diesjährige Generalversammlung am Donnerstag den 19. Mai, Vormittags 111/2 Uhr, in Küstrin- Vorstadt, Hotel Muhme (Kurze Vorstadt) ab. Die Tagesordnung der Versammlung ist folgendermaßen festgesetzt: 1. Lehrprobe über die Uebersetzung des Psalms 34: Lehrer Kohn -Küstrin. 2. Besprechung der Lehrprobe. 3. Berichterstattung über das verflossene Vereinsjahr. 4. Rechnungslegung und Entlastung des Schatzmeisters nach Prüfung der Kasse durch zwei Mitglieder. 5. Wahl des Vorstandes für das Jahr 1898. 6. Vortrag des Kollegen Senff-Berlin: Biblische Urgeschichte und die Keilinschriften. 7. Mittheilungen des Vereinsvorstandes. 8. Besprechung über die Theilnahme des Provinzialvereins an dem Verbandstage des Verbandes jüdischer Lehrervereine am 27. Dezember. 9. Wahl von Delegirten zum Verbandstage. 10. Anträge von Mitgliedern. 11. Bestimmung über Zeit und Ort der nächsten Versammlung. An die Versammlung schließt sich ein gemüthliches Zusammensein und gemeinschaftliches Essen (Couvert 2 Mark); Anmeldungen sind bis spätestens den 15. Mai an Herrn Lehrer Cohn-Küstrin zu senden. Auch Nichtmitglieder des Vereins sind bei der Versammlung herzlichst willkommen.;!i!: ’tV i>!; S;: £ 'I