Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-05-06 · Heft 18 (6.5.1898) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 18 (6.5.1898)
Date
1898-05-06
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3228257-3228276--54577-3290720
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

- 3 Ps. 101, 6 ausgehend, entwarf der Rabbiner in schwungvoller Rede ein Bild von der Entwickelung des Gottesdienstes, insbesondere des Synagogengesanges in den verschiedenen Epochen der jüdischen Geschichte. Mit herzergreifenden Worten wandte sich dann der Redner an den Jubilar. Er habe durch persönliche Tüchtigkeit in seinem Berufe sowie durch das Beispiel eines wahrhaft gottesfürchtigen Lebenswandels die Herzen aller Mitglieder der Gemeinde gewonnen. Wie der Jubilar während eines Vierteljahrhunderts so inbrünstig für die Gemeinde zu Gott gebetet, so möge sich diese heute für ihn zlr innigem Gebete vereinigen. Am Nachmittag des darauf folgenden Sabbaths versammelten fich die Schüler und Schülerinnen zum Jugendgottesdienst in der Synagoge und bewiesen dem Jubilar ihre Dankbarkeit, indem ein Knabe und ein Mädchen im Namen derselben ihm unter Ausdrücken tiefer Verehrung die Dorö'sche Prachtbibel überreichten. In bewegten Worten dankte der Kantor für die ihm von der Jugend bereitete freudige Ueberraschung. Kurz nach Sabbathausgang versammelten fich die Mitglieder noch einmal zu einem von der Gemeinde veranstalteten Festbanket im „Hotel zum Preußischen Hof", das glänzend verlief. Die Reihe der Redner eröffnete Herr Rabbiner Dr. Salzberger mit einem begeistert aufgenommenen Kaisertoaste. Der nächste Redner, Herr Js. Lamm, widmete seinen Trinkspruch dem Jubilar. Mit herzlichen Worten dankte dieser für die zahlreichen, ihm zutheil gewordenen Ehrungen und schloß mit der Versicherung, er werde, so lange ihm Gott dazu die Kraft gebe, bestrebt sein, zum Wohle der Gemeinde zu wirken. X Hannover, 3. Mai. Wie schon mitgetheilt, verstarb plötzlich in der Nacht vom 21. zum 22. v. Mts. im 63. Lebensjahre der in der hiesigen Gemeinde allgemein geachtete und auch in weiteren Kreisen bekannte Inspektor der hiesigen Michael Davidffchen Stiftungsschule, Dr. S. Kayserling. Derselbe besaß bei großer Begabung ein umfangreiches, gründliches Wissen und hat infolge seiner Einsicht und seiner sicheren Menschenkenntniß so manchem Freunde gute Rathschläge ertheilen können und gern ertheilt. Seine große Beliebtheit zeigte sich in dem ungewöhnlich zahlreichen Gefolge bei dem Leichenbegängniß. Es folgten außer den vielen Freunden, Bekannten und früheren Schülern des Verstorbenen die jetzigen Schüler seiner Schule, außerdem die Schüler des hiesigen jüdischen Seminars, dessen Zögling der Verblichene gewesen und an dem er viele Jahre als Lehrer thätig gewesen war, und die Zöglinge der Erziehungsanstalt Ahlem, deren Kuratorium der Heimgegangene als Mitglied angehörte. Im Trauerhause und auch am Grabe schilderte Herr Landrabbiner Dr. Gronemann den Verstorbenen als ernsten Lehrer, der seinen Schülern ein Freund, Helfer und Beschützer war und ihnen später ein treuer Berather blieb. Nachdem die Seminaristen unter der bewährten Leitung des Herrn Chordirigenten Rose einen Psalm gesungen hatten, rief Herr Rechtsanwalt Dr. Heinemann im Namen der B'ne-B'ris-Loge dem nun für immer entrissenen, geachteten Logenbruder warme Abschiedsworte nach. Seine Schüler und Freunde werden dem Heimgegangenen ein dauerndes Andenken bewahren. — Seit einigen Wochen nahm ein junger Mann, Namens Blau, die Wohlthätigkeit hiesiger zahlreicher jüdischer Familien in zudringlicher Weise in Anspruch. Seine Angaben beruhen, wie es sich jetzt gezeigt hat, auf Erfindung. Er hat sich, um der hiesigen Sicherheitsbehörde zu entgehen, mit seiner kaum dem Kindesalter entwachsenen Braut nach Hamburg gewandt. Es wird daher vor ihm gewarnt. a. Dresden, 27. April. Die Reihe der Festtage unseres Landes, des 70. Geburtstages und des 25jährigen Regierungsjubiläums des Königs von Sachsen, sind vorüber, und gern komme ich der Pflicht nach. Ihnen über die Betheiligung unserer Glaubensgenossen an diesen Festen zu berichten. Am 19. d. M. wurde eine Beglückwünschungs- Deputation der israelitischen Gemeinden im Anschluß an die Deputationen der anderen Kirchengemeinschaften huldvollst empfangen. Die Deputation, welche eine Beglückwünschungs-Adresse überbrachte, bestand aus den Herren Rabbiner Dr. Winter und Vorsteher Salzburg-Dresden, Rabbiner Dr. Porges und Vorsteher Magnus-Leipzig, Rabbiner Dr. Mühlfelder und Vorsteher Bergmann-Chemnitz. Herr Rabbiner Dr. Winter richtete eine Ansprache an den König und den üblichen Segensspruch. Der König erwiederte, sehr erfreut zu sein, daß auch die israelitischen Kultusgemeinden sich an dem Jubelfeste betheiligen, dankte der Deputation für die Begrüßung, einen erneuten Beweis der Treue, den er seitens der Israeliten schon wiederholt auch bei anderen Gelegenheiten erfahren habe, und ersuchte, diesen Dank auch den Gemeinden zu überbringen. Sämmtliche Mitglieder der Deputation waren aus allerhöchsten Befehl auch zur königlichen Tafel und zur Galavorstellung im Hoftheater, Herr Bankier Salzburg auch zu dem Ball im königlichen Schlosse eingeladen. Nach der Tafel hielten die Majestäten Cercle, wobei die Königin Herrn Rabbiner Dr. Winter durch eine Ansprache auszeichnete und anerkennende Worte für das Wirken der Rabbiner in ihren Gemeinden zum Ausdruck brachte. Hier und in Leipzig haben zu den von den städtischen Behörden veranstalteten Festlichkeiten auch die Rabbiner Einladungen erhalten. Ebenso wurden in allen Synagogen des Landes Festgottesdienste abgehalten. Die Juden Sachsens haben auch bei dieser Gelegenheit bewiesen, daß sie trotz aller Zurücksetzungen und Anfeindungen gute Patrioten sind und bleiben werden. — Bor Kurzem ist der Jahresbericht der hiesigen jüdischen Gemeinde erschienen, der wieder manche interessante Mittheilungen bringt. Ich werde mir demnächst erlauben. Ihnen einen Auszug aus demselben zu senden. M. Hamburg, 1. Mai. Der israelitische Mietheverein von 1828 beging dieser Tage die Erinnerungsfeier seines siebzigjährigen Bestehens. Der Verein verfolgt den Zweck, seinen bedürftigen Mitgliedern die Miethezahlung zu erleichtern und hat im Laufe der Jahre ganz Ersprießliches geleistet. Es sind im Ganzen seit dem Bestehen des Vereins 272150 Mark an theils einmaligen ä 60 Mark, theils dreijährigen ä 120 Mark und theils lebenslänglichen Miethezuschüssen zur Verwendung gekommen. Der Verein hat kürzlich seine Statuten revidirt und seine Mitgliederzahl mit einigem Erfolg verstärkt und strebt nunmehr an, abgesehen von der Art seines bisherigen Wirkens, mit der Zeit ein eigenes Grundstück zu erwerben und Freiwohnungen herzustellen.— Die Kommission für den Handfertigkeitsunterricht für israelitische Knaben, unter Vorsitz des Präses der U. O. B. B. Henry Jones Loge, Herrn Gustav Tuch, hatte an die Freunde und Gönner der Sache sowie die Eltern der Zöglinge Einladungen nach der Aulader Töchterschule ergehen lassen, um der Schlußfeier des Semesters 1897/98 beizuwohnen. Herr Lehrer I. Feiner begrüßte die zahlreich Erschienenen und wies darauf hin, daß der Verein nun schon seit fünf Jahren derartige Kurse veranstalte. Das Komitee könne mit Befriedigung auf den nun verflossenen Termin zurückblicken, da die Arbeiten einen großen Fortschritt gegenüber den Vorjahren aufweisen. Es erfolgte alsdann durch die Lehrer die Prämiirung der vier besten Schüler. Die Anwesenden nahmen dann mit größtem Interesse die ausgestellten Arbeiten in Augenschein. Dem Bericht der Kommission entnehmen wir noch das Folgende: Es waren zwei Lehrkurse eingerichtet, und zwar der eine für Kerbholzschnitzerei, an welchem 16 Schüler theilnahmen, und der andere für Papparbeiten, an welchem 19 Schüler theilnahmen. Die Anmeldung von Schülern waren so zahlreich, daß viele zurückgewiesen werden mußten, weil die Räumlichkeiten durchaus nicht ausreichten. Der Verein hofft in diesem Sommer, wenn ihm die nöthigen Mittel zur Verfügung stehen, die Einrichtung von Jugendspielen nach bewährtem Muster zu treffen. Obermarsberg i. Wests., 29. April. Der hiesige altehrwürdige, jetzt geschlossene Friedhof, auf dem seit mehr als fünf Jahrhunderten die israelitischen Gemeinden von Niedermarsberg und Obermarsberg ihre Tobten bestatteten, ist inden letzten Jahrzehnten wiederholt demolirt worden. Trotz der Anzeigen bei den städtischen und kirchlichen Behörden gehen die Zerstörer immer wieder von Neuem an ihr trauriges Handwerk. In jüngster Zeit waren mehrere neuere Grabdenkmäler die Angriffsobjekte. Vermittelst schwerer Hämmer wurden, wie der Augenschein zeigt, die Sandsteinblöcke ihrer Verzierungen beraubt. Auch sind große Stücke aus der Mitte der Steine herausgehauen worden, so daß einige Monumente wohl bald Umstürzen werden. §1 Homburg v. H., 29. April. Der Israelitische H olz-Verein und Verein zur Ausstattung israelitischer Mädchen, bezw. Ausbildung für einen Lebensberuf, Begründung eines Geschäfts oder einer Häuslichkeit, sendet uns seinen Rechenschafts-Bericht für das Jahr 1897. Der Holzverein brachte im abgelaufenen Jahre 5496/i0 Centner melirte Kohlen und 43 Centner Nußkohlen an hiesige Arme, und zwar an 10 Familien und 2 alleinstehende Personen zur Bertheilung. Sodann sind 15 Centner Nußkohlen, 20 Raummeter Buchen- und 2 Centner Kiefernholz an die Armen auf dem Lande verabfolgt worden. Für an Letztere weiter noch vertheilte 72 Centner Nußkohlen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.