Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 18 (6.5.1898)
- Date
- 1898-05-06
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
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bleibt Einstellung in nächstjährige Rechnung Vorbehalten. — Der' Mädchen-Ausstattungsverein hat im verflossenen Jahr an zwei Mädchen! Beihilfe gewährt. Ebenso konnten einem jungen Mädchen 3000 Mark! zur Ausstattung gegeben werden. Die Einnahmen des Holzvereins trugen 1118,90 Mark, die des Ausstattungsvereins 2304,42 Mark, das' Vermögen des ersteren 9477,30, das des zweiten 1748,15 Mark. Beide Vereine wirken seit langer Zeit gedeihlich im Interesse der hiesigen Gemeinde. An der Spitze steht der wohlbekannte Herr Louis Lehmann. A. Karlsruhe, 28. April. Heute wurde die Ausgrabung der Gebeine auf dem alten israelitischen Fried Hofe und die Wiederbeisetzung' auf dem zweiten, auch bereits geschlossenen Gottesacker beendet. Die Arbeit wurde am 16. März durch eine von Herrn Rabbiner Dr. Appel vorgenommene religiöse Feier eingeleitet und heute durch eine ähnliche Feier abgeschlossen. Außer 31 Einzelsärgen, die auf den Friedhof der. israelitischen Gemeinde, und 22 Einzelfärgen, die auf den Friedhof der, israelitischen Religionsgesellschaft verbracht wurden, wurden 84 große Sammelsärge beigesetzt. sgg Mülhausen, 2. Mai. Die israelitische Gewerbeschule! des Ober-Elsaß hat ihren Jahresbericht für 1897 veröffentlicht. Diese Gewerbeschule ist eine Stiftung israelitischer Mitbürger und be< zweckt, jüdische Kinder zu Handwerkern auszubilden. Mehr als- 50 Jahre bereits arbeitet diese Gewerbeschule an dieser Aufgabe, und ihr Erfolg ist höchst anerkennenswerth. Beinahe 500 junge Leute haben' in diesem Zeitraum die Anstalt verlassen und sind nach Verlauf einiger Jahre tüchtige und zuverlässige Handwerker geworden. Manche haben sich im Handwerk und in der Industrie, ja selbst in der Kunst, geachtete Stellungen erworben. Im verflossenen Jahre betrug die Anzahl der Zöglinge 45. Davon werden ausgebildet: 8 als Schneider, 4 als Holzbildhauer, 4 als Schlosser, 3 als Buchbinder, 3 als Friseure, 3 als Kürschner, 3 als Lithographen, 3 als Schriftsetzer, 3 als Tapezierer, 2 als Blechschmiede, 2 als Sattler, 2 als Zeichner, 1 als Bürstenbinder, 1 als Goldschmied, 1 als Maler, 1 als Photograph, 1 als Schreiner. Als die „Industrielle Gesellschaft" zu Mülhausen i. E. eine Zeichenausstellung veranstaltete, haben Zöglinge dieser Schule eine Medaille aus Bronze sowie drei ehrenvolle Erwähnungen (Diplome) erhalten. Anläßlich der vom 25. bis 30. Juli v. I. zu Colmar stattgefundenen ersten Elsaß-Lothringischen Lehrlingsarbeiten-Ausstellung fielen 23 Preise auf diese Anstalt, davon 3 I. Preise ä 12 Mark nebst Diplom, 4 II. Preise ä 8 Mark nebst Diplom, 16 III. Preise (Diplome). Diese 23 Preise fielen auf 4 Schneider, 3 Buchbinder, je 2 Zeichner, Tapezierer, Bürstenbinder, Schlosser, Schriftsetzer, Kürschner, je 1 Blechschmied, Friseur, Lithograph, Holzbildhauer. Gesterreich-Ungar». LI Wien, 2. Mai. Das Präsidium der Wiener israelitischen Kultusgemeinde wurde am 25. v« M. von dem neuen Minister für Kultus und Unterricht, Grafen Bylandt-Rheidt, in einer Privat- Audienz empfangen, wobei der Prästdent, kaiserlicher Rath Klinger, der Hoffnung Ausdruck gab, daß die kulturellen und humanitären Be-! strebungen des Kultusvorstandes in diesem der Aufklärung gewidmeten Regierungs-Departemant wie zu allen Zeiten auch fernerhin wohlwollende Würdigung und Unterstützung finden werden. In einer naheHv halbstündigen Besprechung bildeten Schulangelegeuheiten den Gegenstarch; eingehender Auseinandersetzungen, und war dem anwesenden Gemeinde rath Dr. Stern und dem Landesschulrath Dr. Kohn Gelegenheit gegeben, dem Unterrichtsminister einzelne Beschwerden zur Kenntniß zu bringen. — Die Reihe der Vorträge, welche das Museum für jüdische Kunstdenkmäler in dieser Saison veranstaltete, fand am 3. d. M. mit einem höchst interessanten Abend ihren Abschluß. Der Schriftsteller Heinrich Glücksmann sprach über das Thema: „Die Lyrik eines modernen Hiob", und der Vizepräsident des Museums, Herr Adolf Ritter von Sonnenthal, hatte es übernommen, hervorragende Dichtungen des früh verstorbenen Poeten S. A. Weiß, den Herr Glücksmann charakterisier, zu reeitiren. Großbritannien. QD London, 28. April. Aus dem 39. Jahresbericht des „Jewish Board of Guardians“ (Jüdisches Armenpflegeamt) ergiebt sich, daß es im letzten Jahre 4286 nothleidende Glaubensgenossen unterstützt hat, gegen 4366 im Jahre 1896. In dieser Zahl ist jedoch die Wirksamkeit des Darlehen- und die des Arbeitsnachweisungsamts nicht inbegriffen. Sonst stellt sich die Zahl der Unterstützten auf 10 000. Bon den 4266 Hilfsbedürftigen waren nur 511 englische Juden. Das jüdische Armenpflegeamt hat im letzten Jahre für Auswanderung, Rücksendung in. die Heimath und Absendung in andere englische Städte 1900 Pfd. St. verausgabt. Tie Auswanderer selber haben 1445 Pfd. St. zu den Reisekosten beigetragen. Im Aufträge der „Jüdischen Kolonisations-Gesellschaft" wurden 19 Glaubensgenossen nach Australien, 9 nach Südafrika und 8 nach Neuseeland geschickt. Die jüdischen Armenpfleger haben im Jahre 1897 im Ganzen 26 961 Pfd. St. verausgabt. Davon find 10 000 Pfd. St. von den Empfängern znrückzubezahlen. 967 Familien erhalten dauernde Unterstützung 6788 Pfd St. sind zinsfrei zu Geschäftszwecken verliehen worden. 603 jüdische junge Leute läßt der Armenrath ein Geschäft erlernen. Das Kleiderdepartement hat im Jahre 1897 762 Bedürftige mit 8606 Kleidungsstücken versehen. Von Nah und Fern. ----- Der bisherige Hilfslehrer an der Friedrich Werder'schen Realschule Dr. S. Sänger ist zum Oberlehrer an derselben Anstalt ernannt worden. — Der Botaniker Dr. O. Marburg hat das Prädikat „Professor" erhalten. — Dem Justizrath Siegmund Loewy ist der Rothe Adlerorden IV. Klasse, dem Kommerzienrath Emil Jacob zu Berlin das Ritterkreuz des königlich griechischen Erlöser-Ordens, dem Kommerzienrath Hugo Landau das Kommandeurkreuz des königlich serbischen Takowo-Ordens verliehen worden. — Der frühere Handelsrichter Bankier Rosenberg in Dortmund hat den Rothen Adlerorden IV. Klaffe erhalten. — In Osnabrück ist der erste Lehrer an der israelitischen Elementar-und Religionsschule und Prediger Louis Frank enstein mit voller Pension in den wohlverdienten Ruhestand getreten. Derselbe hat fast 40 Jahre, davon 24 in Osnabrück, feines Amtes treu gewaltet und erfreute sich daselbst großer Achtung. — Wie Mainzer Blätter berichten, hat der Rabbiner Dr. Salfeld die amtliche Theilnahme an einer Beisetzung verweigert, weil der Verstorbene bei Lebzeiten die Verbrennung seiner Leiche angeordnet hatte. Auch die Chewra hat aus dem gleichen Grunde die üblichen Waschungen versagt. —Das öfter re ich ifch e Herrenhausmitglied Ludwig Freiherr v. Opp enheimer ist vom Kaiser Wilhelm durch Verleihung des Kronenordens II. Klasse mit dem Stern ausgezeichnet worden. — Ein aus hervorragenden Mitgliedern der Judenschaft in Bukarest bestehendes Komitee hat einen Aufruf zur Gründung einer jüdischen Gewerbeschule daselbst erlassen. Schenkungen werden an die Adressen der Herren Dr. Beck, Prediger der Tempelgemeinde, und Adolf Salomon erbeten. — Frau Baronin Hirsch hat der jüdischen Gemeinde von Salonichi 200 000 Francs zur Erbauung und 30000 Francs Jahresrente zum Unterhalt eines Krankenhauses gespendet. — In Nervi ist am 15. v. Mts. der Senator Cesare Parenzo im 60. Lebensjahre gestorben. Er war eines der angesehensten Mitglieder des italienischen Senats, in dem nun noch 5 Juden sitzen: Jsaae Artom, der frühere Gesandte in Kopenhagen, Professor G. Asc oli, der berühmte Philolog, Enrico Fano, Munizipalassessor von Mailand, G. Malvano, Direktor im Ministerium des Aeußern, und Tullo Massarani, der bekannte Maler und Schriftsteller. — Dr. Paul Kuff, ein Jude, Professor der Geschichte am Nationallyceum zu Algier, ist zum Beamten am Unterrichrsdepartement ernannt worden, eine Beförderung, welche die Antisemiten als eine Provokation auffassen! — Dem Daily Chroniele wird aus New-A ork telegraphirt, daß der erste Freiwillige, der sich für den Kriegsdienst angeboten und auch angenommen wurde, ein russischer Jude gewesen sei. Andere Zeitungen melden die ziemlich unwahrscheinliche Nachricht, daß die Juden von Baltimore eine eigene jüdische Legion formiren. Auch von den jüdischen Ackerbaukolonien haben sich eine Anzahl von Freiwilligen gemeldet. — Der Vertrag zwischen der Universität von Cincinnati und dem Hebrew Union College ist nun endlich ratifizirt worden, demzufolge wird die semitische Abtheilnng des College nach der Universität verlegt und die orientalische Abtheilung der Universität ausschließlich vom Lehrkörper des College besetzt. Der Präsident Dr. Jsaae M. Wise wird zugleich Mitglied des Universitätsdirektoriums. Es ist das für ein Rabbinerseminar gewiß ein großer Erfolg. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: M ax Bauch Witz in Berlin.