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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-05-06 · Heft 18 (6.5.1898) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 18 (6.5.1898)
Date
1898-05-06
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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- 2 -- gewählte Kommisston nach reiflicher Erwägung nicht in der Lage, einer der eingelaufenen Arbeiten den Preis zuzuerkennen. Die Manuskripte der eingesandten Arbeiten stehen nunmehr den betreffenden Herren Autoren auf Wunsch zu Verfügung, entweder gegen Einsendung des Mottos, wo dann die Rücksendung postlagernd erfolgt, oder gegen Mittheilung der Adresse an den Vorsitzenden des Vereins, Herrn Dr. G. Karpeles, W. Kurfürstenstraße 21. S£g Berlin, 2. Mai. Dem Zusammenwirken des Vorstandes des Krankenhauses und der Armenkommisston der jüdischen Gemeinde, denen eine Reihe von Wohlthätern helfend an die Seite getreten ist, dankt ein vortreffliches Werk sein Entstehen, das einem thatsächlichen, ernsten Bedürfnisse abhilft und reichen Segen zu stiften verheißt. In Briese bei Birkenwerder, in nächster Nähe Berlins, ist ein „Jüdisches Genesungsheim" errichtet worden, welches, inmitten herrlicher Buchenwälder belegen, Rekonvaleseenten und sonstigen der Heilung und Kräftigung Bedürftigen Aufnahme in gesunder, kräftiger Luft, rationelle körperliche Pflege unter ärztlicher Aufsicht gewährt. Das zunächst miethweise erworbene und seiner Bestimmung entsprechend eingerichtete Gebäude bietet in seinen weiten, allen hygienischen Anforderungen genügenden Zimmern Raum für zwanzig Insassinnen, welche je vier Wochen in der Anstalt verweilen, so daß in den fünf Monaten des Sommers hundert Pfleglingen die Wohlthaten derselben zutheil werden können. In Würdigung des Bedürfnisses werden zunächst nur Frauen und junge Mädchen Aufnahme finden. Die wirthschaftliche Leitung des Hauses ruht in den bewährten Händen der Frau Rosa Meyer, welche in edler Selbstlofigkeit ihre Erfahrung und ihren Hilfseifer auch für dieses Werk der Wohlthätigkeit zur Verfügung gestellt hat. Die Verwaltung führt ein Komitee von Ehrendamen, Frau Dr. Feilchenfeld, Frau Sanitätsrath Mühsam, Frau Erna Packscher, Frau Hermine Rathenau, Frau Rosa Sachs, Frau Stadtrath Weigert, Frau Dr. Otto Wiesenthal, und ein Vorstand, den die Herren Martin Simon (Vorsitzender), Sanitätsrath Maretzki und Louis Sachs (stellvertretende Vorsitzende), Dr. A. Feilchenfeld, Emil Pincus, Oscar Rathenau, Hugo Heilmann, Jul. Grünwald, N. Alexander, M. Metzenberg und Siegfr. Brünn bilden. Nachdem am vorigen Donnerstag die ersten Pfleglinge ihren Einzug gehalten, fand gestern im Beisein des Verwaltungs-Komitees und der Ehrendamen eine schlichte, aber darum nicht minder eindrucksvolle Eröffnungsfeier statt. Herr Martin Simon gab der Freude über das Zustandekommen des edlen Werkes Ausdruck, dankte allen Denen, welche zu der Verwirklichung des lange gehegten Planes mitgeholfen, und schloß mit dem Wunsche, daß dieses Provisorium sich zu einem Definitivum ausgestalten, die in bescheidenem Umfang geschaffene Anstalt dem tiefen Bedürfniß entsprechend sich entwickeln möge. Dieser Wunsch wird sicherlich in weiten Kreisen ein Echo finden und zu thätiger Mitwirkung anspornen. L2 Berlin, 3. Mai. In New-Aork fand neulich eine Gerichtsverhandlung statt, die für uns hier in Berlin von ganz besonderem Interesse ist. Es handelte sich dabei um die Rechtsgiltigkeit einer Be* stimmung im Testament eines dort verstorbenen Dr. Gutmann. Dr. Gutmann besuchte in seiner Jugend das Friedrich Werder'sche Gymnasium in Berlin und bildete sich dann zum Arzt aus, wozu ihriU dem Sohn armer Leute, Stipendien verhalfen. Er kam nach New-AorL-i wurde erfolgreicher Arzt und starb reich an Gütern und Nachkommem.- Voller Dankbarkeit gedachte er des Gymnasiums, das ihm die Lebensbahn eröffnete; in seinem Testament vermachte er der genannten Schule 30 000 Mark mit der Bestimmung, daß daraus Stipendien für arme Schüler geschaffen werden sollten. Da er erfuhr, daß nach hiesigen Gesetzen ein derartiges Legat, welches Generationen überdauern soll, anfechtbar sei, fügte er hinzu, daß im Streitfälle seine Wittwe das Geld erben und in diesem Falle als Nachlaßverwalterin das Geld der Berliner Anstalt zuweisen solle. Doch starb die Gattin vor ihm, und Gutmann machte keine neuen testamentarischen Verfügungen. Nun soll entschieden werden, ob das Legat rechtsgiltig ist; als Parteien sind dabei betheiligt der Oberbürgermeister von Berlin, die Nachlaßverwalter und die Erben. Der Ausgang des Prozesses, der nach dem ersten Termin vertagt werden mußte, ist noch nicht bekannt. -E Wittenberge, 1. Mai. Zum 75. Geburtstag unseres Ehrenbürgers, des Geheimen Kommerzienraths Wilhelm Herz zu Berlin, am gestrigen Tage ließen die städtischen Behörden durch eine Abordnung ihre Glückwünsche darbringen. Herr Herz hat sich im Laufe langer Jahre nicht nur hohe allgemeine Verdienste um die Entwickelung unserer Stadt, sondern sich auch durch menschenfreundliche Bestrebungen die Dankbarkeit aller Kreise der Bürgerschaft erworben. Für das hier zu errichtende Waisenhaus hat er jetzt wieder zu dem von der Familie Herz gespendeten Grundstock von 20 000 M. noch 10 000 gestiftet, daß jetzt 30 000 M. für diesen Zweck verfügbar sind. Die bisherige Müllerstraße soll auf Beschluß der städtischen Körperschaften den Namen Herzstraße führen. Geh. Rath Herz hat auch aus Anlaß seines 75. Geburtstages der Victoria-Stiftung der Korporation der Berliner Kaufmannschaft eine Summe von 10 000 M. zum Geschenk gemacht. EZ. Posen, 27. April. Hier starb am Dienstag voriger Woche der durch seine Wohlthätigkeit bekannte Rentier Adolf Moral im Alter von 60 Jahren. — Aus Anlaß seines 70. Geburtstages hat der Rentier Nathan Bernstein, Berlin, seine Vaterstadt Posen mit recht bedeutenden Spenden bedacht. 15 000 Mark schenkte er der Stadt Posen. Die Zinsen dieses Kapitals sollen alljährlich an städtische Arme ohne Unterschied der Konfession und Nationalität verurtheilt werden. Ferner spendete er dem Verein junger Kaufleute zum Bau eines Vereinshauses 10 000 Mark. Kp. Aus der Provinz Posen, im Mai. Kantor Glückstein in Samotschin ist zum 1. Mai in gleicher Eigenschaft nach Mohrungen berufen worden. — Während des Gottesdienstes am 16. v. Mts. in der Synagoge zu Neuenburg wurde die Wittwe Davidsohn plötzlich vom Herzschlage getroffen, ohne daß ihre Umgebung etwas davon merkte. Die Besucher des Gottesdienstes entfernten sich, und die Synagoge wurde geschloffen. Als Frau Davidsohn nicht zu ihren Angehörigen zurückkehrte, begab man sich auf die Suche und gelangte endlich in die Synagoge, wo man die Frau entseelt vorfand. — Mitte April starb in Wreschen im Alter von 61 Jahren der Kaufmann S. Radziejewski. Er verwaltete mehrere Ehrenämter und war auch bis vor Kurzem Stadtverordneter. Vor dem Tode verfügte er in feinem Testament, daß von seinem Vermögen eine bedeutende Summe wohlthätigen Zwecken zugeführt werde. — Die Synagogengemeinde in Ostrowo hat eine eingehende Renovirung der dortigen Synagoge beschlossen. Die Kosten hierfür beziffern sich auf ca. 12000 Mark. — Die Synagogengemeinde in Tarnowitz hat beschlossen, daselbst ein den rituellen Ansprüchen entsprechendes Badehaus zu errichten. — Bei der kürzlich in Pinne erfolgten Wahl von Repräsentanten der israelitischen Gemeinde daselbst sind sämmtliche bisherigen Vertreter wiedergewählt worden. — Die Stadtverordneten in Jnowrazl aw haben die Anstellung eines jüdischen Mittelschullehrers daselbst beschlossen. — Die jüdische Gemeinde in Gleiwitz hat von der Stadt 10 Morgen Acker zur Anlegung eines neuen Friedhofes erhalten. — Am 26. April feierte der Rentier C. Auerbach in Jnowrazlaw seinen 80. Geburtstag. Herr Auerbach verwaltet das Amt eines Revisors des Vorschußvereins daselbst schon über 30 Jahre. Auch ist er ebenso lange Vorsteher und Kaffenrendant des dortigen Beth - Hamidraschvereins. Zahlreiche Ehrungen wurden ihm am Geburtstage zutheil. L. T. Erfurt, 23. April. Am 1. d. M. beging unser Lehrer und Kantor, Herr J. Rothschild, sein 25jähriges Amtsjubiläum, welches in der würdigsten Weise gefeiert wurde. Morgens 10 Uhr brachte der Synagogenchor — eine Schöpfung des Jubilars — seinem Leiter ein Ständchen und ernannte ihn unter Überreichung eines prachtvollen Diploms zum Ehrenmitglied. Um 11 Uhr erschien der Vorstand der Gemeinde mit einer Abordnung des Repräsentanten-Kollegiums und überreichte dem Jubilar eine kunstvoll ausgeführte Adresse nebst einem ansehnlichen Geschenk, wobei der 1. Vorsteher, Herr Jsaac Lamm, die Verdienste des Jubilars um die Gemeinde rühmend hervorhob. Es folgten noch Ansprachen des Rabbiners, Herrn Dr. Salzberger, und des Vorstandes der „Chewra", welch letztere den Kantor mit einem schönen Geschenk, bestehend in einem silbernen Tafelaufsatz, erfreute. Tief gerührt von den vielen ehrenden Kundgebungen, erwiederte der Jubilar, daß er solche Anerkennungen nur einer nachsichtigen Beurtheilung seiner Leistungen zu verdanken habe. — Unter den zahlreichen Gratulanten erschien auch Herr Lehrer Röthler aus Gotha und überbrachte die Glückwünsche des Vereins israelitischer Lehrer Mitteldeutschlands. Der Abendgottesdienst zum Eingang des Sabbaths gestaltete sich zu einer recht erhebenden Feier. Rabbiner und Gemeindevertretung begrüßten den Jubilar in der Vorhalle der Synagoge und geleiteten ihn zy seinem Ehrensitz. Bon

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