Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 18 (6.5.1898)
- Date
- 1898-05-06
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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62. Jahrgang. Nr. 18. ^p£J* CÜ>£ttt£tttfr iöerlin, 6. Mar 1898. Weirags zur „Altgemeinen Zeitung öes ZuöonIHums". Korrespondeiyen und Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 1. Mai. Der heutigen Sitzung der Repräfentanten- Versammlung lag eine recht lange Tagesordnung zur Berathung vor, doch bot nur eine Vorlage ein größeres Interesse. Im geschäftlichen Theil brachte der ^Vorsitzende, Herr Justizrath Tiktin, eine Petition des Centralvereins zur Verlesung, in welcher der Wunsch ausgesprochen wird, daß ebenso wie der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" auch den übrigen jüdischen Zeitungen die regelmäßigen Inserate der Gemeindebehörden zugewendetwerdensollerl. Der Vorsitzende hält die Repräsentantenversammlung gar nicht für kompetent, in dieser Sache Bestimmungen zu treffen,da man dem Vorstand nicht vorschreiben könne, durch welche Blätter er seine Bekanntmachungen erlassen soll. Der Centralverein hätte sich direkt an den Vorstand wenden sollen. Der Antrag soll dem Vorstand zur Prüfung unterbreitet werden. In der sich daran anschließenden Besprechung wünscht Herr Bod.enstein die Berathung hierüber in geheimer Sitzung, da die Sache von prinzipieller Bedeutung sei. Herrn Geheimrath Blumenthal genügt der Vorschlag des Vorsitzenden. Vom Vorstandslisch vertheidigt Herr Jacoby diese Maßnahme. Vor Jahren konnten die Annoncen nur der „A. Z. d. I." übergeben werden, da sie die einzige damals hier erscheinende Zeitung war. Den anderen Zeitungen würden jetzt außer den Anzeigen der Gottesdienste sämmtliche übrigen Anzeigen übergeben. Stadtrath Weigert hält die Angelegenheit für sehr interessant, weil es sich um die Stellung handele, welche die Gemeindebehörden zur Presse einnähmen. Er würde empfehlen, dem Vorstand zu rathen, mit den Repräsentanten in gemischter Kommission über diese Angelegenheit zu diskutiren. Die Anzeigen des Vorstandes in den politischen Zeitungen würden nicht in würdiger Weise publizirt, sie ständen vor oder hinter den Inseraten der Theater. Die Anzeigen müßten ebenso wie von der christlichen Gemeinde in einem besonderen Kirchenzettel erfolgen. Die Diskussion wird hier vom Vorsitzenden abgebrochen, das Schreiben wird auf die Tagesordnung der nächsten öffentlichen Sitzung zur weiteren Berathung gesetzt werden. — Professor Baginsky erhält dann das Wort zur Abgabe einer Erklärung, in der er einen gegen ihn gerichteten Passus aus der letzten Broschüre des Herrn Gustav Levinstein zurückweist. Mit Bezugnahme auf einen Brief, der ihm zur Zeit zugegangen sei, konnte er mit gutem Recht behaupten, daß der Grandrabbin de France sich gegen die Einführung des Sonntagsgottesdienstes ausgesprochen hätte. — Herr Leonhard Sachs giebt alsdann den Bericht über die Vermiethung der Plätze in den vier Synagogen im Jahre 1897. In der Alten Synagoge seien verkauft worden für 11855,50 Mark Plätze (für 1911 Mark Freiplätze), in der Neuen Synagoge für 27133 Mark (1077 Mark Freiplätze), in der Kaiserstraße für 16 761 Mark (445 Mark Freiplätze, 3 Männerplätze unvermiethet), in der Lindenstraße für 38 798 Mark (350 Mark Freiplätze, 15 Männerplätze unvermiethet). Das günstige Resultat aus der Lindenstraße komme daher, weil der dortige Kultus dem Publikum behage!! Es sei deswegen der Wunsch ausgesprochen worden, einen Theil der Freiplätze hier wegfallen zu lassen und in die Lützowstraße zu verlegen. Das Mißverhältniß zwischen Alter, Neuer Synagoge und Lindenstraße rühre daher, daß in den beiden ersten eine große Anzahl Eigenthumsplätze, in der letzten nur Miethsplätze vorhanden seien. — An letztwilligen Zuwendungen sind bei der Gemeinde eingegangen vom Geheimen Kommerzienrath Hahn „für Hilfsbedürftige" 5000 Mark, von Frau Kommerzienrath Louis Pollack 15 000 Mark zum Besten der Altersversorgungsanstalt. Bezüglich des ersten Legates hat der Ausschuß beschlossen, den Vorstand zu ersuchen, über die Art der Verwendung Bericht zu erstatten. Beide Zuwendungen werden debattelos angenommen. In die gemischte Deputation zur Berathung über die kulturellen Einrichtungen der Synagoge Lützowstraße sowie über die Wahl eines Vorbeters, eines Kastellans re. werden die Herren Geheimrath Blumenthal, Mareuse, Senator und Rechtsanwalt Dr. Apolant gewählt. — Als Beitrag zu den Kosten ritueller Beköstigung von Gefangenen in Brandenburg a. H. werden gemäß dem Referate des Herrn Maurermeister Fr änk el 20 Mark nachbewilligt. — Eine längere Debatte veranlaßte die Vorlage, betreffend die Bewilligung eines Beitrages zu den Kosten der General-Versammlung des Rabbiner-Verbandes in Deutschland. Der Ausschuß hat zu diesem Zweck 3000 Mark bewilligt. Herr Professor Lew in war natürlich dagegen, und zwar aus dem sehr seltsamen Grunde, daß in gleicher Weise eine Reihe jüdischer Veranstaltungen, die in Berlin ihren Centralpunkt hätten, mit einem solchen Ersuchen an den Vorstand herantreten könnten. Seiner Ueberzeugung nach seien die Gegenstände, über die der Rabbinerverband verhandele, nicht so wichtig, und hätten die Resultate einer solchen Berathung keinen Einfluß auf das jüdische Gemeindeleben Berlins, um einen so exorbitanten. Beitrag zu gewähren. (3ic!) Er beantrage, für diejenigen Herren, welche Vorträge hielten und somit zum Zustandekommen des Rabbinertages erforderlich seien, 1000 Mark auszusetzen. Auch Herr Stadtrath Weigert hält die Summe für zu hoch und spricht sich ebenfalls nur für 1000 Mark aus. Vom Vorstandstisch vertheidigt Herr Jacoby den vom Ausschuß bewilligten Beitrag. Es handelt sich um eine Zusammenkunft von Rabbinern aller Richtungen zur Berathung aller derjenigen Fragen, welche von irgend einer Gemeinde zur Diskussion gestellt seien. Das sei schon bedeutungsvoll genug. Die Berliner Gemeinde habe allerdings die Ausgabe, solche Vereinigung mit Mitteln zur Bestreitung der Reisekosten und des Unterhalts auszustatten. Es wäre doch recht zweckmäßig, wenn sich z. B. der Rabbinerverband über den Freitag Abend-Gottesdienst ebenso wie über den Sonntags- Gottesdienst schlüssig machte. „Wir in dieser Versammlung sind hierin nicht kompetent genug." Professor Bag insky hält die Unterstützung der Rabbiner, welche die Kosten zur Reise nicht aufwenden könnten, für nothwendig, wünscht aber im Interesse der Steuerzahler eine genaue nachträgliche Rechnungslegung über die Art der Verwendung der Summe. Nachdem noch die Herren Leonhard Sachs und Geheimrath Blumenthal die dringende Verpflichtung der Gemeinde, den Rabbiner-Verband zu unterstützen, anerkannt haben und für die volle Bewilligung der geforderten Summe eingetreten sind, versucht es Professor Lew in noch einmal, gegen die Vorlage anzukämpfen. Inzwischen ist ein Antrag auf Schluß der Diskussion eingegangen, welcher angenommen wird; in der Abstimmung wird die Ausschußforderung in Höhe von 3000 Mark mit 10 gegen 5 Stimmen bewilligt. Punkt 7— Satzungen der Armenkommission — wird wegen der Abwesenheit des zuständigen Kommissars, Herrn Martin Simon, und des Herrn Louis Sachs, der in Angelegenheiten des neu zu gründenden Genesungsheims verreist ist, yertagt. Voraussichtlich kann, wie Herr Rechtsanwalt Apolant berichtet, eine en dloo-Annahme erfolgen, es sei nur noch ein einziger Punkt bezüglich des Fonds für verschämte Arme noch unentschieden. — Den Antrag eines Mitgliedes der Versammlung, betreffend die zweite Lesung des Etats, erklärt der Vorsitzende materiell für bereits erledigt, da die Gehälter schon ausgezahlt seien. Er würde vorschlagen, eine diesbezügliche Bestimmung für die noch im Stadium der Berathung befindliche neue Geschäftsordnung der Repräsentantenversammlung zu beantragen. Der Antragsteller, Herr Geheimrath Blumenthal, erklärt sich, mit der Bitte um Aufnahme dieser Erklärung in das Sitzungsprotokoll, hiermit einverstanden. Zum Schluß der Sitzung kommt noch eine dringliche Angelegenheit zur Erledigung. Zur Errichtung einer Mauer für die Synagoge in der Lützowstraße werden nach kurzer Debatte 8000 Mark bewilligt. §2 Berlin, 2. Mai. Der Verein für jüdische Geschichte und Litteratur hat bekanntlich sein Preisausschreiben für eine Jugendschrift, die die Zeit Hillels behandelt, da die erste Konkurrenz resultatlos blieb, vor längerer Zeit noch einmal wiederholt. Infolgedessen sind sieben Arbeiten eingelaufen. Leider war jedoch auch diesmal die ad hoc