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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-05-06 · Heft 18 (6.5.1898) · p. Seite 216

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 18 (6.5.1898)
Date
1898-05-06
Page
Seite 216 (sequence 12)
Language
German
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216 wegung, kein Laut, der von ihren Lippen kommt, entgeht ihm. Er sieht allein das heftige Athmen, das die schmale Brust ungestüm' hebt und senkt, er vernimmt nur allein den unterdrückten leisen Husten. Er sieht, wie sie sich den Schweiß von der Stirn trocknep und begegnet ihrem matten, glanzlosen, hilfesuchenden Blick, den sie' in Momenten der Schwäche emporsendet, hoffend auf die Hilfe des Allmächtigen, von dem allein sie Erlösung erwartet. Dann kam es wohl, daß Nathan plötzlich aus dem Schatten trat und auf sie zuging. Seine Lippen bewegten sich, als ob er etwas sagen wollte. Aber stumm blieb er vor ihr stehen, so daß sie verwundert zu ihm aufschaute und nach seinem Begehren fragte. „Ich möchte nichts, Lea," antwortete er und strich sacht, fast zärtlich über ihre Hand. Dann lachte sie. „Geh, Du Narr, Du hast seltsame Grillen. Höre hier zu, da kannst du lernen. Starre nicht müßig ins Licht. In Deinem Kopf laß es hell werden!" ä Dann blieb er eine Weile neben ihr, bis Gitel kam und ihm heimlich ein grobes Wort sagte. Sie konnte ihn nun einmal nicht leiden, noch ihn mit Lea zusammen sehen. Dann ging er hinaus. Draußen pfiff und lachte er mit dem sausenden Nordwind um die Wette, oder er rannte ziel- und planlos die Gaffe herunter und verschwand im Dunkeln. Die letzten Monate seit Leas Krankheit war's nicht mehr so traulich und hell im Hause des Rabbi. Man hatte stets, wenn man zusammenkani, bott der Grausamkeit und Härte des Grafen zu berichten, und schwere Lasten mußte die arme Gemeinde tragen, um sich vor vollständigem Untergang zu schützen. Dennoch drangen allwöchentlich die Sabbathlichter mit ihrem Hellen Schein in die Herzen der Bekümmerten, und für Momente tauchte die frohe Feststimmung auf. So flog die Zeit dahin in Sorge, Angst und Roth, wenig Sonnenblicke waren den Armen gegönnt. Immer noch hielt die kleine Gemeinde zusammen, verzweifelt für ihr karges, elendes Heim kämpfend. (Forts, folgt.) Kprechscral. Sehr geehrter Herr Redakteur! ie allgemeine deutsche Lehrer-Versammlung, welche an den Tagen vom 30. Mai bis 2. Juni d. I. in Breslau tagt, dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit eine größere Anzahl jüdischer Lehrer aus allen Theilen Deutschlands dahin führen. In deren und gleichzeitig im astgemeinen Standesinteresse dürfte es angezeigt erscheinen, wenn stch dieselben auch diesmal — wie bei gleicher Gelegenheit im Jahre 1674 —- zu einer Sektionsfltzung vereinigten, um zu manchen akuten Fragen des Vereinslebens und des jüdischen Religionsunterrichts Stellung zu nehmen. Wer nimmt die Angelegenheit in die Hand? Dem Vorstand des deutschisraelitischen Lehrer-Verbandes möge die Initiative überlassen bleiben. Hochachtungsvoll Beuthen O.-S., 2. Mai 1898. A. Brann, Lehrer. * Geehrter Herr Redakteur! u Dr. Kayserlings und Ihren Mittheilungen über Rahel de Castro wäre wohl noch hinzuzufügen, was Varnhagen von Ense selbst in seinen Tagebüchern, Bd. I S. 124, über diese sagt: Er nennt sie „ein wackeres Mädchen von ernster, fester Bildung, alles Gute der hamburgischen Verhältnisse in stch tragend, ohne diese besonders zu lieben oder hervorzustellen". Hochachtungsvoll S. Schwarz. 4r» Sehr geehrter Herr Doktor! M uf dem Umschläge der Nummer 14 heißt es mit Bezug auf W jüdische Scharfrichter, Byzanz 1070: „Aber das Citat beweist doch, daß u. s. w. keinen Anstoß genommen hat". Ganz im Gegentheilr Nichts war so verachtet wie das Amt des Scharfrichters während des ganzen Mittelalters in Deutschland und anderswo. Aber auch schon im klasflschen Alterthum! Nach Diodor XIV, 107 erhielt der Tyrann Dionystus von Syrakus auf ein Heirathsgesuch von der Stadt Rhegium die Antwort, man würde ihm nur des Scharfrichters Tochter zur Ehe geben. Dies nimmt er als schwerste Beschimpfung auf. Ich weiß nicht, welche Stelle Prof. Badt meint. Aber zunächst möchte ich doch glauben, daß Jemand zum Hohne einen Juden zum Scharfrichter machte, der dann natürlich aficcö^g tu roiavra war. Mit hochachtungsvollstem Gruß Mülhausen i. E., 9. April. Dr. H. Lewy. * Sehr geehrter Herr Redakteur! (Ejuf die Zuschrift des Herrn Kantors M. Davidsohn in Nr. 6 &3 Ihres geschätzten Blattes theile ich mit, daß thatsächlich schon ein liturgisches Schulgesangbuch existirt, das dem vorhandenen Bedürfniß vollständig entsprechen dürste. Dieses Buch ist von L. Liebling und B. Jacobsohn, Kantoren in Leipzig, heransgegeben und betitelt stch: „Schire beth Jaaeob, Israelitisches Schul- und Gemeindegesangbuch zum Gebrauche beim Unterricht in der Liturgie" (bei Hermann Uflacker, Altona. — 2,40 M.). Das Büchlein enthält ein- und zweistimmige Gesänge in einfacher, dem kindlichen Fassungsvermögen entsprechender Form und berücksichtigt ganz besonders die traditionellen Melodien. Schötmar-Salzuflen (Lippe), 25. März. I. Joseph, Lehrer und Kantor. * Geehrte Redaktion! nter Bezugnahme auf die in Nr. 6 dieses Blattes von Herrn S. Goldschmidt erfolgte Anfrage möchte ich darauf aufmerksam machen, daß in der mir vorliegenden Ausgabe des Nachlath schib'a (Lemberg 1874) die vom Autor selbst, Samuel aus Meseritz, metrisch verfaßte Vorrede mit dem Prat schließt: p rTltflS u. s. w. Das schließt jeden Zweifel aus, und die Anfrage ist damit erledigt. Bergl. noch Ir ha-zedek von I. M. Zunz II, S. 60 und Nachlath schib'a GA. Nr. 76 und 61. Das schließt jedoch nicht aus, was stch für jene Zeit von selbst versteht, daß auch der erste Verleger des Nachlath schib'a in Amsterdam ein Anhänger deS Sab. Zewi gewesen. Bamberg, 23. April. Dr. A. Eckstein. ezugnehmend auf die Anfrage des Herrn S. Goldschmidt-Hamburg in Nr. 6 Ihres werthen Blattes, erlaube ich mir Folgendes zu bemerken. Rabbi Samuel, Sohn des R. David Heilwann hat in seiner ersten (Einleitung) zu niQttf nbfii den k2"1S (Jahreszahl) Auch in dem von ihm verfaßten Gedichte ist daselbst der Ens „-in n rraa*- Das Werk ist einige Jahre nach Abfassung der Einleitung gedruckt worden. Demnach hat auch der Verfasser „stch den Hinweis auf die messianische Sendung Sabbatai Zebis geleistet". Und in der That bemerkt David Cassel in seinem^Lehrbuch der jüdischen Geschichte und Litteratur S. 455: „Auch er (Rabbi Samuel) ist von dem Glauben an die Mesfianität des Sabbatai Zebi nicht ganz freigeblieben, wenn er stch auch später mit der allgemeinen Strömung, welche die Ankunft des Messtas 1666 erwartete, zu rechtfertigen suchte." Bergl. Ir. hazedek II, 60. Hochachtungsvoll Dresden, 13. April. M. Auerbach. * Sehr geehrter Herr Redakteur! ^m Leitsatz 11 steht ein sehr störender Druckfehler: statt Klasse TV und V muß es heißen VI und V. Ergebenst Wolfenbüttel, 29. April 1898. Tachau. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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