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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-04-19 · Heft 17 (19.4.1898) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 17 (19.4.1898)
Date
1898-04-19
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 Heimgegangenen hat sich auch noch in seinem letzten Willen glänzend bewährt. Rittergutsbesitzer Zander hat den zehnten Theil seines sehr bedeutenden Vermögens für Wohlthätigkeitszw ecke zu Gunsten aller Bekenntnisse testamentarisch bestimmt. Meilvitz, 22. April. Die hiesige königliche Staatsanwaltschaft erhielt am 7. d. eine mit N. N. Unterzeichnete anonyme Denunziation, in welcher Kantor und Schächter Translateur aus Langendorf O.-S. in verblümter Weise mit dem Ammenmärchen des Ritualmordes in Verbindung gebracht wurde. Es seien, so heißt es in der Denunziation, von einigen Arbeitern bei der Renovirung des Wohnhauses des Genannten beim Ausschachten von Erde menschliche Knochen aufgefunden worden, man nehme einen Mord und Vergrabung des Leichnams an Ort und Stelle an, und der Jude habe sofort nach Kenntnißnahme eine weitere Ausschachtung untersagt. Auf Grund dieser Anzeige fand.seitens des Amtsgerichtes Tost am 13. d. M. in Langendorf ein Lokaltermin statt, zu welchem die bei dem Bau beschäftigten Arbeiter geladen waren, und der zu folgenden Resultaten führte: Die von den Arbeitern aufgefundenen kleinen Knochenstücke werden nach dem ärztlichen Gutachten als nicht von einem Menschen herrührend bezeichnet, anders geartete Knochenstücke wie die vorgelegten sind nach Aussage der Arbeiter überhaupt nicht vorgefunden worden. Herr Translateur hat von der Auffindung der Knochen überhaupt keine Kenntniß gehabt, mithin habe er auch ein Verbot der weiteren Ausschachtung nicht erlassen. Thatsächlich sind auch die Arbeiten nicht unterbrochen, sondern fortgesetzt worden. Seitens der königlichen Staatsanwaltschaft wird jetzt nach dem feigen anonymen Denunzianten eifrig gefahndet. Neubrandenburg, 20. April. In hiesiger Stadt feierte am 17. d. M. der sehr verdienstvolle Vorsteher der jüdischen Gemeinde, Herr Sylvester Loewenhaupt, das Jubiläum feiner 25jährigen segensreichen Thätigkeit. Es war ein Jubelfest im wahren Sinne dieses Ausdruckes, eine Feier in großartigem Stile, unter Betheiligung fast aller Mitglieder der Gemeinde. Haben sie doch der regsamen, umsichtsvollen Thätigkeit desselben ihr schönes, würdevolles Gotteshaus mit einem geregelten Gottesdienst in ihm zu verdanken. Eine Deputation der Gemeinde, mit dem Vorsteher Herrn Müllerheim an der Spitze, überraschte den Jubilar mit der Ueberreichung eines werthvollen Ehrengeschenkes, eines Gemäldes, darstellend den Durchzug der Israeliten durch das Meer. Herr Müllerheim hielt die Anrede an den Jubilar, worin er die selbstlose, energische Thätigkeit desselben von 1873 bis 1897 hervorhob. „Während dieser ganzen Zeit habe er stets danach gestrebt, das Ansehen der Gemeinde zu heben und zu fördern, mit hingebendem Eifer habe er sich für die Wohlfahrt der Gemeinde interessirt." Hierauf gratulirte das Magistratsmitglied Hofrath Brückner. Der Syndikus der jüdischen Gemeinde hob unter anderem besonders hervor, daß das gute Einvernehmen zwischen der jüdischen Gemeinde und dem Magistrat sowie mit der ganzen Bürgerschaft der Stadt die Frucht der selbstlosen vollen Hingebung des Jubilars gewesen. Er sei deshalb beauftragt, im Namen des Magistrats seine Gratulation auszusprechen. Nachmittags vereinigten sich sämmtliche Festgäste zu einem Diner, wo der Jubilar wiederholt in Toasten und Reden gefeiert wurde. Der Ober- und Landesrabbiner Herr Dr. I. Hamburger schloß seine Ansprache mit einem Hoch auf unseren Landesfürsten, den Großherzog, und auf den deutschen Kaiser. O Seesen, 19. April. Zum heutigen Tage, als dem Tage seiner silbernen Hochzeit, hat der Regent des Herzogthums Braunschweig, Prinz Albrecht von Preußen, dem Direktor der Jacobsonschule, Dr. E. Philippson, und dem Direktor der Samsonschule in Wolfenbüttel, Dr. Tach au, den Titel Professor, dem ordentlichen Lehrer an der Jacobsonschule Dr. Münzer und dem ordentlichen Lehrer an der Samsonschule in Wolfenbüttel Blume den Titel Oberlehrer verliehen. Hannover, 27. April. In aller Eile theile ich Ihnen mit, daß der wohlbekannte Inspektor der Michael David'schen Stiftungsschule, Herr Dr. S. Kayserling, ein Bruder des Budapester Rabbiners, in der Nacht vom 21. zum 22. nach langem Leiden gestorben ist. Ich behalte mir vor. Ihnen über das Leben und Schaffen des Verblichenen, der einer der besten und angesehensten Männer in unserer Gemeinde war, ausführlicher zu schreiben. (Die „A. Z. d. I." verliert in Herrn Dr. Kayserling einen ihrer treuesten Mitarbeiter, dessen Arbeiten Zeugniß von seiner Begabung, seinem großen Wissen und seiner innigen Liebe zum Judenthum ablegten. Alle, die den trefflichen Mann kannten, achteten und verehrten ihn. Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten! Die Red.) M. Hamburg, 24. April. Generaloberst Graf Waldersee hat bei seinem Scheiden von Altona auch dem Prediger des hiesigen israelitischen Tempels, Herrn Dr. D. Leimdörfer, ein huldvolles Schreiben gesandt, worin er sich in herzlichen Worten von diesem verabschiedet. Herr Dr. Leimdörfer hat bekanntlich im vorigen Jahre seine anläßlich der Centenarfeier gehaltene Predigt dem Grafen Waldersee gewidmet, welcher dieselbe huldvoll entgegengenommen hat. Während seiner hiesigen Wirksamkeit hat Graf Waldersee zu verschiedenen Malen sowohl die hiesige Gemeindesynagoge als auch den israelitischen Tempel während des Gottesdienstes besucht. In weiteren Kreisen unserer Gemeinde wird dem Grafen und seiner erlauchten Gemahlin ein ehrenvolles Andenken bewahrt. SS Chemnitz, 22. April. Der Verw altungs -Bericht des Vorstandes der israelitischen Gemeinde für das Jahr 1897 theilt mit, daß die Gemeinde, welche nunmehr auf ein 22 jähriges Bestehen zurückblickt, ca. 1000 Seelen zählt. Die Anzahl der Familien betrug 225. — Auf Anregung der Gemeinde Dresden fand am 20. November daselbst eine gemeinschaftliche Besprechung der Vorstände der Gemeinden Dresden, Leipzig und Chemnitz statt. Hauptgegenstand der Berathung bildete eine eventuell zu veranstaltende gemeinsame Jubelfeier anläßlich des 25 jährigen Regierungsjubiläums des Königs Albert. Ferner wurde unter Anderem vereinbart, derartige Besprechungen der drei sächsischen Gemeinden öfters zu veranstalten. Infolge von Unzuträglichkeiten, welche sich im Lauf der Jahre in dem Verhältniß der in der Umgebung von Chemnitz wohnhaften Glaubensgenossen zu unserer Gemeinde herausgestellt haben, ist die Frage einer anderweitigen Abgrenzung des Steuerbezirkes unserer Gemeinde erwogen worden. Der Vorstand hat sich demzufolge im Einverständniß mit unserer. Schwestergemeinde Leipzig — deren Rechte theilweise hierbei in Frage kommen — an das königliche Ministerium gewendet, ist aber noch nicht in der Lage, Weiteres zu berichten, da diese Angelegenheit noch nicht geregelt ist. Ebenso sind in Gemeinschaft mit den beiden anderen Großgemeinden Sachsens in der Angelegenheit des Schächtverbotes erneute Schritte bei der königlichen Regierung zur Herbeiführung der Aufhebung dieser in unser religiöses Leben tief einschneidenden Maßregel unternommen worden. — Der Synagogen-Neubau und die Vorarbeiten für denselben sind trotz mancher Hemmnisse derart gefördert, daß wir die Hoffnung hegen, die neue Synagoge zu den hohen Feiertagen ihrer Bestimmung zu übergeben. Infolge des Preisausschreibens zur Einreichung von Entwürfen zum Synagogenbau waren 70 meist künstlerische Arbeiten eingegangen. Am 5. und 6. März tagte das Preisrichterkollegium. Der erste Preis im Betrage von 2000 Mark wurde dem Entwurf des Herrn Architekten W. Bürger, hier, einstimmig zuerkannt. Den zweiten Preis in Höhe von 1000 Mark erhielt das Projekt der Architekten Höniger & Sedelmeyer in Berlin, während der Entwurf des Architekten O. Rehnig in Charlottenburg zum Ankauf empfohlen und von der Gemeinde für 500 Mark erworben wurde. Die Synagogenbaukommission beschloß, in Uebereinstimmung mit den Gemeindekollegien, den Entwurf des Architekten Bürger zur Ausführung zu bringen. Herr Architekt W. Bürger ist zugleich auch von der Gemeinde als Bauleiter gewählt worden. — An der Religionsschule unserer Gemeinde, welche 7 Klassen umfaßt, unterrichteten außer dem Schulleiter, Herrn Rabbiner Dr. Mühlfelder, die Lehrer Herren L. Cohn und S. Sommerfeld. Die Schülerzahl betrug 155 (79 Knaben und 76 Mädchen), einschließlich 2 auswärtiger Kinder, für welche Schulgeld entrichtet worden ist. — Dem Synagogenbaufonds, der bis zum 1. Januar 1897 eine Höhe von 29 300 Mark erreicht hatte, sind im Laufe des Jahres 1897 weitere Spenden im Betrage von zusammen 1243 Mark zugeführt worden. Der Vorstand besteht aus den Herren: Max Bergmann, Theod. Wangenheim, Willy Lippmann, Bernh. Kupferberg, Markus Bernstein, L. I. Joachimsthal. Die Einnahmen der Gemeinde betrugen 25 896,14 Mark, die Ausgaben 16 091,75 Mark. Oesterreich - Ungarn. □ Wien, 25. April. Diese Woche besuchte der Kaiser die Ausstellung im Künstlerhause. Großes Interesse legte der Monarch für die Bilder von Horowitz und die Studien Isidor Kaufmanns aus dem

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