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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-04-19 · Heft 17 (19.4.1898) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 17 (19.4.1898)
Date
1898-04-19
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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62. Jahrgang. Nr. 17. Serlm. 29. April 1898. Weikage zur „Allgemeinen Zeitung öes IuöenLHurns". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. *** Berlin, 25. April. Gestern fand unter zahlreicher Betheiligung seitens der Mitglieder im Sitzungssaals der Ressource von 1794 die ordentliche Generalversammlung des Vereins Lehrlingsheim Pankow statt. Herr Kommerzienrath Isidor Loewe eröffnete die Sitzung und erstattete Bericht über die Thätigkeit des Vereins im abgelaufenen Geschäftsjahr. Die Mitgliederzahl sei in steter Zunahme begriffen. Die Zahl der Zöglinge betrug am 3t. März d. I. 23 gegen 16 am 31. März 1897. Die Zöglinge gehören den verschiedensten Berufszweigen an. Eine große Anzahl von Aufnahmegesuchen mußte, weil die dem Verein zur Verfügung stehenden Mittel nicht ausreichend seien, abgelehnt werden. Da aber das Lehrlingsheim Raum für 60 Lehrlinge bietet, so ergehe an alle Freunde und Gönner die dringende Bitte, die Bestrebungen des Vereins nach Kräften zu fördern. Das in Pankow, Mühlenstraße 20, belegene Vereinsgrundstück sei nunmehr von Hypotheken und Grundschulden frei und nach der Verleihung der Korporationsrechte, die am 10. November 1897 erfolgte, auf den Namen des - Vereins im Grundbuche eingeschrieben. Herr Julius Cohn erstattete hierauf den Kassenbericht Und beantragte die Dechargeertheilung, die einstimmig erfolgte. Einstimmig wurde auch der Voranschlag des Etats pro 1898/99 bei einem Bestände von 30 bis 33 Zöglingen in Höhe von 20 000 Mark genehmigt. Es folgte alsdann die Wahl des Kuratoriums und der Revisoren. Das Ergebniß war die Wiederwahl des bisherigen Kuratoriums sowie der Revisoren. Erwähnt sei noch die von Herrn D. Feilchenfeld gegebene und zur Ausführung gelangte Anregung, für die Lehrlinge Sparkassenbücher anzulegen. Der Verein verdient die wärmste Förderung. (ya Berlin, 25. April. Der Vorschuß-Verein für hilfsbedürftige Mitglieder der jüdischen Gemeinde zu Berlin versendet seinen Jahresbericht anläßlich der am 26. März im Lokale des Brüder-Vereins stattgefundenen ordentlichen Generalversammlung. Der Verkehr beim Borschuß-Verein war auch diesmal ein sehr reger. Eine Statistik der Jahre 1893—97 ist sehr interessant. Im Jahre 1897 gingen ein an Geschenken immerwährender, lebenslänglicher Mitglieder und der Aachen-Münchener Feuer-Berficherungs-Gefellschaft 1094 M., an jährlichen Beiträgen 2852 M. Der Verein hatte dagegen 2096 Mark Unkosten. Die Wirksamkeit des Vereins ergiebt sich aus folgenden Zahlen: Es sind 609 Gesuche an ihn gestellt worden. Davon wurden abgelehnt: der Petenten wegen 74, der Bürgen wegen 51, von Bürgen nachträglich 29, so daß bewilligt sind 655 in Gesammthöhe von 152 620 Mark, im Durchschnitt 233 Mark. Im Einzelnen: 25 Gesuche ä 75 M., 85 Gesuche ä 100 M., 11 Gesuche ä 120 M., 90 Gesuche ä 150 M., 127 Gesuche ä 200 M., 28 Gesuche ä 250 M., 224IGesuche ä 300 M., 47 Gesuche ä 400 M., 18 Gesuche ä 500 M. Die Zahl der Mitglieder ist heute 759, und zwar der lebenden immerwährenden 73, der verstorbenen immerwährenden Ehrenmitglieder l, der verstorbenen immerwährenden Mitglieder 133, der lebenslänglichen 208, der jährlich zahlenden 344. Der Verein verdient die wärmste Unterstützung aller Mitglieder der jüdischen Gemeinde. Er ist eine der wichtigsten und segensreichsten Institutionen, die wir hier besitzen. *** Berlitt, 26. April. Am 24. d. M. fand im Saale des Brüdervereins die diesjährige ordentliche Generalversammlung des Vereins Freunde der Taubstummen (Jedide Jlmim) statt. Der Borfitzende, Geheimrath Dr. Mareuse, eröffnete mit herzlichen Begrüßungsworten an die zahlreich erschienenen Mitglieder die Sitzung und widmete einen warmen Nachruf dem kürzlich verstorbenen Vorstandsmitglied Herrn E. Schwarzschild in Frankfurt a. M. Hierauf erstattete Direktor Reich den Bericht über das Berwaltungsjahr 1897. Der Verein zählt gegenwärtig außer 105 immerwährmden 766 Berliner und 1441 auswärtige Mitglieder, von welchen im Ganzen 12 383,60 Mark an Jahresbeiträgen eingingen; die einmaligen Beiträge wiesen im verflossenen Jahr die Summe von 3621,40 Mark auf. Der Verein hat die israelitische Taubstummen-Anstalt in Weißensee erbaut, die in jeder Weise als Beispiel humaner Bestrebungen der deutschen Juden bezeichnet zu werden verdient. Die Unterrichtsgegenstände sind, mit Ausnahme des Gesanges, dieselben wie die in der Volksschule. Außerdem erhalten die Kinder Religions- und hebräischen Unterricht. Im abgelaufenen Jahr betrug die Zahl der Zöglinge 34 (20 Knaben und 14 Mädchen), wovon für 3 die volle, für 5 zwei Drittel, für 6 die halbe Pension, für 5 ein geringer Verpflegungszuschuß gezahlt wurde, während 15 im Genuß von Freistellen waren. Mit innigem Dank an alle Freunde und Gönner der Anstalt und der Bitte um fernere Theilnahme schloß der Referent seinen Bericht. Herr Heinrich Fränkel verlas hierauf den Kassenbericht und beantragte die Dechargeertheilung, die auch einstimmig erfolgte. Ebenso einstimmig wird der Voranschlag des Etats für 1898 in der Höhe von 27 050 Mark genehmigt. Bei dieser Gelegenheit theilte der Vorfitzende mit, daß Herr Zamory dem Verein für eine Abraham und Flora Zamory Stiftung die Summe von 1000 Mark überwiesen, und daß Herr. Oskar Rathenau soeben für eine zu errichtende Turnanstalt 100 Mark gezeichnet habe. In der hierauf folgenden Ergänzungswahl des Vorstandes wurden die in diesem Jahr ausscheidenden Herren Geheimrath Dr. Marcuse, M. Apelt-Halle, Maurermeister Fränkel, Alphons Jacobson-Leipzig, Rabbiner Dr. Maybaum wieder und an Stelle des verstorbenen Herrn Schwarzschild Herr I. M. Metzger- Frankfurt a. M. neu gewählt. Ebenso wiedergewählt wurden die Revisoren Oscar Berlin, Heinrich Fränkel und Oscar Rathenau. Wir wünschen dem Verein auch ferner das beste Gedeihen. —N. Berlin, 25. April. Eine erhebende Feier beging am 20. d. Mts. die Mädchenschule der jüdischen Gemeinde. Der Religionslehrer der Anstalt, Herr Dr. S. Apolant, schied nach vierzigjährigem Wirken aus dem Kreise der Schule und nahm den Dank der Staats¬ und Gemeindebehörden, der Kollegen und Schülerinnen für die Fülle des Segens, der von ihm ausgegangen war, entgegen. In einem mit Blattpflanzen reich geschmückten Klaffenraum hob sich von der Wand das lebensgroße Bild des Gefeierten ab, das seine Mitarbeiter zu Ehren des scheidenden Kollegen der Anstalt gewidmet hatten. Die Feier selbst, der die Familie und Freunde des Jubilars, Vertreter der Staats- und Gemeindebehörden beiwohnten, wurde mit dem Gesang des Psalms 127 eröffnet, den der Jubilar bei Gelegenheit des 25jährigen Bestehens der Schule in formvollendeter Weise umgedichtet und der damalige Gesanglehrer, Professor Lewandowsky, in Musik gesetzt hatte. Als erster Redner feierte alsdann der staatliche Kommissar, Herr Stadtschulinspektor Dr. Lorenz, den Jubilar; er hob die unvergänglichen Verdienste des scheidenden Lehrers um die religiöse Heranbildung der Jugend hervor, in Wort und Schrift habe er mit unvergleichlichem Geschick Großes auf dem Gebiete, das ihm eigen war, geleistet, und wie er durch seine Lehre auf die ihm anvertrauten Schülerinnen gewirkt habe, so werde sein treffliches Lehrbuch der Religionslehre noch lange Zeit die Grundlage für eine gedeihliche Entwickelung des Religionsunterrichts bleiben. Herr Dr. Lorenz erinnerte den Jubilar an die große Zeit, innerhalb der es ihm vergönnt war, thätig zu sein; als treuer Sohn des Vaterlandes habe er mit warmem Gefühl und herzlicher Theilnahme diese Zeit mit empfunden. Se. Majestät der König habe dem verdienstvollen, treuen Beamten durch Allerhöchste Kabinetsordre vom 23. März den Kronenorden als Anerkennung verliehen, und er freue sich, im Aufträge der Behörde mit dieser Dekoration noch den herzlichsten Dank und die besten Wünsche für einen gesegneten Lebensabend zu überbringen. Herr Justizrath Meyer, der Vorfitzende der jüdischen Gemeinde und des Schulvorstandes, pries sodann in längerer Rede die Verdienste des Jubilars. Anknüpfend an das Motto des Berliner Schulmannes Wetzel: „somper idem“, zeigte er an dem Lebensgang des Jubilars, wie

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