Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 16 (22.4.1898)
- Date
- 1898-04-22
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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3 meinde sagen, die durch ihre Handlungsweise anläßlich des Fortzuges ihres Kantors und Lehrers Horwitz nach Kassel bekundete, wie sehr sie treue Berufsarbeit zu schätzen weiß. Am letzten Sonnabend wurde dem Scheidenden von den Vorstehern Kommerzienräthen Sonnenthal und Tuchmann ein äußerst werthvoller Pokal, ein Meisterwerk deutschen Kunstgewerbes, überreicht. Herr Sonnenthal dankte bei dieser Gelegenheit Herrn Horwitz für seine treue Arbeit in der Schule und im Gotteshause, betonte dabei das stete beste Einvernehmen mit der Gemeinde und der Bürgerschaft Dessaus und wünschte, es möge ihm im neuen Wirkungskreise ebenso gelingen, die Zufriedenheit und Hochachtung aller Kreise zu erwerben. Die Gemeinde werde ihm stets ein freundliches Andenken bewahren. Der „Synagogen - Chor - Verein" widmete seinem thätigen Mitglieds eine Adresse, in der seine Verdienste um den Verein gerühmt wurden. So allseitig geehrt, begleitet von den besten und herzlichsten Wünschen, verließ Herr Horwitz seinen hiesigen Wirkungskreis und dürfte im neuen gleichfalls nur Freunde finden. m. Hamburg, im April. Der Bau einer neuen Gemeindesynagoge vor dem Dammthor ist jetzt vom Vorstand und Delegirtenkollegium auf speziellen Wunsch unseres verehrten Oberrabbiners beschlossen worden. Die Nothwendigkeit eines großen Gotteshauses vor dem Dammthor hat sich immer mehr als eine Nothwendigkeit herausgestellt, da viele Israeliten von der inneren Stadt nach dortiger Gegend verzogen sind. Der Vorstand hat die Absicht, eine Synagoge in großartigem Maßstab zu erbauen, und zwar sollen die großen Gotteshäuser in Berlin und Wien als Muster dienen. Die älteste Synagoge Hamburgs, in der Elbstraße belegen, soll dann vollständig eingehen, der geräumige Platz mit danebenliegenden Gebäuden repräsentirt einen Werth von 200 000 Mark, welche Summe die Gemeinde zum Bau beisteuern wird, für den Rest der Bausumme, die auf 500 000 Mark angenommen ist, hat der Synagogenverband Sorge zu tragen. In maßgebenden Kreisen rechnet man bestimmt darauf, daß der Staat eventuell einen Bauplatz gegen eine billige Grundmiethe der Gemeinde zur Verfügung stellt. Hoffentlich werden die nothwendigen Vorarbeiten schnell gefördert, damit mit der Errichtung dieses Gotteshauses in nächster Zeit begonnen wird. — Der schon lange gehegte Wunsch, ein eigenes Siechenhaus in unserer Gemeinde zu besitzen, geht seiner Verwirklichung entgegen. Das betreffende Komitee hat ein geräumiges Grundstück in der Schäferkampsallee käuflich erworben. In der letzten stattgefundenen Sitzung hat der ärztliche Beirath, Herr Oberarzt Dr. Korach, bei der Einrichtung dieser Anstalt das sogenannte Korridorsystem empfohlen, der Vorschlag wurde angenommen, als Muster soll die Einrichtung des hiesigen Freimaurer- Krankenhauses dienen. Es wurde ferner beschlossen, daß diese ebenso notwendige wie wohlthätige Institution den Namen Pflegestätte der Deutsch-Israelitischen Gemeinde führen soll. — Das für die Errichtung einer Haushaltungsschule vom Vorstand des Humanitären Frauen- Vereins veranstaltete Konzert hat einen großartigen Verlauf genommen, der jetzt bekannt gegebene Ueberschuß beläuft sich auf mehrere Tausend Mark, besonderer Dank gebührt den ersten Gesangskräften unseres Stadt- Theaters, welche in uneigennützigster Weise ihre Kunst in den Dienst der Wohlthätigkeit stellten. wig. Kitzingen, 13. April. Einen guten Säemann können wir Herrn Dr. Finkel aus Breslau vergleichend nennen. Seine Aussaat scheint sich ebenso gedeihlich zu entwickeln wie jene, die eine wackere Jünglingsschaar, auf die Art des Bodens Rücksicht nehmend, in die ertragsfähigen Gebiete Ahlem'schen Landes eingestreut. Hat Herr Dr. Finkel mit der Wahl des Bodens, auf dem er arbeitet, einen glücklichen Griff gethan, oder sind seine großen Erfolge jüngsten Datums das Produkt seiner Energie und Liebe zu der bedeutsamen Idee, der er Eingang zu verschaffen sich bestrebt? Lassen wir die Sache selbst sprechen. „Das Judenthum und die Bodenkultur, eine Zeitfrage" lautete das von Herrn Dr. Finkel in Kitzingen behandelte Thema. Der Vortrag wurde mit großem Beifall ausgenommen, und in der Debatte, die sehr lebhaft verlief, mußte Redner wiederholt das Wort ergreifen, um noch jetzt die gegen die neuen Bestrebungen bestehenden Vorurtheile zu zerstreuen. Die Wärme der Empfindung bei den Erwiederungen des Redners hat ihren Erfolg nicht verfehlt. Es bildete sich bald ein Lokalkomitee mit Kooptationsrecht, welches versprach, nach Kräften für Ahlem zu wirken, nicht nur im Orte selbst, sondern auch in der Umgegend, wie in Marktbreit und anderen Städten. Das Lokalkomitee setzt sich aus den Herren Lehrer Feinberg, Adolf Stiebel und Isidor Ullmann zusammen. Nicht weniger als sechs Städte sind es, in denen Herr Dr. Finkel im Laufe einer Woche Centralen für Ahlem zu schaffen vermocht: Aschaffenburg, Darmstadt, Friedberg, Gießen, Hanau und Kitzingen. a. Metz, 11. April. Der Wohl thätigkeits-Verein der israelitischen Jugend zu Metz (8o6iete de Bienfaisance de Ja Jeunesse israelite de Metz) veröffentlicht seinen Jahresbericht. Ehren- Borsitzende find die Herren: Weil, Ober-Rabbiner, Straßburg; Ury, Ober-Rabbiner, Metz; Levy Salvador, Rentner, Brüssel. I. Vorsitzender: S. Levy, Apotheker, Mitglied des Israelitischen Konsistoriums von Lothringen. II. Ehren - Vorsitzender: I. Lambert, Rentner, Versailles. II. Vorsitzender: M. Hannaux, Bankdirektor, Metz. Schriftführer: Gustav Bilinski, Kaufmann, Metz. Schatzmeister: Justin Hayem, Buchhalter, Metz. Revisoren: Salomon Benoit, Metz; M. Halphen, Metz. Die Einnahmen betrugen 1401,46 M., die Ausgaben 1408,74 M., der Kassenbestand 776,45 M. Der Verein besitzt außerdem 7658 M. Wenn die außerordentlichen Unterstützungen die Summe von 701,22 M. erreicht haben, so geschah es, um'dem einen der Grundsätze des Vereins treu zu bleiben, welcher in den Grenzen seiner bescheidenen Mittel Diejenigen, die von Schicksalsschlägen betroffen sind, nicht nur unterstützen, sondern völlig wiederherstellen will. Dank der Beihilfe der Stadt Metz, der Zuwendung des Komitees für den zum Besten der Armen im Stadthause veranstalteten Ball, Dank auch der Freigebigkeit der Lothringer Brauerei Devant-les-Ponts und des Metzer Veloklubs, hat der Verein sein Budget ins Gleichgewicht bringen können. Zugleich gelangt auch der Bericht über die V. Generalversammlung der Genossenschaft zur Fürsorge für die aus den Elementarschulen in Metz entlassenen Zöglinge zur Ausgabe. Im Laufe des Jahres 1896/97 zählte die Genossenschaft 102 Schützlinge. 14 von ihnen haben ihre Lehrzeit beendet; sie sind fast alle bei ihren bisherigen Lehrherren geblieben. Die über die Schützlinge eingezogenen Erkundigungen lauten im Allgemeinen recht befriedigend. Auf Anregung des Vorsitzenden haben sechs derselben die Lehrlings-Ausstellung beschickt, welche letzten Sommer in Colmar veranstaltet worden war'; Alle erhielten eine Auszeichnung. Die Genossenschaft zählt zur Zeit 126 zahlende Mitglieder. Der Kassenbericht ergiebt für das verflossene Vereinsjahr eine Einnahme von 804,48 Mk. und eine Ausgabe (Kleidungsstücke, Handwerksgeräthe, Schulgeld und Lehrmittel für die Abendkurse) von 480,98 Mk. Der Kafsenbestand beträgt 1307,08 Mk. Oesterreich - Ungarn. □ Wien, 18. April. In einer der letzten Sitzungen des Abgeordnetenhauses überreichte der Abgeordnete Hofrath Kareis eine Petition der Oesterreichisch-israelitischen Union, in welcher unter Hinweis auf die Exzesse in Wieliczka und in Prag die Bitte gestellt wird, das Abgeordnetenhaus wolle aus eigener Initiative ein Gesetz über die Haftpflicht des Staates, beziehungsweise der Gemeinden, für die infolge öffentlicher Ruhestörungen entstandenen Verletzungen und Schäden beschließen. — Anläßlich eines speziellen Falles, in welchem einer Schülerin israelitischer Konfession auf Ansuchen der Eltern von der Leitung der betreffenden Schule im Einvernehmen mit dem Religionslehrer (!) die — wenn auch nur passive — Theilnahme an dem katholischen Religionsunterricht gestattet wurde, hat sich der Bezirksschulrath bestimmt gefunden, anzuordnen, daß dem Religionsunterricht einer bestimmten Konfession Angehörige anderer Konfessionen nicht beiwohnen dürfen. Die Schulleitungen wurden angewiesen, darüber zu wachen, daß die Theilnahme, sei es auch in vollkommen passiver Weise, an dem Religionsunterricht einer bestimmten Konfession auf die dieser Konfession ungehörigen Schulkinder beschränkt werde. Einverstanden! — Wegen verschiedener gegen sie gerichteter Beschimpfungen in dem antisemitischen Hetzblatts zu Saaz hatten der Realitäten-Besitzer Leopold Gellert, der Hopfenhändler Holy und der Schneidermeister Duschek Ehrenbeleidigungs-Klagen gegen den Redakteur Edmund Pummer und den Druckereibefltzer Fritz Kränzle als Drucker eingebracht, worüber heute vor dem Einzelrichter des Bezirksgerichtes Brüx die früher schon einmal annullirte Hauptverhandlung stattfand. Pummer wurde wegen Ehrenbeleidigung nach 8 496 schuldig erkannt und zu zehn Tagen Arrests, verschärft durch Fasten, und vierzig Gulden Kostenersatz verurtheilt. — Der Eisenbahnminister'hat die Oberingenieure