Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 16 (22.4.1898)
- Date
- 1898-04-22
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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2 6 bis 39 Mark wurden bedacht 1245 Bittsteller mit 195 092 Mark. Demnach sind in den letzten vier Berwaltungsjahren bewilligt: a) 'an 12 281 Bittsteller einmalige Unterstützungen 198 224 Mark, d) an 1245 Bittsteller monatliche Unterstützungen 195 092 Mark, mithin an 13 526 Bittsteller die Summe von 393 316 Mark. Abgewiesen mußten werden von 20 794 Parteien 7268. Bei dem Fonds für verschämte Arme gingen in den vier Berichtsjahren 1893/94—1896/97 2017 Unterstützungsanträge ein. Von diesen wurden berücksichtigt 956 mit 114 542 Mark. Für Badereisen und Landaufenthalte wurden unterstützt 26 319 Bittsteller. Unterstützungen an hilfsbedürftige durchreisende Glaubensgenossen in Form von Reise-, Zehr- und Logirgeld wurden durch den auf Grund des Beschlusses der Gemeindebehörden aus der Mitte der Armenkommisston gebildeten Ausschuß von 12 Mitgliedern in 6736 Fällen bewilligt, 2795 Petenten wurden abgewiesen. Außer den vorstehend angeführten Geldunterstützungen gewährte die Armenkommisston Unterstützungen in Naturalien, und zwar: a) Mazzoth an 6502 bedürftige Familien zum Pessachfest für 27 636 M.; b) Beköstigung an die in den hiesigen Gefängnissen befindlichen 507 Glaubensgenossen, mit Genehmigung der betreffenden Behörden, im Betrage von 5122 Mark. Nicht weniger interessant ist der Bericht über Zuwendungen in den vier Jahren. An Geschenken, Legaten rc. zur Anlage für den eisernen Fonds gingen 179 190 Mark ein. Das Gesammtkapital des eisernen Fonds beträgt jetzt 258 302 Mark. Freiwillige jährliche Beiträge gingen 58 772 Mark ein. Außerdem wurden von hiestgen Gemeindemitgliedern Jahresbeiträge in Höhe von 7500 Mark zugewendet. Es folgt noch ein Verzeichniß von 62 Spezialsliftungen; außerdem werden von der Armenkommisfion zur Verrichtung von Gebeten an Sterbetagen 56 Jahrzeitstiftungen verwaltet. Obwohl die Verwaltung der jüdischen Gemeinde bereitwilligst die Mittel zur Verfügung stellt, welche zur Linderung der dringenden Noth der armen Glaubensgenossen erforderlich stnd, kann die Armenkommission gleichwohl ihrer Aufgabe, die noch nicht gänzlich dem Elend Verfallenen wieder aufzurichten und erwerbsfähig zu machen, nur dann genügen, wenn die Mitglieder unserer Gemeinde auch fernerhin durch gütige Spenden ihre Bestrebungen fördern. R. Berlin, 19.April. Die Generalversammlung der Hilfskasse für israelitische Kultusbeamte und deren Wittwen und Waisen findet Dienstag den 26. April, 12 Uhr Mittags, im Büreau-Gebäude der jüdischen Gemeinde, Berlin, Oranienburgerstr. 29 (nicht 19) statt. Da es sich diesmal hauptsächlich um Aenderung resp. Verbesserung des Statuts handelt, von der allein die fernere Existenz unseres Vereins abhängt, so läge es im Interesse eines jeden Mitgliedes, an dieser Generalversammlung Theil zu nehmen. Die Vorversammlung, die den Kardinalpunkt der Hauptversammlung bilden wird, findet am Montag den 25. April, 4 Uhr Nachmittags, im Hotel Münchener Hof, Spandauerstr. 11—13, statt. r. Berlin, 19. April. Der Verein für Arbeitsnachweis, begründet von den Berliner Bnai-Briß-Logen, Klosterstraße 44, ist im ersten Quartal d. I. in seiner Entwickelung ein gutes Stück vorwärts geschritten. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde, welcher in seinen Etat eine jährliche Subvention von vorläufig 2000 Mark einsetzte, was die Repräsentanten genehmigten, delegirte in den Vorstand des Arbeitsnachweises die Herren Julius Cohn und Siegfried Loewenwald, welche in der letzten Vorstandssitzung eingesührt wurden und nun fich an den Arbeiten dauernd betheiligen werden. Der Vorsitzende, Herr Eugen Rosenstiel, gab in seiner Begrüßungsrede der Freude Ausdruck, daß der Vorstand der jüdischen Gemeinde die Ueberzeugung gewonnen von dem segensreichen Wirken des Arbeitsnachweises und der prophylaktischen Wirkung desselben, und daß er zu werkthätiger Unterstützung zwei Deputirte in dessen Vorstand entsandt habe. Der von dem zweiten Vorsitzenden, Herrn Oberamtmann Cohn, erstattete Bericht der Thätigkeit des Vereins über das erste Quartal 1898 ergab die Unterbringung von 441 Personen in dauernde Stellen, und zwar im Januar 140» Februar 149, März 152 Personen, die sich auf folgende Fächer vertheilen : Geschäftsführer 1, Repräsentanten 1, Buchhalter 13, Komtoristen 9, Reisende 28, Korrespondenten 3, Kommis 64, Schreiber 26, Kasstrer 1, Sammler 26, Handwerksgesellen 16- Volontäre 3, Lehrlinge 7, Arbeiter 35, Hausdiener 25, Laufburschen 58, Arbeitsburschen 11, Zuschneider 1, Dekorateure 5, Stenographinnen und Maschinenschreiberinnen 2, Buchhalterinnen 12, Komtoristinnen 15- Kasstrerinnen 3, Lageristinnen 9, Verkäuferinnen 23, Gesellschafterinnen 3, Stützen 1, Wirthfchafterinnen 10, Lehrfräuleins 13, Arbeiterinnen 10, Direktricen 2, Malerin 1, Zuschneiderinnen 2, Filialistin 1, Putzmacherin 1, zusammen 441. Auch über die Thätigkeit des seit Anfang Januar d. I. funktionirenden Damenkomitees konnte Herr Oberamtmann Cohn erfreuliche Mittheilungen machen. Da die Mitglieder dieses Komitees zugleich Vorstands-Damen der verschiedensten jüdischen Frauenvereine sind, so konnte bereits eine wohlthätig wirkende Wechselbeziehung in diversen Fällen erzielt werden, und wird diese vorzüglich funktionirende Institution, wenn sie sich erst weiter entwickelt hat, eine kräftige Förderin werden. Der Arbeitsnachweis, welcher ein Humanitätsverein im strengsten Sinne ist und bekanntlich weder von Arbeitgebern noch Arbeitnehmern für Besetzung der Stellen irgend welche Entschädigung annimmt, bestreitet seine Unkosten lediglich aus Mitgliederbeiträgen und Subventionen der jüdischen Gemeinde und der drei Berliner Logen. Doch stnd die Einnahmen immer noch nicht genügend, um damit auszukommen, und die Weiterentwickelung desselben erheischt, daß sich die edelsinnigen Glaubensgenossen bei diesem so praktischen Werke der Wohlthätigkeit, „Arbeit zu geben, nicht Almosen", betheiligen. Wir hoffen, daß auch dieser Appell Beachtung finden wird. 2. Posen, 14. April. Am 2. Mai wird die jüdische Volksschule in Lissa ein Fest zu begehen in der Lage sein, wie es selten Vorkommen, ja einzig in seiner Art sein dürfte. Herr Rabbiner Dr. Bäck steht an diesem Tage auf 25 Jahre seines Schulinspektorats zurück, und zugleich mit ihm vollendet Herr Hauptlehrer Herbst das 25. Jahr seiner Thätigkeit an dieser Schule. Zur Würdigung dieses Doppeljubiläums wird auf Anregung des königlichen Kreis-Schulinspektors Herrn Superintendent Linke in der schönen Aula dieser Anstalt eine Schulfeier veranstaltet werden. Unseres Wissens ist Herr Dr. Bäck der älteste und gegenwärtig der einzige jüdische Schulinspektor in unserem Regierungsbezirk. — Der Etat des israelitischen Borschußvereins in Posen, welcher weniger bemittelten Handel- und Gewerbetreibenden zinslose Darlehen gewährt, schloß im abgelaufenen Jahre in Einnahme und Ausgabe mit 18 985,90 Mk. ab und hatte am Jahresschlüsse ein Vermögen von 10 054,13 Mk. Ausgeliehen wurden 15 075 Mk. Inden Aufsichtsrath ist Kaufmann Sally Hamburger neugewählt worden. Der Vorstand, dessen Vorsitzender Z. S. Kornicker ist, zählt 9 Mitglieder. GD Bielefeld, 18. April. Der Oberpräsident unserer Provinz hat nunmehr durch Reskript vom 31. März d. I. (J.-Nr. 2115) zu der Gründung der geplanten Beamten-Pensionskasse des Verbandes seine Zustimmung ertheilt, nachdem seitens des Verflcherungsrevisors Brechters in Hannover in einer durch den Herrn Oberpräfidenten eingeforderten gutachtlichen Aeußerung die unbedingte Lebensfähigkeit der Kasse auf Grund eingehender Prüfung des vorgelegten Statutenentwurfs bereits vor Jahresfrist anerkannt worden war. Seitens des Regierungspräsidenten zu Minden sind durch Reskript vom 6. April d. I. (J.-Nr. 873 I L.) im Aufträge des Herrn Oberpräsidenten nunmehr noch einige Abänderungsvorschläge zu den Statuten zugegangen, die aber in keinem Punkt prinzipielle Abweichungen von dem Entwurf enthalten, sondern durchweg nur formaler Natur sind und ohne Weiteres aceeptirt werden können. Die Konstituirung der Kasse wird auf dem diesjährigen Gemeindetage erfolgen, der am 12. Juni in Herford stattfindet. Eissen, 10. April. Der Bericht der Unterstützungskasse des Vereins israelitischer Elementarlehrer für Rheinland und Westfalen für 1897 ist soeben zur Ausgabe gelangt. Danach hat der Verein gegenwärtig 100 Mitglieder und ein Vermögen von 95148,87 Mk. Im vergangenen Jahre betrugen die Einnahmen über 16000 Mk., die größte Summe seit dem 42 jährigen Bestehen des Vereins, von denen fast 10 000 Mk. dem Vermögen zugeführt wurden. Zu den Hauptförderern des Vereins gehören Herr Rabbiner Dr. Franck in Köln, der für ihn 3350 Mk. sammelte, und Herr Kommerzienrath Moritz Beer in Essen, der 3000 Mk. spendete. Dem glänzenden Bilde der Einnahmen steht aber auch die Kehrseite entgegen: Die ungewöhnlich große Zunahme der Unterstützungsberechtigten. Zu den 163 Quoten des Jahres 1896 kommen demnächst nicht weniger als vierzehn hinzu. Gewiß eine ernste Mahnung für jedes Mitglied, überall, wo sich Gelegenheit bietet, für den Verein thätig zu sein. x Dessau, 17. April. Eine Gemeinde, die ihre Beamten ehrt, ehrt fich dadurch am meisten. Dieses kann man von der hiesigen Ge-