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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-04-15 · Heft 15 (15.4.1898) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 15 (15.4.1898)
Date
1898-04-15
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Bettelet erhöht, um den durchreisenden Armen höhere Unterstützungen überreichen zu können. Der Verein hat den Vorsitzenden desselben, Kaufmann Abraham Zucker, anläßlich seines 80. Geburtstages zum Ehrenmitgliede ernannt. — Fabrikbesitzer Fabian Fränkel in Ostrowo hat zum Andenken seines verstorbenen Vaters den thätigen Mitgliedern des dortigen Vereins „Chewra Kadischa" 350 Mark zur Beschaffung von Vereinsgebetbüchern gespendet. Der Vater des Herrn Fränkel war langjähriger Vorsitzender der Misaßkim-Vereinigung. — Kantor Levy in Schmiegel ist in gleicher Eigenschaft an die Synagogengemeinde in Samotschin berufen worden. — An Stelle des nach Schneidemühl versetzten Lehrers Lewin ist Lehrer Salomon aus Crone a. Br. nach Colmar i. P. versetzt worden. — Die Gemeindevertretung in Jnowrazlaw hat den Kantor Magnus Davidsohn aus Fürstenwalde zu ihrem ersten Kantor gewählt. E. Jnotvrazlatv, 5. April. Die Kreisstände des Kreises Jnowrazlaw haben auf dem in voriger Woche tagenden Kreistage einstimmig beschlossen, das Andenken an den verstorbenen Kaufmann Michael Levy durch Anbringung einer Gedenktafel an dem Geburtshause des Genannten auf eigene Kosten zu ehren. Auch hat der Magistrat der hiesigen Stadt das Andenken an diesen Mann verewigt, indem die zum Steinsalzbergwerk führende neu angelegte Straße mit seinem Namen bezeichnet ist. — Mit dem so Hochverehrten verstarb hier im Jahre 1879 im Alter von 72 Jahren ein Mann von hervorragender Herzens¬ und Geistesbildung. Er vereinigte mit rastloser Thätigkeit für sein umfangreiches kaufmännisches Geschäft eine hohe Bildung und im Gebiete der Wissenschaft umfassende Gelehrsamkeit. Für den Betrieb seines viele preußische Provinzen und das Ausland umfassenden Handelsgewerbes war neben der körperlichen Anstrengung durch einen großen Theil des Jahres in Anspruch nehmende Reisen eine unausgesetzte geistige Thätigkeit erforderlich. Der so vielseitig beschäftigte Mann fand trotzdem noch Zeit und Muße, um im Studium und in der Korrespondenz mit geistig hervorragenden Männern, in Bibelforschung, Beschäftigung mit vergleichender Sprachwissenschaft, historischer und prähistorischer Alterthumskunde, Numismatik, Bolkswirthschaft und dergleichen mehr Erholung und Befriedigung zu suchen. Unvergessen ist in Stadt und Land Jnowrazlaws die von ihm gegebene erste Anregung zum Aufschluß der in hiesiger Stadt lagernden Salzschätze und der Entwickelung unseres nunmehr reich verzweigten Verkehrssystems. Seinem Beispiele und seiner Anregung folgend, sind die ersten Schritte für die Entwickelung von Handel und Industrie in Kreis und Stadt gethan. Für den Bau der hiesigen Eisenbahn, für die Inangriffnahme der Schiffbarmachung der Netze ist er mit zäher Thätigkeit viele Jahre lang eingestanden, bis zum Wohle des Ganzen diese Ziele erreicht waren. Erfüllt von wahrer Menschenliebe, war bis zu seiner letzten Lebensstunde sein unendliches edles Streben dahin gerichtet, seiner engeren Heimath, seinem Vaterlande und der Menschheit zu dienen — Zum ersten Kantor und Religionslehrer wählte der hiesige Synagogenvorstand den Kultusbeamten Davidson aus Fürstenwalde, der sein hiesiges Amt nach den Feiertagen übernehmen wird. Bomst, 30. März. Unter äußerst zahlreicher Betheiligung der Bürgerschaft, der Spitzen der städtischen Behörden und sämmtlicher Mitglieder der Gemeinde wurde der im noch nicht vollendeten siebzigsten Lebensjahre verstorbene Rentier Elias Mülberg zur letzten Ruhe bestattet. Der Heimgegangene erfreute sich in sozialer Beziehung wie in bürgerlicher Stellung eines allgemeinen ehrenvollen Rufes, den er durch seine Bescheidenheit, durch emsigen Fleiß, durch Friedfertigkeit, Wohlthätigkeit und strenge Rechtschaffenheit sich erworben. Auch seine drei Söhne und zwei Töchter, die sämmtlich verheirathet find, nehmen überall eine sehr geachtete Stellung ein. x. Samotschin, 10. April. Am 22. v. M. feierte der hiesige Chewre Kadifche- und Gmilotchasodim-Berein zu Samotschin sein fünfzigjähriges Bestehen. Am Nachmittage 4 Uhr versammelten sich sämmtliche Mitglieder des Vereins und viele Gäste von außerhalb in der geschmückten Synagoge. Dort wurden von Herrn Kantor Glückstein einige Psalmen gesungen sowie das Mincha-Gebet verrichtet. Alsdann bestieg Herr Rabbiner Brann aus Schneidemühl die Kanzel und sprach über die Bedeutung des Vereins in sehr geistvoller Weise. Nach der Rede wurde vom Kantor Glückstein das El mole rachmim für die Hingeschiedenen des Vereins sehr weihevoll vorgetragen. Alsdann begaben sich sämmtliche Mitglieder zu einem Festessen ins Hotel Carl Cohn. Abends schloß sich der Feier ein von den Mitgliedern des Frauenvereins veranstaltetes Theater und Tanzvergnügen an. E. N. Breslau, 12. April. Die israelitische Waisen-Berpflegungs-Änstalt versendet soeben ihren Bericht für die Jahre 1695 bis 1897, der von dem segensreichen Wirken der Anstalt, die auf 93 Jahre ihres Bestehens zurückblicken kann, wiederum Kunde giebt. Im Jahre 1895 beherbergte sie 28 Knaben und 26 Mädchen, 1896 je 26 Zöglinge und 1897 26 Knaben und 28 Mädchen, die je nach ihrer Begabung höhere oder Volksschulen besuchen. Auch in den verflossenen Berichtsjahren hatte sich die Anstalt des Wohlwollens zahlreicher Freunde und Gönner zu erfreuen, die durch die Mitgliedsbeiträge die Anstalt erhalten resp. namhafte Beiträge (in Summa 80 000 Mk) dem Fonds des Instituts zuwiesen. Die Anstalt, die unter der vorzüglichen Leitung des Herrn Inspektors Silberstein steht, ist der Vergrößerung zugänglich, wozu jedoch neue Mittel nöthig sind. Das Jnstitutshaus selbst ist übrigens nach allen Regeln der Hygiene gelegen und eingerichtet. P. Sohrau, O.-Schl., 30. März. Am 20. d. M. feierte Herr Rabbiner Dr. Deutsch sein 25jähriges Doktor-Jubiläum unter allgemeiner Theilnahme, und wurde ihm aus diesem Anlaß das Diplom als Ehrenmitglied der jüdischen Gemeinde überreicht. — Am letzten Sabbath hielt Dr. Deutsch seine Abschiedsrede in der Synagoge. Man hörte es dem Redner an, wie schwer es ihm wurde, seine innere Bewegung niederzukämpfen, und hier und da blitzten Thränen in seinen Augen, als er noch einmal das Bild seiner fast 25 jährigen Amtsthätigkeit vor unseren Blicken entrollte. Die Rede wird demnächst im Druck erscheinen. Eine kleine Ueberraschung für den Scheidenden hatte sich die jüdische Elementarschule Vorbehalten. Die Klasse, in welcher Herr Dr. Deutsch den Religionsunterricht zu ertheilen pflegte, war am Dienstag, den 29. März, festlich geschmückt und bekränzt, denn an diesem Tage waltete er zum letzten Male seines Amtes als Religionslehrer. Nachdem ein Gebet verrichtet und der Choral: „Harre meine Seele", gesungen war, hielt Herr Lehrer Plaut eine Ansprache an die Kinder, in welcher er auf den herben Verlust hinwies, der unserer Schule durch das Scheiden des Herrn Rabbiners zugefügt werde, der derselben stets eine eherne Säule und feste Stütze, ein Schmuck und eine Zierde gewesen war. Er überreichte ihm zum Andenken ein Gruppenbild der Schüler. Die Schüler waren sich der Bedeutung dieses für sie ereignißvollen Tages voll bewußt, und ihre Thränen flössen reichlich. Mehrere Kinder trugen entsprechende Abschiedsgedichte vor, und ein Knabe der Oberklasse überreichte im Namen seiner Mitschüler und Mitschülerinnen ein kostbares Schreibzeug. Herr Dr. Deutsch dankte gerührt für die ihm erwiesene Aufmerksamkeit und ermahnte in von Herzen kommenden und zu Herzen gehenden Worten die Kinder, stets die Lehren der heiligen Thora hoch zu halten. Das stimmungsvolle Lied: „Es ist bestimmt in Gottes Rath", endete die erhebende Feier. 6. Soest, 11. April. Auch hier ist ein Antrag auf Verbot des Schächtens nach jüdischem Ritus in der Stadtverordnetenversammlung am 5. cr. abgelehnt worden gegen 2 Stimmen. Es war dieser Erfolg ein Resultat der eifrigen Agitation des Gemeindevorstandes, der Repräsentanten und des Stadtverordneten Stern. Das Material, welches gegen das Schächten vorgebracht wurde, ist entnommen aus Beiblättern zur „Thier-Börse" von 1893—97, wo auch u. a. hingewiesen ist auf die Gutachten der Rabbiner Dr. Stein, Frankfurt und Stern, Buttenhausen (Letzterer in einer Broschüre), welche erklären, daß das Schächten kein jüdisches Religionsgesetz ist. — Für die nächste Sitzung ist nun ein Antrag auf Einschränkung des Schächtens, entsprechend dem Verhältniß der jüdischen Einwohnerzahl zur christlichen, gestellt. Oesterreich -Ungarn. □ Wien, 11. April. Anläßlich des Regierungsjubiläums des Kaisers hat, wie bereits mitgetheilt, der Vorstand des israelitischen Volksküchenvereins die Vergrößerung der für die arme jüdische Bevölkerung so wohlthätig wirkenden Volksküche beschlossen und dies durch einen Zubau zu der bisher bestandenen Volksküche ins Werk gesetzt. Der durch den Zubau um mehr als ein Drittel vergrößerte Speisesaal erhielt durch die an den beiden ersten Abenden des jüdischen Osterfestes stattfindende freie Speisung der jüdischen Soldaten der Wiener Garnison die patriotische Weihe. Zur

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