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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-04-15 · Heft 15 (15.4.1898) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 15 (15.4.1898)
Date
1898-04-15
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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w=w i* ■- i ■ I -— s —— MPMMSM7 dann noch ein Meinungsaustausch über eine wünschenswerthe Aenderung der Statuten. Damit schließt die offizielle Sitzung. S£2 Berlin, 11. April. In der am 3. d. M. stattgehabten V. General-Versammlung des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen zu Berlin konnte der Vorsitzende, Herr Albert Philipp Meyer, von einer gedeihlichen Weiterentwickelung des Vereins berichten. Dem Rendanten, Herrn M. Metzenberg, wurde einstimmig Decharge ertheilt und der Etatanschlag pro 1898. welcher in Einnahme und Ausgabe mit 29 700 Mk. balancirt, ohne Widerspruch genehmigt. Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder Herr M. Metzenberg, Herr Albert. Philipp Meyer, Herr Geh. Medizinalrath Prof. Dr. Senator, Frau Dr. Frankl und Frau Stadtrath Weigert wurden einstimmig wiedergewählt, ebenso die Herren Hugo Deutsch, Hugo Heilmann und Moritz Manheimer zu Kaffenrevisoren. In der Debatte über Vereinsangelegenheiten kam es zur Sprache, daß immernoch gerade diesogenanntenv. besseren und wohlhabenden Kreise ihre Angehörigen von dem Beruf der Krankenpflege fern Hallen; dies ist aufrichtig zu bedauern, weil hierdurch dem Verein dasjenige Material an Schülerinnen entzogen wird, welches so recht geeignet wäre, dem Verein eine Ehre und Zierde zu sein und die höheren Interessen zu fördern, welche bei Begründung des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen beabsichtigt waren. Allmälig wird aber auch die Erkenntniß sich in immer weiteren Kreisen verbreiten, daß es für eine Frau keinen höheren und schöneren Beruf giebt als denjenigen der Krankenpflege, Die Oberin des Vereins, Fräulein Rose Blau, Auguststraße 17 (Schwesternheim), ist zu jeder Auskunft gern bereit, und sind Anmeldungen schriftlich an dieselbe zu richten. B. Berlin, 10. April. Dem statistischen Jahrbuch der Stadt Berlin entnehmen wir einige interessante Details. In den städtischen Irrenanstalten befanden sich von Juden in Dalldorf 22 Männer, 7 Frauen, in Herzberge 2 Männer, in der Jdiotenanstalt in Dalldorf befanden sich 8 jüdische Kinder, 5 Knaben, 3 Mädchen. Jntereffant ist auch, daß unter allen in Berlin im Jahre 1895 und 1896 zur Zwangserziehung verurtheilten Kinder nur drei jüdische sich befanden. In den jüdischen Waisenanstalten befanden sich 1895 125 Knaben, 73 Mädchen, in den Altersversorgungsanstalten der jüdischen Gemeinde 82 Männer und 139 Frauen. Im Krankenhaus der jüdischen Gemeinde wurden behandelt 763 Mädchen und 768 Frauen. Berlin, 4. April. Der „Verein zur Förderung der Interessen der israelitischen Taubstummen in Deutschland" feierte am 20. vorigen Monats in Dräsels Festsälen sein 2. Stiftungsfest, das einen überaus wohlgelungenen Verlauf nahm. Nach einer Ansprache des Vorsitzenden, Herrn Willy Oppenheimer, welcher die Gäste begrüßte, erfolgten Klaviervorträge von Fräulein Schmidt; die Herren Rosenthal und Wolkenstein erfreuten die Versammlung durch Gesang und humoristische Vorträge, wofür ihnen wohlverdienter Beifall zutheil wurde. Zwei Pantomimen: „Der Pantoffelheld" und „Frauenlist", von den Vereinsmitgliedern gespielt, erregten große Heiterkeit. Von der Versammlung lebhaft begrüßt, betrat darauf Herr Direktor Reich das Podium, um die Festrede zu halten, welche reichen Beifall fand. Während der Kaffeepause brachte Herr Oppenheimer in humoristischen Versen den Damentoast aus. Auf der Galerie war ein Jahrmarkt in Kiautschou errichtet, dessen Reinertrag für den Baufonds eines Heims für altersschwache Taubstumme bestimmt war. Daß recht flott getanzt wurde, versteht sich von selbst, und haben alle Theilnehmer nur angenehme Eindrücke von diesem Feste mit nach Hause genommen. 22 Memel, 7. April. Im Saale des Gesellschaftshauses fand am 30. v. M. ein von der Synagogengemeinde veranstaltetes Abschiedsessen für Herrn Dr. Rülf statt. Der Saal war in festlicher Weise geschmückt, und die Feier, an der die Mitglieder der Gemeinde fast vollzählig theilnahmen, verlief in herzerhebender Weise. Im Namen des Vorstandes der Synagogengemeinde — der Vorsitzende des Vorstandes war durch einen Trauerfall verhindert — brächte Herr I. Abelmann den ersten Toast auf den Gefeierten aus. Er gedachte der vielen Verdienste, die sich Herr Dr. Rülf um die Gemeinde erworben, erinnerte an seine segensreichen Gründungen, die jüdische Elementarschule und das Krankenhaus, und gedachte des großartigen Unterstützungswerkes, das Dr. Rülf eingeleitet und durchgeführt. Namens der Gemeinde überreichte schließlich der Redner Herrn Dr. Rülf ein kostbares Geschenk: ein vollständiges Silberbesteck (vierfach) für zwölf Personen. Die Gabe ruht in einem vornehm ausgestatteten Holzkasten, der auf dem Deckel ein silbernes Schild mit der Widmung trägt: „Ihrem verehrten Rabbiner Herrn Dr Rülf bei seinem Scheiden von hier gewidmet. Memel, 20. März 1898. Die Synagogengemeinde." Redner schloß mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Scheidenden. Eine ganze Reihe weiterer Toaste folgte. Herr Eisenstädt, der Vorsitzende des Repräsentantenkollegiums, widmete Herrn Dr. Rülf ebenfalls warme Worte der Anerkennung, des Dankes und der Verehrung und toastete auf die Gattin des Gefeierten. Weitere Redner feierten die vielseitige außerberufliche Thätigkeit Rülfs. Es sprachen Vertreter des Kuratoriums des jüdischen Krankenhauses, der jüdischen Schule - die dem Scheidenden ihre Existenz, ihre Unterhaltung, ihr neues Haus, kurz alles verdankt —, des Armen-Unterstützungsvereins, dessen Mitbegründer Rülf bekanntlich gewesen, des von Rülf ins Leben gerufenen „Vereins für jüdische Geschichte und Litteratur" und zuletzt auch ein Redner im Namen der Redaktion, des Verlags, der Mitarbeiter und des gesummten Personals des „Memeler Dampfboots". Während der Tafel kam ein mit besonderem Beifall aufgenommenes Abschieds- und Anerkennungsschreiben des königlichen Landraths Herrn Cranz zur Verlesung. In tiefbewegten, oft von Thränen unterbrochenen Worten dankte Herr Dr. Rülf für alle diese Ehrungen, betonte, wie schwer er aus Memel scheide, aus der Stadt, mit der er durch die Thätigkeit seines ganzen Lebens, durch tausend Bande geselliger, freundschaftlicher, öffentlicher Beziehungen aufs Innigste verbunden sei. Er schloß seine Rede mit einem Hoch auf die Synagogengemeinde. — Erst nach Mitternacht endete die schöne Feier. — Eine weitere, sehr würdige Abschiedsfeier zu Ehren des Herrn Dr. Rülf hatte am 26. v. M. der hier bestehende „Israelitische Wohlthätigkeits-Verein" (Gemilluth Chaffodim) veranstaltet. Kp. Aus der Provinz Posen, im März. Eine nichtswürdige Tempelschändung wurde kürzlich in Schlichtingsheim verübt. Der 16jährige Knecht Oskar Hentschel, welcher in Fraustadt in Diensten stand, warf im jüdischen Bethause fast sämmtliche Fensterscheiben ein, drang dann durch ein von ihm geöffnetes Fenster in das Haus, erbrach die Bundeslade und den Opferkasten und zerriß, anscheinend aus Aerger darüber, daß er kein Geld gefunden, die in der Lade vorhandenen Thorarollen sowie andere Dokumente; die Untersuchung gegen den Missethäter ist eingeleitet. — Bei der jüngst erfolgten Neuwahl von Vertretern der Synagogengemeinde in Neustadt a. W. ist Kaufmann Philipp Heldt zum Korporalionsvorsteher, die Herren Magnus Golduer, Samuel Salinger, Alwin Engelmann und Rittergutsbesitzer Wilhelm Braun zu Beisitzern und zu deren Stellvertretern die Herren Hermann Tuch, Mannheim Lazarus und Heimann Kendziorek gewählt worden. — Aus Anlaß seines 25jährigen Geschäftsjubiläums hat Kaufmann Louis Basch aus München dem Magistrat seiner Heimathsgemeinde Wollstein 300 Mark für christliche und 200 Mark für jüdische Arme überwiesen. Ferner hat er der Synagogengemeinde 500 Mark zur Beschaffung nothwendiger Gegenstände für das Gotteshaus geschenkt. — Gegen eine vorzunehmende Repräsentantenwahl in der Synagogengemeinde Ostrowo ist vor Kurzem Protest erhoben worden, weil die drei Lehrer der israelitischen Volksschule auf der Wählerliste aufgeführt waren, obgleich sie von der Zahlung der Korporationsbeiträge befreit sind. Der Protest wurde schon vor 3 Jahren einmal hier erhoben, aber vom Regierungspräsidenten mit dem Hinweis, daß nach einer Ministerialverfügung vom Jahre 1874 die Lehrer, obgleich sie von Korporationsbeiträgen befreit find, nicht nur wahlberechtigt, sondern auch wahlfähig für das Amt eines Repräsentanten seien. Auf Grund dessen wurde sogar ein Lehrer in die Gemeindevertretung gewählt und bestätigt. Auch dieses Mal ist der Protest verworfen worden. — Zum Repräsentantenvorsteher der Gemeinde Birnbaum ist neulich Kaufmann Max Pohle, zu Korporalionsvorstandsmitgliedern die Kaufleute I. Brandt, Saalfeld und Wiener und zu deren Stellvertretern Fabrikbesitzer Brasch und Kaufmann Drucker gewählt worden. — Nach dem in der jüngst abgehaltenen Generalversammlung des israelitischen Armenvereins in Wreschen erstatteten Jahresbericht hatte der Verein im Jahre 1897 eine Einnahme von 3181,94 Mark und eine Ausgabe von 1720,72 Mark. Das Vereinsvermögen beläuft sich auf 1461,22 Mark. Der Verein hat die Mitgliederbeiträge behufs Beseitigung der Haus-

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