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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-04-15 · Heft 15 (15.4.1898) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 15 (15.4.1898)
Date
1898-04-15
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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MWM^MWMWMMj^WS?«M^WD^KWSWYWW i 62. Lchrgang. Ur. 15. Gerlin. 15. Äpril 1898. /Meitage zur „Allgemeinen Zeitung öes IuöenLHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutsch lar»L. 82 Berlin, 12. April. Die Lehranstalt für die Wissenschaft des Indenthums versendet das Berzeichniß der im Sommer-Semester 1898 zu haltenden Vorlesungen. Herr Dr. Baneth wird lesen: 1. Talrn. stat.: (Jeruschalmi und Babli) P'sachim Kap. I (Fortsetzung), 4 Stunden, Montags und Donllerstags 8—10 Uhr. 2. Talmud Babli kursorisch: Baba Mesia Kap. III, 4 Stunden, Sonntags und Mittwochs 8—IO Uhr. 3. Jore Dea (Tur und Schulchan Aruch) XXIII—XXVIII, 2 Stunden, Montags und Donnerstags 10—11 Uhr. 4. Eben ha-ezer I—XVI, 1 Stunde, Montags 11—12 Uhr. 5. Mischne Tora, II. Buch, 2 Stunden' Dienstags und Freitags 12 — 1 Uhr. 6. Einleitung in den Talmud (Forts.), 1 Stunde, Donnerstags 11 — 12 Uhr. Herr Dr May bäum wird lesen: I. Lektüre des Bereschith rabba, 1 Stunde, Dienstags 8 bis 9 Uhr. 2. Homiletische Uebungen, 2 Stunden, Freitags 8—10 Uhr. Herr Dr. Schreiner wird lesen: 1. Alte Pentateuchkommentare, 2 Stunden, Sonntags! 1—1 Uhr. 2 Erklärung der Psalmen, 2 Stunden, Dienstags und Freitags 10—11 Uhr. 3. Die Bücher der Chronik, 1 Stunde, Mittwochs 11 — 12 Uhr. 4 Geschichte der jüdischen Religionsphilosophie, 1 Stunde, Dienstags 9 — 10 Uhr. 5. Lektüre des Buches „Jkkarim" von Josef Albo, 2 Stunden, Dienstags und Freitags 11—12 Uhr. 6. Geschichte der Juden, 2 Stunden, Sonntags und Mittwochs 10-11 Uhr. Herr Prof. Dr. Steinthal wird lesen: Hauptpunkte der Ethik, in einer noch zu bestimmenden Stunde. Die Eröffnung des Sommer-Semesters findet am 19. April um 10 Uhr Vormittags statt. o. Berlin, 11. April. Die Konfirmationsfeier in derReformgemein de fand gestern in dem dichtgefüllten Gotteshause statt. Nach einer am 6. d. M. vorangegangenen Prüfung vor der Verwaltung wurden 41 Kinder zur Konfirmation zugelassen: 24 Knaben und 17 Mädchen. Bei dieser Gelegenheit zeigte es sich wieder, daß die Konfirmation erst bei einem bestimmten reiferen Alter eine Bedeutung erlangt. Die schwierigeren Religionsfragen können da behandelt werden, so daß dann die Konfirmation als Abschluß des Religionsschulunterrichts angesehen werden kann. Die Feier selber, von Herrn Dr. Lev in geleitet, gestaltete stch zu einer wahrhaft erhebet,den. Voran ging die gottesdienstliche Liturgie, dann leiteten zwei Gebete, von Fanny Jacobsohn und Ella Neumann gesprochen, die eigentliche Feier ein. In der darauf folgenden Ansprache des Predigers wurde zuerst die Frage aufgeworfen: Sind wir noch Juden? Beantwortet wurde diese Frage durch eine ebenso treffende wie sachgemäße Erklärung, was das Wesen des Judenthums ausmache. Eine zweite Frage lautete: Zu welchem Zwecke sind wir noch Juden? Hier wurde auf den Bund gewiesen, den Gott mit Israel für ewig geschloffen, ein Gottesbund, der fich erweitern soll zum Gottesbund der ganzen Menschheit. Die meisterhafte Rede machte auf bie ganze Versammlung einen tiefen und weihevollen Eindruck. Sie schien aus dem Herzen der Gemeinde gesprochen, die es als eine ihrer vorzüglichsten Aufgaben betrachtet, durch einen zeitgemäßen Gottesdienst und Religionsunterricht dem Abfall und der Untreue vorzubeugen. Nach der Rede trugen die Konfirmanden ihre Wahlsprüche vor, und zwei Jünglinge (Hans Behr und Walther Bleistein) legten für Alle das Religionsbekenntniß ab. Die Segenfpende und das große Hallelujah beschlossen die Feier, die eine echt gottesdienstliche genannt werden muß. LZ Berlin, 11. April. Am 1. April schied Herr Dr. Max Simon aus seinem Amte als Lehrer der Mathematik und Phystk an der hiesigen jüdischen Lehrer-Bildungsanstalt, an welcher er seit dem Jahre 1860, einem Jahre nach ihrer Gründung, weit über ein Menfchenalter segensreich gewirkt hat. Bis vor vier Jahren war er auch an der Knabenschule der jüdischen Gemeinde erfolgreich thätig. Nach dem Tode von Aron Horwitz .wurde ihm die provisorische Leitung der Knabenschule und der Lehrer-Bildungsanstalt von den Gemeindebehörden übertragen. Die Vorzüge, welche uns in seinen trefflichen Leitfäden zur Physik und Geometrie begegnen, nämlich praktische Anordnung und Vertheilung des Stoffes, Kürze und Klarheit des Ausdrucks, Schärfe und Sicherheit der logischen Entwickelung, zeichneten in hervorragendem Maße seinen Unterricht aus. der vornehmlich das eine Ziel im Ange hatte, den Zögling zu selbstthätiger Gedankenarbeit anzuleiten, ihn zum selbständigen Auffinden der wissenschaftlichen Resultate zu befähigen. Diese Seite seiner praktischen Berufstätigkeit sah Herr Dr. Simon in diesen Tagen gelegentlich der diesjährigen Entlaffungsprüfung der Seminarabiturienten auch behördlicherseits anerkannt. Im Anschluß an die herzlichen Abschiedsworte des Leiters der Lehrer-Bildungsanstalt, Herrn Rektor Dr. Holzmann, welcher dem scheidenden Kollegen für dessen treue und rastlose Mitarbeit, für seine die Selbstthätigkeit der Zöglinge fort und fort anregende und geistweckende Lehrtätigkeit dankte, nahm der Vorsitzende der königlichen Prüfungskommission, Herr Provinzial- Schulrath Hermann, Veranlassung, die Verdienste in anerkennenden Worten hervorzuheben, die Herr Dr. Simon durch die konsequente Durchführung der heuristischen Methode sich erworben, und dem Gefühl der Freude Ausdruck zu geben, das ihn stets unter dem unmittelbaren Eindruck seiner anregenden Lehrerpersönlichkeit beseelt habe. Das Kollegium der Lehrer-Bildungsanstalt bekundete seine Verehrung für den theuren Amtsgenossen, indem es dessen wohlgelungenes Porträt für das Schulzimmer der ersten Seminarllasse stiftete. Hat doch Herr Dr. Simon während seiner langjährigen Wirksamkeit mitgeholfen, 266 Zöglinge zu Erziehern und Lehrern heranzubilden; ist er ihnen doch in seinem nie ermüdenden Eifer, jede neue wissenschaftliche Erscheinung auf dem Gebiet der Forschung und der Methodik sich zu eigen zu machen und unterrichtlich zu verwerthen, ein stets anfeuerndes Vorbild zur Weiterbildung gewesen, und hat er ihnen doch mit diesem Streben nach selbstthätiger Fortentwickelung das bedeutsamste Rüstzeug für ihre künftige berufliche Thätigkeit mitgegeben. Selbst aus dem Seminar hervorgegangen, welches damals unter der Leitung von Leopold Zunz stand, besuchte er zunächst, sich niemals selbst genügend, das Friedrich - Werdersche Gymnasium, studirte dann nach Ablegung der Maturitätsprüfung Naturwissenschaften an der hiesigen Universität und wurde 1854 Lehrer an der Knabenschule und sechs Jahre später daneben auch Lehrer an der Lehrerbildungsanstalt. Eine Reihe praktisch durchgeführter Leitfäden auf den verschiedensten Wissensgebieten giebt Zeugniß von seinem unermüdlichen Schaffensdrangs. Besonders zu erwähnen ist noch seine eingehende Beschäftigung mit dem jüdischen Kalenderwesen, welcher wir eine Reihe von werthvollen Arbeiten verdanken, die theilweise auch in diesem Blatte Veröffentlichung und allgemeine Beachtung und Würdigung gefunden haben. Ein größeres abschließendes Werk, welches er in Verbindung mit dem gleichfalls auf diesem Gebiet rühmlichst bekannten L. Cohen herausgab, ist das erst vor Kurzem erschienene „Maphteach, Schlüssel zur leichten Umrechnung jüdischer und christlicher Daten". Bon jeher gewöhnt, auch seine amtsfreie Zeit in rührigem Schaffen zu verbringen, wird Dr. Simon die spät erlangte Muße nicht unangenehm empfinden; er wird es verstehen, seine immer noch frischen Geisteskräfte, sich und Anderen zur Freude, in den Dienst wissenschaftlicher Arbeit zu stellen. F. Berlin, 12. April. In der außerordentlichen Generalversammlung, welche die „Wissenschaftliche Bereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin" am 4. d. M. abhielt, wurden nach Aufnahme eines neuen Mitgliedes vom Vorsitzenden, Herrn Rektor Dr. Adler, Mittheilungen über das Stiftungsfest, das einen für alle Theilnehmer befriedigenden Verlauf nahm, und über interne Angelegenheiten gemacht. Es folgte dann die Erledigung einiger Wahlen. Kollege Dr. Fiegel wurde in die Darlehnskommission, Kollege Auerbach zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Da dieser auf dringendes Verlangen der Versammlung das Amt übernimmt und somit in den Vorstand eingetreten ist, muß eine freiwerdende Stelle in der Geschäftsordnungskommission neu besetzt werden. Die Wahl fällt auf den Kollegen Schlesinger. — Es erfolgt

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