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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-04-08 · Heft 14 (8.4.1898) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 14 (8.4.1898)
Date
1898-04-08
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 Plätze besetzt werden, aber auf Kosten der bisherigen Synagogen. Herr Leonhard Sachs wendet stch gegen die Ausführungen des Vorsitzenden. Durch die Eröffnung der Synagoge in der Lützowstraße werde nur das Bedürfniß für diese Gegend gedeckt. Der Südosten und Osten stehe hierzu in gar keiner Beziehung. Es fei gar nicht nöthig, 1 Million bis 1 300 000 Mark auszugeben, das Bedürfniß, das als vorhanden bejaht werden müsse, könne befriedigt werden ohne Prachtbauten und ohne großen Prunk. Der befieBeweis für das dringende Erforderniß sei, daß auch in der Kommission für die Festgottesdienste beschlossen worden sei, in diesem Jahre im Friedrichshain noch ein Lokal zu miethen. Die Synagoge Kaiserstraße fei regelmäßig überfüllt. Der Ausschußantrag gehe nur dahin, die Frage sofort in Fluß zu bringen. Bis zur definitiven Beschlußfassung vergingen doch noch mindestens IVa Jahre. Die beiden -in Rede stehenden Gegenden seien ficher vernachläsfigt. Nachdem Herr Jacoby ausgeführt, daß im äußersten Osten und Norden die Bauplätze theurer als im Westen (etwa 2000—3000 Mark pro Ruthe) seien, und daß nicht schlechter als in der Lützowstraße gebaut werden könne, unterstützt Herr Maurermeister Joseph Fränkel den Kommissionsantrag. Die richtige Wahl des Grundstücks sei das Wichtigste. Die Synagoge im Osten werde sich wesentlich billiger stellen, da fle ohne Orgel erbaut werden solle. Nach nochmaliger kurzer Ausführung des Herrn Leonhard Sachs, daß das Grundstück möglichst viel Hinterland und wenig Vorderland aufweisen müsse, und daß stch eine Synagoge schon mit 300 000 Mark erbauen lasse, erhält der Ausschußreferent das Schlußwort. Der Kommissar habe nichts erwiedert, was die Zahlenzusammenstellung irgendwie klarer machen würde. Er meine auch, daß man nicht so theuere Synagogen zu erbauen brauche. Die Theuerung resultire vielleicht daraus, daß der Vorstand mit der Erwerbung der besten Bauplätze 10 Jahre zögere. Der Gemeindevorstand sei nach dem Gesetz verpflichtet, für ausreichenden Gottesdienst Sorge zu tragen, und wenn dieses auch in letzter Zeit besser als früher erfolgt sei, so sei es doch nicht schön, in ambulanten Lokalen einen Gottesdienst abzuhalten. In der nunmehr folgenden Abstimmung über den Antrag, die auf Wunsch der Versammlung getrennt vorgenommen wird, wird mit großer Majorität gemäß den Wünschen bes Ausschusses beschlossen. — Punkt 3 der Tagesordnung — Satzungen der Armenkommission — kann wiederum nicht zur Erledigung gelangen, da die Vorlage noch nicht! vorbereitet ist. — Die letztwillige Zuwendung der Frau Zerline i Jacobsohn in Höhe von 12000 Mark an die Altersversorgung^- ' anstatt wird vorbehaltlich der landesherrlichen Genehmigung nach dem : Kommissiönsantrag von der Versammlung genehmigt. Zum Schluß der! Sitzung werden gemäß dem Antrag des Referenten Herrn Bodenstein! in die gemischte Deputation zur. Tarifirung der Plätze in der Synagoge Lützowstraße die Herren Leonhard Sachs, Joseph! Fränkel, S ießkind und Bodenstein gewählt. 2/D Berlin, 5. April. Gegenüber den nichtswürdigen Verleumi düngen unserer Gegner, daß nur „Franzosen, Polen und Juden" in den! Märztagen des Jahres 1848 in Berlin die Revolution angefangen, ist es von Interesse zu erfahren, daß gerade ein Jude es war, der Seidenwaarenhändler Julius Wolf Meyer, Chef der damaligen großen Seidenfirma W. A. Meyer Söhne, deren Geschäftshaus neben! dem Palais des Prinzen in der Behrenstraße lag, der an jenem traurigen > 19. März den Prinzen von Preußen und seine Gemahlin von seinem! Palais im eigenen Wagen weggefahren und sich dafür später fortj dauernder Gnadenbeweise von diesem zu erfreuen gehabt habe. Der Prinz hat auch noch als König und Kaiser dem späteren Kommerzienrath Julius Wolf Meyer bis zu dessen 1872 erfolgten Tode seine Dankbarkeit alljährlich durch kostbare Geschenke zu erkennen gegeben, die meist aus! der königlichen Porzellanmanufaktur hervorgegangen waren. „Einen j Theil dieser, mit dem Monogramm des Kaisers versehenen Geschenke,"! so heißt es in einem der „B. Z." zugegangenen Briefe, „hat der Schreiber j dieser Zeilen selbst gesehen. Sie werden in den Familien des Bank- > direktors Julius Alexander, eines Schwiegersohnes I. W. Meyers, deffen Leichenzug auch ein Galawagen des Kaisers begleitete, und seines schon verstorbenen Sohnes, des als humoristischer Schriftsteller unter seinem Pseudonym Siegmey besonders in den 70er Jahren bekannten Siegbert Meyer, noch als Andenken an den hohen Geber pietätvoll bewahrt.?? g£2 Berlin, 4. April. Der dreizehnte Jahresbericht der Ferien- Kolonien für jüdische Kinder für das Jahr 1897 bezeichnet dieses Jahr als einen Wendepunkt in der Entwickelung, denn zum ersten Mal konnte das von Herrn E. Rosenstiel und Gattin in Bad Elmen geschenkte Heim mit Kolonisten belegt werden. Da der Umbau des Hauses erst Ende Juni fertig wurde, war noch keine vollständige Ausnutzung möglich; immerhin fanden schon im Juli 30 Knaben, im August 31 Mädchen, im September 12 Mädchen Unterkunft. Fräulein Jda Cohn, welche seit einer Reihe von Jahren in Fürstenwalde zwei Kolonien verpflegte, hat die Bewirthschaftung auch in Elmen übernommen und wohnt nun ständig dort. Im Jahre 1898 wird eine größere Anzahl von Kindern dorthin gesandt werden, und es soll eine volle Belegung des Hauses mindestens dreimal stattfinden. Die Absicht, in Elmen eine Winterstation zu errichten, konnte noch nicht zur Ausführung gelangen; die Genehmigung der Einrichtungen der dem königlichen Salzamt in Schönebeck unterstellten Badeanstalt zu benutzen, steht noch vom Herrn Minister aus. Auch sind die hierfür erforderlichen Gelder nicht in der erwarteten Höhe eingegangen. Das Komitee für Ferien-Kolonien, als dessen Zweig-Komitee dieses thätig ist, und das bei Weitem nicht die Hälfte der bei ihm gemeldeten Kinder versenden kann, hatte noch einen Zuschuß von 969,60 Mark zu leisten. Hoffentlich wendet sich das Komitee nicht vergebens um Unterstützung an unsere Glaubensgenossen. Neben Elmen waren noch kleinere Einzelkolonien in Wittekind bei Halle, Dessau und Greifenhagen. Seit 12 Jahren wird das Komitee in seinen Bestrebungen in außerordentlicher Weise dadurch gefördert, daß eine bedeutende Anzahl von Familien in den Provinzen Freistellen für Kinder bewilligt. Auch in diesem Jahre geschah dieses, und wenn noch kurz vor den Ferien leider 72 dieser Freistellen wegen herrschender Scharlach- und Masern-Epidemien aufgegeben werden mußten, so fanden doch noch 136 Knaben und 85 Mädchen Aufnahme in Familien bei liebevoller Behandlung und vorzüglicher Verpflegung. Es befanden stch in Bad Elmen 31 Knaben, 42 Mädchen, in Wittekind 10 Mädchen, in Dessau 6 Knaben, in Greifenhagen 11 Mädchen; zusammen 37 Knaben, 63 Mädchen. Die Ausgaben für diese 100 Voll-Kolonisten betrugen für 2815 Berpflegungstage 5004,10 Mark oder 1,755 Mark für jeden Tag. Die Ausgaben für die 221 Freistellen betragen, einschließlich aller Reise- und Nebenspesen 2744,90 Mark oder pro Kind 12,40 Mark. Für die 321 Kolonisten betragen somit die Ausgaben 8566,10 Mark Das sehr rührige Komitee, das den wärmsten Dank verdient, besteht aus den Herren: Ad. Mayer, Breitestraße 6/9, Wilh. Arnheim. B. Benjamin, Julius Cohn, Sanitätsrath Dr. Maretzki, Eugen Rosenstiel Rechtsanwalt B. Timendorfer. Lp. Ostrowo, 2. April. Am 29. v. Mts. entschlief nach kurzem Krankenlager der Rabbiner Dr. Elias Pleßner Hierselbst im Alter von 57 Jahren. Die Gemeinde steht tief erschüttert über den so frühen und unvermutheten Tod an der Bahre des Dahingeschiedenen, ihres langjährigen treuen Seelsorgers und väterlichen Berathers, dessen Ruf weit über die Grenzen unseres engeren Vaterlandes gedrungen ist. Elias Pleßner ist als Sohn des rühmlichst bekannten Predigers und Gelehrten Rabbi Salomon Pleßner am 10. Februar 1841 in Berlin geboren. Nach Absolvirung der talmudischen und wissenschaftlichen Studien wurde er 1873 Stiftsrabbiner in Hannover, von 1873—1885 verwaltete er das Rabbinat der alten Gemeinde Rogasens, und im September 1885 wurde er zum Nachfolger des einige Monate vorher verstorbenen Rabbiners Dr. M. I. Freimann in die hiesige Gemeinde berufen. Die überaus große Theilnahme während seiner Krankheit und bei der heutigen Bestattung ließen die ungemein hohe Verehrung des Verstorbenen in allen Kreisen der Bevölkerung Ostrowos und weiter Umgegend erkennen. Zur Beerdigungsseierlichkeit, welche heute stattfand, waren die Rabbiner Dr. Bamberger - Schrimm, Dr. Auerbach - Rogasen, Münz-Kempen, Dr. Bamberger-Schildberg, Rabbiner Landau-Raschkow, Dr. Berger- Krotoschin und Dr. Heppner-Koschmin herbeigeeilt, um in erhebenden Ansprachen an die zahlreiche Trauerversammlung, unter welcher sich auch die Spitzen der hiesigen Behörden befanden, die Größe des Verblichenen auf dem Gebiete des Wissens hervorzuheben und ihn als Mensch im Umgänge mit Menschen und vorbildlichen Führer der hiesigen Gemeinde zu kennzeichnen. Sowohl im Sterbehause als auch in der mit Trauerflor ausgestatteten Synagoge, in welche der Sarg getragen wurde, wie auf dem Friedhofe wechselten die Redner einander ab. Auf letzterem hielt auch ein Neffe und Schwager des Verstorbenen, Herr Provinzialrabbiner Dr. L. Hirschfeld aus Gießen, eine tief ergreifende Grabrede. In >Dr. Pleßner verliert die hiesige Schuljugend einen eifrigen Förderer aus religiösem Gebiete, als Dirigent der Religions-

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