Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 14 (8.4.1898)
- Date
- 1898-04-08
- Page
- Seite 168 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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168 mit seinem Blute bezahlen müssen. Ja, Domitians Tod bedeutete Erlösung für sie, für ganz Rom, auch für die Juden. Was kümmerten sie doch die Juden? Sie verwendete sich zu ihren Gunsten bei Domitian: dies würde bekannt werden, das Volk würde sie preisen als gütige Herrscherin, ihr Walten an Stelle des Tyrannen herbeisehnen. Das waren damals ihre Beweggründe, doch es rührte sie auch die Standhaftigkeit des Judenmädchens, das die entsagungsvolle Flucht aus dem Elternhaus der Liebe des Weltherrn vorzog. Doch was galten ihr jetzt diese Menschen? Sie hatte sich grausam verrechnet. Und tief aufseufzend, verhüllte sie das Haupt mit dem Wittwengewand und verharrte in düsteren« Schweigen. * Hatte die Nachricht vom Tode Domitians und der Thron? besteigung des edeln Nerva unter der ganzen Bevölkerung der Stadt die freudigste Aufregling hervorgerufen, so brachte sie in das von Angst gepeinigte Herz des jungen Josua jauchzende Freude. Endlich, endlich war auch für seine armen Eltern die Stunde der Befreiung aus dumpfer Kerkerhaft gekommen, endlich sollte er die Theueren Wiedersehen dürfen, endlich den Ton ihrer geliebten Stimmen hören; sein Herz durfte sich aufs Neue beglückenden Hoffnungen auf eine friedliche Zlikunst öffnen — das Haus Jsmaels «vürde neuerdings zu einem friedlichen, behaglichen Wohnsitz werden. Wie mußten die Theueren gelitten haben! Welche Qualen mochten ihre Brust zerfleischt haben, wenn sie der fernen Jobäa, wenn sie des trauernden Sohnes dachten, oder wenn vor ihrein Geiste traumhafte Bilder ihrer Zukunft, nein, der Zukunft ihres ganzen Volkes erwachten! Und dies sollte nun anders werden! Jobäa «vürde wieder ins Vaterhaus einziehen dürfen, aus den« sie grausame Willkür vertrieben, — und an der Schwelle «vürde sie die theuere Mutter empfangen, und der froinme Vater würde segnend die Arme nach den« geliebten Kinde ausbreiten, das das Geschick gnädig vor der ärgsten Schmach bewahrt hatte, die einer Tochter Judas widerfahren konnte. Rasch «var er seinem Vaterhause zugeeilt, um da seine Kleider zu wechseln und dann gleich zun« Cäsar zu eilen und kniefällig die Befreiung seiner nun schon so lange unschuldig im Kerker schmachtenden Eltern zu erflehen. Wie es hieß, wollte der Cäsar gleich heute Audienzen ertheilen und Bitt- oder Gnadengesuche entgegen«,ehmen. Sein Herz klopfte in bebender Erwartung. Was würde er den« Kaiser sagen? Würde es seiner ui«geler«ken Rede gelingen, den Cäsar von der Unschuld seiner Eltern zu überzeugen? Wie wollte er, der einfache Jüngli««g aus dein Volke, dem «nächtigen Imperator nahen? Hatte er ja noch nie während seines Lebens zu einem Mächtigen dieser Erde gesprochen, und nun wollte er hingehen zu dem Kaiser Roms und ihn um Gnade bitten für seine gefangenen Eltern? — Aber nahte er nicht täglich und stündlich dem Thron des Höchsten und sollte Angst und Scheu empfinden einem Sterblichen gegenüber, und wäre dieser selbst der Herr der Welt? „Gewappnet mit Gottvertrauen, im Bewußtsein meiner gerechten Sache, getragen von lauterster Kindesliebe, will ich vor h^n ehrwürdigen Nerva hintreten und die Befreiung «««einer armen Eltern erflehen, Seine Gnade ist mir gewiß!" Da «vard mit heftigem Ruck die Thür aufgerissen, und einer La«vine gleich ergoß sich die Menge in das stille Gemach. „Josua, Josua!" erscholl es aus zahllosen Kehlen, „Ehre sei Gott dem Herrn! Jsinael, Dein Vater naht und Deine edle Mutter! Die Gesandten des heiligen Synhedrion haben beim Cäsar ihre Freiheit erwirkt!" Ueberwältigt vom Glück des Wiedersehens, sanken sie sich in die Arme und jauchzten und schluchzten und blickten einander ins thränenfelichte Auge. * Die Sonne war eben aufgegangen in herrlichem Glanze und vergoldete mit ihren Strahlen die Tenipel und Paläste der ewigen Stadt, die still und friedlich und ruhig dalag, und für die mit dem Morgenroth der aufgehenden Sonne auch das Morgenroth einer glücklichen Zukunft anbrach. Den Tiber hinab segelte ein kaiserliches Schiff, und «najestätisch glitt es dahin über den klaren Wafferspiegel, dem Meere zu, in die Ferne. Auf dem Verdeck standen vier Männer in ehrwürdiger Tracht. Noch einmal richteten sie ihre Blicke nach der schluinmernden Stadt, dann wandten sie die Augen zun« Himmel empor mit verklärte,«« Leuchten. Die Gesa««dten des hohen Rathcs kehrten heiin in ihr stilles, fernes Jabne. 0*$£vS> Sprechfaal. Sehr geehrter Herr Redakteur! n Nummer 6 Ihrer geschätzten Zeitung versucht Herr S. Goldschmidt in Hamburg nachzuweisen, daß im njQtt? Amsterdam 1667, durch den 7^7 p ppt&Ö ttflS nicht der Verfasser genannten Buches, sondern der Drucker sich den Hinweis auf die messianische Sendung des Sabbathai Zewi geleistet hat. Zur Begründung dieser Ansicht führt Herr Goldschmidt an, daß der in demselben Jahre und in derselben Offizin gedruckte 7p auf £££?£ pn gleichfalls den habe. Ich erlaube mir, hierauf zu entgegnen, daß nicht nur das Titelblatt des erstgenannten Buches, sondern auch die erste Vorrede des Verfassers Hinweisungen enthält, die denselben nach Ansicht Roseuthals von dem Verdachte des Sabbathianismus nicht zu reinigen vermögen. Der Schluß desselben enthält nämlich das doppelte Chronogramm DTWft und 71*7 p pptPlÄ* Beide haben den Zahlenwerth 424 (1664), in welchem Jahre der Verfasser sein Werk beendigt hatte. In der folgenden gereimten Vorrede mit dem Akrostichon 717 '2*0 ■'■fcn heißt es am Schluffe 11-7 p nTö dSu’S pSK P?!T Einen schlagenderen Beweis dafür, daß der auf dem Titel blatte vom Verfasser herrührt und nicht der Initiative des Druckers seinen Ursprung verdankt, kann es doch wohl nicht geben? Im Jahre 424 hat Verfasser sein Buch beendigt, 426 sollte das Erlösungsjahr sein, 427 erschien das Buch im Druck, und kann der Drucker sich höchstens den Zusatz z-2 geleistet haben, um durch denselben im Anschluß an das Chronogramm des Verfassers das Druckjahr 427 Herstellen zu können. Es scheint, daß auch Rosenthal diesen Umstand übersehen hat, sonst hätte er seinen Verdacht nicht auf das Titelblatt allein gestützt. Für Bibliographen dürfte auch folgende Notiz von Interesse sein : Am Schluß des pHm heißt es: Tp-tfl LNNL 102*13 NNL'1 T:n -nn^i rutJD «nrc «nnn» mr- Das ist 454 (i694). Wie kann im Jahre 427 (1667) schon von einer neuen Auflage vom Jahre 454 (1694) die Rede sein?*) Rees a. Rhein, 28. März. L. Cohen, Lehrer. ') Gleichzeitig bitte ich die geehrten Besitzer des tp7n HfiöE OTlI? von Dr. Max Simon und L. Cohen (Berlin 1897, Poppelauers Verlag) folgende zwei Druckfehler gütigst verbessern zu wollen: Liste 4, Haupteol. 4 unten: St. „5219" lies „1819". Tab. XVI, Kalender 132: St. „4 7# 29 Mr." lies „4 7^ 1 Mr." Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.